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Mauro Caviezel gewann erstmals in seiner Karriere eine Disziplinenwertung. Bild: AP

Kristallkugeln lügen nicht – warum die Schweiz wieder eine Skination ist

Zum ersten Mal seit 30 Jahren gewinnen Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski alle vier Disziplinenwertungen im Speedbereich. Aber nicht nur wegen Corinne Suter, Mauro Caviezel und Beat Feuz ist die Schweiz wieder eine Skination.

Publiziert: 09.03.20, 11:49
Martin Probst / ch media

Die Kristallkugel für die Siegerfotos mit Beat Feuz und Mauro Caviezel hat Henrik Kristoffersen geliehen. Der Norweger war Retter in der Not. Weil der Weltcupfinal in Cortina am Freitag aufgrund der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus abgesagt wurde, standen die letzte Abfahrt und der letzte Super-G des Winters plötzlich am Wochenende in Kvitfjell auf dem Programm. Und der Internationale Skiverband FIS hatte keine Trophäen dabei.

So wurde eilig die Kristallkugel von Kristoffersen, die er vor vier Jahren als bester Slalomfahrer des Winters erhielt, herbeigeschafft, um den besten Abfahrer (Feuz) und den besten Super-G-Athleten (Caviezel) zu ehren.

Feuz stand nach der Finalabsage bereits vor der letzten Abfahrt, die er direkt hinter Carlo Janka auf Rang vier beendete, als Disziplinensieger fest. Caviezel reiste als Super-G-Leader nach Norwegen. Und weil das Rennen am Sonntag abgesagt werden musste, holte auch er die Kristallkugel.

Feuz im Kreis der Ikonen

So überrumpelt die FIS von der spontanen Übergabe wurde, so wenig überraschend sind die Namen der Preisträger. Feuz ist zum dritten Mal in Serie der beste Abfahrer der Saison. Es ist ein Husarenstück, das zuvor nur einem Schweizer gelang: Franz Heinzer von 1991 bis 1993. Didier Cuche holte die Kristallkugel zwar viermal, allerdings mit einem Jahr Unterbruch dazwischen. Feuz zählt längst zu diesen Ikonen des Schweizer Abfahrtssports.

Beat Feuz jubelt mit der Kugel von Henrik Kristoffersen. Bild: EPA

In den 26 Abfahrten der drei vergangenen Saisons stand er 20-mal (!) auf dem Podest. Wer diese Zahlen liest, glaubt kaum, dass er 2012 zitterte, ob er nach einem Knieinfekt überhaupt weiter laufen könne, weil sogar eine Versteifung des Gelenks im Raum stand.

Die Karriere von Feuz würde Stoff für einen Film bieten. Für einen Heldenepos über einen, der hart geprüft wurde, aber immer weitermachte und nun im Olymp angekommen ist. Aber der 33-Jährige mag keinen Pathos. Auch das zeichnet ihn aus. Chapeau, Beat Feuz.

Caviezel und die Konstanz

Während ein Kristallkugel­gewinn von Feuz bei Swiss-Ski schon fast budgetiert ist, kommt der Disziplinensieg von Mauro Caviezel etwas überraschender. Der 31-Jährige hat sich mit insgesamt neun Podest­plätzen in dieser und der vergangenen Saison zwar im Kreis der besten Speed-Fahrer etabliert. Doch auf seinen Premierensieg im Weltcup wartet er noch immer.

Hat sich zu einem zuverlässigen Podestfahrer entwickelt: Mauro Caviezel Bild: AP

Aber er steht damit sinnbildlich dafür, warum eine Kristallkugel für viele Skifahrer die grössere Auszeichnung ist als ein Sieg. Weil es der Lohn dafür ist, eine ganze Saison lang konstant gut zu sein. Oder anders gesagt: Zufallssieger gibt es immer wieder. Aber Kristall tragen nur die Besten.

Caviezel steht aber noch für etwas anderes. Dafür, dass es sich lohnt, Geduld zu haben. Er musste fast 30 werden, um Erfolge zu feiern. Es ist etwas, worauf die Verantwortlichen von Swiss-Ski in den Jahren, in denen das Wort Skikrise die Runde machte, immer wieder verwiesen und sich weigerten, konsequenter auszusortieren.

Suter und der Aufschwung

Überhaupt muss man den Schweizer Verband loben. Nicht nur aufgrund des sich abzeichnenden Erfolgs in der Nationenwertung – dem ersten seit 30 Jahren. Obwohl dieser die Arbeit der ganzen Organisation am besten wider­spiegelt, weil er eben auch die Stärke in der Breite zeigt.

Aber das Lob gilt auch all jenen, die stets darauf verwiesen, dass es eben nicht nur Feuz gäbe, dass da bald schon mehr komme. Dass die Arbeit schon gemacht werde, obwohl die nackten Resultate was anderes sagten.

Corinne Suter war in diesem Winter sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G die Stärkste. Bild: KEYSTONE

Beispiele dafür gibt es viele. Daniel Yule zum Beispiel, der im Januar zum Seriensieger im Slalom wurde. Oder Marco Odermatt, dieses Supertalent, dem viele zutrauen, bald den Gesamtweltcup zu gewinnen. Oder Joana Hählen, die in diesem Winter erstmals und gleich zweimal aufs Podest fuhr. Und vor allem Corinne Suter. Die 25-Jährige gewinnt die Kristallkugeln in der Abfahrt und im Super-G.

Sie war eine von jenen, die früh an den hohen Erwartungen gemessen wurden. Aber sie ist daran – und an den eigenen Zweifeln – nicht zerbrochen. Vor einem Jahr gewann Suter in Are zwei WM-­Medaillen, jetzt zwei Disziplinenwertungen. Und Swiss-Ski gewinnt zum ersten Mal seit 30 Jahren alle vier Kristallkugeln in den Speed-Disziplinen. Die Namen damals: Pirmin Zurbriggen und Michela Figini. Die Namen heute: Feuz, Suter und Caviezel. Keine Frage: Die Schweiz ist wieder eine Ski­nation. Kristall lügt nicht.

Schweizer Kristallkugel-Gewinner im Skiweltcup seit 1990

Super-G 2020/21: Lara Gut-Behrami. keystone / GIAN EHRENZELLER
Abfahrt 2020/21: Beat Feuz. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Abfahrt 2019/20: Corinne Suter. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Super-G 2019/20: Corinne Suter. EPA / ALESSANDRO DELLA VALLE
Parallel-Events 2019/20: Loïc Meillard. EPA / GUILLAUME HORCAJUELO
Super-G 2019/20: Mauro Caviezel. AP / Gabriele Facciotti
Abfahrt 2019/20: Beat Feuz. EPA / Geir Olsen
Abfahrt 2018/19: Beat Feuz. AP/AP / Alessandro Trovati
Abfahrt 2017/18: Beat Feuz. AP/AP / Marco Trovati
Kombination 2017/18: Wendy Holdener. EPA/EPA / DANIEL KOPATSCH
Gesamtweltcup 2015/16: Lara Gut. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Super-G 2015/16: Lara Gut. AP / ARMANDO TROVATI
Kombination 2015/16: Wendy Holdener. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Kombination 2014/15: Carlo Janka. EPA EXPA / EXPA/ERICH SPIESS
Super-G 2013/14: Lara Gut. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Abfahrt und Super-G 2010/11: Didier Cuche. KEYSTONE / DOMINIC FAVRE
Gesamtweltcup 2009/10: Carlo Janka. EPA / PETER KNEFFEL
Abfahrt 2009/10: Didier Cuche. EPA / PETER KNEFFEL
Riesenslalom 2008/09: Didier Cuche. EPA / BARBARA GINDL
Kombination 2008/09: Carlo Janka. EPA / BARBARA GINDL
Abfahrt 2007/08: Didier Cuche. AP / MARCO TROVATI
Abfahrt 2006/07: Didier Cuche. EPA / BARBARA GINDL
Riesenslalom 2002/03: Michael von Grünigen. AP / MARCO TROVATI
Riesenslalom 2001/02: Sonja Nef. AP / RUDI BLAHA
Riesenslalom 2000/01: Sonja Nef. APA / GINDL BARBARA
Riesenslalom 1998/99: Michael von Grünigen. AP / RUDI BLAHA
Riesenslalom 1996/97: Michael von Grünigen. AP / ARMANDO TROVATI
Riesenslalom 1995/96: Michael von Grünigen. AP / ARMANDO TROVATI
Gesamtweltcup, Riesenslalom und Slalom 1994/95: Vreni Schneider. AP / DIETER ENDLICHER
Gesamtweltcup und Slalom 1993/94: Vreni Schneider. AP / DEBRA DIETZ
Abfahrt 1992/93: Franz Heinzer. AP / STEFANO RELLANDINI
Slalom 1992/93: Vreni Schneider. KEYSTONE / STR
Gesamtweltcup, Super-G und ... KEYSTONE / STR
... Slalom 1991/92: Paul Accola (hier im Bild mit Rivale Alberto Tomba). KEYSTONE / STR
Abfahrt 1991/92: Franz Heinzer. KEYSTONE / STR
Slalom 1991/92: Vreni Schneider. KEYSTONE / STR
Abfahrt und Super-G 1990/91: Franz Heinzer (Bild mit dem WM-Pokal 1991). KEYSTONE / STR
Abfahrt 1990/91: Chantal Bournissen. KEYSTONE / STR
Slalom 1990/91: Vreni Schneider. KEYSTONE / STR
Gesamtweltcup, Super-G und Kombination 1989/90: Pirmin Zurbriggen. EPA DPA / STR
Slalom 1989/90: Vreni Schneider (rechts). KEYSTONE / PATRICK AVIOLAT

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Video: SRF / Roberto Krone

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