Bild: JOSUE DECAVELE/REUTERS
«Im Tessin haben wir die Situation nicht zu 100 Prozent im Griff»: Die Zika-Mücke bereitet auch in der Schweiz Sorgen
Das Bundesamt für Gesundheit soll für Infektionen, die auf das gefährliche Zika-Virus zurückzuführen sind, umgehend die Meldepflicht einführen. Dies fordert der Schweizer Mückenexperte Peter Lüthy im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».
Lüthy rechnet damit, dass sich durch die rege Reisetätigkeit unter anderem auch wegen der Olympischen Spiele in Rio auch bald bei uns die Verdachtsfälle häufen werden.
Das Zika-Virus breitet sich derzeit rasant in Südamerika aus. Alleine in Brasilien sollen laut jüngsten Angaben bis zu 1,5 Millionen Menschen mit dem Erreger infiziert worden sein. Das Virus ist vor allem für Schwangere sehr gefährlich. Es kann zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen. In Brasilien hat sich die Zahl der Verdachtsfälle seit Oktober dramatisch erhöht. Über 4180 Kinder sollen betroffen sein.
Die Weltgesundheitsbehörde WHO prüft, einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen, wie sie das zuletzt im August 2014 wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika getan hat. Dann würden für die betroffenen Länder die Warn- und Vorsichtsmassnahmen deutlich verschärft, womöglich müssten Flugreisende sich auf verschärfte Gesundheitskontrollen einstellen.
Übertragen wird das Virus von der Tigermücke. Diese hat sich auch im Tessin ausgebreitet. Die Tigermücke fliegt zwar nicht weit, sie ist aber nur schwer zu bekämpfen. «Die Situation im Tessin haben wir nicht hundertprozentig im Griff», sagt Peter Lüthy.
Was steckt hinter dem Zika-Virus?
In den vergangenen Monaten sind in Brasilien rund 4000 Babys mit zu kleinem Kopf auf die Welt gekommen. AP/AP / Felipe Dana
Die Anzeichen verdichten sich, dass das Zika-Virus dahinter steckt. Getty Images South America / Mario Tama
Bei den Neugeborenen wurde «Mikrozephalie» festgestellt. Dabei ist der Kopfumfang des Kindes zu klein, was meistens zu geistigen Behinderungen führt. AP/AP / Felipe Dana
Das Virus wurde 1947 im Zikawald in Uganda entdeckt, daher der Name. AP/AP / Felipe Dana
Übertragen wird der Krankheitserreger durch sogenannte Tigermücken, das sind dieselben Insekten, die auch das Denguefieber übertragen. AP/AP / Andre Penner
Laut WHO ist das Virus bereits in 21 Ländern Lateinamerikas präsent. Besonders betroffen ist Brasilien. AP/AP / Felipe Dana
Rund 400'000 schwangere Frauen sollen in Brasilien nun kostenlos Moskitoschutzmittel erhalten. AP/AP / Felipe Dana
Bei Erwachsenen ruft das Virus Fieber, Gelenkschmerzen und Hautausschlag hervor. Meistens klingen die Syptome nach einer Woche wieder ab. Getty Images South America / Mario Tama
Allerdings könnte das Zika-Virus weitaus gefährlichere Folgekrankheiten hervorrufen. Diese werden momentan untersucht. AP/AP / Felipe Dana
Dieser Peruaner versucht auf einem Friedhof die Mücken unschädlich zu machen. AP/AP / Martin Mejia
In Brasilien wurden derweil 220'000 Soldaten entsandt, um das Virus zu bekämpfen. Getty Images South America / Mario Tama
Auch in der Schweiz wurden die ersten zwei Zika-Fälle gemeldet. Es handelt sich um zwei Personen, die sich in den Tropen infiziert haben. AP/AP / Leo Correa
Schwangere Frauen sollen deshalb nicht in die betroffenen Gebiete reisen, rät das Bundesamt für Gesundheit. EPA/SECRETARY OFFICE OF HEALTH / SECRETARY OFFICE OF HEALTH / HANDOUT
Einige Experten vermuten, dass das Virus mit den vielen Reisenden während der Fussball-WM 2014 nach Brasilien gelangt ist. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
In Brasilien stehen dieses Jahr Grossevents wie der Rio Carnaval und die Olympischen Spiele auf dem Programm. Der Druck auf die brasilianische Gesundheitsbehörde ist deshalb besonders gross. X00856 / PILAR OLIVARES
Ob das Virus auch sexuell übertragbar ist, lässt sich momentan noch nicht sagen, entsprechende Untersuchungen sind im Gange. EPA/EPA / AZHAR RAHIM
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