Sie fehlen den Bayern an allen Ecken und Enden: Die Superhelden Ribéry und Robben.
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Halbierte Torquote und keine Dribblings – wie die Ausfälle von Robben, Ribéry und Alaba das Bayern-Spiel beeinflussen
Bayern München steht vor einer Herkules-Aufgabe: Im CL-Halbfinal-Rückspiel muss das Team von Pep Guardiola einen 0:3-Rückstand wettmachen. Warum das alles andere als einfach wird, zeigt ein Blick in die Statistiken.
Nach der 0:3-Schlappe im Hinspiel braucht Bayern München gegen Barcelona ein Fussball-Wunder, um doch noch in den Final von Berlin einzuziehen. Doch vor dem Halbfinal-Rückspiel spricht so gut wie nichts für die ersatzgeschwächten und formschwachen Bayern. Schon gar nicht die Statistik.
In über 20 Jahren Champions League gelang es erst einem Verein, einen Drei-Tore-Rückstand im Rückspiel aufzuholen. Deportivo La Coruna wendete am 7. April 2004 im Viertelfinal nach einem 1:4 bei der AC Milan mit einer unglaublichen Willensleistung und einem 4:0-Heimsieg das Blatt noch.
Die grössten Champions-League-Aufholjagden seit 1993
Vier-Tore-Rückstand aufgeholt: Barcelona schafft in der Saison 2016/17 im Achtelfinal gegen den PSG das Wunder. Nach einem 0:4 in Paris siegt die «Blaugrana» zuhause dank drei Toren in den letzten sieben Minuten tatsächlich 6:1. EPA/EFE / QUIQUE GARCIA
Drei-Tore-Rückstand aufgeholt: Der FC Liverpool verliert in der Saison 2018/19 das Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona etwas unglücklich mit 3:0, schlägt zuhause aber eiskalt zurück und gewinnt 4:0. EPA/EPA / PETER POWELL
Einen Tag nach Liverpool zieht 2018/19 Tottenham in den Final ein. Nach eineinhalb Spielen liegt Ajax im Gesamtskore 3:0 voraus. Doch Lucas Moura wendet den Spielstand von 0:2 mit drei Treffern für die Spurs, das 3:2 fällt in der 96. Minute! EPA/ANP / OLAF KRAAK
Milan führt im Finale der Champions League 2005 gegen den FC Liverpool zur Halbzeit mit 3:0. Doch die «Reds» schiessen in der zweiten Halbzeit in sechs MInuten drei Tore und gewinnen die Partie am Ende nach Penaltyschiessen. keystone / Thomas Kienzle
Die AS Roma gewinnt in der Saison 2017/18 das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona nach einer 1:4-Niederlage im Hinspiel mit 3:0. EPA/ANSA / ETTORE FERRARI
Deportivo La Coruna gewinnt in der Saison 2003/04 das Viertelfinal-Rückspiel gegen die AC Milan nach einer 1:4-Niederlage im Hinspiel mit 4:0.
Der FC Kopenhagen gewinnt in der Saison 1993/94 das Rückspiel in der 1. Runde gegen den Linfield FC nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel mit 4:0 nach Verlängerung.
Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt: Bayern München gewinnt in der Saison 2014/15 das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 6:1. EPA DPA / PETER KNEFFEL
Der FC Chelsea gewinnt in der Saison 2013/14 das Viertelfinal-Rückspiel gegen Paris St-Germain nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 2:0. Getty Images Europe / Julian Finney
Manchester United gewinnt in der Saison 2013/14 das Achtelfinal-Rückspiel gegen Olympiakos Piräus nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel mit 3:0. AP PA / PETER BYRNE
Der FC Barcelona gewinnt in der Saison 2012/13 das Achtelfinal-Rückspiel gegen die AC Milan nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel mit 4:0. EPA / ALBERTO ESTEVEZ
Der FC Chelsea gewinnt in der Saison 2011/12 das Achtelfinal-Rückspiel gegen die SSC Napoli nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 4:1 nach Verlängerung.
Die AS Monaco gewinnt in der Saison 2003/04 das Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid nach einer 2:4-Niederlage im Hinspiel mit 3:1. AP / PATRICK GARDIN
Der FC Barcelona gewinnt in der Saison 1999/2000 das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 5:1 nach Verlängerung.
Der FC Barcelona gewinnt in der Saison 1993/94 das Rückspiel in der 1. Runde gegen Dynamo Kiew nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 4:1.
Austria Wien gewinnt in der Saison 1993/94 das Rückspiel in der 1. Runde gegen Rosenborg Trondheim nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 4:1.
Aufholjagden mit Schweizer Beteiligung: Galatasaray Istanbul gewinnt in der Saison 1988/89 das Achtelfinal-Rückspiel gegen Neuchâtel Xamax nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel mit 5:0. KEYSTONE / STR
Die Grasshoppers gewinnen in der Saison 1978/79 das Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel mit 2:0.
Nicht gerade zuversichtlich stimmt auch die komplette Europacup-Bilanz: Seit Einführung der Auswärtstorregel sind nur gerade 25 von 434 Mannschaften nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel noch weitergekommen.
Den Bayern ist es zweimal gelungen, nach einer Niederlage mit zwei oder mehr Toren aus einem Hinspiel noch eine Runde weiterzukommen. 1988 gewann der deutsche Rekordmeister im Achtelfinal des UEFA-Cups gegen Inter Mailand nach einem 0:2 zuhause noch ein 3:1 im San Siro. Noch in bester Erinnerung ist das 6:1 im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto, nachdem man das Hinspiel 1:3 verloren hatte.
Vor diesem denkwürdigen Sieg gegen die Portugiesen war es dem FC Bayern immerhin neunmal gelungen, nach einer Auswärtsniederlage im Hinspiel noch die nächste Runde zu erreichen. Allerdings fiel keine dieser Niederlagen im Hinspiel höher aus als mit einem Tor Unterschied.
Beängstigende Torflaute
Was also tun heute Abend in der Allianz Arena? Nicht etwa auf Teufel komm raus angreifen, sondern kontrollierte Offensive lautet Guardiolas Devise. «Wir müssen gut verteidigen, das ist das Erste», sagte der Bayern-Coach. «Messi, Neymar und Suarez sind sehr stark. Wenn du einen Fehler machst, bestrafen sie dich sofort.» Bei einem Gegentor müssten die Bayern bereits fünfmal treffen.
Hat Guardiola einen geeigneten Schlachtplan fürs Rückspiel gegen Barça? Zuversicht sieht anders aus.
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Doch genau damit haben Guardiolas Mannen ein Problem. Viermal haben die Bayern jetzt hintereinander verloren – das passierte ihnen zuletzt 1991 – und dabei in 390 Minuten nur gerade ein Törchen geschossen. Der Grund für die Torflaute ist schnell gefunden: Seit Arjen Robben, Franck Ribéry und David Alaba verletzt sind, hat sich die Torquote halbiert. 2,8 Tore schossen die Bayern mit «Robbéry» und Alaba pro Spiel, ohne nur noch 1,4.
Verändert hat sich auch die Spielweise: Mit Robben, Ribéry und Alaba liefen zwar viele Bayern-Angriffe über die Aussenbahnen, aber nicht nur. Die Aussenverteidiger zogen oft zur Mitte, schafften im Mittelfeld so ein Übergewicht und verhinderten bei einem Ballverlust gegnerische Konter. In den letzten Spielen lief über die Aussenpositionen dagegen kaum noch was, fast immer eröffnete Xabi Alonso aus der Mitte heraus die Angriffe, die so ziemlich berechenbar sind.
Schmerzlich vermisst: Die Dribblings der Aussenläufer.
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Mehr Ballbesitz, aber keine Überraschungsmomente
Auch dafür ist der Grund schnell gefunden. Die Bayern schlagen zwar mehr Pässe und haben mehr Ballbesitz als ihre Gegner, doch es fehlen die Überraschungsmomente. Im Hinspiel gegen Barcelona verzeichneten die Deutschen nur drei erfolgreiche Dribblings – alle drei gingen auf das Konto von Aussenverteidiger Juan Bernat. Wie wenig das ist, zeigt der Vergleich mit Barça: 28 Mal tanzten Messi, Neymar und Co. die Bayern aus.
Mit Mario Götze hätten die Bayern eigentlich einen starken Dribbler in ihren Reihen, doch der WM-Final-Torschütze bleibt derzeit vieles schuldig.
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Trotz allem: Die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht an ihre Chance glauben würden. «Wir gewinnen das Rückspiel mit 4:0», sagt der verletzte Alaba. Und Mut geben sicherlich auch die Rückspiele der diesjährigen K.o.-Phase gegen Schachtjor Donezk (7:0) und Porto (6:1). Nur heisst der Gegner diesmal FC Barcelona und der hat mit Messi, Neymar und Suarez den torgefährlichsten Sturm (112 Tore) in seinen Reihen.
Die Mehrfach-Torschützen in der Champions League
5 Tore: Lionel Messi (FC Barcelona) beim 7:1 gegen Bayer Leverkusen am 7. März 2012. AP / Felice Calabro'
5 Tore: Luiz Adriano (Schachtjor Donezk) beim 7:0 gegen Bate Borissow am 21. Oktober 2014. AP / SERGEI GRITS
4 Tore: Sébastian Haller (Ajax Amsterdam) beim 5:1 bei Sporting Lissabon am 15. September 2021. keystone / Armando Franca
4 Tore: Olivier Giroud (Chelsea) beim 4:0 beim FC Sevilla am 3. Dezember 2020. keystone / Julio Munoz
4 Tore: Josip Ilicic (Atalanta Bergamo) beim 4:3 beim FC Valencia am 10. März 2020. EPA / UEFA / HO
4 Tore: Robert Lewandowski (Bayern München) beim 6:0 bei Roter Stern Belgrad am 26. November 2019. EPA / ANDREJ CUKIC
4 Tore: Serge Gnabry (FC Bayern) beim 7:2 gegen Tottenham am 1. Oktober 2019. AP / Matt Dunham
4 Tore: Zlatan Ibrahimovic (Paris St-Germain) beim 5:0-Sieg bei RSC Anderlecht am 23. Oktober 2013. EPA / THIERRY ROGE
4 Tore: Robert Lewandowski (Borussia Dortmund) beim 4:1 gegen Real Madrid am 24. April 2013. EPA / FEDERICO GAMBARINI
4 Tore: Mario Gomez (Bayern München) beim 7:0 gegen den FC Basel am 13. März 2012. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
4 Tore: Bafetimbi Gomis (Olympique Lyon) beim 7:1 bei Dinamo Zagreb am 7. Dezember 2011. AP / Claude Paris
4 Tore: Lionel Messi (FC Barcelona) beim 4:1 gegen Arsenal am 6. April 2010. AP / Siu Wu
4 Tore: Andrej Schewtschenko (AC Milan) beim 4:0 bei Fenerbahce Istanbul am 23. November 2005. AP
4 Tore: Ruud van Nistelrooy (Manchester United) beim 4:1 gegen Sparta Prag am 3. November 2004. AP CTK / MICHAL KAMARYT
4 Tore: Dado Prso (AS Monaco) beim 8:3 gegen Deportivo La Coruna am 5. November 2003. EPA / HOSLET OLIVIER
4 Tore: Simone Inzaghi (Lazio Rom) beim 5:1 gegen Olympique Marseille am 14. März 2000. EPA ANSA / MONTEFORTE
4 Tore: Marco van Basten (AC Milan) beim 4:0 gegen IFK Göteborg am 25. November 1992.
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