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Schlag gegen deutsche Reichsbürgerszene – 31 Wohnungen durchsucht

Publiziert: 27.05.20, 09:25 Aktualisiert: 27.05.20, 16:21

Deutsche Polizei geht gegen Reichsbürger vor (hier in einer älteren Aufnahme). Bild: kaltura://1789921/178992100/97000/1_v3hztf4c

Die deutsche Polizei durchsucht seit den Morgenstunden die Wohnungen von 31 mutmasslichen Reichsbürgern. Im Fokus stehen 25 Wohnobjekte in Baden-Württemberg und Hessen, wie das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch mitteilte.

Bei den Beschuldigten handele es sich um Führungsmitglieder und Angehörige der Reichsbürgerorganisationen «Republik Baden» und «Freier Volksstaat Württemberg» sowie ihrer Dachorganisation «Staatenbund Deutsches Reich».

Die Staatsanwaltschaften Stuttgart und Karlsruhe werfen ihnen den Angaben nach unter anderem gewerbsmässige Urkundenfälschung und Sachbeschädigung vor. Die Verdächtigen sollen etwa Reisepässe, Führerscheine und Staatsangehörigkeitsurkunden gefälscht und hergestellt haben. Ausserdem wird ihnen vorgeworfen, massenhaft Faxnachrichten mit staatsleugnerischen Inhalten an verschiedene Behörden versandt zu haben.

Die sogenannten Reichsbürger, die oft mit der rechtsextremen Szene verwoben sind, erkennen die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht an und wollen sich nicht an ihre Gesetze halten. Sie behaupten, dass das Deutsche Reich (1871–1945) fortbestehe. (aeg/sda/dpa)

Deutsch-Südwest – Reste einer Kolonie

Als Namibia noch Deutsch-Südwestafrika hiess und eine Kolonie war, liessen sich Tausende Reichsbürger in dem afrikanischen Land nieder. Ihre Spuren sind heute fast verwischt: Die verfallenen Gebäude sind stumme Zeugen jener Tage. Moment Editorial / Sergio Pessolano
Das Haus ist Teil einer Geisterstadt, die heute Kolmanskop heisst. Die Deutschen nannten sie Kolmannskuppe: Sie liegt einige Kilometer östlich von Lüderitz, der südlichsten Hafenstadt Namibias. Der Name dieses Ortes weist auf seinen Gründer hin: Der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz ... (Bild: Zeichnung von 1915, gemeinfrei)
... nahm das Gebiet für den deutschen Kaiser in Besitz. Es war eine typische Kolonialgeschichte, bei der Europäer Einheimische über den Tisch ziehen: Lüderitz machte mit dem Nama-Stamm einen Vertrag, nachdem er eine gewisse Anzahl Landmeilen kaufte. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Statt einer englischen Meile bezog sich der Tabakhändler aber auf die geographische Meile, die satte 7,5 Kilometer lang ist. In Kolmanskop holt sich die Wüste nun zurück, was damals von den Fremden herangeschafft wurde. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Dort wie auch anderswo in der Umgebung von Lüderitz wurden die Deutschen schnell glücklich – wegen der Edelsteine, die hier gefunden wurden. Deshalb das Sperrgebiet. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Was die Diamanten anging, handelten die Untertanen von Wilhelm II. ebenso skrupellos wie andere europäische Staaten in ihren Kolonien. Beispiel gefällig? Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Einheimische bauen zwischen Lüderitz und Seeheim 1909 eine Eisenbahnstrecke. Und so wurden auch erstmals Diamanten in «Deutsch-Südwest» entdeckt: Deutsche Vorarbeiter wiesen die Einheimischen beim Bau der ersten Bahn an, auf ungewöhnliche Steine zu achten.
Ein Arbeiter fand 1908 nahe Lüderitz einen Stein, zeigte ihn vor und erhielt dafür ... rein gar nichts. Der Vorarbeiter und ein Bahnangestellter hingegen kauften anschliessend vom Deutschen Reich Schürfrechte und wurden reich. Den Finder haben sie auch später nie entlohnt. (Bild: Gemeinfrei)
Kolmanskop wurde 1905 an das Bahnnetz angeschlossen. Die Siedlung liegt im Norden des früheren Diamantensperrgebiets und ist somit quasi eine klassische Goldgräberstadt. Moment Mobile ED / Rosemary Calvert
Die Bewohner brachten es dank der Edelsteine schnell zu grossem Reichtum und konnten sich einen gewissen Luxus leisten – während die Landschaft eher armselig ist: ... Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
... In dem Gebiet gibt es so gut wie keine Niederschläge. Die einzige Feuchtigkeit liefert Nebel, der sich allmorgendlich an der Atlantikküste Namibias sammelt. Und während es tagsüber sehr, sehr heiss wird, sinken nachts die Temperaturen unter null. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Einmal im Monat, immer am 25., traf ein Schiff aus Deutschland, genauer gesagt Hamburg, ein und versorgte die Siedler mit Post und Waren. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Aber was kümmert einen schon das harte Klima, wenn man zu Hause im trauten Heim ... Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
... abends erst mal schön eine Runde kegeln kann? Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
In der Blütezeit lebten bis zu 400 Deutsche in Kolmanskop – artig getrennt nach Junggesellen und Eheleuten. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Ein Kraftwerk, ein Theater, eine Turnhalle und – ganz wichtig – ein Metzger sorgten dafür, dass sich die Europäer trotz widriger Verhältnisse wohl fühlten. Das Hospital beherbergte das erste Röntgengerät der südlichen Hemisphäre. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Und natürlich bauten die Deutschen Festungsanlagen wie diese: Nachdem das Deutsche Reich die Herero und Nama mit Krieg überzog und unter anderem die Wasserstellen der Einheimischen vergiftete, war das auch bitter nötig.
Erst durch das Einschiffen von 15'000 Soldaten gelang es Berlin, zwischen 1904 und 1908 den Widerstand der indigenen Völker zu brechen. Generalleutnant Lothar von Trotha kam seinem Ziel, der völligen Vernichtung des Feindes, sehr nahe: ... Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
... Von den 1904 geschätzten 100'000 Herero kamen zwischen 65'000 und 85'000 um. Ausserdem wurden 10'000 Nama getötet. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Nach 1908 verspürte das Land einen zaghaften Aufschwung, was zum einen an den Diamantenfunden, vor allem aber an der Erschliessung durch Eisenbahnen lag. Neben wertvollen Steinen ... Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
... wurden vor allem Felle und Kupfererze exportiert. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war das koloniale Abenteuer des Deutschen Reiches jedoch schnell Geschichte: ... Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
... Einer bunt zusammengewürfelten Schutzmacht-Truppe von 5000 Mann standen auf Seiten Grossbritanniens und Südafrikas 43'000 Mann gegenüber. Die Deutschen hatten 5 Fahrzeuge, ihr Feind dagegen 2000. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Nach dem Krieg beauftragte der Völkerbund 1920 Südafrika damit, sich um das Land zu kümmern. Während deutscher Einfluss zurückgedrängt werden konnte, exportierte Südafrika leider auch seine Apartheidspolitik nach Namibia. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Erst nachdem der Internationale Gerichtshof in Den Haag 1971 feststellte, dass die südafrikanische Verwaltung des Nachbarlandes illegal war, konnte Namibia allmählich seine Unabhängigkeit erringen. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Und nun holt sich die Natur auch die letzten Überreste deutscher Kultur in Namibia zurück. Universal Images Group Editorial / Hoberman Collection
Moment Mobile ED / Jialiang Gao
LightRocket / Wolfgang Kaehler

Reichsbürger-Treffen in der Schweiz – mit SVP-Gast

Video: SRF / SDA SRF

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