Wir haben die Gear VR, die erste Virtual-Reality-Brille, ausprobiert.
Bild: PAUL BUCK/EPA/KEYSTONE
Samsungs Gear VR im Kurztest: Das kann die erste Virtual-Reality-Brille
Die erste Cyberbrille ist da. Wir haben uns die Gear VR aufgesetzt. Was taugt sie?
Samsung hat kürzlich die erste VR-Brille auf den Markt gebracht: die Gear VR. In die Brille, die mit Speziallinsen ausgestattet ist, lässt sich ein Handy schieben, dessen Display direkt vor den Augen zu liegen kommt. So entsteht die Illusion, man blicke nicht auf einen Bildschirm, sondern befände sich in einer anderen Welt.
Der «Trick» mit dem Smartphone ist schlau. So kommt die Brille ohne teure Hardware aus und kostet nur 99 Franken. Ausserdem ist sie genau so einfach zu bedienen wie ein Handy. Der Nachteil ist allerdings, dass sie nur im Zusammenspiel mit einem Samsung-Galaxy-Handy der neusten Generation (S6, S6+, S6 Edge, S6 Edge+) funktioniert. Schiebt man dieses in die Brille, installiert das Gerät automatisch den Oculus-App-Store. Darüber kann man sich Virtual-Reality-Applikationen laden: Kurze Filme, Spiele oder sogenannte Erlebnisse wie eine Unterwasserwelt.
Tanzen über New York
Wer sich die Brille – und gute Kopfhörer – aufsetzt, bekommt das Geschehen in der Aussenwelt nicht mehr mit und taucht gänzlich ein in die computergenerierte Welt, die vor seinen Augen entsteht. Besonders angetan haben es uns die Kurzfilme, welche das Start-up «Verse» über die gleichnamige App anbietet.
Produziert werden die Filme unter anderem vom genialen amerikanischen Künstler und Regisseur Chris Milk. Wobei das Wort «Film» die Sache nur unzureichend beschreibt. Denn anders als Filme, sind VR-Erlebnisse immer interaktiv; nicht der Regisseur, sondern der Betrachter bestimmt die Blickrichtung. Man wird mitten in einer virtuellen Welt abgesetzt, kann in alle Richtungen schauen, sich drehen – und bekommt so ein Gefühl von Präsenz.
Eindrücklich ist etwa die prämierte Kurz-Doku «Clouds over Sidra», die einen in ein Flüchtlingslager in Jordanien mitnimmt. Aber auch «Take Flight» ist grossartig: mit Schauspielern wie Michael Fassbender oder Rooney Mara schwebt man hier über den Wolkenkratzern New Yorks.
Auch die beiden Space-Shooters «Eve Gunjack» und «Anshar Wars» (vom Genfer Studio Ozwe) überzeugen. Beide vermitteln ein Gefühl von Freiheit und warten mit bunten Explosionen auf. Sie zeigen auch, dass die Leistung neuer Smartphones für solche (nicht fotorealistischen) Spiele ausreicht. Auch wenn hier durchaus noch Luft nach oben besteht. Aber ohne Zweifel werden die Smartphones der Zukunft mit hochauflösenderen Displays und schnelleren Prozessoren ausgestattet sein.
Das grösste Problem ist derzeit ohnehin noch der fehlende Content: Es gibt erst wenige gute Apps. So fehlt etwa eine Applikation, die Zugang zu den VR-Filmen auf YouTube bietet.
Apps für die Samsung Gear VR
Willkommen in der Kunstwelt: «The Night Cafe» zählt zu den ersten Programmen für Samsungs Virtual-Reality-Brille Gear VR. Die App bietet die Gelegenheit, durch einen Raum zu laufen, der von van Goghs Ölgemälde «Das Nachtcafé» inspiriert ist. Das klingt unspektakulär, ist dank der Rundumsicht und Bewegungsmöglichkeit aber durchaus faszinierend. Gerade für Einsteiger ist die kostenlose App eine gute Möglichkeit, sich an die virtuelle Realität zu gewöhnen. «The Night Cafe» gibt es auch für die Oculus Rift. (Hinweis: Alle Spiele wurden auf der GearVR-Innovator-Edition in Verbindung mit einem Samsung Galaxy Note 4 ausprobiert).
Aufpassen muss, wer die Gear VR benutzt, um sich mit «Oculus Video» zum Beispiel einen Filmtrailer anzusehen. Die kostenlose App simuliert vier Orte, an denen man Videos auf grossen Leinwänden anschauen kann. Dabei mutet vor allem der auf dem Bild zu sehende Kinosaal extrem realistisch an. Anfangs versucht daher fast jeder App-Nutzer, testweise nach der Armlehne zu greifen. Vorsicht also, falls sich in der Realität gerade ein Glas oder eine andere Person neben dem Nutzer befindet.
Aufpassen muss, wer die Gear VR benutzt, um sich mit «Oculus Video» zum Beispiel einen Filmtrailer anzusehen. Die kostenlose App simuliert vier Orte, an denen man Videos auf grossen Leinwänden anschauen kann. Dabei mutet vor allem der auf dem Bild zu sehende Kinosaal extrem realistisch an. Anfangs versucht daher fast jeder App-Nutzer, testweise nach der Armlehne zu greifen. Vorsicht also, falls sich in der Realität gerade ein Glas oder eine andere Person neben dem Nutzer befindet.
Der deutsche Oculus-Store, der hier zu sehen ist, ist mittlerweile deutlich besser ausgestattet als noch vor einigen Monaten. Auch wenn viele Apps nach wie vor Demos oder extrem kurz sind, findet man doch auch einige Spiele, mit denen man länger Spass haben kann.
Eine der neueren GearVR-Apps ist «Oculus Arcade». Das Programm simuliert drei etwas leblos wirkende virtuelle Spielhallen, in denen ArcadeMaschinen von Sega, Midway und Bandai Namco stehen. Derzeit lassen sich 21 Spiele jeweils 20 Minuten lang gratis spielen, etwa «Sonic: The Hedgehog». Anschliessend kann man die Spiel einzeln per InApp-Kauf für eine längere Nutzung freischalten. Zum Spielen wird zwingend ein Gamepad benötigt.
Auf soziale Interaktion ausgelegt ist «Oculus Social», eine Art Chat-App für die virtuelle Realität. Zunächst wählt man einen Avatar, dann kann man in einem virtuellen Raum gemeinsam mit anderen Nutzern Inhalte der Videoplattformen Vimeo und Twitch anschauen und diese in Echtzeit kommentieren.
Das bislang vielleicht am rundesten wirkende Spiel für die Gear VR ist «Dead Secret». Hier inspiziert man als aufstrebende Reporterin ein abgelegenes Anwesen, um einen möglichen Mord aufzuklären. Dabei durchsucht man im Point-and-Click-AdventureStil etwa Schubladen und Kisten. Das Spiel hat eine tolle Atmosphäre und ist auch optisch hübsch. Leider ist es mit zehn Franken vergleichsweise teuer.
Während «Dead Secret» eher ein ruhiges Spiel ist, geht es beim kostenlosen «Temple Run VR» ums Tempo: Im Stil der bekannten Handy-Apps gilt es, als Abenteurer einem Monster zu entkommen. Dafür muss man im richtigen Moment die richtige Taste drücken. Das Spiel ist in seiner VR-Variante etwas intensiver als sonst, dem ein oder anderen Spieler könnte angesichts des Tempos übel werden.
Actionreich geht es auch in «Viral» zu: Es handelt sich dabei um einen Shooter, in dem man per Kopfbewegung auf die Gegner zielt, per GearVR Touchpad wird geschossen. Die Grafik ist eher zweckmässig als hübsch, das Spiel für rund fünf Franken zumindest nicht überteuert.
Angesichts der vielen Spiele-Apps sollte man nicht vergessen, dass die Gear VR auch für andere Arten von Unterhaltung taugt: So gibt es im Netz beispielsweise zahlreiche 3D oder 360-Grad-Videos, die sich gut mit der Brille anschauen lassen. Im Film die Kamera drehen zu können, ist zumindest ein nettes Gimmick und erzeugt ein Mittendrin-Gefühl.
Virtual-Reality-Pornos: Sex-Filme für Oculus Rift und Gear VR
Firmen wie VirtualRealPorn locken mit einem angeblich neuartigen Videoerlebnis: Viele Virtual-Reality-Pornos sind so aufgenommen, dass man glaubt, selbst etwa auf einem Bett oder einer Couch in einem Zimmer zu sitzen. Pornos mit einer solchen Point-of-View-Perspektive gibt es schon lange, mit der VR-Technik lässt sich jedoch ein intensiveres Mittendrin-Gefühl erzeugen.
In den meisten derzeit verfügbaren Filmen nimmt man die Perspektive eines Mannes ein, der recht passiv Sex hat. Blickt man mit der VR-Brille nach unten, sieht man einen fremden, vermeintlich eigenen Körper, anfangs noch samt Klamotten. Meist bewegt sich der Körper so gut wie gar nicht – in anderen Videos wiederum eher zu intensiv.
In manchen Videos wie diesem Pool-Clip interagieren gleich zwei Frauen mit dem ziemlich passiven Protagonisten. Die Anzahl bekannterer Darstellerinnen und Darsteller hält sich bei den VR-Porno noch in Grenzen, das Ganze ist bislang eine Nische für Tech-Enthusiasten.
Für die VR-Brillen werden bislang auch vor allem Mainstream-Pornos produziert, Schönheitsideale und Sexpraktiken entsprechen dem Üblichen.
Dieses Bild stammt aus einem der wenigen Filme, in dem der Zuschauer in die Rolle einer Frau schlüpft. Der Darsteller wirkt durch die Oculus Rift ziemlich überdimensioniert. In anderen Clips mit Frauen als Hauptpersonen sind die Grössenverhältnisse zumindest ein Stück weit realistischer. Es gibt auch schon einige Schwulenpornos mit VR-Effekten.
Während der Filme kann man zur Seite gucken: bei 120-Grad-Blickfeldern ein bisschen, bei 180-Grad-Blickfeldern ausreichend weit. Die Blicksteuerung eröffnet neue Optionen: Wer will, kann etwa diese Steckdose begutachten, während sich eine Darstellerin am vermeintlich eigenen Körper zu schaffen macht.
Einige Videos kommen auch mit einem 360-Grad-Blickfeld daher. Das Problem: Es passiert in der Regel nur in einer Richtung etwas Interessantes.
Bei den Videos mit 180-Grad-Blickfeld endet das Bild häufig an Raumwänden, der Sex selbst findet im Bett oder auf der Couch statt. Während sich solche Raumgrenzen gut akzeptieren lassen, wirken die Blickfelder bei 120-Grad-Videos zu klein.
Manche 360-Grad-Videos lösen das Problem des leeren, langweiligen Raums so, dass sie gleich mehrere Darstellerinnen aufbieten. In diesem Clip des Portals GivePornAHand ziehen sich um den Zuschauer herum vier Frauen aus. So hat man die Wahl, wem man als nächstes zuschaut. Ein Platzhalter für den eigenen Körper ist in diesem Video nicht zu sehen.
Einen ersten Eindruck von den VR-Pornos kann dieser Clip liefern, den VirtualRealPorn anlässlich von Halloween kostenlos ins Netz gestellt hat. Anschauen kann man ihn mit Geräten wie der Gear VR oder der Oculus Rift, aber auch mit Cardboard-Pappbrillen. Noch wird nicht jede Funktion der Brillen genutzt: So kann die Oculus Rift etwa erkennen, ob man sich vorbeugt – in VR-Pornos haben solche Bewegungen in der Regel aber keine Auswirkungen.
Im Halloween-Kurzfilm wird der zeitweise stattfindende Geschlechtsverkehr verpixelt, zumal es sich ohnehin mehr um einen Gruselfilm handelt: Im Laufe des Clips fällt mehrfach der Strom aus, zudem wird die Hauptdarstellerin von einem Zombie-Mädchen attackiert. Der Clip eignet sich so zum Beispiel, um Bekannten das Prinzip und den Effekt von VR-Videos näher zu bringen.
Auf Nachfrage bei VirtualRealPorn heisst es, dass die Produktion von VR-Filmen nicht viel anders sei als bei gewöhnlichen Pornos. Die Kamera müsse bei den Ich-Perspektive-Filmen der Firma in derselben Position bleiben, was die möglichen Handlungen einschränke. Die Postproduktion sei zudem teurer und aufwendiger als bei normalen Filmen.
Der Dreh ist auch für die Akteure herausfordernder: Sie müssen versuchen, auf den Zuschauer einzugehen, um so das Mittendrin-Gefühl zu stärken. Hintergründe zum Dreh eines VR-Pornos finden sich zum Beispiel in diesem «Motherboard»-Artikel. Wie genau VirtualRealPorn seine Videos filmt, verriet das Unternehmen auf Nachfrage nicht.
Diese Virtual-Reality-Brillen läuten die nächste Generation von Videospielen ein
Die Oculus Rift gilt als Vorreiter der Branche. 2012 wurde ein erster Prototyp gezeigt, 2016 erscheint die finale Version. Die Brille ist dafür ausgelegt, an einen PC angeschlossen zu werden. Ein Preis für die Endversion steht noch nicht fest. AP/AP / Eric Risberg
Project Morpheus von Sony wird nicht mit PC, sondern mit der Playstation 4 zusammenarbeiten. Zur Steuerung von Spielen lassen sich die Move-Controller nutzen, die es bereits seit einiger Zeit für die Playstation gibt. Kommt voraussichtlich 2016. X90050 / LUCY NICHOLSON
Google Cardboard haben zwei Entwickler in den 20 Prozent ihrer Arbeitszeit entworfen, die sie für eigene Projekte nutzen dürfen. Googles Chefs fanden daran Gefallen und liessen eine Abteilung bilden, die daraus eine kommerziell nutzbare Technik machte. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2014 wurde das Projekt offiziell vorgestellt, Kartonbausätze wurden verteilt, mit denen sich die Teilnehmer eigene VR-Brillen basteln konnten.
Valve, die Firma hinter der PC-Spieleplattform Steam, tritt zusammen mit HTC mit der Vive-VR-Brille an. Dank speziellen Controllern und Laser-Positionsmessern soll ein besonders realistisches Gefühl entstehen. HTC Vive soll im April 2016 auf den Markt kommen.
Mit der Gear VR hat Samsung Googles Cardboard zu einem kommerziellen Produkt gemacht. Grafisch bietet sie sogar noch mehr als beispielsweise die Oculus Rift, weil ihr Bildschirm eine deutlich höhere Auflösung hat als der in der Oculus-Brille. Allerdings macht dieser Bildschirm die Gear VR auch zum teuren Spass: Als Bildschirm und Rechner muss man in die Gear VR ein Galaxy Note 4 oder Galaxy S6 stecken. EPA/EPA / RUNGROJ YONGRIT
Die VR for G3 nutzt das LG-Smartphone G3 als Antrieb. Im Gegensatz zur Gear VR hat die LG-Brille allerdings keinen Preis. Wer sie haben will, muss ein G3 kaufen und bekommt sie dann gratis dazu.
Noch eine Edel-Variante des Project Cardboard hat die Optikfirma Zeiss entwickelt. Mit entsprechenden Adaptern lässt sich die Zeiss-Brille mit verschiedenen Smartphones nutzen. Den Anfang machen laut Hersteller Adapter für das iPhone 6 und Samsungs Galaxy S5. Weitere sollen folgen. Den Preis gibt das Unternehmen mit 99 Euro an.
Das Game-Studio Starbreeze hat sich den französischen VR-Hersteller InfinitEye unter den Nagel gerissen und hat an der E3 die StarVR vorgestellt. Mit einem 210-Grad-Sichtfeld und einer Auflösung von 5120x1440 Pixel gehört das Gerät technisch zu den Besten.
Alles, was du über Virtual-Reality-Brillen wissen musst
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