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Nur fünf Prozent des Universums sind bekannt

Im Universum existiert eine grosse Menge unerkannter, deshalb auch «dunkel» genannter Materie.

Publiziert: 09.10.19, 05:42
Rolf App / ch media

Diese Darstellung zeigt im Hintergrund die Sonne 51 Pegasi, bei welcher die Forscher den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems entdeckt haben. Das Gebirge im Vordergrund gehört zu einem Mond. Bild: keystone

Zufälle pflastern den Weg manches Wissenschafters. Das ist beim Genfer Astronomen Michel Mayor nicht anders. In den Anfängen seiner wissenschaftlichen Laufbahn gibt es vieles, was ihn interessiert: die Gehirnforschung zum Beispiel, die Ozeanografie oder die Biologie.

Dann aber entscheidet er sich doch für die Physik. Und entdeckt nach dem Abschluss seines Studiums eine Anzeige der Sternwarte Genf. «Sie suchten einen Assistenten», beschreibt Mayor seinen Einstieg in die Astronomie. Und ein weiterer Zufall führt ihn in jenes Gebiet, das dem heute 77-Jährigen zusammen mit seinem damaligen Assistenten, dem mittlerweile 53-jährigen Didier Queloz, gestern die eine Hälfte des Nobelpreises für Physik beschert hat.

Denn ursprünglich waren die beiden interessiert an einer Klasse von Objekten, die in der Astronomie «Braune Zwerge» genannt werden. Braune Zwerge sind schwerer als Planeten, sie zerren stärker als diese am Stern, den sie umkreisen.

Die beiden Nobelpreis-Gewinner Didier Queloz und Michel Mayor. Bild: KEYSTONE

Dann zeigte sich, dass das 1993 gemeinsam entwickelte Messgerät Elodie viel präziser arbeitete, als eigentlich vorgesehen war. «Statt der verlangten Genauigkeit von dreissig Metern pro Sekunde konnte Elodie aus dem Licht eines Sterns dessen Geschwindigkeit auf dreizehn Meter pro Sekunde genau lesen», beschreibt Reto U. Schneider in seinem Buch «Planetenjäger» den unerwarteten Fortschritt – und seine Konsequenzen: «Damit waren Mayor und Queloz unversehens in die Kategorie der Planetenjäger aufgestiegen, denn dreizehn Meter pro Sekunde ist die Geschwindigkeit, zu der Jupiter unsere Sonne zwingt, indem er mit seiner Masse an ihr zerrt.»

Sie wollten finden, was im Weltall unsichtbar ist: Planeten

Mehrere Forschergruppen in den USA und in Kanada hatten in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts begonnen, den Himmel mit extrem genauen Messgeräten zu durchforsten, und so zu finden, was nicht zu sehen war. Denn Planeten leuchten nicht, deshalb kann man sie aus der Ferne nur erkennen, wenn man jene feinen Bewegungen messen und deuten kann, die sie dem Stern in ihrer Mitte abverlangen.

Ob um andere Sterne auch Planeten kreisen, das war deshalb lange durchaus umstritten. Bis etwa 1940 herrschte die Theorie vor, dass unser Sonnensystem aus einem seltenen Zusammenstoss zweier Sterne hervorgegangen und deshalb in gewissem Sinn einzigartig sei. Skeptische Stimmen hatte es schon immer gegeben. «Es gibt unzählige Welten, sowohl solche wie unsere als auch andere», hatte im 3. Jahrhundert vor Christus der Grieche Epikur geschrieben.

Die moderne Physik gibt ihnen recht. Denn mithilfe von Elodie gelang es Mayor und Queloz im Jahr 1995, den Planeten 51 Pegasi b aufzuspüren, einen Gasball etwa in der Grösse unseres Jupiters.

Ein Anfang war gemacht – jener Anfang, dem gestern das Nobelkomitee mit der einen Hälfte des Nobelpreises Anerkennung gezollt hat. Immer ausgefeiltere Technik, zu der auch weitere von Mayor und Queloz entwickelte Spektrografen gehören, hat dazu geführt, dass seither in der Milchstrasse über 4000 solcher Exoplaneten gefunden worden sind – einige davon so weit entfernt von ihrem Stern, dass Leben auf ihnen möglich wäre. Ob es dieses Leben aber gibt, und wie es beschaffen ist, das bleibt eine grosse Frage.

James Peebles und das Echo des Urknalls

Auch der Amerikaner James Peebles von der Princeton University, der die andere Hälfte des Physik-Nobelpreises bekommt, hat es mit vielen offenen Fragen zu tun. Der heute 84-Jährige ist theoretischer Physiker, und er wird geehrt für jene Beiträge, die er zum Verständnis des grossen Ganzen geleistet hat. Er habe das Fundament dazu gelegt, dass sich unsere Vorstellung vom Kosmos «von der Spekulation zur Wissenschaft» entwickelt habe, erklärt das Nobelkomitee.

Peebles hat zum Beispiel in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts vorhergesagt, dass als Fernwirkung des sogenannten Urknalls vor rund 14 Milliarden Jahren eine ganz schwache Hintergrundstrahlung übrig sein muss – die dann wenige Jahre später auch tatsächlich gemessen werden konnte.

Schon früh hat er sich mit Galaxienbildung beschäftigt, und dabei jene Auffassung bestätigt gefunden, dass es im Universum eine grosse Menge unerkannter, deshalb auch «dunkel» genannter Materie gibt. Heute weiss man: Nur fünf Prozent dieses Universums sind uns bekannt, es sind jene Sterne und Planeten, die wir erkennen können. Der Rest, das ist eine Form von Materie, die mit herkömmlicher Materie nicht in Wechselwirkung tritt, und «dunkle Energie», die ebenso rätselhaft bleibt. Diese Phänomene aufzuklären, das wird die Aufgabe kommender Generationen von Physikern sein.(aargauerzeitung.ch)

Die besten Bilder vom Mars. Eine Raumfahrt-Geschichte

Die Entwicklung von den anfänglichen Pixelwolken zu scharfgestochenen Roboter-Selfies vom Mars ist spektakulär. Im Bild: Der Crips-Krater, aufgenommen von einer Sonde der NASA am 3. Juni 2015.
Das ist die erste Nahaufnahme eines anderen Planeten laut NASA. Das Foto wurde am 15. Juli 1965 veröffentlicht. Aufgenommen hat das Foto die «Mariner-4»-Raumsonde. nasa
Eines der klarsten Fotos der «Mariner-4»-Raumsonde. nasa
Bearbeitetes Bild von «Viking 1». Ein Farbfoto mit niedriger Qualität wurde mit einer hochaufgelösten Schwarzweiss-Fotografie kombiniert. Mitte der 70er Jahre startete die NASA mit den «Viking»-Raumsonden ein neues Projekt. Diese lieferten die ersten Farbaufnahmen des Roten Planeten. «Viking 1» landete am 20. Juli 1976 auf dem Mars. «Viking 2» folgte am 4. September. nasa
2013 setzte die NASA mehrere tausend Bilder von der umkreisenden Sonde zusammen. Das Ergebnis zeigt den Mars, wie man ihn aus etwa 2000 Kilometern Entfernung sehen würde. nasa
Die einzigen Marsmissionen in den 80ern waren die beiden «Phobos»-Sonden der Sowjetunion. Beide waren nicht erfolgreich, lieferten jedoch ein paar Bilder, bevor der Kontakt zu ihnen am 27. März 1989 verloren ging.
1997: Mars-Rover «Sojourner», aufgenommen von «Pathfinder». nasa
Mars-Rover «Sojourner» begibt sich auf Reisen. Die Mars-Sonde «Pathfinder» brach mit dem Rover «Sojourner» an Bord am 4. Dezember 1996 zum Mars auf. Die Landung erfolgte gut ein halbes Jahr später am 4. Juli 1997. «Sojourner» war der erste Rover auf dem Mars. Sein Zweck waren Bodenanalysen des Mars. Der Rover hörte im September des gleichen Jahres auf zu senden. Man geht davon aus, dass die Batterien einfroren. nasa
Im Bild sieht man einen Doppelkrater. Wenn sich ein Meteorit kurz vor dem Aufprall aufteilt, entstehen solche typischen Doppelkrater.
Das Bild zeigt den eisbedeckten Nordpol des Mars. Aufgenommen wurde es vom «Mars Global Surveyor» im Jahr 2014. 
Ein Staubteufel auf dem Mars, aufgenommen von «Opportunity». «Opportunity» landete am 25. Januar 2004 auf dem Mars. Ihr Hauptzweck ist die geologische Erforschung des Mars. Seit einem Staubsturm Anfangs 2018 ist das Signal des Rovers verloren.
Vor ziemlich genau sieben Jahren machte sich die Sonde «Curiosity» auf den Weg zum Mars. Der Rover landete am 6. August 2012. Nasa
Er hat die Grösse eines Kleinwagens und ist mit 900 Kilogramm das schwerste von Menschenhand geschaffene Objekt auf dem Mars. Ausserdem hat «Curiosity» eine nukleare Energieversorgung. Ausgestattet ist er mit zwölf Instrumenten, unter anderem zur Messung von Strahlung und zum Sammeln von Wetterdaten.
Hat jemand Tatooine gesagt? Aufnahme von «Curiosity».
2018: Die jüngste Mission ist nun «InSight». Der NASA-Roboter ist am Montag auf dem Mars gelandet. Nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise setzte er in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators auf dem Roten Planeten auf. nasa

Theoretisch bewohnbarer Planet entdeckt

Video: SRF / Roberto Krone

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