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In dieser Quartierstrasse am Langackerweg in Würenlingen lebten die Schwiegereltern des Familienvaters. KEYSTONE / WALTER BIERI
Der Täter war einschlägig bei der Polizei bekannt. Letzten Mai fand eine Hausdurchsuchung statt. KEYSTONE / WALTER BIERI
Der Täter lebte getrennt von seiner Frau und den drei Kindern. Die ganze Familie befand sich in einer fürsorgerischen Massnahme. EPA/KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Die Idylle trügt. KEYSTONE / WALTER BIERI
Die Polizei sprach von einem «sehr blutigen Tatort». EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
KEYSTONE / WALTER BIERI
Am Sonntagnachmittag informieren Polizeikommandant Michael Leupold und der stellvertretende leitende Oberstaatsanwalt Daniel von Daeniken an einer Medienkonferenz über das Tötungsdelikt in Würenlingen. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Polizeikommandant Michael Leupold bestätigt: Fünf Personen kamen in der blutigen Nacht auf Sonntag ums Leben. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Stellvertretender leitender Oberstaatsanwalt Daniel von Daeniken: «Die Staatsanwaltschaft hat noch vor Ort eine Strafuntersuchung eröffnet.» KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Die Opfer des 36-jährigen Täters waren seine Schwiegereltern und deren Sohn sowie ein unbeteiligter Nachbar. KEYSTONE / WALTER BIERI
Am Samstagabend hätten Anwohner kurz nach 23 Uhr Schüsse gehört und die Polizei alarmiert. Die Polizei entdeckte daraufhin im Freien sowie in einem Wohnhaus mehrere leblose Menschen. KEYSTONE / WALTER BIERI
Das Medieninteresse war sehr gross. Polizeikommandant Michael Leupold sprach von einer «überdurchschnittlich schweren Straftat». KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Der mutmassliche Täter war ein dreifacher Familienvater mit Wohnsitz in Schwyz. KEYSTONE / WALTER BIERI

Familiendrama in Würenlingen: Ging es um die Erbschaft?

Welches Motiv bewegte den Täter von Würenlingen dazu, vier Menschen und anschliessend sich selbst zu töten? Möglicherweise ging es um eine Erbschaft, die ihm seine Schwiegereltern vorenthalten wollten.

Publiziert: 11.05.15, 06:07 Aktualisiert: 12.05.15, 14:42
Urs moser

Ein Artikel der

Der Todesschütze von Würenlingen, der vier Menschen umbrachte und sich danach selbst richtete, war polizeilich bekannt. Der 36-jährige Schweizer war schon 2007 wegen Körperverletzung und 2012 wegen Drohung aufgefallen. Erst wenige Wochen vor der Bluttat von Würenlingen wurde an seinem Wohnort im Kanton Schwyz eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Man muss annehmen, dass der Mann als potenziell gefährlich galt. Jedenfalls suchte die Schwyzer Polizei am 2. April an seinem Domizil – ohne Ergebnis – nach Waffen. Die Tatwaffe musste sich der Mann erst vor kurzem beschafft haben. Einen Waffentragschein besass er nicht, die Pistole war nicht registriert. Damit erschoss der Täter die Eltern und den Bruder seiner Ehefrau und einen Nachbarn der Familie. Gesichert ist, dass es sich bei der Tatwaffe nicht um eine Armeepistole handelte.

Fürsorgerische Unterbringung

Gegen den Täter war dieses Jahr eine fürsorgerische Unterbringung verfügt worden. Die Aargauer Kantonspolizei konnte gestern keine Angaben darüber machen, wann und ob überhaupt zum Zeitpunkt der Bluttat in Würenlingen diese Massnahme wieder aufgehoben worden war. Fest steht: Der Täter war nicht zur Fahndung ausgeschrieben, ist nicht aus einer geschlossenen Einrichtung ausgebrochen. Er sei offenbar berechtigt gewesen, an diesem Samstagabend mit dem Auto zu seinen Schwiegereltern im aargauischen Würenlingen zu fahren, so Polizeisprecher Bernhard Graser. Zur genaueren Klärung der Umstände müssten zunächst Akten aus dem Kanton Schwyz angefordert und gesichtet werden, hiess es seitens der Kantonspolizei.

Polizeikommandant Michael Leupold informiert an der Pressekonferenz in Aarau. Bild: EPA/KEYSTONE

Was sich am Langackerweg in Würenlingen genau abspielte, bleibt Gegenstand weiterer Ermittlungen. Gegen 23 Uhr am Samstagabend gingen bei der Kantonspolizei Meldungen ein, im sonst beschaulichen und ruhigen Quartier seien Schüsse zu hören. Polizei und Rettungskräfte rückten sofort aus, aber für die Opfer kam jede Hilfe zu spät. Die schnell vor Ort eingetroffenen Einsatzkräfte konnten nur noch deren Tod feststellen. Über die Hintergründe der fürchterlichen Tat ist noch sehr wenig bekannt. Auf jeden Fall war das Haus der Familie L. an diesem Abend zum Schauplatz einer Familientragödie geworden. Der Täter, ein 36-jähriger Familienvater, hatte seinen 57-jährigen Schwiegervater, seine 58-jährige Schwiegermutter und deren 32-jährigen Sohn erschossen, der im gleichen Haus wohnte.

«Alle Indizien weisen auf ein Beziehungsdelikt hin» – Genaueres konnte Polizeikommandant Michael Leupold gestern noch nicht mitteilen. In einer ersten Phase des Einsatzes sei das ganze Quartier abgeriegelt und durchsucht worden, erläuterte Markus Gisin, Chef der Aargauer Kriminalpolizei. Noch in der Nacht auf Sonntag habe man eine andere Gefahrenlage, zum Beispiel einen Amoklauf oder gar einen terroristischen Akt, ausschliessen können. Den Ermittlern vor Ort muss sich ein grauenvolles Bild geboten haben. Auf alle Opfer hatte der Täter mehrere Schüsse abgegeben. «Die Opfer wurden regelrecht hingerichtet», sagt Polizeisprecher Bernhard Graser.

Getöteter Nachbar unbeteiligt

Was die fürchterliche Tragödie noch unfassbarer macht: Sie forderte auch ein Zufallsopfer. Was immer sich genau in dieser Nacht im Haus der Familie L. abspielte – das vierte Opfer, der 46-jährige Sohn der Nachbarsfamilie K., war nach bisherigen Erkenntnissen in keiner Weise darin involviert. Es ist nach Polizeiangaben noch nicht klar, ob er den Täter überhaupt gekannt hatte. Der Todesschütze hatte sein Auto beim Haus der Familie K. parkiert. Man weiss nicht, warum sich der Sohn der Nachbarsfamilie vor dem Haus aufhielt. Möglicherweise war er auf die Strasse gegangen, weil er die Schüsse gehört hatte. Auf jeden Fall lief er dabei geradewegs dem Todesschützen in den Weg, der ihn 50 Meter vom ersten Tatort entfernt mit mehreren Schüssen niederstreckte und danach in unmittelbarer Nähe auch sich selbst erschoss. Das Schicksal des unbeteiligten Nachbarn hätte in dieser Nacht in Würenlingen auch manchen anderen treffen können, der vielleicht gerade zu dieser Zeit auf dem Heimweg vom Weinfest war.

Ging es um Erbschaftsstreit?

Genauere Erkenntnisse zu den Tatumständen stellten Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft für diese Woche in Aussicht. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion aller Leichen angeordnet. Über das Motiv des Täters lässt sich vorderhand nur rätseln. Dass es schon früher zu Auseinandersetzungen im Haus der Familie L. gekommen wäre, ist zumindest nicht aufgefallen. Anwohner schildern die Familie L. als ruhige, unauffällige Nachbarn. Sehr beliebt war der Vater als Mitglied der Altherren vom FC Turgi. Wie Tele M1 berichtet, soll aus dem familiären Umfeld von einem Erbschaftsstreit berichtet worden sein, in dem der Schwiegersohn leer ausgegangen sei. Es gehe um ein Chalet in Ennenda im Kanton Glarus.

Bestätigt ist von offizieller Seite aber nur, dass der Täter von seiner Ehefrau, der Tochter der Familie L., getrennt lebte. Die drei Kinder befinden sich in familienexterner Obhut. Auch ihre Mutter befindet sich seit längerer Zeit im Kanton Schwyz in einer fürsorgerischen Unterbringung.

Die Familiendramen in der Schweiz der letzten zehn Jahren

30. März 2005: Ein 47-jähriger Mann erschiesst in Muri AG seine 35-jährige Ehefrau und seine beiden Töchter im Alter von vier und zehn Jahren. Danach richtet er sich selbst. KEYSTONE / URS FLUEELER
30. Mai 2005: In Islisberg AG tötet ein 37-jähriger Familienvater seine gleichaltrige Frau, die vierjährige Tochter und den siebenjährigen Sohn im Schlaf mit einem Hammer. Anschliessend stürzt er sich von einer Brücke in Baar ZG in den Tod. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
12. September 2005: In La Chaux-de-Fonds NE kommen drei Kinder bei einem Familiendrama um. Offenbar wurden sie vom Vater erwürgt. KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
26. September 2005: In Ermatingen TG erschiesst ein 50-Jähriger vermutlich aus Eifersucht seine 23-jährige Ex-Freundin, die 46-jährige Mutter ihres neuen Freundes sowie sich selbst. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
30. April 2006: Die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet und ihr jüngerer Bruder Alain werden in Les Crosets VS erschossen - vermutlich vom getrennt lebenden Ehemann. Dieser begeht tags darauf Selbstmord. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
10. Juni 2006: Ein 35-jährige Bosnier schiesst in Bern auf seine von ihm getrennte Frau. Anschliessend flüchtet er mit seinen zwei Kindern nach Binn VS, wo er die Kinder erschiesst und dann die Waffe gegen sich selbst richtet. Zwei Tage später stirbt er an den Verletzungen. KANTONSPOLIZEI WALLIS
23. Oktober 2006: In St-Imier BE werden ein Kind und seine Eltern tot aufgefunden. Die Polizei vermutet ein Familiendrama. KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
24. Dezember 2007: In Horgen ZH meldet ein Elternpaar der Polizei den Tod seiner siebenjährigen Zwillinge; die Eltern werden unter dringendem Tatverdacht verhaftet. Die Mutter gesteht später vor Gericht, schon im Sommer 1999 ein Töchterchen getötet zu haben. KEYSTONE / WALTER BIERI
12. April 2008: In Muotathal SZ ersticht ein 15-Jähriger seine Stiefmutter und seinen Stiefbruder. KEYSTONE / URS FLUEELER
6. März 2009: Die Genfer Polizei findet in einer Wohnung in Carouge GE die Leichen von vier Personen - eines Ehepaares sowie von deren 16- und 19-jährigen Kindern. Sie wurden mit Schüssen getötet. Die Polizei geht von einem Familiendrama aus. KEYSTONE / MAGALI GIRARDIN
22. September 2010: In Riehen bei Basel findet die Polizei in einer Wohnung ein Ehepaar und dessen 13-jährige Tochter tot auf. Die Staatsanwaltschaft geht von einem erweiterten Suizid aus. KEYSTONE / CHRISTOPH JUNCK
3. Oktober 2012: Ein 51-jähriger Türke erschiesst in einem Coiffeurgeschäft im aargauischen Wettingen seine 40-jährige Ehefrau und bringt sich dann mit der gleichen Waffe selber um. KEYSTONE / WALTER BIERI
3. November 2014: Im Berner Oberländer Dorf Wilderswil fordert ein Beziehungsdelikt drei Todesopfer. KEYSTONE / URS FLUEELER
9. Mai 2015: Ein 36-jähriger Mann aus dem Kanton Schwyz erschiesst im aargauischen Würenlingen zuerst seine Schwiegereltern und seinen Schwager. Bevor er sich selbst richtet, tötet er einen Nachbarn seiner Schwiegereltern. Markus Heinzer

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