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The image of United States President George Washington is seen on an engraving plate for a US one dollar bill at the Bureau of Engraving and Printing in Washington November 14, 2014. The plate goes on the printing press which prints the currency. The dollar gave up strong early gains to turn lower on Friday after the battered euro turned higher on reports of short-covering in the common currency and a drop in U.S. bond yields.  REUTERS/Gary Cameron    (UNITED STATES - Tags: BUSINESS POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY)

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Briefe von der Heimatfront

Briefe von der Heimatfront

Wegen zu vieler Verschwörungs-Blogs: Illuminati melden Insolvenz an



Für alle Anleger überraschend hat der Vorstand der Illuminati am Vormittag angekündigt, in die geordnete Insolvenz zu gehen. Die dienstälteste Nichtregierungsorganisation, die den Prinzipien der geheimen Kontrolle und der indirekten Manipulation der Menschheit verpflichtet ist, wird damit faktisch aufhören zu existieren.

«Der Markt für Verschwörungen ist einfach nicht mehr zu kontrollieren», so ein Sprecher. «Jeder tückische Plan, den wir aushecken, wird kurze Zeit später von einem Verschwörungsblogger enttarnt.» Der Sprecher räumte ein, dass das meiste, was in diesen überwiegend rechtsradikal geprägten Blogs stehe, ungereimtes Zeug sei. «Aber auf tausend frei phantasierte Thesen kommt genau eine, die absolut ins Schwarze trifft!» Mit dem Aufschwung von PEGIDA, den Montagsmahnwachen und ähnlichen wirren Bündnissen habe sich gerade in Deutschland die Zahl dieser Blogs verhundertfacht.

In einer Erklärung des Vorstands geben die Illuminati zu, mit der Entwicklung des World Wide Web zum eigenen Untergang beigetragen zu haben: «Ursprünglich hatten wir das Internet ja als grossflächiges Projekt zur Gedankenkontrolle geplant. Dass die Leute das dann einsetzen würden, um sich gegen uns zu verbünden und unsere Machenschaften aufzudecken, ist uns niemals in den Sinn gekommen!» Die Kosten dafür, die Blogger zu bestechen oder verschwinden zu lassen, seien durch die Einkünfte der NGO längst nicht mehr gedeckt: «Wir haben einfach nicht genug Körner für derart viele blinde Hühner!»

Auch vom Südpol werden ungewöhnliche Aktivitäten vermeldet: Die Reptilienmenschen, die in der Hohlerde leben, stellen anscheinend den Kontakt zur Menschheit nach und nach ein. «Die Zugänge zur oberirdischen Welt werden versiegelt, die UFO-Startrampen abgerissen», berichtet ein Polarforscher. Die Gründe dafür dürften anatomischer Natur sein: Bodymodification, Tattoos und der stetige Trend zu extremer Fettleibigkeit haben dafür gesorgt, dass Menschenkostüme immer schwieriger herzustellen sind: «Die wissen gar nicht mehr, wie Menschen überhaupt aussehen!»

In einem ersten Memo reagierten internationale Verschwörungstheoretiker erleichtert. Sie wollen sich fortan ganz ihren psychiatrischen und hygienischen Problemen widmen. «Eine kleine Taskforce wird jedoch zurückbleiben, um auf Nummer sicher zu gehen. Eventuell ist das ja alles wieder so ein infernalischer Trick», so ein deutscher Vertreter.

Die Illuminati kündigten an, die wichtigsten Regierungen noch drei Monate kommissarisch weiter zu leiten, bevor der Support eingestellt wird. «Dann wird die Menschheit ganz abstrakten Marktgesetzen und demographischen Funktionen überlassen», so der Sprecher. Persönlich ziehe er ein eher melancholisches Fazit: «Fünfzehntausend Jahre haben wir die Menschen pragmatisch, lösungsorientiert und auf Augenhöhe gesteuert. Ich bin ziemlich besorgt, wie sie ohne uns zurechtkommen wollen.»

Leo Fischer

Bild:

Leo Fischer 

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic. 

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