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Medizin-Nobelpreis für Entdecker der Sauerstoffsensoren von Zellen

Publiziert: 07.10.19, 11:43 Aktualisiert: 07.10.19, 13:46

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William G. Kaelin Jr, Sir Peter J. Ratcliffe und Gregg L. Semenza teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Sie werden für die Entdeckung geehrt, wie Zellen die Verfügbarkeit von Sauerstoff wahrnehmen und sich daran anpassen.

Sauerstoff ist zentral für das Leben auf der Erde und für den Stoffwechsel. Aber wie genau Zellen unterschiedliche Verfügbarkeiten von Sauerstoff wahrnehmen und sich daran anpassen, war lange unklar, wie das Nobel-Komitee am Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. Die US-Forscher William G. Kaelin Jr von der Harvard Medical School, Gregg L. Semenza von der Johns Hopkins University in Baltimore und der Brite Sir Peter J. Ratcliffe von der University of Oxford haben molekulare Mechanismen entschlüsselt, wie unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen den Stoffwechsel und die physiologische Funktion von Zellen beeinflussen.

Es gehe um einen der essenziellsten Anpassungsprozesse von Lebewesen, erklärte das Nobel-Komitee. Die Entdeckungen der drei Forscher hätten auch wichtige Grundlagen gelegt, eine Vielzahl von Krankheiten, darunter Blutarmut und Krebs, zu bekämpfen.

Steuerung der Sauerstoffmangel-Antwort

Im Mittelpunkt der Forschung der drei Nobellaureaten stehen Proteine, die in Abhängigkeit der Sauerstoffverfügbarkeit die Produktion des Blutbildungs-Hormons Erythropoietin (EPO) regulieren. Durch Entschlüsselung der Mechanismen, wie bestimmte Gene in Antwort auf Sauerstoffmangel aktiviert werden, trugen sie zum Verständnis bei, wie Zellen ihren Stoffwechsel an niedrige Sauerstoffverfügbarkeit anpassen.

Beispielsweise müssen sich unsere Muskeln beim Sporttreiben an den erhöhten Sauerstoffverbrauch anpassen. Auch die Bildung neuer Blutgefässe und roter Blutzellen, die Feinsteuerung des Immunsystems und die Embryonal- und Plazentaentwicklung hängen mit der Maschinerie der Zellen zusammen, die Sauerstoff messen und Gene entsprechend aktivieren.

Von Krebszellen genutzt

Die Entdeckungen der Forscher haben beispielsweise auch Relevanz beim Verständnis von Krebs: Krebszellen nutzen diese Sauerstoffsensorik, um die Bildung von Blutgefässen anzuregen und sich selbst mit ausreichend Sauerstoff für ihr beschleunigtes Wachstum zu versorgen.

Die Nobelpreise sind pro Kategorie mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 908'000 Franken) dotiert. Offiziell geehrt werden die Preisträger am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel. Sie erhalten dann neben dem Preisgeld die berühmte Medaille sowie eine Nobelurkunde.

(dfr/sda)

(dfr)

Schweizer Nobelpreisträger

Jacques Dubochet erhielt 2017 den Nobelpreis für Chemie. Der Romand – er war jahrelang an der Universität Lausanne als Professor aktiv – wurde gemeinsam mit dem Deutsch-Amerikaner Joachim Frank und dem Briten Richard Henderson für eine neuartige Mikroskop-Technologie geehrt, mit der Moleküle dreidimensional beobachtet werden können, ohne sie dabei zu verändern. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Kurt Wüthrich ist der Gewinner des Nobelpreis für Chemie im Jahr 2002. Zusammen mit dem Amerikaner John B. Fenn und dem Japaner Koichi Tanaker erhielt er den Preis für seine Arbeiten zur Proteinstruktur. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Die internationale Organisation mit Sitz in Genf, Médecins Sans Frontières, erhielt den Friedensnobelpreis 1999 für die humanitäre Arbeit auf mehreren Kontinenten. EPA / STRINGER
Rolf M. Zinkernagel erhielt 1996 den Medizin-Nobelpreis. Er entdeckte mit dem Australier Peter Doherty 1973, wie das Immunsystem virusinfizierte Zellen erkennt. KEYSTONE / PETER LAUTH
Der in China geborene Schweizer Edmond Henri Fischer erhielt 1992 zusammen mit Edwin Krebs den Medizin-Nobelpreis. Das Nobelpreiskomitee ehrte ihre Arbeit für die Entdeckung der Mechanismen, welche die Stoffwechselvorgänge in Organismen steuern. KEYSTONE / STR
Der ETH-Professor Richard Ernst erhielt 1992 den Chemie-Nobelpreis für seine Beiträge zur Entwicklung der hochauflösenden magnetischen Kernresonanz-Spektroskopie. KEYSTONE / GAETAN BALLY
Der Schweizer Dr. Karl Alex Mueller, rechts, und der deutsche Dr. Johannes Georg Bednorz, links, erhielten 1987 den Nobelpreis für die Entdeckung von Supraleitungen in keramischen Materialien. KEYSTONE / STR
Heinrich Rohrer (links) erhielt 1986 zusammen mit Ernst Ruska und Gerd Binnig (rechts) den Physik-Nobelpreis für Forschung in der Entwicklung des Rastertunnelmikroskops. KEYSTONE / STR
Werner Arber erhielt 1978 den Medizin-Nobelpreis. Zusammen mit seinen Mit-Preisträgern Daniel Nathans und Hamilton Smith entdeckte er die Restriktionsenzyme und ihre Anwendung in der Molekulargenetik. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Daniel Bovet erhielt 1957 den Medizin-Nobelpreis für seine Entdeckungen im Zusammenhang mit synthetischen Verbindungen, die die Aktivität gewisser Substanzen im Körper hemmen, und speziell für Untersuchungen von deren Wirkung auf das Gefässsystem und die Skelettmuskulatur.
Felix Bloch, Nobelpreisträger für Physik, hält 1966 am Dies Accademicus in der Universität Zürich, Schweiz, eine Rede. KEYSTONE / STR
Tadeus Reichstein erhielt 1950 den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen. Seiner Forschung wegen wurde ein Verfahren entwickelt, wie man industriell Vitamin-C produzieren kann. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
Walter Rudolf Hess erhielt zusammen mit António Caetano de Abreu Freire Egas Moniz 1949 den Psychologie-Nobelpreis für die Entdeckung des therapeutischen Wertes der präfrontalen Leukotomie bei gewissen Psychosen.
Paul Hermann Müller erhielt 1948 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der starken Wirkung von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Arthropoden. Es war das erste Mal, dass dieser Preis an einen Nichtmediziner vergeben wurde.
Der in Deutschland geborene Schriftsteller Hermann Hesse erhielt 1946 den Literatur-Nobelpreis.
Der schweizerisch-kroatische Chemiker Leopold Ružička erhielt zusammen mit Adolf Butenandt den Chemie-Nobelpreis für seine Arbeiten über Polymethylene und höhere Terpenverbindungen.
1937 erhielt Karrer für seine Forschungen über den Aufbau der Carotinoide, der Flavine und der Vitamine A und B zusammen mit Walter Norman Haworth den Nobelpreis für Chemie.
Für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts erhielt Albert Einstein 1922 den Nobelpreis.
Charles Édouard Guillaume erhielt 1920 den Physik-Nobelpreis für seine Arbeiten in der Präzisionsmessung und für seine Entdeckung der Eigenheiten der Stahl-Nickelverbindung.
Für seinen Epos «Olympischer Frühling» erhielt der Schriftsteller Carl Spitteler 1920 den Literatur-Nobelpreis.
1913 erhielt Alfred Werner den Chemie-Nobelpreis.
Theodor Kocher erhielt 1909 den Medizin-Nobelpreis.
Charles Albert Gobat erhielt 1902 ebenfalls den Friedensnobelpreis.
Henry Dunant erhielt 1901 den Friedensnobelpreis.

Nobelpreisträger Jacques Dubochet am Smile for future

Video: watson / Roberto Krone

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