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Dario Cologna jubelt über den ersten grossen Sieg in seiner noch jungen Karriere. Bild: KEYSTONE

Der Stern von Dario Cologna geht auf – und im Stazerwald landen Hunderte auf dem Hintern

11. März 2007: Mit Dario Cologna rechnet am Engadin Skimarathon niemand – ausser dem damals 21-Jährigen selber. Er ist der jüngste Sieger in der Geschichte und der erste Rätoromane.

Publiziert: 11.03.20, 00:01 Aktualisiert: 11.03.20, 08:32

Vom Engadin Skimarathon wollen alle, die mit Langlauf wenig bis gar nichts am Hut haben, bloss eines sehen: Bilder vom Stazerwald. Die Abfahrt auf den 42 Kilometern zwischen Maloja und Schanf ist für die Profis in der Regel kein Hindernis – für weniger geübte Langläufer hingegen wird sie oft zur Falle:

Eindrücke aus dem Stazerwald aus dem Jahr 2012. Video: YouTube/Eurocycler

Cologna im Endspurt unwiderstehlich

Im Jahr 2007 läuft Dario Cologna an seinem 21. Geburtstag während des ganzen Rennens an der Spitze mit. Führungsarbeit übernimmt er aber nicht. So lautet der Plan des Schweizer Teams und daran hält sich das grosse Talent. Cologna merkt, dass er immer noch über gute Beine verfügt und sucht im Finish den Windschatten des erfahrenen Italieners Pietro Piller Cottrer. «Ich wusste, dass er im Sprint nicht der Schnellste ist», sagt er nach dem Rennen, «wenn wir das Stadion gemeinsam erreichen, werde ich siegen.»

Das Duo kommt aber nicht weg, wird wieder eingeholt. Auf dem letzten Kilometer ist es nun Cologna, der attackiert. Im Endspurt ist er nicht zu schlagen. Er gewinnt den 39. Engadin Skimarathon vor zwei weiteren Schweizern, Toni Livers und Christian Stebler, was den «Blick» zur Schlagzeile «Schweizer Festspiele im Engadin» inspiriert. Denn auch bei den Frauen bleibt der Siegercheck im Land, bei Laurence Rochat.

Prominente Ehrendame: Die Frauensiegerin Laurence Rochat gratuliert Dario Cologna zu seinem Sieg. Bild: Keystone

Sieg praktisch vor der Haustür

Dario Cologna, Gewinner einer Bronzemedaille an Junioren-Weltmeisterschaften, wird zum ersten Mal von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Auch für ihn ist es ein prägender Moment. «Vor so vielen Journalisten bin ich noch nie gesessen», sagt er an der Medienkonferenz.

Als erster Sieger des Engadin Skimarathons gibt der Münstertaler auch in Romanisch Auskunft. «Dieses Rennen zu gewinnen ist etwas vom Grössten, vor allem für einen aus dem nahen Val Müstair», freut sich Cologna.

Am 11. März 2007 weiss er nicht, was er in seiner Karriere noch alles schaffen wird. Aber vielleicht ahnt und bestimmt hofft er es: Dass er eines Tages Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger wird. Dario Cologna wird all diese Ziele erreichen.

Der Drittplatzierte Christian Stebler (links) und der Zweitplatzierte Toni Livers lassen den Sieger hochleben. Bild: Keystone

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die Karriere von Dario Cologna

2007: Dario Cologna gelingt der Durchbruch bei den «Grossen» an seinem 21. Geburtstag. Der Junioren-Weltmeister gewinnt den Engadin Skimarathon vor Toni Livers und Christian Stebler (von rechts). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
2009: Jubel auf der Alpe Cermis, als Dario Cologna erstmals die Tour de Ski gewinnt. AP / ALESSANDRO TROVATI
2009: Die Münstertaler feiern ihren Star für den erstmaligen Gewinn des Gesamtweltcups. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
2009: Dario Cologna wird als «Newcomer des Jahres» ausgezeichnet. PHOTOPRESS / ALEXANDRA WEY
2010: Aus der Traum von einer Medaille im Fünfziger – Cologna stürzt in der letzten Kurve. AP / ELAINE THOMPSON
2010: Als erster Schweizer Langläufer wird Dario Cologna in Vancouver Olympiasieger. Er triumphiert über 15 km Freistil. EPA / BONNY MAKAREWICZ
2011: Die WM am legendären Holmenkollen werden für Dario Cologna zu einer medaillenlosen Enttäuschung. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2012: Dario Cologna gewinnt zum dritten Mal den Gesamtweltcup. AP SCANPIX SWEDEN / ANDERS WIKLUND / SCANPIX
2012: Das TV-Publikum wählt Dario Cologna zum «Schweizer des Jahres». Geehrt wird er auf der Älggialp, dem geografischen Mittelpunkt der Schweiz. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
2013: Bundespräsident und Hobby-Langläufer Ueli Maurer überreicht Cologna die Trophäe für den Schweizer Sportler des Jahres. KEYSTONE / WALTER BIERI
2013: Im Fünfziger muss Cologna dem Schweden Johan Olsson den Vortritt lassen. Der Bündner gewinnt Silber. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2013: In Val di Fiemme wird Dario Cologna erstmals Weltmeister, er gewinnt im Skiathlon. AP / Giovanni Auletta
2014: Über 15 km klassisch doppelt er nach. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
2014: Rechtzeitig vor den Spielen in Sotschi wird Dario Cologna fit, er gewinnt Gold im Skiathlon. AP / GREGORIO BORGIA
2014: Der Saisonstart verzögert sich nach einer Fussverletzung, Olympia gerät in Gefahr. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
2015: An der WM in Falun gewinnt Dario Cologna (ganz rechts) hinter dem Russen Maxim Wylegschanin die Silbermedaille im Skiathlon. AP / MATTHIAS SCHRADER
2016: Nicht Colognas Jahr. Die Tour de Ski muss er verletzungsbedingt vorzeitig beenden, worauf er seine Saison beendet und bei Langstreckenrennen teilnimmt (5. Rang Wasalauf). Immerhin wird er im Juli nachträglich Gesamtweltcupsieger, nachdem Gesamtweltcupsieger Martin Johnsrud Sundby der Gesamtsieg beo der Tour de Ski 2015 aberkannt wurde. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
2017: Bei der Tour de Ski wird Cologna mit sechs Top-10-Platzierungen – darunter Platz 3 im Skiathlon in Oberstdorf –Gesamtdritter. EPA/KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
2017: An der WM in Lahti geht Cologna leer aus. Der Münstertaler kann sich aufgrund von Wadenmuskelproblemen im Vorfeld nicht optimal vorbereiten und lässt die Rennen mit klassischer Disziplin aus. Im abschliessenden 50-km-Lauf wird er Siebter. EPA/KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2018: Cologna gewinnt bei der Tour de Ski gleich zwei der drei Rennen in Lenzerheide und meldet sich mit seinen ersten Weltcupsiegen seit fast drei Jahren eindrücklich zurück. EPA/KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
2018: Nach den Erfolgen in Lenzerheide nutzt Cologna die Ausgangslage und holt sich den insgesamt vierten Titel der Tour de Ski. Cologna ist mit den Erfolgen 2009, 2011, 2012 und 2018 Rekordsieger des prestigeträchtigen Wettbewerbs. EPA/ANSA / ANDREA SOLERO
2018: Definitiv unsterblich macht sich Cologna in Pyeongchang. Er schafft den Olympiasieg-Hattrick über 15km und wird zusammen mit Simon Ammann zum erfolgreichsten Schweizer Olympiateilnehmer mit jetzt ebenfalls vier goldenen Auszeichnungen. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
2019: Nach einer unglücklichen Saison gewinnt Cologna im März zum vierten Mal in seiner Karriere den Engadin Ski-Marathon. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Der Empfang für Cologna, Feuz und Holdener

Video: SRF / SDA SRF

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