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Als Einheit traten die Schweizer in Frankreich auf, mit Trainer Vladimir Petkovic in ihrem Zentrum. Bild: Max Rossi/REUTERS

Was die Nati aus Frankreich mitnehmen sollte – und warum es nur einen Verlierer gegeben hat 

Man darf es noch nicht zu laut sagen: Für die Schweizer Nationalmannschaft ist gestern ein eigentlich gelungenes Turnier verfrüht zu Ende gegangen. Sieben mehrheitlich positive Erkenntnisse.

Publiziert: 26.06.16, 16:45 Aktualisiert: 26.06.16, 17:08
Donat Roduner

Mannschaftliche Geschlossenheit

Es ist noch nicht so lange her, da war regelmässig vom «Röstigraben» in der Schweizer Nati die Rede, von unüberbrückbaren Differenzen zwischen den Deutschschweizern und Romands in der Mannschaft. Erfrischenderweise scheint dieses Kapitel nun zu Ende. Wie geschlossen das Team von Vladimir Petkovic in Frankreich aufgetreten ist, verdient Lob. Dass die Spieler unentwegt vom guten Teamspirit geschwärmt haben, war kein Zufall, denn dieser war augenscheinlich. Das gemeinsame Trainingslager in Lugano hat den Schweizern offensichtlich gut getan und sie zu einer Einheit geformt.

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System

Diese Solidarität war auch auf dem Platz zu sehen. Die Schweiz hat endlich wieder mit einer soliden Taktik gespielt, die der Mannschaft Stabilität verliehen hat. Petkovics 4-2-3-1, das in der Defensive schnell in ein 4-4-1-1 oder gar 4-5-1 umgewandelt werden kann, hat im grossen Ganzen ausgezeichnet funktioniert. Das aber auch, weil sich die Spieler mit grossem Einsatz dem System untergeordnet haben und stets bereit waren, die Kollegen in der Defensivarbeit zu unterstützen.

Trainer

Auch wenn das Ausscheiden im Achtelfinal sportlich nicht als Erfolg verbucht werden kann, für Vladimir Petkovic war es dennoch ein gelungenes Turnier. Die zwei erstgenannten Punkte sind direkt auf den 52-jährigen Nationaltrainer zurückzuführen, was dem Nachfolger von Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld nach langanhaltender Kritik endlich ein positiveres Profil verleiht. Petkovic dürfte die kommende WM-Qualifikationskampagne mit mehr Ruhe und Zuspruch angehen können.

Dirigent Petkovic gehört an der Endrunde zu den Gewinnern. Bild: ROBERT GHEMENT/EPA/KEYSTONE

Stabile Verteidiger

Dass wir uns um die Aussenverteidiger keine Sorgen machen müssen, war vor der EM klar – Stephan Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez verdienen das Prädikat «Weltklasse». Das Sorgenkind Innenverteidigung spielte an der EM aber deutlich besser, als befürchtet wurde. Fabian Schär und Johan Djourou bildeten ein diszipliniertes Duo, das seinen Job gut erledigte, auch wenn Letzterer, wie beispielsweise in der ersten Minute gegen Polen, nicht ohne Patzer durchkam.

Djourou (l.) und Schär verteidigen gegen Frankreichs André-Pierre Gignac. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Zentrales Mittelfeld

Die Leistung der zentralen Mittelfeldspieler muss speziell hervorgehoben werden. Die beiden Sechser Granit Xhaka und Valon Behrami waren der integrale Bestandteil des Schweizer Spiels. Die Zweikampfstärke Behramis war schon lange bekannt, aber wie er sich an der EM wieder in jedes Duell geworfen hat, verdient Sonderlob. Den Übernamen «Krieger» hat er sich redlich verdient. Xhaka seinerseits war erstmals fähig, seine grossen Qualitäten, die er zumeist nur im Klub gezeigt hat, endlich auch in der Nationalmannschaft anzuwenden. Mit einer solchen Präsenz kann er der Schweiz eine erfolgreiche Zukunft bescheren.

Verlierer Inler

Im Vorfeld der EM war die Degradierung von Captain Gökhan Inler und dessen Nicht-Nomination für die Endrunde grosses Thema. Während dem Turnier dachte aber niemand mehr an den Leicester-Reservisten. Warum auch, wenn man Behrami und Xhaka hat?

Beim englischen Meister Leicester kam Inler (l.) nur sehr sporadisch zum Einsatz. Bild: AP

Baustelle Offensive

So sehr das Schweizer Defensivspiel überzeugte, so gross ist das Potenzial im Angriff. In der Offensive fand die Nati kein Rezept, das funktionierte. Zwei Tore entstanden nach Standards und dann war da noch Shaqiris Wunderkiste. Stammstürmer Haris Seferovic war lauffreudig wie eh und je, liess aber im Abschluss die Kaltblütigkeit eines Starstürmers vermissen. Für ein verbessertes Offensivspiel sind von Petkovic künftig neue Ansätze gefragt.

Haris Seferovic rackerte, blieb an der EM aber ohne Torerfolg.
Bild: Max Rossi/REUTERS

Die Noten der Schweizer Nati beim EM-Aus gegen Polen

Exploit verpasst: Die Schweizer Spieler nach dem Out im EM-Achtelfinal gegen Polen. Ihre Noten von Etienne Wuillemin (Schweiz am Sonntag). AP/AP / Pavel Golovkin
Yann Sommer: Note 4,5. Souverän, aber die ganz grosse Parade gelingt ihm nicht mehr. Im Penaltyschiessen glücklos. X01095 / Max Rossi
Ricardo Rodriguez: Note 5,5. Bestes Spiel an dieser EM. Lässt hinten nichts zu, gestaltet das Spiel aktiv mit. So wie in den besten Zeiten. X01095 / Kai Pfaffenbach
Fabian Schär: Note 5,5. Knüpft nahtlos an die überzeugenden Auftritte der Gruppenphase an. Hätte den Viertelfinal gesperrt verpasst. AP/AP / Darko Bandic
Johan Djourou: Note 5,5. Zu Beginn völlig von der Rolle. Je länger desto mehr gewinnt er an Sicherheit. Am Ende stark. AP/AP / Pavel Golovkin
Stephan Lichtsteiner: Note 4. Es ist nicht sein Turnier. Auch gegen Polen nicht. Einige Wackler hinten. Steht immerhin am Ursprung des Ausgleichs. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Valon Behrami: Note 4,5. Beim Gegentor im Pech, dass er den Ball nicht kontrollieren kann. Sonst erneut gut. Mit Zerrung ausgewechselt. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Granit Xhaka: Note 4,5. Anfangs etwas nervös. Steigert sich dann. Der verschossene Penalty ist das bittere Ende einer starken EM. AP/AP / Thanassis Stavrakis
Admir Mehmedi: Note 3,5. Leidet in der ersten Hälfte wie das ganze Team. Es gelingen ihm nur wenige gute Aktionen. Ausgewechselt. AP/AP / Darko Bandic
Blerim Dzemaili: Note 3. Ohne jeden Einfluss im Spiel. Bis zu seiner Auswechslung praktisch unsichtbar. Schade, nach dieser Vorrunde. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Xherdan Shaqiri: Note 5,5. Endlich der ersehnte Auftritt. Nach der Pause in Bestform. Erst das grossartige Tor, dann die Flanke auf Derdiyok. AP/AP / Pavel Golovkin
Haris Seferovic: Note 5. Herausragendes Herz. Auch in letzter Minute grätscht er noch im eigenen Strafraum. Hätte sich ein Tor verdient. EPA/EPA / YURI KOCHETKOV
Breel Embolo: Note 5. In der 63. Minute für Dzemaili eingewechselt. Mit ihm wird das Schweizer Spiel deutlich besser. AP/AP / Pavel Golovkin
Eren Derdiyok: Note 3,5. In der 70. Minute für Mehmedi eingewechselt. Zwei Chancen, zwei Mal gescheitert. Hatte den Matchball auf dem Fuss. AP/AP / Thanassis Stavrakis
Gelson Fernandes: Note 5. In der 77. Minute für Behrami eingewechselt. Geht den Polen auf die Nerven. AP/AP / Laurent Cipriani

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