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Für Asylsuchende gilt der Leistungskatalog in der Grundversicherung ohne Einschränkungen. Bild: AP

Per Asylgesuch zur Gratis-OP

Georgier kommen als Asylsuchende in die Schweiz, um sich hier medizinisch behandeln zu lassen.

Publiziert: 10.11.19, 16:04 Aktualisiert: 10.11.19, 16:21
tobias bär / schweiz am wochenende

Gemäss dem Asylgesetz erhalten jene Personen Schutz in der Schweiz, die in ihrem Herkunftsland verfolgt werden und an Leib und Leben bedroht sind. Das Gesetz werde aber «immer mehr auch zu einem Schutzgedanken für medizinische Bedürfnisse von Asylsuchenden ausgeweitet». So lässt sich die Vizedirektorin des Staatssekretariats für Migration (SEM), Esther Maurer, in einer Zeitschrift der Eidgenössischen Migrationskommission zitieren. Menschen mit oftmals «sehr gravierenden medizinischen Problemen» stellten ein Asylgesuch, «um sich hier gratis behandeln zu lassen», sagt Maurer im Interview weiter. Die Schweiz sei aufgrund ihres gut ausgebauten Gesundheitssystems sehr attraktiv – und im Vergleich mit anderen Ländern «recht grosszügig».

Asylsuchende sind in der Schweiz krankenversicherungspflichtig. In der Grundversorgung erhalten sie dieselben Leistungen wie andere Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, ohne Einschränkungen des Leistungskatalogs. In der ersten Phase, während der sie sich in einem Zentrum des Bundes aufhalten, sind sämtliche Asylsuchende bei der CSS versichert. Diese Regelung gilt seit Anfang Juni. Nach der Verteilung auf die Kantone kommen auch andere Kassen in Frage, wobei die Auswahl auf Versicherer mit günstigen Konditionen beschränkt werden kann.

Bund zahlte zuletzt 82 Mio. für Asylgesundheitskosten

Bei sozialhilfeabhängigen Personen im Asylbereich kommt der Kanton für die Prämien, Franchisen und Selbstbehalte auf. Dafür gibt es wiederum Geld vom Bund. 2017 betrugen die Bundessubventionen für die Gesundheitskosten der Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen 117 Millionen Franken, im vergangenen Jahr waren es 82 Millionen.

«Es geht um wenige, aber zum teil schwerkranke Personen.»

Daniel Bach, Staatssekretariat für Migration

Gemäss SEM-Sprecher Daniel Bach kommen die Menschen, die ein Asylgesuch stellen und sich während des Verfahrens medizinisch behandeln lassen wollen, aus Georgien. Zahlen kann Bach nicht nennen. Es handle sich um «wenige, aber zum Teil schwerkranke Personen». Georgier haben keine Aussicht auf Asyl in der Schweiz, das Land gilt als sicherer Herkunftsstaat. Die Rückführung wird aber aufgeschoben, wenn eine Person nicht transportfähig ist oder sich ihr Zustand in Georgien wegen fehlender Behandlungsmöglichkeiten dramatisch verschlechtern würde. Bei einem Besuch in Georgien machte sich SEM-Chef Mario Gattiker im September ein Bild vom medizinischen Angebot. Und er einigte sich mit dem georgischen Innenminister auf eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der irregulären Migration.

Gemäss dem Präsidenten der Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden, Marcel Suter, gibt es vereinzelt auch Fälle aus anderen Ländern, etwa aus Weissrussland und der Ukraine. Die kantonalen Migrationsbehörden hätten aber keine Kenntnis von einer starken Zunahme. Der Krankenversicherer CSS teilt mit, für ein eindeutiges Fazit sei es noch zu früh, weil man die Asylsuchenden erst seit kurzer Zeit versichere. Es handle sich aber nicht um ein sehr verbreitetes Phänomen. «Unsere bisherigen Berechnungen deuten auch nicht darauf hin, dass Asylsuchende überdurchschnittlich hohe Kosten verursachen.»

Frankreich will nur noch Notfälle behandeln

Zu einem anderen Schluss kam vor rund zwei Jahren der Bundesrat. Auf einen Vorstoss aus der SVP antwortete er, die Durchschnittskosten von Asylsuchenden in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung seien im Jahr 2015 um 8,8 Prozent höher gewesen als die Durchschnittskosten der übrigen Versicherten. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt es keine neueren Berechnungen. 2015 war zudem ein aussergewöhnliches Jahr mit vielen Asylgesuchen. Die Zahlen seien deshalb nur sehr bedingt aussagekräftig, heisst es beim BAG.

Asylgesuche zwecks medizinischer Behandlung betreffen nicht nur die Schweiz. Auch die französischen Behörden machten kürzlich auf den «Medizintourismus» aufmerksam. Als Gegenmassnahme sollen Asylsuchende künftig erst nach drei Monaten Zugang zum Gesundheitssystem haben – es sei denn, es handle sich um einen Notfall. Der Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz ortet auch in der Schweiz Handlungsbedarf. Asylbewerber sollten sich zwar «selbstverständlich behandeln lassen können». Wenn jemand aber nur zu diesem Zweck ein Gesuch einreiche und nicht aus einem eigentlichen Asylgrund, dann sei dies störend, sagt Rutz. «Wir werden dem Staatssekretariat für Migration hierzu sicherlich Fragen stellen.»

30 Jahre Aids-Prävention

1987 – Im Februar startet das Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz die erste STOP AIDS-Kampagne. Erkennungslogo: ein rosarotes Präservativ. BAG
1988 – Der rosa Präservativmond wacht über den Schweizer Städten. BAG
1989 – Wertevermittlung als Botschaft: Treue.
1990 – Aufklärung: Küssen ist kein Risiko.
«Anna hat Aids. Wer wirft den ersten Stein?» Menschen mit Aids werden zunehmend diskriminiert. Der Bund tritt den Moralaposteln entgegen. Die Bundesräte Flavio Cotti und Elisabeth Kopp treten in Fernsehspots auf und appellieren an die Solidarität mit Menschen mit Aids und HIV.
1991 – Solidarität wird zum zentralen Thema der STOP-AIDS-Kampagne von 1990 und 1991.
1992 – «Ohne? Ohne mich.»
1993 – «Ich war keiner Frau ewig treu. Aber dem Präservativ schon.» Setzte die Kampagne von 1989 noch auf die Treue, rückt anfangs der 90er Jahre der Seitensprung in den Fokus. Längst ist Aids und HIV auch bei heterosexuellen Paaren ein Thema.
1994 – Tabubruch: Erstmals ein schwules Paar in einer schweizweiten Kampagne. Der Bundesrat wird aufgefordert, unverzüglich eine Ethikkommission einzusetzen, welche die Themen und Slogans der «Stop Aids»-Kampagnen prüft. Der Bundesrat lehnt die Motion ab.
1994 – Wenn schon, denn schon. Die Kampagnen passen sich der Realität an.
1995 – Ohne Worte.
1996 – «Das Präservativ immer dabei.»
1997 – Ohne Dings kein Bums wurde zum geflügelten Satz. Hat bis heute seine Gültigkeit.
1998 – Die Botschaft muss immer wieder an den Mann und die Frau kommen. Mit Humor geht es leichter.
1999 – Die meisten Kondompannen sind auf unsachgemässe Anwendung zurückzuführen. Zu gross, zu klein, falsche Seite, kein Platz für das Reservoir etc.
2000 – «Zum Glück kommt sich die Menschheit immer näher.»
2001 – «Falls Sie auch bei diesem Liebesspiel ganz sicher sein wollen.» Vaginal-, Oral-, Analsex. Das Vokabular des Durchschnittbürgers wird erweitert.
2002 – Landesausstellung: Die Plakatkampagne nimmt ein Thema an der Expo.02 auf: Verführung und Prävention.
2003 – Die Schweiz: ein Land, viele Nationalitäten.
2003 – Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagiert auf den Protest der Schweizer Bischöfe und zieht dieses Plakatsujet zurück. Diese hatten kritisiert, das Plakat mache die Haltung der katholischen Kirche lächerlich.
2005 – STOP AIDS wird zu LOVE LIFE STOP AIDS. Die Kampagne für mündige Bürgerinnen und Bürger. Sex haben ist gesund und tut gut. Sex kann unbeschwert geniessen, wer das Präservativ konsequent und richtig anwendet.
2006 – «Hier schützt man sich ja auch.» Sich im Alltag schützen ist eine Selbstverständlichkeit. Das gilt auch beim Sex.
2007 – Das eigene Risiko testen: www.check-your-lovelife.ch. Wir haben alle eine Vergangenheit, auch eine sexuelle.
2008 – «Auch auf Geschäftsreisen immer mit.» Umstrittenes Plakat. Leserbriefe, Protestschreiben, besorgte Eltern.
2010 – One Night Stands, gekaufter Sex, schneller Sex. Ging es zu schnell, um an Gummis zu denken? Risikocheck auf www.check-your-lovelife.ch.
2011 – «Juckt es?» HIV ist eine chronische behandelbare Krankheit. Und was ist mit Tripper, Syphilis und CO.? Wenn es juckt, wenn es beisst, wenn es kratzt – ab zum Arzt.
2012/2013 – «Mein Dings hat Dingsbums.» Alle Aufgeklärtheit zum Trotz – über Geschlechtskrankheiten zu sprechen ist nicht einfach, aber notwendig.
2014 – «LOVE LIFE – und bereue nichts». Jetzt es geht es direkt zur Sache.
2015 – LOVE LIFE-Kampagne: Wenn hinter grippeähnlichen Symptomen mehr steckt.
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Love Life-Kampagne 2017: «Partner wechselt. Safer Sex bleibt.»
Love Life-Kampagne 2018: «Machs mit und gewinne!» zvg
Love Life-Kampagne 2019: «Auf gehts» pd
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Wenn man per Samenspende gezeugt wurde ...

Video: SRF / Roberto Krone

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