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«Dümmste Bond-Bösewicht aller Zeiten»: «Heute Show»-Welke zieht über Trump her

Die «Heute Show» auf der Jagd nach «Dr. No-Brain», im Clinch mit «EUschi» von der Leyen, auf verschwörerischen Spuren von QAnon und sogar im Gespräch mit Frau Gott – Oliver Welke und sein Team standen schwer unter Spannung. Auch wegen des Strompreises.

Publiziert: 19.09.20, 09:00

screenshot zdf

«Es ist niederschmetternd.» Oliver Welke präsentierte in der «Heute Show» die «erste offizielle Prognose» zur Wahl in den USA: «Donald Trump gewinnt!» Das läge an den Donald-Fans, denen «alle Skandale komplett egal» seien. Ganz gleich, ob Trump seine eigenen Wissenschaftler in Sachen Klimawandel verhöhne («Es wird anfangen, kühler zu werden») oder hanebüchenen Blödsinn erzähle («Trockene Bäume explodieren leicht»)

Trotzdem, so Welke, «wird Trump die Wahl gewinnen.» Das sei aber verständlich «in einer Welt, in der man sogar Präsident bleibt, wenn man zugibt, eine tödliche Pandemie absichtlich verharmlost zu haben.» Trump sagte wörtlich im Interview zu Corona: «Ich habe es immer heruntergespielt. Ich mag es immer noch, es herunterzuspielen, um eine Panik zu verhindern.»

Trump ist wie «der dümmste Bond-Bösewicht aller Zeiten»

Seinen «teuflischen Plan» auch noch öffentlich zu verraten sei «wie der dümmste Bond-Bösewicht aller Zeiten», ging Welke «Dr. No-Brain» an. «Zigtausend Amerikaner hätten gerettet werden können, wenn seine Regierung damals gehandelt hätte.» Die Schlussfrage «Warum ist der noch im Amt?» beantwortet Welke selbst:

«Seinen Fans ist alles wumpe. Trump hat sich durch konsequentes Lügen eine eigene Realität erschaffen. Und Trump-Fans glauben alles.»

Eigene Realität – gute Überleitung für die Verschwörungstheoretiker der QAnon-Bewegung und ihren abstrusen Behauptungen: Der Clinton-Obama-Clan quält entführte Kinder in unterirdischen Verliesen, um aus ihren Zirbeldrüsen das Stoffwechselprodukt Adrenochrom zu gewinnen, um dieses für millionenschwere Eliten als Wunderdroge zu nutzen. Auch in Deutschland finden QAnon und die Theorien immer mehr Anhänger. Stimme aus einem echten, leider nicht satirischen TV-Interview-Beitrag: «UNICEF ist der Transporteur. UNICEF holt die Kinder und bringt sie den Eliten!»

Das Lachen blieb im Halse stecken, als die «Heute Show» Marketing-Vorschläge für die Behauptung, die gefangenen Kinder würden «zu Essen» verarbeitet, präsentierte: «Wiener Kinderschnitzel von nicht mehr freilaufenden Kindern aus österreichischer Kellerhaltung» etwa.

«Es gibt die Bekloppten, die Bescheuerten und die total Verstrahlten!»

«Nichts ist mehr bescheuert genug, um keinen Erfolg zu haben», konstatierte Welke angesichts der Tatsache, dass eine QAnon-Gruppe aus Deutschland bereits 120'000 Abonnenten habe. Wer solle denn solche Theorien glauben? Dazu durfte der «renommierte Verschwörungstheorietheoretiker» Olaf Schubert erläutern: «Klar, das klingt erstmal drollig.» Aber: «Im Endeffekt ist es mit den Religionen ja das Gleiche. Ich meine, 'Die Frau wurde geschaffen aus meiner Rippe' – das könnte auch von Pippi Langstrumpf sein.»

Die Aussage «Das sind halt die Bekloppten», findet Schubert zu pauschal. «Da müssen wir differenzieren. Es gibt die Bekloppten, die Bescheuerten und die total Verstrahlten.» Schubert will diese auch nicht alle für doof halten. «Sie haben die Vernunft überwunden. Das ist Schwarmintelligenz reziprok. Ein Mindfuck in der Gruppe, ein zerebraler Rudelbums.»

EU: «Jeder für sich, ausser es gibt Geld zu verteilen»

Hart ging Welke mit der Politik im Zusammenhang mit den Zuständen auf Lesbos ins Gericht. Es wurde Innenminister Horst Seehofers Zögern (Welke: «Hotte ist halt ausgelastet, zum Beispiel mit dem Verhindern von Studien zu Rassismus bei der Polizei.») ebenso angeprangert wie das «Wegschauen» der EU, «sogar wenn die Polizei auf Lesbos auf verzweifelte Menschen, inklusive Kinder, mit Tränengas schiesst».

Kein Mensch, so Welke, wolle mehr unkontrollierte Zuwanderung wie 2015. «Aber ein bisschen Rest-Empathie darf man sich ruhig bewahren.» Da schnitt auch Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission nicht toll ab.

«Als EU-Chefin weiss sie seit Monaten von dem Elend in den griechischen Lagern.»

Deshalb fiel das Zwischenzeugnis für «EUschi» auch nur auf den ersten Blick gut aus: «Mit ihren Versuchen, andere EU-Länder zur Aufnahme von Flüchtlingen zu bewegen, sorgte sie in Brüssel stets für grosse Heiterkeit.»

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Frau Gott ist sauer: «Mit deutschen Waffen neue Flüchtlinge schaffen»

Das alles sei aber kein Wunder. «In der EU gilt nur noch: Jeder für sich, ausser es gibt frisches Geld zu verteilen.» Ob sich das mit christlichen Werten vereinbare? Dazu wurde sogar Gott befragt, aber die (Christine Prayon) fand das «schiere Ausmass der Heuchelei» auch nur aus Comedy-Blickwinkel «göttlich». Oder aus dem Zynismus-Winkel: «Die Merkel», so Frau Gott, «labert eiskalt von 'Fluchtursachen vor Ort bekämpfen', während ihre GroKo eiskalt immer mehr Rüstungsgüter exportiert.» Das laufe unter «mit deutschen Waffen neue Flüchtlinge schaffen!». Weil sie, Frau Gott, die «Markenrechte an dem ganzen Christenbums» besitze, entziehe sie der CDU den Buchstaben C. Basta.

Irdisch ging es in der «subtilen Medienkritik mit Georg Hassknecht» zu, der sich über «Cancel Culture» im Zusammenhang mit Satire ausliess («Privat find ich die 'Heute Show' auch kacke!»). Prickelnd wurde es beim Thema Strom. Und auch ernüchternd. Denn die Stromanbieter haben den aufgrund des Lockdowns erzielten geringeren Stromverbrauch – und die Stromersparnis – nicht an den Endverbraucher weiter gegeben – im Gegenteil. Welke: «Strompreise kennen in Deutschland nur eine Richtung.» Aufwärts. 85 Prozent der Anbieter hätten den Strompreis erhöht.

Warum das so ist, warum und wie Stromanbieterwechsler ausgebremst und ausgetrickst werden, erklärte Sebastian Pufpaff, Geschäftsführer des Stromanbieters PuffPower («Geiler Strom für dein Zuhause»): Das wegen Corona entgangene Geld müssten sich die Konzerne über den «ganz normalen Dödel von nebenan» zurückholen. Das funktioniere, weil man erstens «in der BRD den Preis erhöhe, wenn man Bock drauf» habe und zweitens Erhöhungen problemlos seien, wenn man den «Idio..äh.. Verbrauchern die Erhöhung schonend» beibringe – zum Beispiel versteckt auf den hinteren Seiten des Schreibens. Pufpaff: «Wer liest schon die zweite Seite von 'nem Brief? Beim Porno guck ich mir ja auch nicht den Abspann ab!»

So hart attackiert Obama seinen Nachfolger Trump

Ex-Präsident Barack Obama kritisierte Donald Trump während des Demokratenparteitags am 19. August 2020 scharf. keystone
«Donald Trump ist nicht in den Job hineingewachsen, weil er es nicht kann. Und die Folgen dieses Versagens sind schwerwiegend.» keystone
«Ich hatte gehofft – im Interesse unseres Landes –, dass Donald Trump etwas Interesse daran zeigen würde, den Job ernst zu nehmen; dass er das Gewicht dieses Amtes spüren und etwas Ehrfurcht vor der Demokratie entdecken würde, die ihm anvertraut wurde. Aber er hat es nie getan.» keystone
«Diese Regierung hat gezeigt, dass sie unsere Demokratie niederreissen wird, wenn das nötig ist, um zu gewinnen.» keystone
«So verkümmert eine Demokratie, bis es gar keine Demokratie mehr ist. Wir können das nicht zulassen. Lasst nicht zu, dass sie Euch Eure Macht wegnehmen. Lasst nicht zu, dass sie Euch Eure Demokratie wegnehmen.» keystone
«Es ist keine normale Zeit. Also möchte ich heute Abend so deutlich, wie ich kann, darüber sprechen, was bei dieser Wahl auf dem Spiel steht.» keystone
Und Trump? Reagierte sofort. «Präsident Obama hat keinen guten Job gemacht. Und der Grund, warum ich hier bin, ist wegen Präsident Obama und Joe Biden», sagte er bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. keystone / Evan Vucci
«Und wenn sie einen guten Job gemacht hätten, wäre ich wahrscheinlich gar nicht hier. Ich wäre sehr glücklich gewesen, ich habe mein vorheriges Leben sehr genossen.» keystone / Chris Kleponis / POOL
Auch auf Twitter schoss der Präsident gegen Obama: «Willkommen, Barack und Gaunerin Hillary. Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld.» screenshot: twitter
Und weiter: «Warum weigerte er sich, Slow Joe (Joe Biden) zu unterstützen, bis alles vorbei war, und selbst dann war es sehr spät? Wieso wollte er ihn davon überzeugen, nicht anzutreten?» screenshot: twitter
Und zum Abschluss in Grossbuchstaben: «Er spionierte meine Kampagne aus und wurde erwischt!» screenshot: twitter

Kurz erklärt: So funktionieren die US-Wahlen

Video: watson

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