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Verlagert sich die Fluchtroute nach Italien? Asylsuchende beim Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso.
Bild: TI-PRESS

Polizei-Chef Käser: Schweiz soll sich «auf Verlagerung der Fluchtrouten» vorbereiten

Publiziert: 30.01.16, 13:20 Aktualisiert: 30.01.16, 13:50

Die Flüchtlingsrouten nach Europa sind und bleiben unberechenbar. Hans-Jürg Käser, Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD), fordert, dass sich Bund und Kantone für den Frühling auf eine mögliche Notsituation vorbereiten.

Die Ankündigung von Obergrenzen verschiedener Länder, etwa Österreichs oder auch Schwedens, aber auch von Grenzschliessungen hätten einen Einfluss auf die Fluchtrouten, erklärte Käser in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. «Wir müssen uns überlegen, wie die Schweiz sich aufstellen will, wenn die Fluchtroute sich nach Italien verlagert.»

Im Hinblick auf den Frühling «müssen wir uns auf eine mögliche Notsituation vorbereiten, um gewappnet zu sein», sagte Käser. Erklärt der Bund aufgrund der Situation eine «ausserordentliche Lage», so kann er ein Notfallkonzept hochfahren, das ihm unter anderem erlaubt, die Asylgewährung zu verschärfen und vereinfachte Verfahrensbestimmungen zu erlassen.

«Hektik ist schlechter Ratgeber. Aber wir müssen überlegen, wie wir mit mehr Asylsuchenden an den Grenzen umgehen.» Primär setzt Käser auf die bestehenden internationalen Abkommen und das geltende Asylgesetz.

Taten statt Ankündigungen

Die Schweiz habe schon heute den Ruf eines konsequenten und harten Landes für Asylsuchende. «Dieses Image haben wir durch Taten und nicht mit Ankündigungen erarbeitet.»

Die grössten Herausforderungen ortet Käser bei der Unterbringung und der Integration der Menschen. Zahlen und Möglichkeiten, diese in Anlagen der Armee, in Zivilschutzanlagen und weiteren Unterkünften zu beherbergen, werden bis Mitte Februar von der Arbeitsgruppe Vorsorgeplanung erarbeitet.

Die Unterbringung und Integration von Asyl-Suchenden sieht Käser als grösste Herausforderung.
Bild: KEYSTONE

Bei der Integration werden derzeit laut Käser verschiedene Neuerungen geprüft. Statt zuerst Deutsch zu lernen und seriell in Schritten vorzugehen, gibt es Projekte, Flüchtlinge niederschwellig in Betriebe einzuführen, wo sie «on the job» die Sprache lernen. «Wenn wir die Menschen in den Wirtschaftsprozess einbinden können, ist das ein Gewinn für alle.»

Hinderlich dafür sei aber der Status der vorläufig Aufgenommenen. Arbeitgeber seien zurückhaltend, einen Menschen mit diesem Status anzustellen. «Wir müssen angesichts der aktuellen Situation darüber diskutieren, was dieser Status bedeutet.»

Asylgesetzrevision würde Verfahren beschleunigen

Für Käser gehen Integration und Verschärfungen des Asylrechts zusammen. Die Integration müsse für diejenigen, die bereits in der Schweiz seien, vorangetrieben werden. Die Verschärfungen gelte für diejenigen, die noch kommen wollten. Dafür brauche es aber weiterhin eine «faire und saubere Triage, faire konsequente Verfahren».

Ein Schritt in diese Richtung sei die Revision des Asylgesetzes. Dieses sieht vor, dass die meisten Asylverfahren nach maximal 140 Tagen abgeschlossen sind. Dass im Gegenzug Asylsuchende kostenlosen Rechtsbeistand erhalten, wird von der SVP mit einem Referendum bekämpft. (lhr/sda)

Flüchtlingskrise auf der Ferieninsel Kos

Auf der beliebten Ferieninsel treffen immer mehr Bootsflüchtlinge ein. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Die Zustände werden immer Schlimmer – und die Verantwortlichen auf der Insel sind heillos überfordert. X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
Dieser Mann und seine beiden Kinder stammen aus Syrien. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Die Polizei versucht, sie mit Wasserwerfern und Schlagstöcken daran zu hindern. AP/AP / Yorgos Karahalis
Nachdem die Polizei die Flüchtlinge in ein Stadion bringt, um sie zu registrieren, eskaliert im August die Situation. X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
... und versuchen, eine Polizeistation zu stürmen. Dort wollen sie sich anmelden. AP/AP / Yorgos Karahalis
Viele Migranten türmen aus dem Stadion ... X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
Viele Migranten schlafen seit Wochen auf den Stränden und den Strassen der Insel. X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
Eine erschöpfte Frau aus Syrien kommt am 12. August in Kos an. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Die meisten Ankömmlinge wollen nicht in Griechenland bleiben, nur 6200 haben laut UNHCR dort bis Ende Juni Asyl beantragt. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Es befinden sich 7000 Flüchtlinge auf der Insel, die 30'000 Einwohner hat. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Der Bürgermeister von Kos, Giorgos Kiritsis, warnte, es drohe «Blut zu fliessen» und die Situation ausser Kontrolle zu geraten. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Auch im Stadion selbst gerieten Menschen aneinander. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Die meisten Flüchtlinge wollen weiter nach Athen reisen, bevor sie versuchen, andere EU-Länder zu erreichen. AP/AP / Yorgos Karahalis
Im August kommt es auf Kos zu Krawallen zwischen Flüchtlingen und der Polizei. AP/AP / Yorgos Karahalis
Flüchtlinge in ihren Zelten, daneben Touristen. AP/AP / Yorgos Karahalis
Ein Mädchen stellt sich für eine Mahlzeit in einem verlassenen Hotel an. AP/AP / Santi Palacios
Ein Polizist versucht, die Menschen von der Polizeistation fernzuhalten. AP/AP / Yorgos Karahalis
Ein syrischer Flüchtling schläft auf der Bank einer Tierklinik. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Immer mehr Flüchtlinge reisen über die Ägäisinsel Kos und den Balkan nach Europa. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Die Flüchtlinge kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan und Irak. AP / ALEXANDER ZEMLIANICHENKO
Diese Familie hat die Überfahrt von der Türkei nach Kos geschafft. AP / ALEXANDER ZEMLIANICHENKO
Allein in den letzten Tagen kamen rund 7000 Flüchtlinge auf Kos an. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Der Andrang überfordert die griechische Regierung. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Dieses Paar floh aus Syrien, wo seit mehr als vier Jahren Bürgerkrieg herrscht. Ein Ende ist nicht in Sicht. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Die Flüchtlinge müssen häufig im Freien schlafen und tagsüber in der Hitze ausharren. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Bis Ende Juli sind rund 124'000 Flüchtlinge über das Meer nach Griechenland gekommen. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Das entspricht einer explosionsartigen Zunahme von 750 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2014. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Humanitäre Organisationen bezeichneten die Lage auf Kos als chaotisch. AP / LEFTERIS PITARAKIS
Obwohl die Überfahrt von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln nur ein Katzensprung ist – ungefährlich ist sie in den oft überladenen Booten dennoch nicht. Getty Images Europe / Milos Bicanski
Die Flüchtlinge kämpfen um Essen. X00025 / YANNIS BEHRAKIS

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