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Nachtschicht: Fernsehen bald nur noch für Dumme?

Collage mit Jameela Jamil
bild: collage / watson
Nachtschicht

Fernsehen bald nur noch für Dumme?

Manche Serien und Shows werden neuerdings so konzipiert, dass sie vor allem für vom Handy abgelenkte Zuschauende funktionieren. (😭)
23.04.2026, 10:0223.04.2026, 14:06

Mit «Breaking Bad» (und vielleicht ein wenig Bubatz) überwand ich meinen einen Liebeskummer tränenfrei und recht effizient. Mit «Big Little Lies» und «Maid» kamen Erinnerungen an schlimme Zeiten hoch, aber gleichermassen durfte ich mich ihretwegen nochmals ausgiebig eine Extrarunde in Dankbarkeit wälzen für das grosse Glück, sie relativ unbeschadet überstanden zu haben.

Serien sind mein allerliebster Eskapismus. Manche hauten mich dermassen aus den Socken, dass ich sie zweimal schaute. Es gab welche, die verfolgte ich von Anfang bis Ende mit Herzrasen. Ich verschlang «Ray Donovan», «Bloodline» und die ersten beiden Staffeln «Euphoria». Oh, und wie oft wieherte ich nachts allein, aber in tiefer Verbundenheit mit allen müden Müttern glücklich in Richtung des Fernsehers, wenn ich mir aus Spass an der Freude noch eine Folge «Working Moms» gönnte, obwohl ich schon längst hätte schlafen müssen. Gute Formulierungen oder poetische Zeilen aus Serien notiere ich mir sogar in ein Heft; quasi Eselsohr 2.0.

Zu früh gefreut

In letzter Zeit verging mir phasenweise etwas die Lust am Serienschauen, weil keine mich so richtig packte. Ich hatte mich sehr auf «All Her Fault» gefreut, weil bei diesem Cast eigentlich nichts schiefgehen konnte - dachte ich. Aber ich schaute und schaute und irgendwann sprach mein Mann aus, was ich mir nicht eingestehen wollte: «So wirklich gut ist das irgendwie nicht.» Und er hatte Recht.

All Her Fault
Zwei der hochkarätigen Hauptdarstellerinnen:
Dakota Fanning und Sarah Snook
Bild: imdb

Da wird ganz zu Anfang der Geschichte ein Kind entführt und dann aber sehr bald schon alles viel zu offensichtlich so erzählt, dass man erst den, dann die und dann doch wieder den verdächtigen soll. Selbst wenn man sich denn genug konzentrieren würde, könnte man die falschen Fährten nicht als solche erkennen. Vielmehr wird einfach extra falsch und nur falsch in verschiedene Richtungen gelenkt und dann chronologisch abgehakt, wer es sein und dann eben doch wieder nicht sein könnte. Sodass man nach drei Folgen keine Lust mehr hat, diese dummen Fährten gedanklich abzulatschen.

Bevor mir überhaupt klar war, dass das kein Zufall war, fand ich die Antwort auf meine noch ungestellte Frage in einem Interview mit Jameela Jamil (wegen der ich regelmässig strikte Reminder brauche, mir nicht auch die Fransen zu schneiden, aber das tut hier nun nichts zur Sache).

Jameela Jamil (hier leider nicht im Bild, drum dafür oben im Titelbild) in der Romesh Ranganathan Show über das starke Vereinfachen von FernsehinhaltenVideo: YouTube/The Romesh Ranganathan Show

Jamil erklärt, dass Serien und Fernseh-Shows immer simpler würden, Inhalte also bewusst dahingehend vereinfacht würden, dass Zuschauende, die nebenher noch auf ihren Smartphones rumdrücken, den Faden nicht verlieren. Und das hat natürlich einen direkten Einfluss auf die Qualität von Serien und Filmen: Geschichten werden weniger komplex, Dialoge und Hinweise überdeutlich. Und alles zwischen den Zeilen fällt weg.

Second Screening

Und ja, ich weiss, wir müssen ohnehin grad schon viel verarbeiten jeden Tag. Aber das – ist das nicht elend? Es bedeutet, dass kreative Menschen, die Drehbücher schreiben und Serien produzieren und Menschen casten und Filmsets bauen, sich jetzt alle dümmer stellen müssen, als sie es sind, nur um Geschichten nicht ganz so gut und detailreich zu erzählen, wie sie eigentlich erzählt werden könnten. Einfach weil sie mit der Zeit und traurigerweise davon ausgehen müssen, dass der Mensch seine Aufmerksamkeitsspanne dem Teufel geschenkt hat und nun noch nicht mal mehr zum Fernsehkonsum den Handykonsum einschränken mag. Wir brauchen einen zweiten Bildschirm, weil einer allein nicht mehr reicht. Wie bedauerlich kann eine Entwicklung sein?

Ich wünschte mir, der ehrgeizige Ansporn der kreativen Leute dürfte weiterhin sein, etwas so Gutes zu schaffen, dass alle ihre Telefone wenigstens dafür mal aus der Hand legen.

Und wer bestimmt überhaupt, dass man sich dem unaufmerksamen Zuschauer beugen muss? ES IST DOCH NICHT RICHTIG. Ich will lieber Gegensteuer! Dass Inhalte so spannend sind, dass man gar nicht mehr was anderes machen will? Uns Eltern sagt man doch auch: Bietet euren Kindern Alternativen zum Handy! Aber nicht einfach den Stecker der Telefone ziehen (bildlich gesprochen) und dann beim Weglaufen rufen, die Kinder sollen doch ein Buch lesen. Die Alternativen zum Handy müssen gut sein und Spass machen. Man muss proaktiv was Lustiges, Tolles vorschlagen, selber mitmachen, mitgehen oder das Alternativprogramm zumindest ermöglichen.

Ein versöhnlicher Serientipp

Nun ja, Ich will jetzt hier aber nicht rumheulen, sondern dem Ganzen mit einer kleinen Empfehlung entgegenwirken. Auf HBO läuft nämlich nicht nur grad die neuste (vielleicht gar nicht mal so gute, dritte) Staffel «Euphoria», sondern auch eine Serie namens «DTF St. Louis», und es ist das Berührendste und Weirdeste und Menschlichste, was ich seit Langem gesehen habe. Die Serie ist so gut, dass man ganz vergisst, dass man David Harbour Lilly Allen zuliebe eigentlich nicht mehr mögen wollte.

Ein kleiner Teaser

1 / 9
DTF St. Louis
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Für diese Serie braucht man alle Ohren zum Zuhören, beide Augen zum Sehen und das ganze Herz für den Rest.

Thank me later ♥️
O.

PS: Könnten wir die Kommentarspalte heute vielleicht mal als Gruppenarbeit nutzen und darin Serientipps teilen (für die altmödigen Mono-Screeners unter uns)?

PPS: Weitere sieben im Text noch nicht genannte Lieblingsserien von mir sind: «Fleabag», «Happy Valley», «Somebody Somewhere», «Hand of God», «Rectify», «Seven Seconds» und «Mare of Easttown».

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Olivia El Sayed denkt recht viel, einfach fast nichts zu Ende, weil sie immer irgendwie noch was muss: Zur DH, ein Formular ausfüllen, Kinder abholen, Geschenk einpacken, Pass erneuern, Text fertig schreiben, Körper einigermassen instand halten, Ufzgi kontrollieren. Ausser in der Nacht. Da liegt sie im Bett und starrt mit gefühlt offenen Augen an die Innenseiten ihrer Augendeckel – und denkt. Hinderschi und fürschi und so viel und laut, dass sie alles irgendwohin aufschreiben muss, damit sie jemals wieder schlafen kann. Und dieses irgendwohin ist: genau hier.
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Autorin und Instagrammerin (@oh_olives) Olivia El Sayed.Bild:oliviaelsayed
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«A Knight of the Seven Kingdoms»

Dieses Spin-off spielt ein Jahrhundert vor den Ereignissen in «Game of Thrones» und handelt vom mutigen Ritter Ser Duncan der Grosse und seinem kleinen Knappe Egg. Es ist eine Zeit, in der die Targaryens noch auf dem Eisernen Thron sitzen und die Zeit der Drachen noch nicht lange vorbei ist.

Cast: Peter Claffey, Dexter Sol Ansell

Verfügbar: Ab dem 19. Januar auf HBO Max

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quelle: hbo
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21 Dinge, die du beim Sex und beim Serien-Streamen sagen kannst
Video: watson
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248 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Carchauffeur
23.04.2026 12:26registriert April 2020
Entweder bin ich zu alt oder zu intelligent! Ich kenne Null von den aufgezählten Formaten!
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Chönnt ja si....
23.04.2026 11:50registriert April 2023
Team Buch lesen und den Tag gemütlich ausklingen lassen....
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Dave Hawtin
23.04.2026 11:54registriert Dezember 2021
Ich habe keine Abos, weder Netflix, noch Prime, noch Paramount, Disney, Apple und wie sie alle heissen. Ich habe ausschliesslich live TV. Huste ich zu laut, gehe ich aufs Klo, oder bin durchs Handy kurz abgelenkt, habe ich die laufende Szene verpasst. Ich habe auch kein Replay TV. (Dafür habe ich keine 0 CHF Ausgaben, ausser Serafe).

Aber was im TV noch gebracht wird, ist jetzt schon eine Zumutung. Viel niveauloser oder einfacher für abgelenkte kann eda kaum noch werden.
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Es gab eine Zeit, da waren Sekten in den Medien allgegenwärtig. Es verging kaum ein Tag, ohne dass radikale religiöse, esoterische und weltanschauliche Gruppen für Schlagzeilen sorgten. Schliesslich gab es in der Schweiz mehrere hundert problematische Gruppierungen. Kleine, mit einem Dutzend Anhängern und grosse, mit Zehntausenden Mitgliedern.
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