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Wie bio ist ein Naturwein?
Wie bio ist ein Naturwein?
Bild: EPA/EPA
Edvin Uncorked

Ist Naturwein wirklich Natur pur?

25.09.2020, 10:35
Madelyne Meyer
Madelyne Meyer
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Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Was habe ich am Anfang mit Naturweinen nur gekämpft. Turnsäcklimief, Mäuse-Urin, Stallgeruch etc. Mir schwappten jegliche Aromen aus dem Glas entgegen...nur nichts Gutes.

Es dauerte eine Weile, bis ich die guten, «sauberen» Tropfen gefunden hatte. Learning by Drinking, wieder einmal. Auch dauerte es eine Weile, bis die gröbsten Stinker vom Markt verschwanden. Die Qualität der Naturweine nahm innerhalb von 5 Jahren rasant zu und eliminierte die Players mit dem Motto: «Ich fasse den Wein nicht an. Er soll sich selber entwickeln.»

Viel Glück mit dem.

Denn Naturweine herzustellen, benötigt viel Feingefühl. Nicht Ignoranz. Wenn man dem Wein weder was hinzufügt (Schwefel), noch etwas wegnimmt, ist er hochsensibel und kann sich in alle Richtungen entwickeln. Dies benötigt viel Aufmerksamkeit. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Naturweine – ein Widerspruch an sich, denn der Mensch kreiert den Wein, nicht die Natur – sind bekannt für ihre Natürlichkeit. Dies laut Vinatur.ch aus den folgenden Gründen:

  • Biologische Landwirtschaft
  • Förderung der Artenvielfalt im Weinberg
  • Manuelle Ernte hochwertiger, vollreifer Trauben
  • Natürliche Hefen und spontane Gärung
  • Keine Sterilfiltration, bestenfalls gar keine
  • Keine Korrekturen, Zusätze, Behandlungen oder andere Eingriffe
  • So wenig zugesetzte Sulfate (Schwefeldioxid) wie möglich, am besten gar keine
Dieses Schwefelthema geht mir so auf den Sack.

Der Schwefel ist der Sündenbock der Branche. Naturweinproduzenten sind ultra stolz, wenn sie darauf verzichten und Weintrinker geben ihm die Schuld am Kater. Sauf' einfach weniger. Zum letzten Mal: Alkohol und Du sind Schuld am Kater, nicht der Schwefel. Übrigens enthält jeder Wein kleine Mengen an Schwefel, nämlich als Nebenprodukt der alkoholischen Gärung. Plus: Käse, Salami, getrocknete Früchte enthalten das Hundertfache an Schwefeldioxid von einem Wein.

Ok, weiter im Text.

Ist denn jetzt Naturwein Natur pur?

Naturwein ist eine Weinherstellungsphilosophie, die jeden chemischen, technologischen oder mechanischen Eingriff in den Anbau der Trauben und ihre Weinbereitung hinter sich lässt. Naturweinproduzentinnen und -produzenten lehnen die absichtliche Standardisierung kommerzieller Weine im Streben nach dem natürlichen Ausdruck ihres heimischen Terroirs ab.

Diese Philosophie oder Herstellungsmethode ist nicht zertifiziert, was Vor- und Nachteile bringt.

Denn ohne Zertifikat kann der oder die WinzerIn machen, was er/ sie will.

Vorteile

  • Freiheit in der Herstellung
  • Kreativität im Keller: Es stehen dir keine Regeln im Weg, einen einzigartigen Wein herzustellen
  • Keine Bürokratie

Nachteile

  • WinzerInnen können immer noch chemisch eingreifen wenn nötig und wenn sie möchten, sie werden ja nicht kontrolliert
  • Weine müssen nicht bio oder biodynamisch sein
  • Naturweine garantieren keinen nachhaltigen Weinanbau

Es liegt also an uns, dem Naturweinwinzer, der Naturweinwinzerin zu glauben, dass sie nicht oder höchstens minimal in den Herstellungsprozess eingreifen.

Um super Naturweine mit reinem Gewissen zu geniessen, besuchst Du am besten eine kleine Naturweinhändlerin, die auch die WinzerInnen kennt. So gehst Du auf Nummer sicher.

Viel Spass beim Entdecken und gib nicht beim ersten Naturwein auf. Es ist ein Prozess.

In diesem Sinne. Hebet eu fescht.

Madelyne

Bild

Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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