Greenpeace pinkelt Schweizer Grossbanken ans Bein – wegen ihrer Klimapolitik
Für ihre Aktionen bekannt: Greenpeace - hier an der CS-GV.
Bild: SWISS PRESS PHOTO/KEYSTONE
UBS und Credit Suisse werden von Greenpeace kritisiert. Der Vorwurf: Die beiden Banken würden mit ihrer Geschäftspolitik den Klimawandel begünstigen. Die beiden Institute wehren sich.
Zwischen 2016 und 2019 stellten die Schweizer Grossbanken gemäss einer am Mittwoch von Greenpeace veröffentlichten Studie 101 «problematischen» Unternehmen insgesamt mindestens 70 Milliarden Dollar zur Verfügung, um fossile Brennstoffe nutzbar zu machen.
Durch die Finanzierung dieser Unternehmen hätten in diesem Zeitraum insgesamt 290 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen resultieren können, wie die im Auftrag von Greenpeace von Nextra Consulting ausgewerteten Angaben des Banking on Climate Change (BoCC) Reports zeigten.
Spitze des Eisbergs
Greenpeace vermutet, dass die im BoCC-Report ermittelten Finanzierungen bei weitem nicht alle Transaktionen erfasst. Es handle sich vielmehr wohl nur um die berühmte «Spitze des Eisbergs».
Vor allem Credit Suisse steht am Pranger von Greenpeace. Die kleinere der beiden Grossbanken sei für rund 70 Prozent der genannten Geldflüsse verantwortlich. Im Spitzenjahr habe die CS alleine mehr als doppelt so viele Emissionen finanziert, wie innerhalb der Schweizer Grenzen verursacht worden sein.
Damit der Schweizer Finanzplatz von einem Teil des Problems zu einem Teil der Lösung wird, müssen nach Ansicht von Greenpeace verschiedene Massnahmen ergriffen werden. Am dringlichsten sei der sofortige Ausstieg aus extrem schädlichen Brennstoffen und ein sukzessiver Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen.
Und damit das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden könne, seien von der Politik und den Regulierungsbehörden klare Vorgaben nötig.
CS ist sich «der Verantwortung bewusst»
Die Credit Suisse schreibt in einer Stellungnahme, sie anerkenne ihren Teil der Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels und sei sich bewusst, dass auch die Finanzströme mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang gebracht werden müssten.
Man wolle die Kunden beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft unterstützen und habe daher 2019 eine gruppenweite Klimarisikostrategie eingeführt. Die Credit Suisse habe darüber hinaus innert zehn Jahren Finanzierungen von über 100 Milliarden US-Dollar für erneuerbare Energien durchgeführt.
Die UBS wiederum erklärte, sie unterstütze sehr wohl mit ihrer Klimastrategie einen geregelten Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft, wie ihn das Pariser Klimaschutzabkommen vorsehe. Das Engagement der Bank bei Unternehmen im fossilen Sektor etwa sinke weiter und mache mittlerweile weniger als 1 Prozent des gesamten Kreditgeschäfts aus.
Und die Kunden der UBS hätten ihre nachhaltigen und klima-bezogenen Anlagen bei der Bank im letzten Jahr um 56 Prozent auf knapp 490 Milliarden US-Dollar erhöht, erklärte das Institut weiter. (aeg/sda/awp)
Greenpeace benotet Apple, Facebook, Google und Co.
Greenpeace USA hat seinen «Click Clean Report» für das Jahr 2015 vorgestellt – mit überraschenden Resultaten. Greenpeace
Die Umweltschützer haben untersucht, welche Konzerne an einem «grünen» Internet arbeiten und ihre Rechenzentren für Cloud-Dienste mit erneuerbarer Energie betreiben. Getty Images North America / Rainier Ehrhardt
Vom schwarzen Schaf zum Klassenbesten: Unter den grossen Tech-Konzernen setzt einzig Apple zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie.
Der Konzern ist demnach der einzige Anbieter, der ausschliesslich Strom aus Wind-, Solar- und Wasserkraft für seine Rechenzentren setzt. AP/AP / Rick Rycroft
Das ist nicht zuletzt das Verdienst dieses Mannes: Apple-Chef Tim Cook hat sich aus dem Schatten seines Vorgängers gelöst. In der Ära nach Steve Jobs agiert Apple transparenter. EPA/DPA / TOBIAS HASE
Auf Platz zwei folgt Yahoo mit einer Clean-Energy-Index-Wertung von 73 Prozent. Der US-Konzern nutze noch Erdgas, Atomenergie sowie recht stark Kohle, kritisiert Greenpeace.
Abzüge gibt's auch für die mangelnde Energietransparenz. Interessantes Detail: Yahoo betreibt unter anderem auch in der Schweiz, in Avenches, ein Rechenzentrum. AP/AP / Marcio Jose Sanchez
Auf Platz drei landet Facebook, das unter anderem im hohen Norden ein Rechenzentrum betreibt.
Mark Zuckerberg darf sich nicht zurücklehnen, was den Umweltschutz betrifft. Facebook verbraucht noch zu viel schmutzigen Strom (Kohle, Erdgas, AKW). Getty Images North America / Justin Sullivan
Ähnlich sieht es bei Google auf Platz vier aus. Der Internet-Gigant treibt zwar wie Apple Solarprojekte voran, die Bilanz ist mit 46 Prozent allerdings nicht gut.
Google-Co-Gründer Larry Page muss noch bei einigen Standorten die schlechte Energiebilanz anschauen. Getty Images North America / Justin Sullivan
Microsoft erreicht ein Clean-Energy-Index-Rating von 39 Prozent und landet auf Platz fünf. Auch hier wird laut Greenpeace vor allem zu viel Strom aus Kohlekraftwerken verbraucht.
Schön grün oder noch schmutzig-grau? Diese Infografik zeigt die Bemühungen der mächtigsten Tech-Unternehmen, was erneuerbare Energie betrifft. Greenpeace
Ingesamt hat Greenpeace 17 Cloud-Anbieter untersucht. Wobei man sich natürlich auf Firmenangaben verlassen musste.
In den vier Bereichen «Energietransparenz», «Erneuerbare-Energien-Politik», «Energieeffizienz» und «Einsatz erneuerbarer Energie» wird den Unternehmen eine Note von A (sehr gut) bis D (ungenügend) erteilt.
Untersucht wurden auch vier grosse amerikanische «Colocation Companies», die ihre Server-Infrastruktur anderen Firmen für Cloud-Dienste zur Verfügung stellen.
Auch der US-Geheimdienst NSA betreibt mächtige Rechenzentren. Der Stromverbrauch für das weltweite Ausspionieren der Internet-Nutzer dürfte immens sein. Wie hoch, ist nicht bekannt. Getty Images North America / George Frey
Superheld fliegt in Lyon über (oder eher in) ein AKW
Video: SRF / Roberto Krone
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