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Bild: AP

Millionen-Raub vor Basler Gericht

In Miami Strandbars begutachtet, statt Diamanten geklaut

Vier hochkarätige Diamanten im Wert von über acht Millionen Franken erbeuteten Diebe im Jahr 2011 an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel. Der mutmassliche Haupttäter bestreitet die Tat vor dem Strafgericht Basel-Stadt mit teilweise abenteuerlichen Argumenten.



Während der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld sind im März 2011 aus einer Ausstellervitrine vier Diamanten gestohlen worden. Zudem verschwanden bereits 2010 an der Messe wertvolle Schmuckstücke aus Ausstellervitrinen. Der Gesamtwert beträgt gemäss Anklageschrift mehr als acht Millionen Franken.

In seinem Plädoyer zeigte sich der Staatsanwalt davon überzeugt, dass der 42-jährige Beschuldigte ein Mitglied dieser Bande ist und an beiden Diebstählen beteiligt war. Im ersten Fall verwies er auf DNA-Spuren am Vitrinenschlüssel, im zweiten auf Bilder aus der Überwachungskamera. Der Staatsanwalt fordert für den in Italien und Deutschland mehrfach einschlägig vorbestraften Mann eine achtjährige Freiheitsstrafe wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls.

In Hongkong Baumaterial gekauft, in Miami Strandbars begutachtet

Der Verteidiger plädierte auf einen kostenlosen Freispruch. Für die Beteiligung seines Mandanten gebe es keine Beweise. Auch eine geschlossene Indizienkette liege nicht vor. Zudem sei der Wert der im März 2011 gestohlenen Schmuckstücke nicht belegt. Überdies äusserte der Verteidiger Zweifel daran, ob aus Montenegro gelieferte Vergleichs-DNA wirklich vom Beschuldigten stammt.

Der Beschuldigte selber wies alle Vorwürfe der Anklage zurück. Er sei in Montenegro als Pächter einer Strandbar und Autohändler tätig und erziele dabei ein Jahreseinkommen von rund 75 000 Euro. Der Beschuldigte bestätigte einen Aufenthalt in Hongkong während der dortigen Schmuckmesse. Er sei wegen Baumaterial dort gewesen. Reisen auf die Bahamas und nach Miami begründete er damit, sich über Strandbars orientiert zu haben. 

Das Strafgericht Basel-Stadt wird das Urteil am Dienstagvormittag verkünden.  Über den Verbleib der Beute ist nichts bekannt. Bereits im Januar stand ein mutmassliches Pink-Panther-Mitglied in Basel vor Gericht. Er bestritt vehement Mitglied der Bande zu sein. 

Handschrift der Pink Panther

Vieles deutet darauf hin, dass es sich beim Angeklagten um ein Mitglied der berühmt-berüchtigten Diebesbande Pink Panther handelt. Der Acht-Millionen-Coup wurde hochprofessionell vorbereitet und es kam zu keiner Gewaltanwendung (watson berichtete darüber). Auf die Frage, was beim Basler Diamantenraub auf Pink Panther hinweise, antwortet Martin Winckel, Sicherheitsexperte für die Schmuck- und Uhrenbranche, kurz und bündig: «Die Beute». Es handle sich dabei um hochwertige Ware, die mit einem Zertifikat versehen sei. 

Solche Diamanten lassen sich kaum verkaufen. Dazu braucht es eine Organisation, die die Steine umschleifen und mit einem neuen Zertifikat ausstatten kann. Über diese Hintermänner verfügt die international tätige Bande Pink Panther. 

«Die brechen nicht einfach in ein Geschäft ein und klauen, was gerade so daliegt.»

Auch die perfekte Vorbereitung spricht dafür. «Die brechen nicht einfach in ein Geschäft ein und klauen, was gerade so daliegt. Sie wissen genau, was sie stehlen wollen», sagt Winckel zu watson. Pink Panther begehen ihre Straftaten oft auf Auftrag. 

Ermittler stehen vor einem Rätsel

«Zuerst der Auftrag, dann die Tat», so der Sicherheitsexperte. Dies gelte insbesondere bei teuren Uhren, die auch zum Beuteschema der Panther gehören. Uhren lassen sich nicht umschleifen wie Diamanten und einschmelzen lohnt sich kaum. Hier stehen sowohl Winckel als auch die Fachleute von Interpol vor einem Rätsel. Fast keine der zahlreichen gestohlenen Luxusuhren ist je wieder aufgetaucht. Wie die Diebe die Beute zu Geld machen, bleibt vorerst ihr Geheimnis. 

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