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Cem Özdemir Bild: EPA

Bestürzung nach Morddrohungen gegen grüne Spitzenpolitiker in Deutschland

Publiziert: 04.11.19, 07:25 Aktualisiert: 04.11.19, 07:32

Die Morddrohungen in Deutschland gegen die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth haben parteiübergreifend Bestürzung ausgelöst. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sprach in der «Süddeutschen Zeitung» vom Montag von einer «hochproblematischen Verrohung unserer Gesellschaft».

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch bezeichnete die Drohungen in der «Welt» als «Folge eines vergifteten gesellschaftlichen Klimas». Am Wochenende war bekannt geworden, dass Özdemir und Roth von einem als gefährlich eingestuften Rechtsextremisten-Netzwerk mit dem Tode bedroht werden.

Bartsch rief angesichts der Morddrohungen in der «Welt» zu einem konsequenten Kampf gegen Rechtsextremismus auf. Dieser sei jahrelang vernachlässigt worden, kritisierte der Linken-Politiker.

Auch die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte die Regierungskoalition dazu auf, sich stärker auf die rechtsextreme Bedrohung zu konzentrieren. «Dass Rechtsextreme Morddrohungen auch in die Tat umsetzen, haben wir mit dem Mord an Walter Lübcke und in Halle gesehen», sagte Künast der «Welt». Die Autoren solcher Drohungen müssten «mit allen Mitteln ausfindig gemacht und bestraft werden».

Massnahmenpaket der Regierung

Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU) sagte der «Welt», die Regierung werde «alles daran setzen», dass ihr jüngst auf den Weg gebrachtes Massnahmenpaket gegen Rechtsextremismus «rasch vom Parlament beschlossen wird». Einschüchterungsversuchen von Extremisten müsse «mit ganzer Entschlossenheit und auch Härte entgegengetreten werden», sagte Frei.

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Konstantin Kuhle, nannte die Häufung von Drohungen und Angriffen auf Personen des öffentlichen Lebens in der Zeitung «dramatisch». Die Gesellschaft dürfe sich nicht an solche Vorfälle gewöhnen, mahnte Kuhle. «Politiker dürfen kein Freiwild werden.»

Die Zeitungen der deutschen Funke-Mediengruppe hatten am Samstag aus Droh-Mails der Gruppierung «Atomwaffen Division Deutschland (AWD)» an die beiden Grünen-Politiker zitiert. Özdemir wurde mitgeteilt, sein Name stehe ganz oben auf der Todesliste. An Roth schrieb die Gruppe demnach: «Sie sind zurzeit Platz zwei auf unserer Abschussliste.»

Claudia Roth Bild: EPA/EPA

Ableger aus den USA

Eine rechtsextremistische Gruppe «Atomwaffen Division» (AWD) ist in den USA bekannt. Dort gilt sie als extrem gewaltbereit. Seit einigen Monaten häufen sich die Hinweise auf einen deutschen Ableger der Organisation.

Als Konsequenz aus dem Anschlag von Halle und den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hatte die deutsche Regierung vergangene Woche ein Massnahmenpaket gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus beschlossen. Eine der wichtigsten Neuregelungen betrifft dabei Internetunternehmen: Online-Netzwerke sollen verpflichtet werden, strafbare Inhalte künftig aktiv den Sicherheitsbehörden zu melden und gegebenenfalls auch die IP-Adresse der Nutzer herauszugeben. Aggressive Beleidigungen und Hetze im Netz sollen härter bestraft werden können.

Gemäss der Kabinettsvorlage soll auch das Waffenrecht verschärft werden, zudem ist ein besserer Schutz von Kommunalpolitikern und zivilgesellschaftlich engagierten Bürgern vor Hass und Hetze vorgesehen. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) kündigte an, einen Gesetzentwurf bis Jahresende vorzulegen. (dfr/sda/afp)

30 Jahre Mauerfall!

Genau 30 Jahre nach dem Fall der Mauer in Berlin haben Tausende Besucher am 9. November Rosen in die Mauer gesteckt und sie symbolisch durchlöchert. dpa / Michael Kappeler
Bei der zentralen Gedenkfeier in Berlin steckten auch hochrangige Politiker Blumen in die Hinterlandmauer auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Strasse und gedachten der Mauer-Opfer. EPA / CLEMENS BILAN
Der 9. November 1989 wird für immer im deutschen Kollektivgedächtnis bleiben. Innert Stunden wurden die Grenzübergänge von Ost- nach Westberlin geöffnet und tausende von DDR-Bürgern reisten meist zum ersten Mal in ihrem Leben in den Westteil der Stadt. EPA / STR
Jubelnd laufen drei junge Ost-Berliner am 10. November 1989 durch einen Berliner Grenzübergang. Der Untergang des SED-Regimes hatte sich in einem rasanten Tempo vollzogen EPA DPA / STR
Der Mauerfall war der erste Schritt zur bald folgenden Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der etwa 160 Kilometer langen Mauer in der Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. KEYSTONE / GERHARD RIEZLER
Die East Side Gallery: 118 Künstler aus 21 Ländern haben einen 1316 Meter langen Abschnitt der Berliner Mauer, der 1991 unter Denkmalschutz gestellt wurde, mit verschiedenen Motiven bemalt. KEYSTONE / WALTER BIERI
Blumen liegen an einer Stele für die Opfer des kommunistischen Grenzregimes der ehemaligen DDR auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Strasse. DPA / Ralf Hirschberger
Neugierige Kinder schauen am 23. August 1961 über die frisch errichtete Mauer im Berliner Bezirk Wedding nach Ostberlin. Die Abriegelung der innerdeutschen Grenzen hatte am frühen Morgen des 13. August 1961 begonnen. AP / KREUSCH
9. November 1989, Berlin: Die Berliner Mauer fällt nach 28 Jahren, endlich. DDR-Grenzsoldaten schauen durch ein Loch. AP / LIONEL CIRONNEAU
Ostberliner wurde beim Überwinden der Mauer von Westberlinern geholfen. Tausende kletterten so auf die Berliner Mauer. AP / JOCKEL FINCK
Am Tag nach der Öffnung drängen sich die Menschen am 10. Nov. 1989 auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor. AP / STR
Deutsche aus Ost und West stehen auf der Berliner Mauer vor dem Reichstagsgebäude, ebenfalls einen Tag nach der Maueröffnung. AP
AP / LIONEL CIRONNEAU
Berliner Schüler zeigen stolz die Ziegel der Berliner Mauer, die sie in der Nähe des Brandenburger Tores bei den Feierlichkeiten des vergangenen Abends gefunden haben. AP / UDO WEITZ
Menschen feiern den Fall der Mauer. Hier bei einer Kontrollstation auf der Ostseite. AP / JOCKEL FINCK
Nach der Maueröffnung durch die DDR-Regierung zogen tausende von Ostdeutschen nach West-Berlin. AP / THOMAS KIENZLE
Helmut Kohl (Mitte), Walter Momper (links) und Hans Modrow (rechts) lassen am 22. Dezember 1989 vor dem wieder offenen Brandenburger Tor Friedenstauben aufsteigen. EPA DPA / STR

Versteckte Kamera bei geheimen Neonazi-Treffen in Polen

Video: SRF / Roberto Krone

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