Die Flyers stecken in der Krise. Mit Nichtstun wäre alles anders gekommen. Bild: KEYSTONE
Alternative Geschichtsschreibung ist reizvoll und lehrreich. Sie hilft uns beispielsweise die Krise der Kloten Flyers besser zu verstehen.
Nach dem Krieg ist jeder Soldat ein Feldherr und jeder Chronist ein Erfolgstrainer. Hinterher wissen alle alles besser. Kritik ist mit Blick in den Rückspiegel immer ein wenig billig und wir sollten immer daran denken, dass Eishockey ein unberechenbares Spiel ist, das auf einer rutschigen Unterlage ausgetragen wird. Aber wir können bei der Krisen-Analyse einen fairen wissenschaftlichen Weg wählen. Die alternative Geschichtsschreibung fragt, was gewesen wäre, wenn. Wie wäre beispielsweise die Geschichte verlaufen, wenn ...
Alternative Geschichtsschreibung ist auch auf das Schweizer Eishockey anwendbar, reizvoll und lehrreich. Beispielsweise im Falle der Kloten Flyers.
Philippe Gaydoul (links, bei der Präsentation von Trainer Sean Simpson) hat zu viel verändert. Bild: KEYSTONE
Wie wäre beispielsweise diese Saison verlaufen, wenn der neue Präsident und Besitzer Philippe Gaydoul nach der Übernahme im Sommer 2012 die intakte sportliche Abteilung der Flyers nicht verändert hätte? Wenn er alles gelassen hätte, wie es war? Wenn er also sozusagen nichts getan hätte?
Dann wäre in der Tat jetzt vieles anders.
Tja, das alles wäre wohl so gekommen, wenn man in Kloten im Sommer 2012 in der sportlichen Abteilung nichts verändert, wenn man buchstäblich nichts getan hätte. Die alternative Geschichtsschreibung öffnet uns also die Augen und wir erkennen: Philippe Gaydoul hatte eigentlich eine einfachere Ausgangslage als beispielsweise seinerzeit Walter Frey bei der Kreation der ZSC Lions oder Marc Lüthi 1998 nach der Nachlassstundung beim SC Bern. Oft wird vergessen, dass Jürg Bircher in Kloten ein sportlich bestens funktionierendes Eishockey-Unternehmen aufgebaut hatte. Sein Pech war es, dass ihm das Geld ausging und so konnte er das alljährlich anfallende Defizit nicht mehr ausgleichen.
Aber auch das ist eine Erkenntnis aus der alternativen Geschichtsschreibung: Wahrscheinlich hat es in der neueren Geschichte unseres Hockeys nicht oft eine Krise gegeben, die so hausgemacht und selbstverschuldet ist wie jene der Kloten Flyers in der Saison 2014/15. Ach, es wäre alles so einfach gewesen. Oder?