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Blick auf den bei der Explosion grösstenteils zerstörten Silo am Hafen von Beirut, 3. August 2020. Bild: keystone

«Die Armee kann in zivile Häuser eindringen und jeden festnehmen» – Libanesen besorgt

Publiziert: 13.08.20, 21:44 Aktualisiert: 13.08.20, 21:51

Die US-Bundespolizei FBI wird sich an den Ermittlungen zu der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut beteiligen. Dieser Schritt erfolge auf Wunsch der libanesischen Regierung, sagte der US- Spitzendiplomat David Hale am Donnerstag bei einem Besuch in Beirut, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete.

Die US-Regierung stehe dem libanesischen Volk zur Seite, erklärte Hale nach Angaben des US-Aussenministeriums. Er betonte zugleich, dass im Libanon grundlegenden Reformen dringend notwendig seien.

Rund um den Hafen sind die Gebäude zerstört worden. Hunderttausende Menschen sind zurzeit obdachlos. Bild: keystone

Die verheerende Explosion in Beiruts Hafen soll durch grosse Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat verursacht worden sein. Diese waren nach libanesischen Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden.

Mit Ausnahmezustand Versammlungen stoppen

Mehr als eine Woche nach der folgenschweren Explosion im Hafen von Beirut hat das libanesische Parlament den Ausnahmezustand für die Hauptstadt bestätigt. Dadurch erhält die Armee zusätzliche Befugnisse.

«Diese Entscheidung richtet sich gegen das freie libanesische Volk.»

Aktivistin Lina Bubis

Der unabhängige Abgeordnete Usama Saad sagte dem libanesischen Sender Al-Jadid am Donnerstag, das Militär könne durch den Schritt Versammlungen untersagen. Militärgerichte erhielten ausserdem zusätzliche Befugnisse.

Demonstranten befürchten, dass der Ausnahmezustand darauf abzielt, ihre Proteste gegen die Regierung im Libanon zu unterdrücken. «Durch diese Entscheidung kann die Armee in zivile Häuser eindringen und jeden festnehmen, von dem sie glauben, dass er gegen das verstösst, was sie als nationale Sicherheit bezeichnen», sagte die Aktivistin Lina Bubis der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Entscheidung richtet sich gegen das freie libanesische Volk.»

Die Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe laufen noch. Bei der Detonation waren mindestens 171 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden. (sda/dpa)

Schwere Explosion am Hafen von Beirut

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut steht die Stadt am Mittelmeer unter Schock. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 100, wie das libanesische Rote Kreuz am Mittwoch erklärte. EPA / @TAYYARAOUN1
Demnach wurden etwa 4000 Menschen verletzt. Rettungshelfer suchten in den Trümmern nach weiteren Opfern. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes, George Kattanah, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Opfer werde wahrscheinlich weiter steigen.
Aus Sicherheitskreisen hiess es, es würden noch mindestens 100 Menschen vermisst. «Es liegen noch immer viele Menschen unter den Trümmern», sagte ein Offizieller, der ungenannt bleiben wollte.
Die Ermittler suchen zudem weiter nach der Ursache für die gewaltige Detonation in der Hauptstadt des Landes an der Levante.
Möglicherweise wurde sie durch eine sehr grosse Menge Ammoniumnitrat ausgelöst, die im Hafen gelagert worden war. Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag der landesweiten Trauer in Gedenken an die Opfer. AP / BILAL HUSSEIN
Beim roten Punkt im Hafen von Beirut kam es zur Explosion.
Die Explosionen hatten am Dienstag Beirut und das Umland erschüttert. Grosse Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Aufnahmen zeigten ein Bild der Verwüstung. keystone / Hussein Malla
Auch die angrenzenden Wohngebiete wurden stark beschädigt. Auf den Strassen standen zahlreiche zerstörte Autos. «Das ist grauenhaft, das ist nicht normal», sagte ein Mann, der am Morgen Scherben vor seiner Wohnung zusammenfegte. EPA / WAEL HAMZEH
Betroffen von der Explosion sind neben dem Hafen vor allem die beliebtesten Ausgehviertel, für die Beirut bekannt ist. Sogar in Orten rund 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt gingen Scheiben zu Bruch. Beirut, in dessen Grossraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt. keystone
Der Leiter des Büros der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung im Libanon, Malte Gaier, sagte dem Deutschlandfunk, besonders beunruhigend seien «massive strukturelle Schäden». So sei das staatliche Elektrizitätswerk komplett zerstört. AP / HUSSEIN MALLA
Verwundete seine aufgrund des Ansturms auf Kliniken oft abgewiesen worden. «Wir haben die ganze Nacht hinweg, und ich vermute auch, dass das jetzt noch der Fall ist, wirklich chaotische, teils dramatische Szenen hier gesehen.» AP / HASSAN AMMAR
Gaier sprach von einem «Schockzustand» in der Stadt. «Das ist für uns vielleicht etwas vergleichbar mit dem Schockzustand, den wir am Morgen nach 9/11 in den USA hatten», erklärte er. AP / HUSSEIN MALLA
Eine der Verletzten ist die Schweizer Botschafterin Monika Schmutz, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstagabend mitteilt. Die Botschafterin habe sich leicht verletzt und sich ins Spital begeben. Das übrige Botschaftspersonal sei wohlauf, eine Mitarbeiterin habe man aber bislang nicht erreichen können.
AP / HASSAN AMMAR
keystone / NABIL MOUNZER

Wie eine Austauschstudentin die Explosion in Beirut erlebte

Video: watson / lea bloch

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