Es ist bestätigt: Femke van den Driessche hatte an der Quer-WM ein Motörli am Velo.
Bild: sporza
Motörli am Velo von UCI bestätigt – überführte Fahrerin wehrt sich: «Alles ein grosser Irrtum»
Der handfeste Skandal an der Radquer-WM im belgischen Heusden-Zolder ist Tatsache: Brian Cookson, der Präsident des Radsport-Weltverbands (UCI), bestätigt den Verdacht der Verwendung eines Hilfsmotors.
«Es ist kein Geheimnis, dass ein Motor gefunden worden ist. Wir glauben, dass es tatsächlich technologisches Doping war», sagte Cookson anlässlich einer Pressekonferenz an der WM. «Es betrifft keine Fahrerin auf dem Podium. Weitere Einzelheiten werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.»
Das Velo von van den Driessche: Wo ist der Motor versteckt?
Bild: Tim De Waele/freshfocus
UCI-Sportdirektor Jos Smets liess die Katze wenig später dann aus dem Sack: «Wir können bestätigen, dass es sich um das Rad von Femke van den Driessche handelt.» Nach dem WM-Rennen der U23-Frauen wurde das Arbeitsgerät der Belgierin beschlagnahmt. Der belgische Nationaltrainer Rudy de Bie zeigte sich «angewidert» von dem Vorfall: «Wir dachten, Femke sei ein grossartiges Talent. Aber es sieht so aus, als hätte sie uns alle reingelegt.» Ihr Vater bestritt aber vehement, dass seine Tochter ein «Motörli» am Velo gehabt hatte.
Auch der Teenager wies die Anschuldigungen in einem Interview mit dem belgischen TV-Sender Sporza umgehend zurück. Das Fahrrad sei das eines Freundes und Trainingspartners gewesen, das sie diesem in der Vorsaison verkauft hätte. «Es ist das gleiche, das ich fahre. Ein Mechaniker muss es verwechselt und für mich verstaut haben», sagte van den Driessche: «Es war alles ein grosser Irrtum, ich bin sehr geschockt.» Sie fürchte das Ende ihrer Karriere, hoffe aber auf eine zweite Chance.
Die belgische Quer-Fahrerin van den Driessche bricht im TV-Interview in Tränen aus.
bild: screenshot sporza.be
Der nicht ins Ziel gekommenen Mitfavoritin droht nun eine Sperre von mindestens sechs Monaten und eine Busse in der Höhe zwischen 20'000 und 200'000 Euro.
Cancellara 2010 verdächtigt
Die UCI hatte erst Anfang des Vorjahres ihren Strafkatalog um den Punkt «technologischer Betrug» erweitert. Fahrer werden mit sofortiger Disqualifikation, einer anschliessenden Sperre von mindestens sechs Monaten und Strafzahlungen belegt. Auch deren Teams würden sofort disqualifiziert und dürften mindestens sechs Monate nicht an Rennen teilnehmen. Die Geldstrafen bewegen sich zwischen 100'000 und einer Million Franken.
Den Verdacht, dass im Radsport auch Hilfsmotoren zum Einsatz kommen, gibt es schon seit längerem. Bereits 2010 war Fabian Cancellara vorgeworfen worden, elektrische Antriebe zu benutzen. Dies konnte aber nicht belegt werden. Zur Entdeckung des Hilfsmotors bei der Cross-WM soll nun ein neues Testverfahren eingeführt worden sein.
Auch bei der letztjährigen Tour de France wurde nach motorisierten Hilfsmitteln gesucht, jedoch nichts gefunden. «Wir werden auch während der aktuellen Saison ähnliche Kontrollen durchführen. Es kann sich niemand mehr verstecken. Früher oder später werden sie für den Schaden bezahlen, den sie dem Sport zufügen», verspricht Cookson. (pre/sda/apa)
Die gedopten Tour-de-France-Sieger
Der Spanier Pedro Delgado triumphierte 1988 bei der Tour de France. Ihm wurde das Verschleierungsmittel Probenicid nachgewiesen. Eine Sanktion gab es aber nicht. Die Substanz stand zwar auf der schwarzen Liste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), aber noch nicht auf der des Weltverbandes UCI.
Auch zwischen 1991 und 1995 dominierte ein Spanier die Tour de France. Miguel Indurain gewann die Tour gleich fünfmal in Folge – nicht ohne einen Makel. Bei der Tour de L'Oise wurde dem Banesto-Fahrer das Mittel Salbutamol nachgewiesen, eine Sperre verhinderte er mit der Hilfe eines Attests.
Bjarne Riis, Gewinner 1996, legte im Zuge des Telekom-Skandals ein umfassendes Doping-Geständnis ab. Der Däne dopte während seiner Karriere mit Epo, Cortison und Wachstumssubstanzen. Sein Titel konnte ihm aber nicht aberkannt werden, da Doping beim UCI nach acht Jahren verjährt. Riis ist heute sportlicher Leiter der Radsportmannschaft Saxo Bank. AP / PETER DEJONG
Jan Ullrich war seit 1995 Teamkollege von Riis, 1997 siegte der ehemalige Telekom-Profi bei der Grande Boucle. Auch Ullrich ist ein nachgewiesener, wenn auch nicht geständiger Dopingsünder. 2002 sass er bereits eine sechsmonatige Sperre wegen eines Amphetaminmissbrauchs ab. 2012 wurde er zwei Jahre für die Verstrickung in den sogenannten Fuentes-Skandal gesperrt. Eine positive Dopingprobe bei der Tour 1998 stellte man erst 2004 in der Nachanalyse fest. LAURENT REBOURS
Das gleiche Schicksal ereilte den Toursieger von 1998, Marco Pantani. Dem Italiener wurde die Benutzung von Epo bei der Tour 1998 nachgewiesen. 1999 wurde er beim Giro d'Italia wegen eines erhöhten Hämatokritwertes disqualifiziert. Als bei einer Razzia eine Insulinspritze bei dem Radprofi gefunden wurde, sperrte man ihn für sechs Monate. Pantani starb 2004 an einer Überdosis Kokain, die genauen Todesumstände sind aber weiter ungeklärt. AP / ALESSANDRO TROVATI
Lance Armstrong gewann die Tour zwischen 1999 und 2005 gleich sieben Mal in Folge. Bei allen Titeln war er nachweislich gedopt, sodass mittlerweile alle Erfolge wieder aberkannt worden sind. Er ist zudem wegen langjährigen Dopings zu einer lebenslangen Sperre verurteilt worden. Ein neuer Sieger während der Hochphase des Epo-Dopings bei der Tour wurde nicht ernannt. AFP / FRANCK FIFE
Floyd Landis war ein ehemaliger Teamkollege und einer der wichtigsten Helfer Armstrongs beim US-Postal-Team. Er siegte 2006 – ebenfalls mit unlauteren Mitteln. Der Amerikaner nahm nachweislich Testosteron ein. Die Folge: zweijährige Sperre und Aberkennung des Tour-Titels. AP / ALESSANDRO TROVATI
Alberto Contador gewann die Tour bislang dreimal in seiner Karriere: 2007, 2009 und 2010. Er stand aber auch unter Verdacht, Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes zu sein. Eine zweijährige Sperre musste der Spanier absitzen, weil ihm die Benutzung von Clenbuterol nachgewiesen worden ist. Das kostete ihn auch den Titel 2010, der an den Zweitplatzierten Andy Schleck aus Luxemburg ging. EPA / GUILLAUME HORCAJUELO
Cadel Evans heisst der Sieger der Tour de France von 2011. Der Australier ist zwar noch nicht damit aufgefallen, Doping benutzt zu haben. Zwischen 2003/2004 fuhr er allerdings an der Seite von Jan Ullrich beim Team Telekom, das während dieser Zeit massiv Dopingmittel einsetzte, wie zuerst der Masseur der Mannschaft Jef D'hont offenbarte. AP / Laurent Cipriani
Vincenzo Nibali gewann die Tour 2014. Der Italiener beteuerte, nicht zu dopen, allerdings war das Team Astana damals höchst umstritten. Mehrere Teammitglieder waren in der Vergangenheit in Dopingvergehen verstrickt. AP / PETER DEJONG
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