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Frauen und Geld

Wein als Geldanlage – was du darüber wissen solltest

Lohnt es sich, in Wein zu investieren? Wie packt man das an und was muss man dabei beachten? Drei Möglichkeiten, wie du Genuss und Rendite verbinden kannst.

Olga Miler
Olga Miler



Ich weiss noch, wir hatten sie im Keller, bisschen verstaubt, hinten in der Ecke. Besser gesagt waren die Weinkisten von Papa eher kellerfüllend. Er hat mit Hingabe Wein gesammelt, vor allem als Wertanlage. Wie sich dann nach seinem Tod herausstellte, hatten sich die alten Burgunder und Bordeaux tatsächlich entwickelt.

Während ich die absolute Wunschleserin von Edvin Uncorkeds Blog bin («Du willst Wein kaufen hast aber null Ahnung? So schnappst du dir eine gute Flasche»), hat meine Mom dank Wirtpatent, selbst aber strikte «Hahnenburger-Trinkerin», sehr viel Ahnung von Wein.

Sie liess die kleine Sammlung von einem Experten schätzen. Dieser befand die Weine für gut, eine Rarität war nicht darunter, kaufen wollte er die Sammlung nicht. Reich geworden sind wir also nicht und getrunken haben wir den Wein zum Genuss auch nicht.

Oldtimer, Uhren, Kunst, Wein – das Interesse an Sachanlagen nimmt zu

Wein als Wertanlage, das war damals vor 30 Jahren schon ziemlich beliebt und spätestens seit die Zinsen tief sind und die Aktienmärkte sich munter auf und ab bewegen, nimmt das Interesse an Anlagen in Sachwerte wie z.B. Oldtimer, Uhren, Kunst usw. zu. Immer wieder liest man Berichte über sagenhafte Preisexplosionen und Verkäufe zu Höchstpreisen von Weinen bis über $500'000. Die Preise sind das Ergebnis von gesteigerter Nachfrage bei knappem oder gleichbleibendem Angebot, da z.B. Top-Weinregionen nur schon aufgrund ihrer Fläche begrenzt sind.

Wein in Zahlen

Gemäss Studien soll der globale Weinmarkt von 2020 bis 2025 um 5,8% wachsen, vor allem in Asien, wo China, Japan und Indien zunehmend in die Weinproduktion einsteigen.

Pro Jahr trinken wir in der Schweiz ca. 40 Flaschen Wein pro Kopf.

+ 4,7% hat der Weinkonsum gegenüber 2018 zugelegt, auf dem Vormarsch ist vor allem der Schweizer Weisswein, der um 3,3 Millionen Liter auf rund 47 Millionen Liter zugelegt hat.

68% der Männer und 49% der Frauen trinken mindestens einmal pro Woche Bier, Wein oder Schnaps.

Bei Männern unter 45 und Frauen unter 25 ist Bier am beliebtesten, später wird deutlich mehr Wein getrunken.

3 Möglichkeiten, wie du Wein als Wertanlage nutzen kannst

Selber Wein kaufen und verkaufen

Einen guten und seltenen Wein kaufen und dann warten, bis er im Wert steigt und du ihn verkaufen kannst. Die «Bluechips» der Weine sind weltweit vor allem Weine aus Bordeaux und dem Burgund. Deren Preisentwicklung kann man in einem weltweiten Index, dem Liv-Ex Index (London International Vintage Exchange), in der Liste der 100 Topweine und der Liv-ex Fine Wine 50 Liste verfolgen.

Wenn du den Wein als Wertanlage und nicht nur zum Genuss willst, dann lohnt es sich, folgende Punkte zu beachten:

Eine moderne Art von Wein Investment bietet die Plattform vinovest.co (USA), die das Investieren in Weine, Lagerung, Versicherung etc. alles in eine digitale Lösung verpackt.

Wie werden Weine bewertet?

Kenner und Investoren orientieren sich oft an den sogenannten Parker-Punkten. Weinkritiker Robert Parker vergibt in seinem System bis zu 100 Punkte. Ausserordentlich, hervorragend und überdurchschnittlich bis sehr gut gilt ein Wein ab 80 Punkten aufwärts. Details zu den Bewertungen hier.

In Aktien der Weinbranche anlegen

Wenn du nicht selbst den Wein kaufen und wieder verkaufen möchtest, dann bietet sich das Kaufen von Aktien von Weingütern oder von in der Weinbranche tätigen Unternehmen an, die an der Börse gehandelt werden, z.B. Constellation Brands, Brown-Forman Corporation, Pernod Ricard oder auch grosse Player in der Getränkeindustrie wie Diageo oder der Luxusgüterkonzern LVMH. Eine Liste und Details hier.

Wer nicht in Einzelaktien investieren möchte, für den könnte auch ein Zertifikat interessant sein, ein Beispiel ist das RCB Wein-Basket open end.

Obwohl es bereits den Liv-Ex Index gibt, existiert im Moment noch kein Exchange Trade Fund (ETF), der sich rein nur auf Wein spezialisiert. Willst du über einen ETF investieren, müsstest du auf einen «Alkohol ETF» ausweichen. Dieser investiert dann teilweise in Weinfirmen, aber nicht ausschliesslich. Beispiele sind Vanguard Consumer Staples ETF, iShares Global Consumer Staples ETF, Fidelity MSCI Consumer Staples Index ETF.

In Weinfonds anlegen

Ein spezialisierter Wein-Fonds wird von Experten aufgebaut und verwaltet und investiert je nach Ausgestaltung in Weinhersteller, spezialisiert sich auf Weinsorten oder investiert in eine Auswahl an Spitzenweinen. Beispiele sind u.a. Vini Sileo Vineyard Fund (Weingüter in Italien, Frankreich, Portugal), Wine Source Fund (internationale Spitzenweine und Weingüter) oder Sommelier Capital Advisors Hedge Fund. Für die Anlage in einen Weinfonds gibt es verschiedene Kriterien wie Mindestanlagen, die je nach Fonds unterschiedlich ausgestaltet sind.

Wein muss also nicht nur zum Genuss da sein, aber ähnlich wie Kunst und andere alternativen Anlagen ist er eine Ergänzung und kein Finanzplan, der zuverlässig und langfristig deine Rente sichern wird.

Dann lieber trinken und geniessen. Ganz in dem Sinn, wie es Edvin Uncorked auf ihrer Hompege schreibt: «Wine, because no great story started with someone eating a salad.» 😉

Das etwas andere «Wein doch»

Mehr Wein:

Video: watson/Emily Engkent

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Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sapperlot! 11.09.2020 09:11
    Highlight Highlight Mir ist dieses Gezocke mit Genussmitteln zu tiefst zu wider. Für den Konsumenten/Geniesser bedeutet diese schlicht eine Verteuerung der Produkte die nicht sein muss.
    Allerdings gibt es einen positiven Nebeneffekt, man hat so die Möglichkeit an längst vergriffene Produkte zu gelangen - dafür halt zu überteuerten Preisen.
    Ich selber bin Whisky Enthusiast, kaufe schon lange Zeit Whiskies, was hier mit den Preisen passiert ist, ist schrecklich. Flaschen die ich vor 10 oder mehr Jahren für CHF 150 gekauft habe kosten heute 5-6000CHF - eigentlich schön für mich, aber nicht für den Geniesser in mir.
  • Statler 10.09.2020 22:33
    Highlight Highlight Wein ist ein Genussmittel, keine «Geldanlage».
    Man kann Weinbauern unterstützen, indem man ihre Produkte kauft, damit sie auch weiterhin den edlen Rebensaft keltern können. Das ist auch eine Investition. Zum beiderseitigen Vorteil.

    Und gerne bei kleinen Weinbauern, die an keiner Börse kotiert sind. Die Grossen verdrängen die Kleinen, die das aus Leidenschaft machen, von Leuten, die nicht in erster Linie ein gutes Produkt herstellen wollen, sondern vor allem den Profit im Sinn haben.
    Das ist keine gute Investition und nachhaltig ist es auch nicht.
    Hört auf, aus allem Profit schlagen zu wollen!
  • Jamaisgamay 10.09.2020 20:12
    Highlight Highlight Und noch das: ich habe bei Kellerräumungen schon Hunderte 'wertvolle' Weinleichen in den Abguss entsorgt. Trinkt das Zeug, solange es Freude macht!
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 10.09.2020 20:11
    Highlight Highlight Nein, Wein sichert nicht zuverlässig deine Rente. Ob sich ein Wein als herausragend darstellt, zeigt sich nicht sofort. Es kann Jahre dauern, bis klar wird, dass ein bestimmter Jahrgang aussergewöhnlich ist. Und der Preis steigt schon vorher stark an. Mein Tipp: Wein kaufen zum geniessen.
  • Jamaisgamay 10.09.2020 18:54
    Highlight Highlight Früher habe ich mich über solche Wein-Sammler/Investoren geärgert. Meist ahnungslose Bonzen saufen die Weine weg (oder lassen sie vergammeln), die ich doch sooo viel besser 'verstehen' würde. Heute weiss ich: es gibt viel spannendere Weine für deutlich weniger Geld.
    ...nur wenn sie von Betrügern wie Rudy Kurniawan über den Tisch gezogen werden, kann ich mir Schadenfreude nicht verkneifen :-)
  • Brummbär 10.09.2020 18:40
    Highlight Highlight Ab 80 Parker-Punkten? Ernsthaft?
  • chrissy_dieb 10.09.2020 17:01
    Highlight Highlight Da habe ich gerade viel gelernt - besten Dank.

    Ich habe gleich noch einen Artikel im Economist gefunden. In der dortigen Abbildung schlagen fast alle Wein-Indices den S&P500 seit 2003.
    Eigentlich ja phantastisch. Wo aber ist der Haken? Ist es:

    1. Zu hohe "Fonds"-Gebühren respektive Lagerkosten?
    2. Gibt es Probleme mit der Handelbarkeit d.h. die zukünftigen Gewinner sind sowieso kaum käuflich?
    3. Oder steckt doch nichts dahinter d.h. man hat einfach einen guten Beobachtungs-Zeitraum gewählt?

    Wäre es so eine gute Investition, müssten Banken doch schon lange aufgesprungen sein, oder nicht?

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