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Europas Wälder verloren in 30 Jahren ein Sechstel des Kronendachs – Schweiz kommt gut weg

Publiziert: 14.09.20, 17:00 Aktualisiert: 14.09.20, 14:22

Forscher konnten mit Hilfe von Satellitenbildern alle Öffnungen im Kronendach von Europas Wäldern kartieren. Demnach gab es insgesamt mehr als 36 Millionen Flächen, auf denen sich statt grosser Bäume ein Kahlschlag oder junge Bäume finden. Für Schweizer Wälder gibt es aber gute Nachrichten.

In den vergangenen 30 Jahren gingen rund 17 Prozent des Kronendachs der europäischen Waldfläche verloren, berichten die Forschenden im Fachjournal «Nature Sustainability».

Europaweit haben die Störungen des Kronendachs in den vergangenen drei Jahrzehnten zugenommen – die Wälder sind also offener und häufiger durch Freiflächen durchbrochen. Auch die Öffnungen des Kronendachs wurden grösser, was die Wissenschaftler vor allem auf Windwürfe und Waldbrände zurückführen.

Grösstes «Loch» in Spanien

Cornelius Senf von der Technischen Universität München und Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien haben für ihre Studie mehr als 30'000 Bilder von vier Generationen der Landsat-Satelliten ausgewertet. So konnte sie Flächen identifizieren, auf denen sich statt grossen Bäumen eine Freifläche oder Jungwald findet.

Das grösste «Loch» ist in Spanien. Waldbrände tragen ihren Teil dazu bei. Hier im Bild etwa in Cualedro im nördlichen Spanien am 13. September. Bild: keystone

Im europäischen Schnitt fand sich jährlich eine solche Störungsfläche pro zwei Quadratkilometer, die mittlere Grösse der Kronendachöffnungen betrug etwas über einem Hektar. Dabei zeigten sich aber grosse nationale Unterschiede. So hatte etwa Schweden mit im Schnitt knapp zwei Hektar die grössten Öffnungen im Kronendach. Die im Schnitt kleinsten Öffnungen (0.6 Hektar) gab es in der Schweiz. Das grösste dokumentierte «Loch» im Kronendach entstand nach einem Waldbrand in Spanien mit 17'000 Hektar.

Neue Bäume wachsen heran

Die Wissenschaftler sind trotz allem nicht über die Ergebnisse der Studie alarmiert: «Nur weil Bäume verschwinden, bedeutet das nicht, dass der Wald weg ist. In den allermeisten Fällen wachsen nach einem Verlust des Altbestands neue, junge Bäume heran», so Senf.

Zudem würden die Öffnungen im Kronendach die Chance bieten, dass sich eine neue, besser an den Klimawandel angepasste Baumgeneration etablieren kann, erklärte Seidl.

Hier findest du den Link zur Studie.

(jaw/sda/apa)

Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit

In der Schweiz befinden sich die für Aufforstung geeigneten Flächen vornehmlich im Mittelland, in den Voralpen und im Jura. Das zeigt sich deutlich in diesen Screenshots der Landesteile. Hier ist die Nordostschweiz zu sehen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Die Südostschweiz. Hier gibt es vergleichsweise wenig geeignete Flächen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der Südwesten. Grüne Flächen finden sich mehrheitlich im Mittelland, dagegen kaum in den Alpen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der Nordwesten mit Mittelland und Jura. Hier sind am meisten grüne Flächen zu finden. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Europa im Überblick. Die Schweiz weist – neben Grossbritannien und Irland – ein grosses Aufforstungspotential auf. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Die USA und Kanada. Beide Länder verfügen zusammen über rund 180 Millionen Hektar potentieller Aufforstungsfläche. Die Great Plains dürften wohl aufgrund ihrer Bedeutung für die Landwirtschaft nicht grün gefärbt sein. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Mittel- und nördliches Südamerika. Bei den grünen Flächen im Amazonasgebiet könnte es sich zum Teil um abgeholzten Regenwald handeln. Brasilien hat etwa 50 Millionen Hektar potentielles Aufforstungsfläche. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südliches Südamerika. Viel Aufforstungspotential gibt es in Paraguay, Argentinien und im südlichen Chile. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Nördliches Afrika und Arabische Halbinsel. Seltsam die grünen Flächen im Südosten Algeriens, also mitten in der Sahara, und in den Wüsten Saudi-Arabiens. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südliches Afrika. Das grösste Aufforstungspotential findet sich südlich des Kongobeckens. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Zentrales und südliches Asien. Hier sind vergleichsweise nur wenige Flächen grün gefärbt. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südostasien mit Indonesien und Neuguinea. Ausgerechnet die dicht besiedelte indonesische Hauptinsel Java ist am stärksten grün gefärbt. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Australien und Neuseeland. Viel grün vor allem entlang der australischen Ostküste. Das Land verfügt über knapp 60 Millionen Hektar potentieller Aufforstungsfläche. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Russland, das mit Abstand grösste Land der Welt, verfügt auch über das grösste Aufforstungpotential: Es sind 151 Millionen Hektar. Hier ist der europäische Teil des Landes zusammen mit dem westlichen Teil Sibiriens zu sehen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Das zentrale und östliche Sibirien. Gut zu sehen ist übrigens, wie die Merkator-Projektion der Karte die Flächen gegen die Pole hin stark vergrössert. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der äusserste Osten Russlands und Alaska. Das Aufforstungspotential in Alaska ist deutlich höher. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich

So wüten die Waldbrände in Kalifornien

Video: watson

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