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Merkel und Scholz versichern: Grosse Koalition weiter «arbeitsfähig»

Publiziert: 06.11.19, 14:27 Aktualisiert: 06.11.19, 14:27

Merkel und Scholz. Bild: EPA

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) haben den Willen der grossen Regierungskoalition zur Weiterarbeit unterstrichen - ungeachtet der Spekulationen über ein vorzeitiges Ende.

Merkel sagte am Mittwoch in Berlin mit Blick auf die Halbzeitbilanz der Regierung, von 300 geplanten grossen Massnahmen seien zwei Drittel vollendet oder auf den Weg gebracht worden. «Das zeigt, dass wir arbeitsfähig und arbeitswillig sind.»

Zuletzt gab es unter anderem wegen des Grundrenten-Streits Spekulationen über ein Aus der Koalition noch vor dem Ende der Legislaturperiode im Herbst 2021. Eine positive Zwischenbilanz, mit der sich das Kabinett am Mittwoch befasste, gilt als eine wesentliche Grundlage für den Fortbestand des Bündnisses von CDU/CSU und SPD. Sie war auf Betreiben der SPD in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden.

Schnelles Abarbeiten

Scholz sagte nun bei der Übergabe des Jahresgutachtens der «Wirtschaftsweisen» im Kanzleramt, die festgeschriebene Bestandsaufnahme zur Halbzeit habe wesentlich zum schnellen Abarbeiten der Vorhaben beigetragen.

Weder Scholz noch Merkel gingen auf den Koalitionsstreit um die Grundrente ein. In der Halbzeitbilanz steht die Grundrente unter «Was wir noch vorhaben». Zum Streit, ob die Bedürftigkeit der Bezieher geprüft werden soll, heisst es nun: «Die Grundrente soll zielgenau sein und denen zugutekommen, die sie brauchen.»

Scholz hob «grosse Fortschritte» bei der sozialen Sicherung, der Familienpolitik sowie beim Thema Wohnen und Mieten hervor. Es sei aber «noch was zu tun». Er nannte den Abbau von sachgrundlosen Befristungen bei Arbeitsverträgen. Es gehe darum, den Strukturwandel zu meistern.

Investitionen in die Zukunft

Der Finanzminister nannte ähnlich wie die Kanzlerin den Ausbau der Elektromobilität und erneuerbarer Energien sowie die Digitalisierung als Zukunftsaufgaben.

Merkels Gesichtszüge

Angela Merkel tätschtelt einen Kiwi namens Whau in Auckland – der Vogel schaut betreten zu Boden. X00425 / NIGEL MARPLE
Die deutsche Kanzlerin legte in Neuseeland einen Zwischenstopp ein vor dem G-20 Gipfel in Australien. Bei dieser Gelegenheit kam es zu der Begegnung zwischen Merkel und dem kleinen Vogel. Die Begeisterung ist gross. EPA/dpa / KAY NIETFELD
Jovial wird das Vögelchen gestreichelt, so ganz entspannt sieht das bei der deutschen Kanzlerin aber doch nicht aus. EPA/dpa / KAY NIETFELD
Der neuseeländische Premierminister John Key wagt sich auch einmal an den Vogel ran – sehr zur Freude von Merkel. EPA/dpa / KAY NIETFELD
Es gab aber auch wichtige Dinge zu besprechen: Pressekonferenz mit John Key und Angela Merkel. EPA/EPA / SNPA / Ross Setford
John Key, Premierminister Neuseelands, an der Pressekonferenz. EPA/EPA / SNPA / Ross Setford
Angela Merkel schreitet eine Parade ab – so ganz begeistert scheint die Kanzlerin von den Männern in Weiss nicht zu sein. AP/NZ Herald / Jason Oxenham
Ob sie in Gedanken noch bei dem flauschigen Vögelchen ist? EPA/SNPA / ROSS SETFORD
Angela Merkel erhält einen Hongi, ein traditioneller Maori-Wilkommensgruss. AP/NZ Herald / Jason Oxenham
Die Körperhaltung der Kanzlerin ist nicht über jeden Zweifel erhaben, angesichts der dramatischen Szenen, die sich vor ihr abspielen aber völlig verständlich. EPA/DPA / KAY NIETFELD
Ein Maori versucht, die Gesichtsausdrücke der Kanzlerin nachzuahmen – ohne Erfolg. EPA/SNPA / ROSS SETFORD
Maori-Begrüssungszeremonie in Auckland. EPA/DPA / KAY NIETFELD
John Key und Angela Merkel flanieren an der Küste von Motutapu Island entlang. Die beiden Staatsoberhäupter scheinen sich gut zu verstehen. Getty Images AsiaPac / Handout

In Koalitionskreisen heisst es, noch wesentlich wichtiger als eine rückblickende Bestandsaufnahme werde es sein, Zukunftsprojekte für die Zeit bis zur regulären Bundestagswahl im Herbst 2021 in Angriff zu nehmen. Die Kanzlerin sagte denn auch, die Koalition investiere in die Zukunft. Auch sie wies auf die Förderung von Familien und auf Wohnungsbaupakete hin.

Auch in der 84-seitigen Halbzeitbilanz signalisierte die grosse Koalition in der Einleitung, dass sie weitermachen will: «Zusammen mit den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben wir viel erreicht und umgesetzt – aber es bleibt auch noch viel zu tun.»

Die Bestandsaufnahme orientiert sich an den Kapiteln des Koalitionsvertrages und listet alle Vorhaben auf, die bis Anfang November 2019 in Kraft getreten sind oder sich im parlamentarischen Verfahren befinden. Zugleich wird jeweils angegeben, «was wir noch vorhaben» - in Bildung, Forschung und Digitalisierung etwa, bei der Integration, bei bezahlbarem Wohnen oder zum Zusammenhalt der Gesellschaft.

Zunehmende Fliehkräfte

Zum letztgenannten Punkt heisst es: «Wir leben in einer Zeit, in der die politischen und gesellschaftlichen Fliehkräfte zunehmen. Der Ausgleich unterschiedlicher Interessen und die in einer Demokratie unabdingbare Bereitschaft zum Kompromiss verlieren an Akzeptanz».

Die SPD will auf einem Parteitag vom 6. bis 8. Dezember ihre Spitze neu wählen und über die Halbzeitbilanz und die Zukunft der Koalition entscheiden.

Angela Merkel wirbt in Harvard für eine offene Welt

Video: srf

Die SPD-Fraktion ist nach Angaben ihres Parlamentarischen Geschäftsführers Carsten Schneider überwiegend zufrieden mit der bisherigen Bilanz der Koalitionsarbeit. Geschätzt «90 Prozent sind zufrieden mit dem, was wir bisher gemacht haben», sagte er.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wird in einem Papier seines Ministeriums dahingehend zitiert, dass Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz sowie eine aktive Industriepolitik anderer Staaten und ein rauer werdender internationaler Wettbewerb eine Anpassung der Strategien von Politik und Unternehmen verlangten. (aeg/sda/dpa)

Das war der G7-Gipfel in Biarritz

Am Wochenende lud der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zum G7-Gipfel in Biarritz ein. EPA / IAN LANGSDON
Am Gipfel teilgenommen haben unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump. EPA / IAN LANGSDON
Mit dabei waren auch die Staats- und Regierungschefs aus Italien, Japan, Kanada, England und der Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk.
Nebst den G7 waren auch Gäste eingeladen. So wie hier im Bild während der Sitzung «G7 Partnership with Africa» mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa, dem Präsidenten von Burkina Faso Roch Marc Christian Kaboré, dem ägyptischen Präsidenten Abdel-Fattah el-Sisi, dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall und dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame. EPA / PHILIPPE WOJAZER / POOL
Trump zeigte sich zufrieden mit dem Auftakt. «Wir haben sehr gute Treffen, die Anführer kommen sehr gut miteinander aus», schrieb er auf Twitter. AP / Andrew Harnik
Trump stärkte zudem dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson beim G7-Gipfel den Rücken für den bevorstehenden Austritt aus der EU. «Er ist der richtige Mann für den Job», sagte Trump am Sonntag. EPA / STEFAN ROUSSEAU / POOL
Im Vorfeld und während des G7-Gipfels gab es zahlreiche Proteste in Biarritz. Mindestens 68 Menschen seien festgenommen und 38 von ihnen in Polizeigewahrsam genommen worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die örtliche Präfektur. EPA / FREDERIC SCHEIBER
In Bayonne, der Nachbarstadt von Biarritz, waren am Abend bei einer ungenehmigten Demonstration Steine geflogen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. EPA / GUILLAUME HORCAJUELO
Die französische Regierung hat über 13'000 Sicherheitskräfte mobilisiert, um den noch bis Montag dauernden Gipfel der führenden Industrienationen zu schützen. EPA / IAN LANGSDON
Brigitte Macron, Melania Trump und Malgorzata Tusk, die Frau von Donald Tusk, konnten während ihrem Besuch in Biarritz eine Aufführung von baskischen Tänzerinnen geniessen. EPA / REGIS DUVIGNAU / POOL
Währenddessen besprachen die Staatschefs der mächtigsten Industrienationen diverse Themen. Gesprochen wurde unter anderem über die Waldbrände im Amazonas, die digitale Revolution und den Iran. EPA / IAN LANGSDON
Zum Auftakt des Gipfels hatte der französische Staatschef Emmanuel Macron am Samstag seine Gäste zu einem Abendessen in dem schicken Seebad am Atlantik empfangen. EPA / Andrew Parsons / POOL

Dritter Zitteranfall in der Öffentlichkeit

Video: SRF / Roberto Krone

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