DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Obwohl der Jugendliche sofort vor dem Pfarrer auf die Knie ging, kann ausgeschlossen werden, dass es sich um einen ehemaligen Ministranten handelt.  
Obwohl der Jugendliche sofort vor dem Pfarrer auf die Knie ging, kann ausgeschlossen werden, dass es sich um einen ehemaligen Ministranten handelt.  Bild: shutterstock
Der Enthüller

Kirchgemeinde unter Schock: Jugendlicher an Heiligabend freiwillig in Messe

25.12.2014, 12:2605.01.2015, 11:12

Aarau (den) — Pfarrer Hanspeter Bar kann noch immer nicht glauben, was sich letzte Nacht abgespielt hat. In die Reihen seiner Kirche hat sich ein Jugendlicher geschlichen! «Er sass ganz hinten und ist mir gleich aufgefallen, weil er weder eine Glatze noch graue Haare hatte.» Der auf etwa 15 Jahre geschätzte junge Mann habe durch seine Anwesenheit den Altersschnitt im Gotteshaus dramatisch nach unten gedrückt und dadurch die ganze Kirchgemeinde verunsichert, so Pfarrer Bar. 

«Ich war bei der Predigt extrem nervös, blickte immer wieder in die letzte Reihe. Ich wusste, dass der irgendwas im Schilde führt. Kein 15-Jähriger setzt sich freiwillig in die Kirche, wenn er zu Hause mit dem iPhone spielen könnte, das er gerade zu Weihnachten erhalten hat», so der Geistliche. Dass es sich bei dem Störenfried um einen ehemaligen Ministranten handelt, hält Bar für ausgeschlossen. «Die lassen sich nur blicken, wenn sie für den Gottesdienst eingeteilt sind. Ich habe seit den frühen Neunzigern keinen Jugendlichen mehr in meiner Kirche gesehen.»  

«Für die Jungen gibt es Freikirchen»

Auch mehrere betagte Kirchenbesucher fühlten sich von der Anwesenheit des geschätzt 15-Jährigen gestört. «Für die Jungen gibt es Discos oder Freikirchen. Was einer von denen in unserer Kirche verloren hat, ist mir ein Rätsel. Hier drin hat man mit dem Handy keinen Empfang. Noch nicht mal kostenloses WLAN gibt es», sagt die 82-jährige Katholikin Roswita Hollderbein. Auch ihre Kollegin, die 91-jährige Hedwig Trautmann, versteht die Welt nicht mehr. Sie schaffe es nicht mal, ihren 68-jährigen Sohn Walter in eine Messe mitzunehmen. «Und der wäre ja jetzt im perfekten Alter für Gottesdienste.»

Hedwig Trautmann vermutet, dass es sich beim jugendlichen Kirchgänger um einen Obdachlosen handelt, der Heiligabend an einem warmen Ort verbringen wollte. Allerdings spreche dagegen, dass der junge Mann für einen Penner ziemlich gut gekleidet gewesen sei. «Möglicherweise hatte der Jungspund gravierende Schlafstörungen und versuchte durch die Messe etwas Ruhe zu finden. Das könnte ich ihm nicht mal übelnehmen. Ich bin nach 20 Minuten Predigt auch eingeschlafen.»  

Rosmarie Baller auf dem Weg in die Kirche. Um Münzen für die Kollekte zu haben, fährt sie jeweils schwarz. 
Rosmarie Baller auf dem Weg in die Kirche. Um Münzen für die Kollekte zu haben, fährt sie jeweils schwarz. Bild: KEYSTONE

Religiöses Tatmotiv kann nicht ausgeschlossen werden

Eine, die Aufschluss über den Besuch des 15-Jährigen geben könnte, ist Rosmarie Baller (83). Sie hatte sogar Körperkontakt mit dem jungen Mann. «Beim Friedensgruss reichte er mir die Hand und sprach ein paar Worte. Was er genau sagte, weiss ich jedoch nicht. Die Batterie von meinem Hörgerät war leider leer.» 

Die Kirchgemeinde hat mittlerweile die Polizei eingeschaltet, um das Rätsel um den Jugendlichen zu lösen. Gemäss deren Angaben könne ein religiöses Tatmotiv nicht ausgeschlossen werden. «Wir können Gott danken, dass der junge Mann die Kollekte nicht hat mitgehen lassen», sagt Polizeisprecher Konrad Welber. 

Schweizweit sei es zu keinen weiteren Altenstörungen durch Jugendliche gekommen. Dennoch bittet die Polizei Kirchgänger, in den nächsten Tagen ein wachsames Auge zu haben. Verdächtige Personen unter 60 Jahren sollen umgehend einem Pfarrer des Vertrauens gemeldet werden. 

Der Enthüller
Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über Schwulenhasser, die in Russland Asyl beantragen oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu. 



www.der-enthüller.ch

Der Enthüller auf Facebook

Der Enthüller auf Twitter
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ceci
25.12.2014 12:32registriert Februar 2014
Freude herrscht! Endlich eine Wende in Sicht.
252
Melden
Zum Kommentar
2
7 Gründe, warum «Controlling» gar nicht so langweilig ist, wie es klingt
Controlling ist nur für Langweiler? 7 Gründe, weshalb auch du zur Controllerin oder zum Controller werden solltest.

«Controller sind Erbsenzähler und Tüpflischiisser.» So ein gängiges Vorurteil. Mag sein, dass sie es gern genau nehmen. Das tun aber andere Berufsgattungen auch, z.B. Zahnärzte, Fluglotsinnen oder Architekten – und wir sind froh darum. Dass Controller ein eher langweiliges Image haben, hängt zum Teil mit einer unzulänglichen Übersetzung zusammen: «Control» bedeutet zwar auch «kontrollieren», in erster Linie jedoch «steuern» und «regeln». Hinter dem Job als Controllerin stehen bedeutend spannendere Tätigkeiten und Anforderungen als das Zahlenbeigen. Neuerdings sind es vor allem die zunehmenden IT-Kompetenzen, die das Berufsbild interessant machen.

Zur Story