Public Viewing mit watson
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Als Einheit traten die Schweizer in Frankreich auf, mit Trainer Vladimir Petkovic in ihrem Zentrum. Bild: Max Rossi/REUTERS
Man darf es noch nicht zu laut sagen: Für die Schweizer Nationalmannschaft ist gestern ein eigentlich gelungenes Turnier verfrüht zu Ende gegangen. Sieben mehrheitlich positive Erkenntnisse.
Es ist noch nicht so lange her, da war regelmässig vom «Röstigraben» in der Schweizer Nati die Rede, von unüberbrückbaren Differenzen zwischen den Deutschschweizern und Romands in der Mannschaft. Erfrischenderweise scheint dieses Kapitel nun zu Ende. Wie geschlossen das Team von Vladimir Petkovic in Frankreich aufgetreten ist, verdient Lob. Dass die Spieler unentwegt vom guten Teamspirit geschwärmt haben, war kein Zufall, denn dieser war augenscheinlich. Das gemeinsame Trainingslager in Lugano hat den Schweizern offensichtlich gut getan und sie zu einer Einheit geformt.
Diese Solidarität war auch auf dem Platz zu sehen. Die Schweiz hat endlich wieder mit einer soliden Taktik gespielt, die der Mannschaft Stabilität verliehen hat. Petkovics 4-2-3-1, das in der Defensive schnell in ein 4-4-1-1 oder gar 4-5-1 umgewandelt werden kann, hat im grossen Ganzen ausgezeichnet funktioniert. Das aber auch, weil sich die Spieler mit grossem Einsatz dem System untergeordnet haben und stets bereit waren, die Kollegen in der Defensivarbeit zu unterstützen.
Auch wenn das Ausscheiden im Achtelfinal sportlich nicht als Erfolg verbucht werden kann, für Vladimir Petkovic war es dennoch ein gelungenes Turnier. Die zwei erstgenannten Punkte sind direkt auf den 52-jährigen Nationaltrainer zurückzuführen, was dem Nachfolger von Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld nach langanhaltender Kritik endlich ein positiveres Profil verleiht. Petkovic dürfte die kommende WM-Qualifikationskampagne mit mehr Ruhe und Zuspruch angehen können.
Dirigent Petkovic gehört an der Endrunde zu den Gewinnern. Bild: ROBERT GHEMENT/EPA/KEYSTONE
Dass wir uns um die Aussenverteidiger keine Sorgen machen müssen, war vor der EM klar – Stephan Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez verdienen das Prädikat «Weltklasse». Das Sorgenkind Innenverteidigung spielte an der EM aber deutlich besser, als befürchtet wurde. Fabian Schär und Johan Djourou bildeten ein diszipliniertes Duo, das seinen Job gut erledigte, auch wenn Letzterer, wie beispielsweise in der ersten Minute gegen Polen, nicht ohne Patzer durchkam.
Djourou (l.) und Schär verteidigen gegen Frankreichs André-Pierre Gignac. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE
Die Leistung der zentralen Mittelfeldspieler muss speziell hervorgehoben werden. Die beiden Sechser Granit Xhaka und Valon Behrami waren der integrale Bestandteil des Schweizer Spiels. Die Zweikampfstärke Behramis war schon lange bekannt, aber wie er sich an der EM wieder in jedes Duell geworfen hat, verdient Sonderlob. Den Übernamen «Krieger» hat er sich redlich verdient. Xhaka seinerseits war erstmals fähig, seine grossen Qualitäten, die er zumeist nur im Klub gezeigt hat, endlich auch in der Nationalmannschaft anzuwenden. Mit einer solchen Präsenz kann er der Schweiz eine erfolgreiche Zukunft bescheren.
Im Vorfeld der EM war die Degradierung von Captain Gökhan Inler und dessen Nicht-Nomination für die Endrunde grosses Thema. Während dem Turnier dachte aber niemand mehr an den Leicester-Reservisten. Warum auch, wenn man Behrami und Xhaka hat?
Beim englischen Meister Leicester kam Inler (l.) nur sehr sporadisch zum Einsatz. Bild: AP
So sehr das Schweizer Defensivspiel überzeugte, so gross ist das Potenzial im Angriff. In der Offensive fand die Nati kein Rezept, das funktionierte. Zwei Tore entstanden nach Standards und dann war da noch Shaqiris Wunderkiste. Stammstürmer Haris Seferovic war lauffreudig wie eh und je, liess aber im Abschluss die Kaltblütigkeit eines Starstürmers vermissen. Für ein verbessertes Offensivspiel sind von Petkovic künftig neue Ansätze gefragt.
Haris Seferovic rackerte, blieb an der EM aber ohne Torerfolg.
Bild: Max Rossi/REUTERS