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Chemie-Nobelpreis geht an Entwickler der Lithium-Ionen-Batterien

Publiziert: 09.10.19, 11:52 Aktualisiert: 09.10.19, 13:03

John Goodenough. Bild: AP/AP

Smartphones, Laptops, E-Mobilität: Der diesjährige Nobelpreis für Chemie würdigt eine Erfindung, die unseren Alltag prägt. John B. Goodenough, M. Stanley Whittingham und Akira Yoshino erhalten den Preis für ihre Beiträge zur Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien.

Der US-Amerikaner John B. Goodenough, der gebürtige Brite M. Stanley Whittingham und der Japaner Akira Yoshino haben mit ihren Arbeiten eine «wiederaufladbare Welt» ermöglicht: Die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus ebnete den Weg für die mobilen Geräte, die uns im Alltag umgeben, ermöglichte die Entwicklung von Elektrofahrzeugen für weite Distanzen und letztlich eine auf erneuerbaren Energiequellen basierende Gesellschaft, frei von fossilen Brennstoffen, teilte die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch mit.

Die Geburtsstunde der Lithium-Ionen-Batterie war die Ölkrise der 1970er Jahre. Stanley Whittingham von der Binghampton University, die zur State University of New York gehört, entdeckte ein extrem energiereiches Material, das er für eine innovative Kathode in einer Lithium-Batterie nutzte. Diese bestand aus Titandisulfid und enthält auf molekularer Ebene «Löcher», in die sich reversibel Lithium-Ionen einfügen können.

Noch schwach und explosiv

Allerdings war diese Batterie noch relativ schwach, sie produzierte eine elektrische Spannung von rund zwei Volt. Wegen der Instabilität des Anoden-Materials - metallisches Lithium - war die Batterie für den Alltagsgebrauch zudem zu explosionsgefährdet.

John Goodenough von der University of Texas verbesserte diese Batterie entscheidend, indem er vorschlug, ein Metalloxid anstelle eines Metallsulfids für die Kathode zu verwenden. 1980 zeigte er, dass sich Whittinghams Batterie mit Kobaltoxid als Kathodenmaterial von zwei auf vier Volt steigern liess. Dieser Durchbruch ermöglichte weitaus stärkere Batterien.

Akira Yoshino von der Asahi Kasei Corporation in Tokio und der Meijo University in Nagoya entwickelte die erste kommerzielle Lithium-Ionen-Batterie im Jahr 1985. Anstelle von dem explosiven metallischen Lithium als Anodenmaterial nutzte er das weitaus stabilere Petrolkoks, ein auf Kohlenstoff basierendes Material, das aus Erdöl gewonnen wird und Lithium-Ionen aufnehmen und abgeben kann.

Das Ergebnis war ein leichter, robuster Akku, der sich hunderte Male auf- und entladen liess, bevor seine Leistung nachliess. 1991 kam diese revolutionäre Entwicklung auf den Markt und stiess eine Revolution an, die letztlich Smartphones und Elektrofahrzeuge ermöglichte.

Fluss der Ionen

Der Vorteil des Lithium-Ionen-Akkus sei, dass er nicht auf chemischen Reaktionen beruhe, sondern auf dem Hin- und Herfliessen von Lithium-Ionen zwischen Anode und Kathode, schrieb das Nobelpreis-Komitee.

Im vergangenen Jahr war der Chemie-Nobelpreis zur Hälfte an Frances Arnold aus den USA und zur anderen Hälfte an dessen Landsmann George Smith sowie den Briten Gregory Winter für ihre Beiträge zur Entwicklung einer grünen chemischen Industrie gegangen. Wie im Vorjahr ist der Nobelpreis mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 900'000 Franken) dotiert.

Offiziell ausgezeichnet werden die Geehrten am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel, in Stockholm.

(sda/dpa)

Schweizer Nobelpreisträger

Jacques Dubochet erhielt 2017 den Nobelpreis für Chemie. Der Romand – er war jahrelang an der Universität Lausanne als Professor aktiv – wurde gemeinsam mit dem Deutsch-Amerikaner Joachim Frank und dem Briten Richard Henderson für eine neuartige Mikroskop-Technologie geehrt, mit der Moleküle dreidimensional beobachtet werden können, ohne sie dabei zu verändern. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Kurt Wüthrich ist der Gewinner des Nobelpreis für Chemie im Jahr 2002. Zusammen mit dem Amerikaner John B. Fenn und dem Japaner Koichi Tanaker erhielt er den Preis für seine Arbeiten zur Proteinstruktur. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Die internationale Organisation mit Sitz in Genf, Médecins Sans Frontières, erhielt den Friedensnobelpreis 1999 für die humanitäre Arbeit auf mehreren Kontinenten. EPA / STRINGER
Rolf M. Zinkernagel erhielt 1996 den Medizin-Nobelpreis. Er entdeckte mit dem Australier Peter Doherty 1973, wie das Immunsystem virusinfizierte Zellen erkennt. KEYSTONE / PETER LAUTH
Der in China geborene Schweizer Edmond Henri Fischer erhielt 1992 zusammen mit Edwin Krebs den Medizin-Nobelpreis. Das Nobelpreiskomitee ehrte ihre Arbeit für die Entdeckung der Mechanismen, welche die Stoffwechselvorgänge in Organismen steuern. KEYSTONE / STR
Der ETH-Professor Richard Ernst erhielt 1992 den Chemie-Nobelpreis für seine Beiträge zur Entwicklung der hochauflösenden magnetischen Kernresonanz-Spektroskopie. KEYSTONE / GAETAN BALLY
Der Schweizer Dr. Karl Alex Mueller, rechts, und der deutsche Dr. Johannes Georg Bednorz, links, erhielten 1987 den Nobelpreis für die Entdeckung von Supraleitungen in keramischen Materialien. KEYSTONE / STR
Heinrich Rohrer (links) erhielt 1986 zusammen mit Ernst Ruska und Gerd Binnig (rechts) den Physik-Nobelpreis für Forschung in der Entwicklung des Rastertunnelmikroskops. KEYSTONE / STR
Werner Arber erhielt 1978 den Medizin-Nobelpreis. Zusammen mit seinen Mit-Preisträgern Daniel Nathans und Hamilton Smith entdeckte er die Restriktionsenzyme und ihre Anwendung in der Molekulargenetik. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Daniel Bovet erhielt 1957 den Medizin-Nobelpreis für seine Entdeckungen im Zusammenhang mit synthetischen Verbindungen, die die Aktivität gewisser Substanzen im Körper hemmen, und speziell für Untersuchungen von deren Wirkung auf das Gefässsystem und die Skelettmuskulatur.
Felix Bloch, Nobelpreisträger für Physik, hält 1966 am Dies Accademicus in der Universität Zürich, Schweiz, eine Rede. KEYSTONE / STR
Tadeus Reichstein erhielt 1950 den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen. Seiner Forschung wegen wurde ein Verfahren entwickelt, wie man industriell Vitamin-C produzieren kann. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
Walter Rudolf Hess erhielt zusammen mit António Caetano de Abreu Freire Egas Moniz 1949 den Psychologie-Nobelpreis für die Entdeckung des therapeutischen Wertes der präfrontalen Leukotomie bei gewissen Psychosen.
Paul Hermann Müller erhielt 1948 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der starken Wirkung von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Arthropoden. Es war das erste Mal, dass dieser Preis an einen Nichtmediziner vergeben wurde.
Der in Deutschland geborene Schriftsteller Hermann Hesse erhielt 1946 den Literatur-Nobelpreis.
Der schweizerisch-kroatische Chemiker Leopold Ružička erhielt zusammen mit Adolf Butenandt den Chemie-Nobelpreis für seine Arbeiten über Polymethylene und höhere Terpenverbindungen.
1937 erhielt Karrer für seine Forschungen über den Aufbau der Carotinoide, der Flavine und der Vitamine A und B zusammen mit Walter Norman Haworth den Nobelpreis für Chemie.
Für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts erhielt Albert Einstein 1922 den Nobelpreis.
Charles Édouard Guillaume erhielt 1920 den Physik-Nobelpreis für seine Arbeiten in der Präzisionsmessung und für seine Entdeckung der Eigenheiten der Stahl-Nickelverbindung.
Für seinen Epos «Olympischer Frühling» erhielt der Schriftsteller Carl Spitteler 1920 den Literatur-Nobelpreis.
1913 erhielt Alfred Werner den Chemie-Nobelpreis.
Theodor Kocher erhielt 1909 den Medizin-Nobelpreis.
Charles Albert Gobat erhielt 1902 ebenfalls den Friedensnobelpreis.
Henry Dunant erhielt 1901 den Friedensnobelpreis.

Nobelpreisträger Jacques Dubochet am Smile for future

Video: watson / Roberto Krone

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