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Rudelbildung nach der Roten Karte gegen Suffo (mit der Rückennummer 19 ganz links). Bild: grodon1

Ein Knochenbrecher-Foul macht aus einem Fussballspiel die «Battle of Bramall Lane»

16. März 2002: Es ist eine explosive Mischung, die zum grossen Knall führt im Championship-Match zwischen Sheffield United und West Bromwich Albion. Die Partie wird abgebrochen, weil nach Platzverweisen und angeblichen Verletzungen zu wenig Spieler auf dem Feld stehen.

Publiziert: 16.03.19, 00:05 Aktualisiert: 16.03.19, 15:20

Mal ehrlich: Überrascht es dich, dass der Match nach diesem Foul eskaliert ist?

GIF: grodon1

Georges Santos fliegt in seinen Gegenspieler Andy Johnson und daraufhin vom Platz. Es ist ein Duell mit einer Vorgeschichte: In der Saison zuvor hatte Johnson mit seinem Ellbogen die Augenhöhle von Santos zertrümmert. Santos schwor Rache und die Gelegenheit dazu erhält er an diesem Tag. In der 64. Minute eingewechselt, dauert es bloss wenige Sekunden bis zum brutalen Foul, das seinen Arbeitstag bereits wieder beendet.

Doch der Reihe nach. Die Spiele zwischen Sheffield United und West Bromwich Albion sind zu jener Zeit immer «heiss». Platzverweise sind an der Tagesordnung. An diesem 16. März 2002 treffen die beiden Teams in Sheffield an der Bramall Lane aufeinander. Sheffield liegt im gesicherten Mittelfeld, für West Brom geht's noch um den Aufstieg.

Die «Höhepunkte» der «Battle of Bramall Lane». Video: YouTube/grodon1

Sheffield schon früh dezimiert

Es dauert bloss neun Minuten, da fliegt der erste Spieler vom Platz. Sheffields Goalie Simon Tracey begeht ausserhalb des Strafraums ein Handspiel. Ersatzgoalie Wilko de Vogt ersetzt ihn, Stürmer Peter Ndlovu muss für ihn weichen – der Zimbabwer ist der Bruder des langjährigen Kriens-, Delémont- und FCZ-Angreifers Adam Ndlovu.

Wenig später schiesst Scott Dobie das 1:0 für West Brom und als Derek McInnes in der 63. Minute das 2:0 für den Favoriten schiesst, scheint die Partie entschieden zu sein. Niemand würde heute noch vom Spiel reden, es wäre auch nicht als «Battle of Bramall Lane» bekannt. Doch was sich im Anschluss an den zweiten Treffer der Gäste ereignet, hat Seltenheitswert.

Rekordverdächtiger Doppelausschluss zweier eben Eingewechselter

Sheffield Uniteds Trainer Neil Warnock vollzieht einen Doppelwechsel. Er bringt den Franzosen Georges Santos und den Kameruner Patrick Suffo, «einen Kleiderkasten mit der Postur eines Schwergewichtsboxers», wie der Guardian ihn beschreibt. Kaum ist das Duo auf dem Rasen, muss es ihn auch schon wieder verlassen.

Denn im Zuge des eingangs beschriebenen Fouls von Santos an Johnson sieht auch Suffo die Rote Karte. Mit einer Kopfnuss streckt er West-Brom-Torschütze McInnes nieder.

GIF: grodon1

Sheffield gehen die Spieler aus

Mehr als zwanzig Minuten sind noch zu spielen – und Sheffield United steht nur noch mit acht Spielern auf dem Feld. Gegen diesen arg dezimierten Gegner schiesst Dobie sein zweites Tor, bringt die Albions in der 77. Minute mit 3:0 in Führung.

Nun überschlagen sich die Ereignisse ein zweites Mal. Kurz nach dem dritten Gegentreffer humpelt erst Sheffields Michael Brown vom Feld, in der 82. Minute kann auch sein angeschlagener Teamkollege Robert Ullathorne nicht mehr mittun. Und weil das Heimteam somit bloss noch sechs Spieler auf dem Feld hat, bricht der Schiedsrichter das Spiel reglementsgemäss ab.

«So etwas habe ich noch nie erlebt!»

Doch sind die Spieler wirklich verletzt oder hat Sheffields Manager Warnock den Abbruch provoziert? «Jeder weiss, was an der Linie abgegangen ist», tobt West Bromwichs Manager Gary Megson. «Seit ich 16 Jahre alt bin, bewege ich mich im Profifussball und ich bin jetzt 42. Aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt!»

Santos und Suffo, die beiden vom Platz gestellten Joker, kassieren jeweils sechs Spielsperren. Für Sheffield United spielen sie nie mehr.

Der Franzose Georges Santos (Mitte) hatte seine beste Phase einige Jahre nach der Zeit in Sheffield, als er bei den Queens Park Rangers spielte. 2009 beendete er seine Karriere. Bild: Getty Images Europe

Das Highlight in der Karriere von Patrick Suffo (rechts) war der Gewinn der Olympia-Goldmedaille an den Spielen von Sydney im Jahr 2000. Er absolvierte für Kamerun 29 Länderspiele – und flog im WM-Spiel 2002 gegen Deutschland ebenfalls vom Platz. Bild: Getty Images AsiaPac

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Sie waren «Golden Boys»: Zum besten Talent der Welt gekürt

2020: Erling Haaland (Borussia Dortmund). keystone / Gregorio Borgia
2019: Joao Felix (Benfica Lissabon/Atlético Madrid)
2018: Matthijs de Ligt (Ajax Amsterdam). EPA/ANP / OLAF KRAAK
2017: Kylian Mbappé (AS Monaco/Paris Saint-Germain). EPA/EPA / SEBASTIEN NOGIER
2016: Renato Sanches (Benfica Lissabon/Bayern München). EPA/LUSA / MIGUEL A. LOPES
2015: Anthony Martial (AS Monaco/Manchester United). AP/AP / Lionel Cironneau
2014: Raheem Sterling (Liverpool). EPA/EPA / PETER POWELL
2013: Paul Pogba (Juventus Turin). EPA / DI MARCO
2012: Isco (FC Malaga). EPA / JORGE ZAPATA
2011: Mario Götze (Borussia Dortmund). AP / MARTIN MEISSNER
2010: Mario Balotelli (Inter Mailand/Manchester City). EPA / FOTOSPORTS - ROBIN PARKER
2009: Alexandre Pato (AC Milan). EPA / DANIEL DAL ZENNARO
2008: Anderson (Manchester United). EPA / Magi Haroun
2007: Sergio Agüero (Atlético Madrid). EPA / BALLESTEROS
2006: Cesc Fabregas (Arsenal). EPA / GERRY PENNY
2005: Lionel Messi (FC Barcelona). AP / MANU FERNANDEZ
2004: Wayne Rooney (Everton/Manchester United). AP PA / PHIL NOBLE
2003: Rafael van der Vaart (Ajax Amsterdam). EPA ANP / OLAF KRAAK

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