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Eliud Kipchoge will als erster Mensch einen Marathon in unter 2 Stunden absolvieren. Bild: AP

So soll die magische 2-Stunden-Schallmauer im Marathon geknackt werden

Eliud Kipchoge versucht es morgen Samstag in Wien zum zweiten Mal: Er will den Marathon in unter 2 Stunden laufen. Das bedeutet: 422 Mal in Serie einen 100-Meterlauf in 17 Sekunden absolvieren! Zehn Punkte, die dir alles sagen, was du wissen musst.

Publiziert: 11.10.19, 15:57 Aktualisiert: 11.10.19, 16:59

Eliud Kipchoge ist Weltrekordhalter im Marathon. 2018 lief er in Berlin die traditionelle Strecke von 42,195 Kilometern in sagenhaften 2:01:39 Stunden. Um die Schallmauer von zwei Stunden zu unterbieten, fehlen nur noch 100 Sekunden. Der Kenianer will dies morgen Samstag als erster Mensch schaffen.

Lange galt die 2-Stunden-Grenze als nicht möglich. Doch schon im Mai 2017 hätte es der heute 34-jährige Kenianer fast geschafft. Unter dem Motto «Breaking2» versuchte er sich auf der Rennstrecke in Monza – und scheiterte um 25 Sekunden. Jetzt soll es also das Projekt «1:59 Challenge» in Wien richten.

Doch wie schon in Monza gilt: Als offizieller Weltrekord wird die Zeit nicht anerkannt. Denn das Rennen ist kein normaler Marathon. Wir zeigen, wie die Schallmauer geknackt werden soll:

Entwicklung des Marathon-Weltrekords

Bevor wir auf Wien blicken, hier aber noch die Entwicklung des Marathon-Weltrekords.

Bild: watson

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Wo findet der Versuch statt?

Ausgewählt wurde Wien. Das Wetter im Oktober sei dann in Österreichs Hauptstadt normalerweise ideal für einen Marathon.

Die Strecke in Wien. Video: YouTube/INEOS 1:59 Challenge

Zudem wurde mit der Prater-Hauptallee eine perfekte Strecke gefunden. Sponsor Ineos sorgte gar dafür, dass die Strasse neu geteert wurde. Der Rundkurs von 9,6 Kilometer führt während 8,8 Kilometern geradeaus. In den Kurven wurden kleine Steilwände montiert, damit der Kenianer weniger Kraftverlust hat. Kipchoge muss die Runde 4,4-mal absolvieren.

Zudem stehen viele Bäume entlang der Strecke. Diese schützen zum einen vor dem Wind, zum anderen sorgen sie für viel Sauerstoff.

Wann geht es los?

Ein Team aus Wetterspezialisten hat entscheiden, wann Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Co. am idealsten sind: Um 8.15 Uhr geht es in Wien los.

Kipchoge hatte ein Zeitfenster vom 12. bis 20. Oktober. Meteorologen haben den idealen Tag ausgesucht und wollen es gleich am erstmöglichen Datum versuchen.

Wie schnell muss Kipchoge rennen?

Wer 42,195 Kilometer in unter zwei Stunden zurücklegen will, muss im Schnitt mit 21 km/h unterwegs sein. Wie schnell das ist? Pro Kilometer hat der 1,67 Meter kleine und 52 Kilogramm schwere Läufer 2:50 Minuten, auf 100 Meter sind das 17,08 Sekunden. 422 Mal in Serie.

Die Mehrheit der Menschheit könnte Kipchoge also kaum 100 Meter folgen. Als Kipchoge 2018 seinen Weltrekord in Berlin aufstellte, versuchten unsere Mitarbeiter Corsin, Helene und Viktoria das Tempo so lange wie möglich zu halten. Mini-Pingpong-Gott Corsin schaffte immerhin 73 Sekunden.

Wir watsons legen uns mit Marathon-Weltrekord an:

Video: watson/Angelina Graf

Wer hilft ihm?

Unglaubliche 41 Topläufer stehen Kipchoge als Tempomacher zur Verfügung. Diese wechseln sich laufend ab. Immer sechs sind mit Kipchoge unterwegs und sorgen für Windschatten. Mit dabei sind auch der Schweizer Julien Wanders und die drei Ingebrigtsen-Brüder.

Kipchoge und seine Tempomacher. Vorne rechts der Schweizer Julien Wanders. Bild: AP

Neben den Tempomachern fährt vor der Läufergruppe ein Auto mit grosser Zeitanzeige. Auch dieses sorgt für zusätzlichen Windschatten. Wie viel Zeit damit wirklich gewonnen wird, ist umstritten. Vorsichtig wird mit rund einer Minute gerechnet.

Wie trainierte Kipchoge?

Kipchoge flog am Dienstag nach Wien. Davor trainierte er in seiner Heimat in Kaptagat auf 2500 Metern über Meer. Der Kenianer lief während den letzten rund drei Monaten wöchentlich ca. 200 Kilometer. Das macht 3200 Kilometer oder 76 Marathons seit Juli 2019. Das meiste Training rannte er in dem Tempo, das er auch beim Rekordversuch anschlagen muss: 2:50 Minuten pro Kilometer.

Normalerweise absolvierte er zwei Trainings am Tag und machte auch Krafttraining und Rumpfübungen.

Was ist mit diesem Wunderschuh?

Auch Nike erhält seinen Teil vom Werbekuchen. Der Sportartikelhersteller liefert das neuste Modell des Vaporfly. Seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio veränderte dieser Schuh den Langstreckenlauf.

In Wien trägt Kipchoge den «Vaporfly Next%». Die «New York Times» veröffentlichte eine Studie, die von einem Energieersparnis von einem Prozent sprach. Für die «Challenge 1:59» rechnen Experten mit bis zu einer Minute Zeitersparnis. In der Schweiz ist der Schuh ab 310 Franken erhältlich.

Wie wird verpflegt?

Kipchoge wird – wie schon in Monza – von einem Velo aus Verpflegung erhalten. Auch damit spart er sich noch einige Sekunden. Zudem kann er jederzeit Nahrung verlangen.

Drei Tage vor dem Rennen begann der Kenianer mit dem Carbo-Loading für den Event. Obwohl natürlich auch bei der Ernährung vieles stimmen muss, seien hier nicht die grossen Unterschiede herauszuholen.

So sah das 2017 in Monza aus. Auch dieses Mal gilt wieder: Begleitfahrzeug, Tempomacher und gut vom Wind geschützt: Eliud Kipchoge. Bild: AP/AP

Was sagt Kipchoge?

Sein Trainer Patrick Sang erzählte, dass Kipchoge ihm beim Verlassen des Flugzeugs in Wien sagte: «Ich bin bereit.» Mental dürfte es dieses Mal sicher einfacher sein. Kipchoge selbst erklärte, dass er 2017 in Monza noch nicht wusste, wie alles ablaufen werde. Jetzt kennt er das Gefühl, so schnell und unter anderen Umständen zu rennen.

Bild: AP

Er glaubt, dass er die 2-Stunden-Marke unterbieten wird. Davon gehen übrigens auch die Wettbüros aus. Bei Bwin zum Beispiel erhält man 1.80, wenn er es schafft, aber 1.95, wenn es nicht gelingt.

Kann ich das irgendwo sehen?

Ja. Im Gegensatz zum Versuch in Monza werden dieses Mal Zuschauer an der Strecke stehen. Erwartet werden bis zu 20'000 Fans. Alle anderen können den Rekordversuch unter anderem im Livestream auf Youtube verfolgen.

Alle Leichtathletik-Weltrekorde

Männer– 100 Meter: Usain Bolt (JAM), 9,58 Sekunden, 2009 in Berlin. AP / Gero Breloer
200 Meter: Usain Bolt (JAM), 19,19 Sekunden, 2009 in Berlin. AP / David J. Phillip
400 Meter: Wayde Van Niekerk (RSA), 43,03 Sekunden, 2016 in Rio de Janeiro. AP/AP / Martin Meissner
800 Meter: David Lekuta Rudisha (KEN), 1:40,91 Minuten, 2012 in London. EPA / KERIM OKTEN
1500 Meter: Hicham El Guerrouj (MAR), 3:26,00 Minuten, 1998 in Rom. Getty Images Europe / Mark Thompson
5000 Meter: Joshua Cheptegei (UGA), 12:35,36 Minuten, 2020 in Monaco (MON). keystone / Valery Hache
10'000 Meter: Joshua Cheptegei (UGA), 26:11,00 Minuten, 2020 in Valenica (ESP). keystone / Manuel Bruque
Marathon: Eliud Kipchoge (KEN), 2:01:39 Stunden, 2018 in Berlin. AP/AP / Markus Schreiber
110 Meter Hürden: Aries Merritt (USA), 12,80 Sekunden, 2012 in Brüssel. EPA / JULIEN WARNAND
400 Meter Hürden: Karsten Warholm (NOR), 45,94 Sekunden, 2021 in Tokio. keystone / Charlie Riedel
3000 Meter Steeple: Saif Saaeed Shaheen (QAT), 7:53,63 Minuten, 2004 in Brüssel. AP / GEERT VANDEN WIJNGAERT
Hochsprung: Javier Sotomayor (CUB), 2,45 Meter, 1993 in Salamanca (ESP).
Stabhochsprung: Armand Duplantis (SWE), 6,17 Meter, 2020 in Torun (SWE). EPA / TYTUS ZMIJEWSKI
Weitsprung: Mike Powell (USA), 8,95 Meter, 1991 in Tokio.
Dreisprung: Jonathan Edwards (GBR), 18,29 Meter, 1995 in Göteborg. Getty Images Europe / Mike Powell
Kugelstossen: Randy Barnes (USA), 23,12 Meter, 1990 in Los Angeles. AP / ED REINKE
Diskuswurf: Jürgen Schult (GDR), 74,08 Meter, 1986 in Neubrandenburg. Getty Images Europe / Gray Mortimore
Hammerwurf: Jurij Sedych (URS), 86,74 Meter, 1986 in Stuttgart.
Speerwurf: Jan Zelezny (CZE), 98,48 Meter, 1996 in Jena. Getty Images Europe / Gary M. Prior
Zehnkampf: Kévin Mayer (FRA), 9126 Punkte, 2018 in Talence.
20-km-Gehen: Yusuke Suzuki (JPN), 1:16:36 Stunden, 2015 in Nomi.
50-km-Gehen: Yohann Diniz (FRA), 3:32:33 Stunden, 2014 in Zürich. Getty Images Europe / Ian Walton
4×100-Meter-Staffel: Jamaika (Nesta Carter, Michael Frater, Yohan Blake, Usain Bolt), 36,84 Sekunden, 2012 in London. AP / David J. Phillip
4×400-Meter-Staffel: USA (Andrew Valmon, Quincy Watts, Harry Reynolds, Michael Johnson), 2:54,29 Minuten, 1993 in Stuttgart. Getty Images Europe / Mike Powell
Frauen – 100 Meter: Florence Griffith-Joyner (USA), 10,49 Sekunden, 1988 in Indianapolis.
200 Meter: Florence Griffith-Joyner (USA), 21,34 Sekunden, 1988 in Seoul.
400 Meter: Marita Koch (GDR), 47,60 Sekunden, 1985 in Canberra. Getty Images Europe / Getty Images
800 Meter: Jarmila Kratochvilova (TCH), 1:53,28 Minuten, 1983 in München. Getty Images Europe / Trevor Jones
1500 Meter: Genzebe Dibaba (ETH), 3:50,07 Minuten, 2015 in Monaco. AP / CLAUDE PARIS
5000 Meter: Letesenbet Gidey (ETH), 14:06,62 Minuten, 2020 in Valencia. keystone / Manuel Bruque
10'000 Meter: Almaz Ayana (ETH), 29:17,45 Minuten, 2016 in Rio de Janeiro. EPA/EFE / ANTONIO LACERDA
Marathon: Brigid Kosgei (KEN), 2:14:04 Stunden, 2019 in Chicago (USA). EPA / TANNEN MAURY
100 Meter Hürden: Kendra Harrison (USA), 12,20 Sekunden, 2016 in London. X01095 / Eddie Keogh
400 Meter Hürden: Sydney McLaughlin (USA), 51,90 Sekunden, 2021 in Eugene (USA). keystone / Ashley Landis
EPA / ALI HAIDER
3000 Meter Steeple: Beatrice Chepkoech (KEN), 8:44,32 Minuten, 2018 in Monaco. AP/AP / Claude Paris
Hochsprung: Stefka Kostadinowa (BUL), 2,09 Meter, 1987 in Rom. Getty Images Europe / Mike Powell
Stabhochsprung: Jelena Issinbajewa (RUS), 5,06 Meter, 2009 in Zürich. Getty Images Europe / Paul Gilham
Weitsprung: Galina Tschistjakowa (URS), 7,52 Meter, 1988 in Leningrad. Getty Images Europe / Gray Mortimore
Dreisprung: Yulimar Rojas (VEN), 15,67 Meter, 2021 in Tokio. keystone / David J. Phillip
Kugelstossen: Natalja Lissowskaja (URS), 22,63 Meter, 1987 in Moskau. Getty Images Europe / Bob Martin
Diskuswurf: Gabriele Reinsch (GDR), 76,80 Meter, 1988 in Neubrandenburg.
Hammerwurf: Anita Wlodarczyk (POL), 82,98 Meter, 2016 in Warschau. imago sportfotodienst / East News
Speerwurf: Barbora Spotakova (CZE), 72,28 Meter, 2008 in Stuttgart. Bongarts / Alexander Hassenstein
Siebenkampf: Jackie Joyner-Kersee (USA), 7291 Punkte, 1988 in Seoul. Getty Images Europe / Bob Martin
20-km-Gehen: Liu Hong (CHN), 1:24:38 Stunden, 2015 in La Coruna.
4×100-Meter-Staffel: USA (Tianna Madison, Allyson Felix, Bianca Knight, Carmelita Jeter), 40,82 Sekunden, 2012 in London. EPA / JOHN G.MABANGLO
4×400-Meter-Staffel: Sowjetunion (Tazzjana Ljadouskaja, Olga Nasarowa, Marija Pinigina, Olha Bryshina), 3:15,17 Minuten, 1988 in Seoul. Getty Images Europe / Tony Duffy

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Video: watson

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