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Haaland und Sancho schossen den BVB mit einem Doppelpack zum Pokal-Sieg. Bild: keystone

Haalands Ohrfeige für Dahoud – und was bei Dortmunds Pokal-Party sonst noch auffiel

Borussia Dortmund entzaubert RB Leipzig und gewinnt den DFB-Pokal-Final gleich mit 4:1. Erling Haaland und Jadon Sancho spielen überragend, für die grossen Emotionen sorgen aber andere: allen voran Klub-Legende Lukasz Piszczek.

Publiziert: 14.05.21, 09:38 Aktualisiert: 14.05.21, 13:04

Die grosse Sancho-Haaland-Show

Wie gut sind eigentlich Jadon Sancho und Erling Haaland?! Die beiden Offensiv-Stars zerlegten RB Leipzig beim 4:1 im DFB-Pokal-Final mit je einem Doppelpack quasi im Alleingang. Vor allem ihre ersten Treffer hatten es in sich: Beim 1:0 nach fünf Minuten zog Sancho von Strafraumgrenze trocken ab, Leipzig-Goalie Peter Gulasci hatte nicht den Hauch einer Chance.

In der 28. Minute schüttelte Haaland, der nach seiner Oberschenkelverletzung gerade rechtzeitig fit wurde, seinen Gegenspieler Dayot Upamecano ab wie einen Schuljungen und schob eiskalt zum 2:0 ein.

Alle Tore des Finalspiels zwischen Leipzig und Dortmund. Video: YouTube/DFB

Auch danach war es eine Augenweide, den beiden zuzusehen. Beim BVB wünscht man sich nun natürlich nichts sehnlicher, als dass die beiden über diese Saison hinaus in Dortmund bleiben würden. Bei Haaland bleibt Watzke weiter hart und auch der Norweger will offenbar bleiben, wenn sich der BVB noch für die Champions League qualifiziert. Bei Sancho ist sich Watzke nicht sicher, ob man ihn halten kann. «Wir versuchen es», sagte Watzke in der «ARD» nur. Manchester United gilt als wahrscheinlichster Abnehmer. Im Gegenzug soll dafür Jesse Lingard nach Dortmund wechseln.

Die Tränen von Piszczek

11 Jahre lang spielte Lukasz Piszczek für Borussia Dortmund, doch nach dieser Saison ist für den 35-jährigen Polen Schluss. Kein Wunder, brachen die Emotionen beim BVB-Urgestein nach dem dritten Pokalsieg (2012, 2017, 2021) nur so heraus.

Piszczek, der wie zuletzt auch in der Liga 90 Minuten ran durfte, konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als die Mitspieler unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf ihn zu rannten, ihn in die Arme nahmen und schliesslich durch die Luft warfen.

Piszczek wird von seinen Mitspielern gefeiert. Video: streamable

Schon nach dem K.o.-Treffer zum 4:1 fiel der Rechtsverteidiger auf die Knie. «Ich bin zusammengebrochen, weil ich wusste, dass meine Karriere zu Ende geht. Danke an die Mannschaft! Ich nehme das heute für mein Leben mit. Das war einfach toll», sagte Piszczek später bei Sky sichtlich mitgenommen. Für die Feierlichkeiten zog er sich schliesslich das Trikot von Marcel Schmelzer über. Sein langjähriger Weggefährte fehlte im Pokalfinale verletzt.

Wie gross die Wertschätzung innerhalb der Mannschaft für Piszczek sein muss, demonstrierte Erling Haaland eindrücklich. Der Norweger stürmte das Interview des 66-fachen polnischen Nationalspielers und rief mehrmals: «Legende!»

Haaland crasht das Piszczek-Interview. bild: screenshot sky

Haalands Ohrfeige für Dahoud

Bei der Pokalfeier durfte Piszczek den Pott gleich nach Captain Marco Reus in die Höhe stemmen, den Boss markierte aber auch dort Erling Haaland. Als Mahmoud Dahoud die goldene Trophäe schon vor der offiziellen Übergabe berührte oder berühren wollte, stellte der Norweger seinen Teamkollegen mit einer Ohrfeige in den Senkel. Schliesslich weiss auch Haaland, dass es Unglück bringt, den Pokal vor der Übergabe zu betatschen.

Haaland gibt Dahoud den Tarif bekannt. Video: streamable

Nach Haalands Zurechtweisung von Dahoud lief die Pokal-Party dann gesittet ab. Jeder durfte das Objekt der Begierde kurz in die Höhe stemmen, bis tief in die Nacht wurde gefeiert. Um 2.48 Uhr fragte der BVB-Twitter-Account «Noch Pokalsieger wach?», Jude Bellingham antwortete um 3.28 Uhr mit einem simplen «Ja».

Akanji und Zagadou mit dem Pokal. bild: screenshot instagram

Spieler stürmen Terzic-PK

Etwas ganz Besonderes ist der Pokal-Sieg auch für Trainer Edin Terzic. Der Favre-Nachfolger muss seinen Posten auf der BVB-Bank nach dem Saisonende an Marco Rose abtreten. Ob er dennoch in Dortmund bleiben wird, ist trotz eines langfristigen Vertrags noch offen.

Terzic selbst wollte dazu nichts sagen. «Ich bitte euch: Das ist ein Tagesgeschäft, wir bekommen ständig auf die Fresse, wenn es nicht läuft, jetzt gönnt uns doch einfach den Abend, um das zu geniessen», erklärte er in der ARD.

Das Interview mit BVB-Trainer Terzic. Video: streamable

«Ich glaube schon, dass er am allerliebsten beim BVB bleiben möchte», sagte sein Boss Hans-Joachim Watzke derweil bei Sky. «Er hat die Mannschaft im Dezember übernommen, die war halb tot. Und er hat sie zum Leben erweckt, das ist eine Riesenleistung von ihm auf seiner ersten Trainerstation.»

Wie lebendig die Mannschaft ist, zeigte sie, als Terzic gerade die offizielle Pressekonferenz beenden wollte. Geschlossen stürmen die BVB-Stars den Saal und feierten ihren Trainer mit Sprechchören und Champagner-Dusche.

Nagelsmann lässt Frust am Reporter aus

Julian Nagelsmann hatte sich den Ausgang des DFB-Pokal-Finals sicher anders vorgestellt – nur zu gerne hätte der scheidende RB-Trainer seinem künftigen Ex-Verein den ersten Titel der Vereinsgeschichte beschert.

Doch daraus wurde bekanntlich nichts und Nagelsmann musste unmittelbar nach Schlusspfiff als Final-Verlierer zum Interview mit der ARD. Dort konnte der 33-Jährige seinen Frust nicht verbergen und reagierte schliesslich ziemlich angefressen, als ihm eine Frage des Reporters nicht gefiel.

Nagelsmann:

«Erstmal herzlichen Glückwunsch an Dortmund. Meine Gefühlslage ist nicht so gut, trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft. Nach 0:3 in der Pause so eine zweite Halbzeit zu spielen, mit so viel Herz, mit so einem Rückstand im Rucksack ist es natürlich schwer. Wir hätten das Tor der Dortmunder viel in Gefahr bringen können, aber dann hat oft der erste Kontakt nicht gestimmt. Die Chancen waren definitiv gross genug, um Tore zu erzielen.»

Reporter:

«Was sind Ihre Ziele für die letzten beiden Spiele mit RB Leipzig?»

Nagelsmann:

«Na, zweimal verlieren.»

Reporter:

«Wie schwierig ist es nun, den Fokus wieder zu finden? Man merkt den Frust, die Leere bei Ihnen und den Spielern.»

Nagelsmann:

«Ich habe keine Leere, da kennen Sie mich schlecht.»

Nagelsmanns schnippische Antworten im ARD-Interview. Video: streamable

Rasenball-Legende gesucht

Zum Prozedere eines DFB-Pokalfinals gehört auch, dass verdiente Spieler beider Teams die Trophäe ins Stadion tragen. Der BVB wählte aus seiner langen Liste an Legenden Karl-Heinz Riedle aus. Bei RB musste man wegen der erst zwölfjährigen Klubgeschichte etwas kreativer werden: Perry Bräutigam nahm den Part als Botschafter ein, der zwar nie für RB gespielt hatte, aber das gestaltet sich auch schwierig, wenn man die aktive Karriere sieben Jahre vor der Klubgründung beendet. Immerhin war Bräutigam später sechs Jahre als Torwarttrainer bei den Leipzigern tätig.

Riedle und Bräutigam bringen vor dem Spiel den Pokal ins Stadion. Bild: www.imago-images.de

Die grössten Sensationen im DFB-Pokal

Saison 2020/21: Viertligist Rot-Weiss Essen düpiert im Achtelfinal Bayer Leverkusen. Der ehemalige Bundesligist schlägt den haushohen Favoriten mit 2:1 nach Verlängerung. keystone / Martin Meissner
Saison 2020/21: Zweitligist Holstein Kiel wirft den amtierenden Triple-Sieger Bayern München in der 2. Runde raus. Der Ausgleich zum 2:2 fällt in der 95. Spielminute, am Ende gewinnt Kiel nach 12 geschossenen Penaltys im Elfmeterschiessen. keystone / Christian Charisius
Saison 2019/20: Regionalligist Saarbrücken wirft den 1. FC Köln in der 2. Runde mit 3:2 aus dem Wettbewerb, obwohl man eine 2:0-Führung verspielt. Im Viertelfinal werfen die Saarländer Fortuna Düsseldorf raus und ziehen als erster Viertligist in der Geschichte des DFB-Pokals in die Halbfinals ein. Dort ist gegen Leverkusen Schluss.
Saison 2018/19: Der viertklassige SSV Ulm 1846 wirft mit Eintracht Frankfurt niemand geringeres als den Titelverteidiger aus dem Bewerb. Die Ulmer siegen 2:1. EPA/EPA / DANIEL MAURER
Saison 2016/17: Bayer Leverkusen blamiert sich in der 2. Runde gegen die Sportfreunde Lotte. Trotz zweimaliger Führung und 52 Minuten in Überzahl verliert der Champions-League-Teilnehmer im Elfmeterschiessen. Die Sportfreunde sorgen bereits in der 1. Runde für eine Sensation – gegen Werder Bremen gewinnen sie 2:1. EPA/dpa / Guido Kirchner
Saison 2014/15: Drittligist Arminia Bielefeld schaltet nacheinander die Bundesligisten Hertha BSC (4:2 im Elfmeterschiessen), Werder Bremen (3:1) und Borussia Mönchengladbach (5:4 im Elfmeterschiessen) aus und zieht in den Halbfinal ein. X00970 / INA FASSBENDER
Saison 2012/13: Der Viertligist Berliner AK düpiert den Europacup-Anwärter 1899 Hoffenheim in der 1. Runde 4:0. Torhüter Tim Wiese und Trainer Markus Babbel sind bedient.
Saison 2011/2012: RB Leipzig ist damals noch Viertligist und wirft in der 1. Runde den VfL Wolfsburg raus. AP dapd / NORMAN REMBARZ
Saison 2009/10: Als Bundesliga-Spitzenreiter reist der Hamburger SV zu Drittligist VfL Osnabrück und scheitert im Elfmeterschiessen. Im Achtelfinal geht das Märchen der Lila-Weissen weiter: Mit 3:2 wird auch Borussia Dortmund eliminiert. AP / Axel Heimken
Saison 2006/07: Regionalligist FK Pirmasens bodigt in der 1. Runde den amtierenden Vizemeister Werder Bremen mit 4:2 im Elfmeterschiessen.
Saison 2001/02: Der 1. FC Nürnberg unterliegt dem SSV Ulm in der 1. Runde mit 1:2 – bis heute die einzige Niederlage eines Erst- bei einem Fünftligisten.
Saison 2000/01: Die letzte Niederlage von Bayern München gegen einen Unterklassigen: In der 2. Runde scheitert der spätere Champions-League-Sieger am Viertligisten 1. FC Magdeburg. AP / ROBERTO PFEIL
Saison 2000/2001: Die Amateure des VfB Stuttgart (3. Liga) schlagen Eintracht Frankfurt in der 1. Runde gleich mit 6:1. In der 2. Runde treffen sie auf das eigene Profiteam und verlieren 0:3. Danach wird das Regelwerk angepasst, so dass interne Klub-Duelle nicht mehr möglich sind.
Saison 1997/98: Drittligist Eintracht Trier schafft das scheinbar Unmögliche und wirft in der 2. Runde UEFA-Cup-Sieger Schalke raus. Im Achtelfinal muss mit Borussia Dortmund der Champions-League-Sieger daran glauben. AXEL SEIDEMANN
Saison 1995/96: Rolf Fringer und sein VfB Stuttgart mit dem magischen Dreieck Krassimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber verliert gegen Regionalligist SV Sandhausen das längste Elfmeterschiessen der DFB-Pokal-Geschichte mit 12:13.
Saison 1994/95: Das Waterloo von Bayern München! In der 1. Runde verlieren die Superstars von Trainer Giovanni Trapattoni gegen Regionalligist Vestenbergsgreuth mit 0:1.
Saison 1992/93: Die Amateur-Mannschaft von Hertha BSC sorgt für Furore. Erst im Final verlieren die «Hertha-Bubis» gegen Bayer Leverkusen 0:1. Zuvor müssen Leipzig, Hannover, Nürnberg und der Chemnitzer FC dran glauben. Hertha BSC
Saison 1991/92: Als bisher einziger Zweitligist gewinnt Hannover 96 den DFB-Pokal. Im Final gewinnt man gegen Bundesligist Borussia Mönchengladbach mit 4:3 nach Elfmeterschiessen.
Saison 1990/91: Die erste Cup-Blamage der Bayern – 0:1 verlieren die von den Weltmeistern Jürgen Kohler und Klaus Augenthaler angeführten Münchner gegen den Drittligsiten FV 09 Weinheim.
Saison 1984/85: Den Hamburger SV erwischt es in der 1. Runde gegen den Drittligisten SC Geislingen. Es ist die erste Pokal-Sensation seit 10 Jahren.
Saison 1974/75: Die Mutter aller Pokalsensationen: Drittligist VfB Eppingen schlägt den damals noch grossen Hamburger SV in der 2. Runde sensationell mit 2:1.

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Video: watson / Nico Franzoni

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