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Kokain soll in Bern vorerst nicht kontrolliert abgegeben werden. Bild: KEYSTONE

Berner Stadtrat stimmt knapp gegen den kontrollierten Kokain-Verkauf

Publiziert: 02.05.19, 22:23 Aktualisiert: 03.05.19, 06:08

Der Berner Stadtrat will einstweilen nichts wissen von einem Pilotversuch für den kontrollierten Kokain-Verkauf. Mit 31 zu 26 Stimmen lehnte er am Donnerstag eine Motion aus den Reihen der Alternativen Linken (AL) ab.

Der kontrollierte Kokain-Verkauf wäre ein sinnvollerer Ansatz als die Kriminalisierung von tausenden Menschen, warb die AL für ihren Vorstoss. Unterstützung fand sie bei einem Teil der Ratslinken, aber auch bei manchen Mitte-Politikern und Freisinnigen.

Dass es nicht für eine Mehrheit reichte, lag an der SP. Zuerst wolle man Erfahrungen mit dem kontrollierten Cannabis-Verkauf sammeln, ehe man sich mit der gefährlicheren Droge Kokain befassen könne, befand eine Mehrheit der SP-Fraktion.

So erging es auch etwa Manuel C. Widmer von der GFL: Es sei wichtig, in der Drogenpolitik Schritt um Schritt zu machen und die Bevölkerung für neue Anliegen zu gewinnen.

Klare Worte fand die SVP. Der Konsum von Kokain lasse nicht steuern, erklärte ihr Sprecher Alexander Feuz. Tests mit verbotenen und gefährlichen Rauschmitteln seien unsinnig. Schliesslich mache man auch nicht Versuche mit Tempo 180 auf den Berner Autobahnen.

«Schlechte Erfahrungen»

Die Stadtregierung winkte ebenfalls ab. Pilotversuche zur Abgabe von Kokain und Ritalin an Schwerstsüchtige seien schon in den 1990er-Jahren gescheitert. Heute setze man auf psychotherapeutische und pharmakologische Ansätze.

Ausserdem sei Kokain nicht nur gesundheitsschädigend, sondern habe auch ein hohes Suchtpotenzial. Eine Abgabe zu Genusszwecken sei daher «praktisch nicht umsetzbar».

Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) betonte im Rat, die Universität Bern fokussiere im Moment sowieso auf Cannabis-Studien. Die Stadt hätte also gar keinen wissenschaftlichen Partner für einen Kokain-Pilotversuch. (sda)

Die dümmsten Koks-Schmuggel-Aktionen der Schweiz

Juni 2009: In einer Edelweiss-Maschine versuchen Mitarbeiter des Flughafens Punta Cana (Dominikanische Republik) 32 Kilogramm Kokain zu schmuggeln. Ihre Methode: Sie füllen das weisse Pulver in leere Orangensaft-Tetrapacks. Die präparierten Säfte landen in den Trolleys, wo sie von Edelweiss-Mitarbeitern entdeckt werden. Das Ganze fliegt noch vor Abflug in der Dominikanischen Republik auf. EPA/KEYSTONE / OLIVIER MAIRE
Mai 1999: Ein Zürcher Stadtpolizist reist mit einem Kollegen nach Brasilien, kauft eine Stereoanlage und nimmt diese in sein luxuriöses Anwesen mit nach Hause, das er dort gemietet hat. Am nächsten Tag bringt er die Anlage zurück ins Geschäft – man möge sie ihm doch nach Hause in die Schweiz schicken, per Post, aber ja nicht in einem Flieger der Swissair. Als die Mitarbeiter des HiFi-Geschäfts die Anlage transportsicher verpacken, fallen ihnen Risse in den Boxen auf. Im Innern finden sie acht Kilogramm Kokain. Der Stadtpolizist und sein Helfer werden noch vor dem Abflug nach Zürich verhaftet.
Mai 2004: 150 Kilogramm Kokain erreichten die Schweiz – unbemerkt. Im Dezember sind es bereits 153,6 Kilo, im September 2005 156,8 Kilo und im November sogar 211,2 Kilo. Die Methode ist immer dieselbe: Das Kokain wird in handelsüblichen Bananenschachteln versteckt. Pro Lieferung werden knapp 1000 Schachteln benötigt. Offizieller Abnehmer der Bananen ist ein Schweizer Mittelsmann, der sich dafür im Zollfreilager in Embrach einmietete. Die ganze Geschichte fliegt unter anderem auf, weil man in einer Ostschweizer Kompostieranlage Verdacht schöpft, als ein Handlanger zweimal 20 Tonnen grüne Bananen entsorgt.
September 2015: Die Ruag-Angestellten staunen nicht schlecht, als sie eine Lieferung aus Chile etwas genauer untersuchen: In den Panzermotoren der chilenischen Armee entdecken sie insgesamt 38 Kilogramm Kokain. Die Chilenen hatten die Motoren zur Revision an den Rüstungsbetrieb des Bundes nach Thun geschickt. Der Reinheitsgrad des Kokains beträgt 80 Prozent, wie der Bund berichtet. Der Stoff hat einen Wert von mehr als 15 Millionen Franken. (KEYSTONE/Peter Schneider) KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
März 2015: Ein Fahrer eines Autos mit belgischem Nummernschild versucht kurz vor Mitternacht die Grenze zur Schweiz bei Lörrach zu passieren. Als er am Zoll Beamte entdeckt, wendet er seinen Wagen und fährt wieder davon. Deutsche Zollbehörden nehmen die Verfolgung auf und stellen den Mann, der sich in der Reiseroute geirrt haben will. Ein Drogenspürhund findet kurz darauf 1,7 Kilogramm Kokain im Kofferraum. (KEYSTONE/EPA/DPA/Rolf Haid) EPA DPA / ROLF HAID
August 2007: Eine 19-jährige Schweizerin und ihr 18-jähriger Partner möchten am Flughafen elf Weinflaschen verzollen – wie es sich gehört. Doch eine der Weinflaschen hat den Flug nicht überstanden und den geschulten Nasen der Zöllner entgeht der Kokain-Geruch nicht, der aus dem Koffer strömt. Insgesamt haben die beiden jungen Delinquenten vier Kilo Kokain in aufgelöstem Zustand in die Schweiz importieren wollen. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Oktober 2015: Die Polizei Basel-Landschaft beschlagnahmt in Birsfelden 191 Kilogramm Kokain. Die Drogen befanden sich in einem Migros-Container, der in Brasilien beladen und per Schiff nach Antwerpen spediert worden war. Der Marktwert der Drogen beläuft sich auf geschätzte 70 Millionen Franken (Reinheitsgrad 90 Prozent). Das Kokain war mit grosser Wahrscheinlichkeit im Migros-Container «vergessen worden». Zuständige belgische Strafverfolgungsbehörden vermuten, dass die Drogen nicht für den Schweizer Markt bestimmt waren und vor ihrem Eintreffen in Birsfelden hätten ausgeladen werden sollen. (Polizei Basel-Landschaft) POLIZEI BASEL-LANDSCHAFT
Februar 2016: Wenig Fantasie bewies ein 53-jähriger Schweizer. Er transportierte 8,5 Kilo Kokain ganz einfach im Handgepäck. Wenigstens war die Ware «fein säuberlich» verstaut, wie die Nachrichtenagentur DPA meldet. Und Überraschung: Am Schweizer Zoll wurde der Mann gefasst. X90138 / MURAD SEZER
Januar 2007: Drei Frauen versuchen bei Basel in die Schweiz einzureisen. In ihrem Gepäck befinden sich 16 Kilo Kokain. Der Schmuggel fliegt auf, als die Beamten nach einem Ausweis fragen und sich eine der Frauen mit einem gestohlenen Führerschein ausweisen will. (KEYSTONE/EPA/DPA/Rolf Haid) EPA DPA / ROLF HAID

Wie der Drogenbaron Escobar den Tourismus ankurbelt

Video: SRF / Roberto Krone

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