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FILE - This undated file image posted on a militant website on Tuesday, Jan. 14, 2014, which has been verified and is consistent with other AP reporting, shows fighters from the al-Qaida linked Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) marching in Raqqa, Syria. Across the broad swath of territory it controls from northern Syria through northern and western Iraq, the extremist group known as the Islamic State has proven to be highly organized governors. (AP Photo/Militant Website, File)

Dieses Bild ist unscharf. Es reflektiert darum auf perfekte Weise die Gedankengänge im Hirn eines IS-Kämpfers. Bild: AP Militant Website

Der Enthüller

Der Enthüller

IS-Kämpfer streiken für faire Löhne und mehr Ferien

buzz orgler



Kobane (den). «Es ist eine verdammte Schweinerei», flucht Abu el Hassar. Seit knapp einem Jahr steht der ungelernte Schweinebauer im Dienste des IS. Für seine Gräueltaten kassiert er monatlich 120 Dollar. Doch der Terrormiliz geht das Geld aus. Abu el Hassar wird keinen 13. Monatslohn erhalten. 

«Für eine verblendete Ideologie einzustehen macht in meinem Kopf Sinn, aber das muss sich auch finanziell lohnen. Von Wasser, Luft und dem Koran allein kann ich nicht leben», schimpft der 42-Jährige enttäuscht. Er habe bereits zwei Lohnverhandlungen mit seinem Chef geführt und für Fairness beim Lohn plädiert. «Der Typ ist ein verdammter Halsabschneider. Er sagt, das Budget sei aufgebraucht, die Reserven so leer wie die Köpfe Nichtgläubiger. Aber ich weiss, dass er lügt.» Darum streikt Abu el Hassar seit letztem Montag. Ihm gleich tun es 162 weitere Dschihadisten. Sie alle fordern bessere Arbeitsbedingungen. 

«Ist Krebs nicht Strafe genug?»

Karim Al Mosul erklärt, wie der Streik vor sich geht. «Seit letzter Woche schiessen wir nur noch mit Platzpatronen auf Zivilisten. Auf Steinigungen und Folter verzichten wir sogar ganz.» Der 19-jährige Schulabbrecher sieht durchaus Vorteile an der momentanen Situation. Er schlafe viel besser seit dem Streik.  

«Unsere gewalttätigen Übergriffe sind ja oft das Resultat von Gruppendruck und gegenseitigem Anstacheln. Da bleibt keine Zeit zum Hintersinnen. Wenn ich dann aber mal eine ruhige Minute finde, frage ich mich: Hat das jetzt wirklich was gebracht, Kinder und ihre Mütter zu erschiessen? Erwartet mich dafür im Himmel eine Belohnung? Lohnt es sich wirklich, jemandem fürs Rauchen die Hand abzuhacken? Ist die Aussicht auf Krebs nicht Strafe genug?» 

Workers and Verdi union members protest during strike action outside the Amazon.de distribution centre in Bad Hersfeld September 22, 2014. Workers at German warehouses of online retailer Amazon.com  took strike action again on Monday as labour union Verdi pressed its demands in a long-running dispute over pay and conditions. The U.S. company employs a total of 9,000 warehouse staff at nine distribution centres in Germany, its second-biggest market behind the United States, plus 14,000 seasonal workers.  REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY  - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT CIVIL UNREST)

Vorbild Deutschland. Hier streikt ständig irgendwer wegen irgendwas. Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Tarifvertrag für Terroristen

Gemäss einem UNO-Bericht rette der aktuelle Streik massiv mehr Menschenleben als die Luftangriffe der Amerikaner. Damit die IS-Milizen weiterhin möglichst lange die Arbeit niederlegen, befinden sich deutsche Vermittler der Gewerkschaft Wehrdi vor Ort. Sie erklären den Dschihadisten das System rund um Tarifverträge, 35-Stunden-Woche und bezahlten Urlaub. Wie ein UNO-Sprecher dem Enthüller mitteilt, sei die Streikkultur der Deutschen im Falle IS zum ersten Mal förderlich. «Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Sprich, sie werden noch für mindestens 18 Monate andauern. Bis dahin sollten wir den Grossteil der Kämpfer mit nicht funktionierenden Waffen ausgerüstet haben.» 

Walter Hofer ist einer der Vermittler, die sich mit den Terroristen an den runden Tisch setzen. «Es ist schon speziell. Menschenleben sind diesen Barbaren nichts wert, aber beim Geld und den Ferien plädieren sie für Fairness und Transparenz.» Er werde sein Bestes geben, die Verhandlungen möglichst lange andauern zu lassen. «Diese Taktik nützt noch immer mehr, als die Gegner des IS mit Waffen auszurüsten, die am Ende trotzdem in den Händen der Terroristen landen.»

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über Schwulenhasser, die in Russland Asyl beantragen oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu. 

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