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epa08583795 A still image grabbed from a mobile phone video and made available by Twitter user @tayyaraoun1 showing the moment of the massive explosion that rocked the harbor area of Beirut, Lebanon, 04 August 2020. According to reports, several people have been injured and large area badly damaged. EPA/@tayyaraoun1 EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die gewaltige Detonation im Hafen von Beirut ist vermutlich auf die Entzündung von mehr als 2700 Tonnen Ammoniumnitrat zurückzuführen. Bild: EPA

Ammoniumnitrat – darum ist die Chemikalie so gefährlich und so kam sie nach Beirut



Die verheerende Explosion am Abend des 4. August im Hafen von Beirut erschütterte die gesamte libanesische Hauptstadt und Umgebung und zerstörte grosse Teile des Hafens. Die Katastrophe forderte mehr als 100 Todesopfer, verletzte tausende und machte hunderttausende obdachlos. 2750 Tonnen Ammoniumnitrat seien explodiert, sagte Abbas Ibrahim, der Chef der libanesischen Sicherheitsdienste. Warum sich die Substanz entzündet hat, ist nach wie vor unklar. Die Chemikalie war sechs Jahre lang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden. Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab bezeichnete dies als inakzeptabel.

Warum ist Ammoniumnitrat so gefährlich?

Tatsächlich erinnert die gewaltige Detonation in Beirut an ein verheerendes Chemie-Unglück vor fünf Jahren im chinesischen Tianjin. Damals waren 800 Tonnen der Chemikalie explodiert, 173 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch dort kam es zu zwei innerhalb kurzer Zeit aufeinanderfolgenden Explosionen. In Tianjin war die Feuerwehr im Einsatz, als es zur Explosion kam. Auch in Beirut bekämpfte die Feuerwehr laut Berichten in der Hafenanlage einen Brand.

epaselect epa04884801 An aerial view of a large hole in the ground in the aftermath of a huge explosion that rocked the port city of Tianjin, China, 15 August 2015. Explosions and a fireball at a chemical warehouse killed at least 85 people in the north-eastern Chinese port city of Tianjin late on 12 August. New explosions rocked a chemical warehouse in northern China as police ordered residents to evacuate buildings within a three-kilometre radius, state media said on 15 August.  EPA/STR CHINA OUT

In Tianjin hinterliessen die Explosionen einen enormen Krater. Bild: EPA/EPA

Ammoniumnitrat (NH4NO3) besteht aus farblosen Kristallen und ist ein Salz, das sich aus Ammoniak und Salpetersäure herstellen lässt. Die Substanz, die zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen dient, ist unvermischt weitgehend ungefährlich. Allerdings ist sie wärmeempfindlich und kann unter bestimmten Umständen explodieren.

Gefährlich kann es werden, wenn sehr grosse Mengen dicht beieinander stehen – Ammoniumnitrat kann sich dann wie eine Art grosser Komposthaufen erhitzen. Ist die Menge gross genug, kann es Feuer fangen und schmelzen. Dabei kann aussen eine harte Schicht entstehen, während der Brand innen weiter schwelt. Es entstehen Gase, die einen hohen Druck erzeugen und dann explosiv ausbrechen.

Säcke mit Ammoniumnitrat in Lviv, Ukraine

Grosse Mengen von Ammoniumnitrat können gefährlich sein. Bild: Shutterstock

Bei 170 °C beginnt die harmlose Zersetzung in Wasser und Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O):
NH4NO3 —> 2 H2O + N2O
Durch eine starke Initialzündung hingegen zerfällt Ammoniumnitrat explosiv direkt zu Wasser, Stickstoff und Sauerstoff:
2 NH4NO3 —> 4 H2O + 2 N2 + O2

Dies erklärt die enorme Sprengkraft der Substanz: Sie zerfällt in ausnahmslos gasförmige Zersetzungsprodukte. Das sogenannte Schwadenvolumen ist eines der höchsten überhaupt und beträgt 980 Liter pro Kilogramm, das heisst, ein Kilogramm Ammoniumnitrat zerfällt schlagartig zu 980 Litern Wasserdampf, Stickstoff und Sauerstoff. Zum Vergleich: Das Schwadenvolumen des Sprengstoffs TNT liegt bei lediglich 740 l/kg, jenes von Schwarzpulver bei 337 l/kg.

Ammoniumnitrat

Ammoniumnitrat ist ein Salz aus Ammoniak und Salpetersäure. Bild: Shutterstock

Eine Initialzündung, die Ammoniumnitrat zur Explosion bringt, ist freilich nicht einfach herbeizuführen – es braucht dazu extreme Bedingungen. Wenn die Chemikalie indes mit anderen Substanzen verunreinigt ist, kann sich ihre Explosivität erhöhen. Dies ist etwa der Fall, wenn Ammoniumnitrat mit Öl verunreinigt ist – es wird dann hochexplosiv. Genau dies könnte in Beirut der Fall gewesen sein, wie Gabriel da Silva, Chemieprofessor an der Universität von Melbourne, der britischen Zeitung «Guardian» erklärt.

Aufgrund seiner Gefährlichkeit wird der Umgang mit Ammoniumnitrat – zumindest in Deutschland – auch im Sprengstoffgesetz geregelt. Strenge Sicherheitsauflagen sind in vielen Ländern Pflicht. In Beirut wurden sie, wie es scheint, sträflich vernachlässigt.

Wie gefährlich diese Chemikalie sein kann, sollte aber längst bekannt sein. Es kam schon mehrfach zu Katastrophen, als Ammoniumnitrat explodierte.

Woher kam das Ammoniumnitrat?

Die Chemikalie soll in einer Halle im Hafen von Beirut in Säcken gelagert worden sein. Nach Beirut gelangte das Ammoniumnitrat auf dem Frachtschiff «Rhosus», das unter moldawischer Flagge am 23. September 2013 aus dem Hafen Batumi in Georgien ausgelaufen war. Ziel der «Rhosus» war eigentlich der Hafen Biera in Mosambik im südlichen Afrika, doch bereits im Mittelmeer hatte das Schiff mit technischen Problemen zu kämpfen und lief deshalb den Hafen von Beirut an.

Das Frachtschiff «Rhosus», das das Ammoniumnitrat in den Hafen von Beirut transportierte.
https://www.balticshipping.com/vessel/imo/8630344#gallery-2

Die «Rhosus» brachte die fatale Ladung 2013 nach Beirut. Bild: balticshipping.com

Die libanesische Hafenbehörde untersagte der «Rhosus» die Weiterfahrt aufgrund verschiedener Mängel. Das Schiff blieb im Hafen liegen, die Crew durfte das Schiff zunächst wegen immigrationsrechtlicher Bestimmungen nicht verlassen. Der Inhaber gab das Schiff in der Folge einfach auf – ein Vorgang, der gar nicht so selten ist, wie man denken könnte. Schnell ging der Proviant aus, so dass es an Bord zu unhaltbaren Zuständen kam. Schliesslich durfte die Besatzung bis auf vier Mitglieder und den Kapitän ausreisen. Auch diese durften nach einiger Zeit aus humanitären Gründen heimkehren, wobei unter anderem auch die «gefährliche Natur der Ladung» auf dem Schiff eine Rolle spielte.

Diese «gefährliche Ladung» wurde danach – spätestens bis Oktober 2015 – gelöscht und in eine Lagerhalle im Hafengebiet von Beirut gebracht. Dort verblieb das Ammoniumnitrat bis zur fatalen Explosion am 4. August 2020.

(dhr)

Videos zeigen das Ausmass der Katastrophe in Beirut

Video: watson/nfr

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Schwere Explosion am Hafen von Beirut im August 2020

Beirut Explosion – 4. August 2020

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49Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 06.08.2020 09:03
    Highlight Highlight Hier wird einmal der Zusammenhang zwischen Stickstoff-Kunstdünger und Sprengstoff verdeutlicht.
    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs suchten die Sprengstoff-Fabriken nach neuen Geschäftsmöglichkeiten und fanden sie in der Produktion von Stickstoff-Kunstdüngern.
    Diese Nitrate werden nun gleichsam vom "Krieg unter Menschen" in den "Krieg mit der Natur" und in "Anbauschlachten" verlagert.
    Kunstdünger steigern kurzfristig die Erträge, schädigen aber langfristig das Bodenleben und die Bodenfruchtbarkeit. Ein Teufelskreis, der in Abhängigkeit, Verschuldung, Humusabbau und Verwüstung führt...
  • Tropennütteler 05.08.2020 21:18
    Highlight Highlight War das wirklich Ammoniumnitrat?
    Play Icon
  • Moglyy 05.08.2020 21:08
    Highlight Highlight 2750 kilo waren seit 2010 da.

    Explodiert sind ca 500kg.

    Der Hafen von Beirut ist bekannt als „Ali Babas Höhle (und seine 40 Räuber).

    Nun, da fehlen 2250 Kilo.

    Leider wird das erste das wieder steht die Korruption sein.

    Amen.
  • passiver Überströmer 05.08.2020 20:40
    Highlight Highlight Wenn das wirklich Ammoniumnitrat in diesen Mengen war, so ist jeder der das wusste mitverantwortlich.
  • Nicky11 05.08.2020 19:24
    Highlight Highlight Danke für den guten Bericht - vor allem auch für den Verzicht auf eurozentristische Verurteilung. Korrupte Regierung blabla... Mag sein - aber Tatsache ist, dass ärmere Länder von Handelsabkommen ausgeschlossen werden und gar keine Chance haben auf viel mehr als den Dreck für den Westen zu schürfen und/oder zu entsorgen. Der Westen lebt von der Korruption im Süden und fördert sie. Traurig aber wahr. Habe einen Master in Sustainable Development gemacht und das hat mich fast in eine Depression versetzt.
  • Do not lie to mE 05.08.2020 19:23
    Highlight Highlight Welt.de: Hisbollah soll hunderte Kilo Ammoniumnitrat in Süddeutschland lagern. Dazu auch ein Video Zusammenschnitte von Hisbollah Anführer Hassan Nasrallah. Er zitierte einen israelischen Experten und sagte, dass ein Raketenangriff auf die Ammoniak-Tanks in Haifa die Wirkung einer Atombombe haben würde. Nasrallah sagte, dies bedeute, dass der Libanon über eine Atombombe verfüge, "das ist keine Übertreibung". Er fügte hinzu, dass ein solcher Angriff auf die Ammoniak-Anlagen in Haifa möglicherweise Zehntausende von Toten verursachen würde. shorturl.at/ampAO
    Play Icon
  • Tropennütteler 05.08.2020 19:02
    Highlight Highlight Hmm..

    Play Icon
  • Garp 05.08.2020 18:22
    Highlight Highlight Auch hier, wie hilft man nun zuerst den Obdachlosen, den Verletzten, wie verorgt man den Libanon, wenn der Grossteil des Hafens zerstört ist, die sind nämlich krass auf Importe angewiesen.
  • Baeri19 05.08.2020 15:49
    Highlight Highlight Anders Breivik hat für seine Bombe in Oslo auch Dünger benutzt. Hatte auch eine Riesen Sprengkraft obwohl dies nur in einem Lieferwagen detoniert ist. Mir wird gerade richtig schlecht wenn ich daran denke, dass ich 2 Jahre lang in einem grossen Düngerlager im Kanton Bern gearbeitet habe.
    • rolf.iller 05.08.2020 21:59
      Highlight Highlight Timothy McVeigh hatte seinen Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City auch mit Dünger, Diesel und einem Zünder durchgeführt.
    • Gulasch 05.08.2020 23:03
      Highlight Highlight Wurde auch 1993 beim World Trade Center in NY und 1995 in Oklahoma benutzt!
    • Kong 06.08.2020 01:14
      Highlight Highlight Bauern hatten immer schon mit Dünger Baumstrünke etc gesprengt, bis der Gehalt reduziert wurde. Ist ewig her aber war so 🤓
    Weitere Antworten anzeigen
  • Michele80 05.08.2020 15:49
    Highlight Highlight Danke für den gut verständlichen Artikel! Ich hatte in Chemie immer etwas einen Fe sterplatz und fand die Erklärungen am Anfang des Artikels daher sehr hilfreich.
  • Perseverance 05.08.2020 15:44
    Highlight Highlight Und bevor nun wieder denjenigen, die Chemie für etwas „Böses“ halten und/oder im Chemieunterricht nie aufpassten, nach Verboten schreien und dämliche Fragen stellen, wieso man sowas gefährliches überhaupt in so riesigen Mengen herstellt und massenhaft rumtransportiert:

    Dank dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Herstellung von Ammoniumnitrat überhaupt erst ermöglichte, existiert die Menschheit heute noch so wie wir sie kennen. Ohne Kunstdünger wären die meisten Menschen vor gut 100 Jahren schlicht verhungert. Und nein, der Einsatz von Kunstdünger führt nicht zu „ungesunden Nahrungsmitteln“.
    • Garp 05.08.2020 18:19
      Highlight Highlight Der Kustdünger geht uns eh bald aus, weil die Ressourcen zur Neige gehen, verhungern noch mehr, als vor 100 Jahren.
    • Neruda 05.08.2020 23:13
      Highlight Highlight Nur zu ausgelaugten und unfruchtbare Böden. Irgendwann hat es dann vom ganzen Kunstdünger gar keine Nährstoffe mehr in den Böden und immer mehr düngen geht auch nicht.
  • StGb Art. 258 @ Bundesrat 05.08.2020 15:27
    Highlight Highlight Und wer hat die sicher nicht ganz so billigen Kosten für die Lagerung direkt an den Hafendocks bezahlt?
  • Pasta_luego 05.08.2020 15:06
    Highlight Highlight "Dort verblieb das Ammoniumnitrat bis zur fatalen Explosion am 4. August 2020."... alter Schwede... wie kann es zu so etwas kommen? über 5 Jahre das Zeugs einfach rum liegen lassen. Wieso wurde es nicht verkauft oder weiter verwendet? oder vom Besteller oder Lieferanten verlangt, dass er es abholt? Oder ist das in so einem Fall nicht so einfach?
    • maylander 05.08.2020 19:15
      Highlight Highlight Der Besitzer des Frachter hat das Schiff samt Ladung aufgegeben.
      Die Besatzung durfte ausreisen. Die Offiziere und der Kapitän wurden zuerst festgehalten durften aber später auch abreisen.
    • Moglyy 05.08.2020 21:11
      Highlight Highlight Explodiert sind 500 Tonnen. Ursprünglich waren da 2750 Tonnen. Noch 2 Jahre und das Problem wäre behoben gewesen.

      Oder jemand wollte einfach die Differenz verschwinden lassen, hatte aber keine Ahnung von Sprengstoff.
    • Neruda 05.08.2020 23:14
      Highlight Highlight B e h ö r d e n
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ueli der Knecht 05.08.2020 14:45
    Highlight Highlight "Diese «gefährliche Ladung» wurde danach – spätestens bis Oktober 2015 – gelöscht und in eine Lagerhalle im Hafengebiet von Beirut gebracht. Dort verblieb das Ammoniumnitrat bis zur fatalen Explosion am 4. August 2020."

    Die Fragen hier wäre doch: Wer hat das Ammoniumnitrat damals in Besitz genommen? Wer hat seither die Lagergebühren bezahlt? Gab es Besitzerwechsel? Wem gehörte das Ammoniumnitrat gestern?

    Und auch: Wer war für die feuertechnische Sicherheit in diesem Lager verantwortlich?

    Ausserdem wurd berichtet, das im Lager nebenan Feuerwerke eingelagert waren. Wem gehörten die?
    • Do not lie to mE 05.08.2020 19:39
      Highlight Highlight Ich würde davon ausgehen das die Hisbollah etwas damit zu tun hatte, ohne die Terror-Organisation läuft in dem heruntergewirtschafteten Land nichts.
      Play Icon
    • Ueli der Knecht 06.08.2020 12:42
      Highlight Highlight "Ich würde davon ausgehen das die Hisbollah etwas damit zu tun hatte"

      @Do not lie to mE:
      Die Hisbollah hat keinerlei Interesse daran, den Libanon zu destabilisieren. Im Gegenteil.

      Wenn du also der Frage "Cui bono?" nachgehst, dann kommst du eher auf andere Kreise, aber ganz bestimmt nicht auf die Hisbollah oder der hinter ihr stehende Iran.

      Die ganzen Destabilisationen im Libanon der letzten Wochen und Monate waren in erster Linie gegen den zunehmenden Einfluss der Hisbollah gerichtet, und sie wurden von ausländischen Geheimdiensten und kriminellen Organisationen tatkräftig geschürt.
  • Auric 05.08.2020 14:04
    Highlight Highlight Das ist die große Frage, was hat es entzündet, was war die Ursache für die vielzahl kleinerer Explosionen vor der richtig großen??
    Als vor 99 Jahren die BASF hoch ging (mit ü 500 Toten) hatten die das Zeugs mit kleinen Ladungen versucht aufzulockern...
    • Auric 05.08.2020 17:15
      Highlight Highlight Anscheinend ist die Initialzündungen von einem brennenden Feuerwerkslager ausgegangen.

      Unglaublich traurig unglaublich unverantwortlich neben einem Düngerlager auch noch Feuerwerk zu lagern
  • Darkside 05.08.2020 13:56
    Highlight Highlight Wurde damit nicht auch das FBI Gebäude in Oklahoma City gesprengt?
    • Fox1Charlie 05.08.2020 14:57
      Highlight Highlight Das war das Gebäude der IRS, aber ja, Lieferwagen mit Ammoniumnitrat
    • P. Meier 05.08.2020 18:04
      Highlight Highlight Ja, jedoch da noch mit Kraftstoff angereichert worden. Dazu war es eine erheblich geringere Mengen. 1/1000 wenn ich die richtigen Zahlen habe
    • Moglyy 05.08.2020 21:12
      Highlight Highlight 500 kg
    Weitere Antworten anzeigen
  • chrissy_dieb 05.08.2020 13:51
    Highlight Highlight Gemäss zirkulierenden Bildern war es nicht einfach nur Ammoniumnitrat (welches auch als Dünger verwendet werden kann), sondern konkret "prilled ammonium nitrat " - eine spezielle Formulierung für Sprenganwendungen. Der rote Rauch könnte von Stickoxiden (NOx - hauptsächlich wohl NO2 wie bei rauchender Salpetersäure) stammen.

    Gemäss Herstellerangaben bedarf es regulierter und lizenzierter Lagerbedingungen. Vermutlich liegt da die Knacknuss: Gut möglich, das dies nicht der Fall war und sowieso sollte man nicht Tonnen Sprengstoff neben dem Stadtzentrum lagern.

    Alles Gute für Beirut.
    • Wolk 05.08.2020 19:09
      Highlight Highlight In den Reaktionsgleichungen oben entstehen aber keine Stickoxide...?
    • Bort? 05.08.2020 21:43
      Highlight Highlight Prilled A/N wird auch als Düngemittelbestandteil verwendet...habe davon mehrere Schiffsladungen abgefertigt.

      Jetzt leuchtet auch ein warum es z.t. mit Wasser berieselt wird beim Be- und Entladen
    • chrissy_dieb 06.08.2020 10:58
      Highlight Highlight @ Wolk: Richtig, steht so nicht. Aber ich nehme an, es ist ein Nebenprodukt bei unvollständiger Umsetzung. In einem Sicherheitsdatenblatt das mit zu Ammoniumnitrat vorliegt ist jedenfalls vermerkt, dass bei Feuer sowohl NO wie auch NO2 entstehen kann.

      @ Bort: Das war ich mir nicht bewusst. Vermutlich kommen unterschiedliche Formulierungen sowohl als Dünger wie auch als Sprengstoff zum Einsatz. Meine Quelle war hier ein technisches Datenblatt zum vermeintlichen Produkt, wo vermerkt ist "... specifically formulated for use as an oxidier in blasting agents."
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cirrum 05.08.2020 13:38
    Highlight Highlight Ich möchte gar nicht wissen, was alles noch so in Fässern in den Meeren und unter der Erde vergraben ist. Chemieentsorgungen sind sehr teuer und dadurch klar, dass sie bestimmt nicht fachgerecht entsorgt werden.
  • Steibocktschingg 05.08.2020 13:38
    Highlight Highlight Eine weitere chemische Eigenschaft, die vermutlich ebenfalls eine Rolle spielt für die Explosivität von NH4NO3 ist die Tatsache, dass die zwei Stickstoffatome im Salz die zwei höchstmöglichen Oxidationsstufen für Stickstoff aufweisen, -III und +V. Dementsprechend streben sie danach, eine für sie stabilere Verbindung, N2 (elementarer Stickstoff, wie er in der Luft vorkommt) zu bilden, was Komproportionierung genannt wird. Dabei entstehen weit mehr Mole an Gas als im Feststoff und da jedes Mol Gas in der Regel um 20 bis 30 Liter Volumen hat, gibt das einen gewaltigen Druck.
    • Damo Lokmic 05.08.2020 15:31
      Highlight Highlight Die sieben Blitze sind wohl in Chemie damals ziemlich böse durchgefallen. Faszinierender Beitrag, thanks Steibocktschingg.
    • Doradal 05.08.2020 18:11
      Highlight Highlight Deine Bemerkungen zu den Oxidationsstufen der N-Atome im Salz sind korrekt, jedoch sollte dieser Eigenschaft keine entscheidende Rolle bei der Explosivität zukommen, abgesehen von der wahrscheinlich grossen Wärme die freigesetzt wird durch die Komproportionierung. Diese Wärme unterstützt den Prozess der die Explosion auslöst. Deinem letzten Satz kann ich nicht zustimmen: wenn du im Feststoff 10 mol N-Atome hast, dann hast auch im Gas 10 mol N-Atome. Ich denke, du meinst eher, dass 10 mol N-Atome im Feststoff ein viel kleineres Volumen einnehmen als im Gas. Die Menge bleibt aber gleich (mol).
    • Knäckebrot 05.08.2020 18:15
      Highlight Highlight Du schreibst sieben Blitze und momentan sind es nur drei.

      Kann man gesetzte Zeichen wieder selbst entfernen?
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