Aktuelle Themen:

Bild: Screenshot Youtube

«Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

26. Juni 2006: 120 torlose Minuten sind gespielt, der WM-Achtelfinal zwischen der Schweiz und der Ukraine wird im Penaltyschiessen entschieden. Erst hext Pascal Zuberbühler, doch dann kommt der hypernervöse Marco Streller an die Reihe.

Publiziert: 26.06.20, 00:06 Aktualisiert: 22.06.20, 15:14

Die Schweizer Nati steht nach einer tollen Vorrunde an der WM 2006 in Deutschland im Achtelfinal. Keinen einzigen Gegentreffer mussten die Eidgenossen ihren Gegnern bisher zugestehen und qualifizieren sich – nach einem 0:0 gegen Frankreich, einem 2:0 gegen Togo im Hexenkessel von Dortmund und einem 2:0 gegen Südkorea, in dem Philippe Senderos bei seinem 1:0 eine blutige Stirn einfing – sensationell als Gruppenerster für die Runde der besten 16.

«Logo schlömmer Togo»: Fans und Spieler feiern nach dem 1:0. Bild: EPA

Ein Grottenkick mit zwei Lattentreffern

Dort trifft die Elf von Trainer Köbi Kuhn dank der hervorragenden Ausgangslage auf den WM-Neuling aus der Ukraine mit ihrem Starstürmer Andrej Schewtschenko, der nach sieben Jahren bei der AC Milan auf die folgenden Saison zum Premier-League-Verein Chelsea wechseln wird.

Das Spiel nimmt nie richtig Fahrt auf. Beiden Mannschaften unterlaufen viele Fehlpässe, den Schweizern gelingt es nicht, ein gepflegtes Aufbauspiel zu kreieren, was auch mit der unorthodoxen Spielweise der Osteuropäer zusammenhängt.

So entwickelt sich ein richtiger Grottenkick und die Partie wird später als «schlechtestes Spiel der bisherigen WM» betitelt. Einzig in der 20. Minute Schewtschenko per Kopf und zwei Minuten später Alex Frei mit einem Freistoss sorgen mit Lattentreffern für kurze Aufregung – ansonsten fehlt jegliche Spannung.

Der Lattentreffer von Schewtschenko in der 20. Minute.

Freis Lattenkracher kurz nach der Chance der Ukraine.

Penaltydrama mit nervöser Zunge

Die Partie geht, wie das bei Grottenkicks mit zwei starken Torhütern üblich ist, in die Verlängerung. Die Fans im Stadion in Köln kommen so in den «Genuss» von 30 weiteren Minuten – gut, dass sich die Einheimischen von ihrem Verein zu der Zeit nichts Besseres gewohnt sind.

Denn auch in der Verlängerung wollen keine Tore fallen, was Kuhn dazu verleitet, «aus taktischen Gründen» Topstürmer Alex Frei in der 117. Minute durch den Thuner Mauro Lustrinelli zu ersetzen. Für viele der Hauptgrund, dass die nächsten Minuten zum grössten Schweizer Penaltydebakel der Geschichte verkommen.

Dabei beginnt alles nach Plan: Pascal Zuberbühler krönt seine starke WM – bis anhin ohne Gegentreffer – und hält gleich den ersten Elfmeter von Schewtschenko. Die Schweizer Bank jubelt, nur Kuhn bleibt noch emotionslos.

Die nervöseste Zunge der WM-Geschichte? gif: Youtube/Taras Medvid

Für die Schweiz läuft als erster Schütze Marco Streller an. Und schon vor dem Schuss scheint man zu ahnen, was gleich geschehen wird. Der Basler kann seine Anspannung nicht verbergen und fuchtelt nervös mit seiner Zunge herum. Wäre alles kein Problem, wenn darauf nicht ein völlig schwach getretener Elfer folgen würde. Ohne Druck und unplatziert kullert das Leder in die Hände des späteren Helden im Tor der Ukraine, Olexandr Schowkowskyj.

Streller verschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Ernüchterung bei den vielen Schweizer Fans im Stadion, doch es steht immer noch 0:0. Als nächstes setzt sich der eingewechselte Artem Milewskyj den Ball, welcher dann auch für das erste Tor der Partie verantwortlich ist. Tranquillo Barnetta folgt und soll es ihm gleichtun. Die Zunge bleibt drin und auch der Schuss ist mit wesentlich mehr Schmackes getreten – die Kugel knallt jedoch an die Latte und spickt ins Feld zurück. Immer noch 1:0 für die Ukraine.

Barnetta veschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Und es kommt noch schlimmer. Nachdem die späteren Gastgeber der EM 2012 ihren dritten Versuch verwerten, ist es Ricardo Cabanas, welcher das Penaltyschiessen zum Debakel ausarten lässt. Schowkowskyj hält und weil der anschliessende Versuch seines Teams im Tor landet, ist das WM-Abenteuer für die Schweiz zu Ende.

Cabanas verschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Während die Ukraine an ihrer ersten Teilnahme gleich ins Viertelfinal vorstösst – wo sie gegen den späteren Weltmeister Italien scheitern wird – endet der Traum der Rot-Weissen nach einem Turnier, das so vielversprechend begonnen hatte.

Das Elfmeterschiessen in seiner vollen Länge. Video: YouTube/jelsomino

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Das sind die 28 teuersten Schweizer Fussballer

Rang 30: David Sesa wechselte im Sommer 2000 für 7,25 Millionen Euro von der US Lecce zum SSC Napoli. Stand: August 2021.
Rang 29: Edimilson Fernandes wechselte im Sommer 2019 für 7,5 Millionen Euro von West Ham United zum 1. FSV Mainz. www.imago-images.de / bMartin Hoffmann
Rang 28: Patrick Müller wechselte im Sommer 2000 für 8 Millionen Euro von den Grasshoppers zu Olympique Lyon. EPA / MONTSERRAT T DIEZ
Rang 27: Valon Behrami wechselte im Sommer 2012 für 8 Millionen Euro von der AC Fiorentina zum SSC Napoli. AP/AP / Paolo Giovannini
Rang 26: Admir Mehmedi wechselte im Winter 2018 für 8 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zum VfL Wolfsburg. EPA/EPA / DANIEL HECKER
Rang 25: Admir Mehmedi wechselte im Sommer 2015 für 8 Millionen Euro vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen. EPA/EPA / SASCHA STEINBACH
Rang 24: Ricardo Rodríguez wechselte im Sommer 2012 für 8,5 Millionen Euro vom FC Zürich zum VfL Wolfsburg. X00960 / RALPH ORLOWSKI
Rang 23: Granit Xhaka wechselte im Sommer 2012 für 8,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach. Witters / Tim Groothuis/freshfocus
Rang 22: Blerim Džemaili wechselte im Sommer 2011 für 9 Millionen Euro von Parma zu Napoli. AP PRESL / DAVIDE SPADA
Rang 21: Yann Sommer wechselte im Sommer 2014 für 9 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach. EPA/EPA / RONALD WITTEK
Rang 20: Kevin Mbabu wechselte im Sommer 2019 für 9,2 Millionen Euro von den Young Boys zum Vfl Wolfsburg. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 19: Stephan Lichtsteiner wechselte im Sommer 2011 für 9,93 Millionen Euro von Lazio Rom zu Juventus Turin. Insidefoto / Insidefoto/freshfocus
Rang 18: Josip Drmic wechselte im Sommer 2015 für 10 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Borussia Mönchengladbach. DPA / MARIUS BECKER
Rang 17: Djibril Sow wechselte im Sommer 2019 für 10 Millionen Euro von den Young Boys zu Eintracht Frankfurt. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Rang 16: Timm Klose wechselte im Winter 2016 für 11 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Norwich City. AP PA / CHRIS RADBURN
Rang 15: Breel Embolo wechselte im Sommer 2019 für 11 Millionen Euro von Schalke zu Borussia Mönchengladbach. AP / Martin Meissner
Rang 14: Noah Okafor wechselte im Winter 2020 für 11,2 Millionen Euro vom FC Basel zu Red Bull Salzburg. EPA / YURI KOCHETKOV
Rang 13: Albian Ajeti wechselte im Sommer 2020 für 11,3 Millionen Euro vom FC Basel zu West Ham United. www.imago-images.de / Andy Rowland
Rang 12: Bernt Haas wechselte im Sommer 2002 für 11,8 Millionen Euro vom FC Basel zum AFC Sunderland.
Rang 11: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2012 für 11,8 Millionen Euro vom FC Basel zu Bayern München. EPA / KARL-JOSEF HILDENBRAND
Rang 10: Denis Zakaria wechselte im Sommer 2017 für 12 Millionen Euro von den Young Boys zu Borussia Mönchengladbach. AP/AP / Martin Meissner
Rang 9: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2018 für 14,7 Millionen Euro von Stoke City zum FC Liverpool. EPA/EPA / PETER POWELL
Rang 8: Xherdan Shaqiri wechselte im Winter 2015 für 15 Millionen Euro von Bayern München zu Inter Mailand.
Rang 7: Ricardo Rodriguez wechselte im Sommer 2017 für 15 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zur AC Milan. KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
Rang 6: Gregor Kobel wechselte im Sommer 2021 für 15 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu Borussia Dortmund. keystone / SASCHA STEINBACH
Rang 5: Xherdan Shaqiri wechselte im Sommer 2015 für 17 Millionen Euro von Inter Mailand zu Stoke City.
Rang 4: Gökhan Inler wechselte im Sommer 2011 für 18 Millionen Euro von Udinese Calcio zum SSC Napoli. AP / Franco Castanò
Rang 3: Manuel Akanji wechselte im Winter 2018 für 21,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Borussia Dortmund.
Rang 2: Breel Embolo wechselte im Sommer 2016 für 26,5 Millionen Euro vom FC Basel zu Schalke 04. EPA/DPA / MARIUS BECKER
Rang 1: Granit Xhaka wechselte im Sommer 2016 für 45 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu Arsenal London. AP / MATT DUNHAM

So würden sich deine Fussball-Stars in der Badi verhalten

Video: Angelina Graf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben