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Harmlose Kondensstreifen oder hochgefährliche Chemtrails? Eigentlich vollkommen schnuppe, aber dennoch ein verdammt gutes Smalltalk-Thema! Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Frau Freitag, ich bin ein wenig soziophob und gerate im alltäglichen Leben hin und wieder in Situationen, wo Smalltalk angebracht wäre.

Diese Talks geraten mangels spannender Fragen dann aber so kurz, dass sie den Namen Smalltalk nicht mal verdienen. Haben Sie ein Repertoire an Standardfragen, die funktionieren und mich aus peinlichen Situationen retten können? Besten Dank und freundlicher Gruss, Stefan, 33

Lieber Stefan 

Ich muss Ihnen leider gestehen, dass es mir nicht viel anders geht. Smalltalk strengt mich furchtbar an, weil ich nicht sehr gut darin bin, zu reden, ohne etwas zu sagen. Und ich bin auch nicht der Typ Mensch, der unter Leute geht, um mit denen dann übers Wetter zu reden. Ich bin sehr gern allein, und wenn ich mich gegen das Alleinsein entscheide, dann habe ich Lust, mit jemandem ein Gespräch zu führen. Oder zusammen zu lachen. Oder Schulter an Schulter sitzend zu schweigen, was auch ganz wunderbar sein kann. Es müssen keinesfalls immer hochphilosophische Diskussionen daraus werden, ein amüsantes Geplänkel hat durchaus auch seinen Reiz. Aber es langweilt mich ­masslos, wenn man nur um des Reden Willens redet. Darum ist für mich das inhaltsleere Geplauder eine Disziplin, die ich aufgegeben habe und die es meiner Meinung auch nicht wert ist, weiter kultiviert zu werden.

Wenn es für Sie aber von Wichtigkeit ist, dass Sie beim nächsten Smalltalk die Aufmerksamkeit der Runde halten können, dann will ich Ihnen trotzdem gerne behilflich sein. Als Themen für oberflächliche Konversationen bewähren sich (nebst dem Wetter und der Klimaerwärmung) natürlich Kinder, Hunde, Filme, Musik und Kultur überhaupt. Sie sollten es allerdings vermeiden, in Anwesenheit eines SVP-Anhängers über Kultursubventionen zu sprechen. Dies würde nämlich wiederum zum abrupten Ende des Gesprächs führen und wäre demnach für Sie nicht zielführend. Vermeiden Sie Politik im weiteren und engeren Sinne. Das Thema Politik führt unweigerlich in ein seriöses Gespräch und das gilt es doch tunlichst zu vermeiden, nicht wahr? Viel geeigneter sind da Krankengeschichten. Sie bieten reichlich Stoff für abendfüllende Empfänge und münden darin, dass man zum Schluss die Adressen der besten Ärzte und Spezialisten der Stadt in der Tasche trägt und weiss, wessen Wohnung demnächst frei wird. Wem das zu langweilig ist, kann das Thema Verschwörungstheorien aufs Tapet bringen. Hier lohnt es sich durchaus, wenn man sich selber etwas auf dem Laufenden hält. Während sich heute nämlich kein Schwein mehr dafür interessiert, ob jetzt der Bin Laden, die CIA oder Bush himself hinter dem Attentat aufs WTC steckt, kann man mit dem Verdacht, dass die Regierung mit Hilfe von Flugzeugen psychoverändernde Substanzen über das ganze Land verteilt, uneingeschränkte Aufmerksamkeit gewinnen. Lesen Sie sich dafür etwas Halbwissen über den Verdacht auf Chemtrails an und sie werden der Mittelpunkt jeder Gesellschaft sein.

Und wenn das auch nicht nützt, dann machen Sie es so wie ich und eröffnen den Talk mit der unverbindlichen Frage, wer der männlichen Anwesenden denn eigentlich beschnitten ist.

 Alles Gute! Ihre Kafi. 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag



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Liebe Frau Freitag. Wie geht man damit um, wenn das eigene Glück Menschen verletzt, die von ihm ausgeschlossen sind? Darf man glücklich sein, wenn andere leiden? Sarah, 35.

Liebe SarahIm ersten Moment, wenn man Ihre Frage liest, ist man gewillt laut und deutlich NEIN zu sagen! Natürlich nicht!Aber dann, wenn man etwas länger darüber nachdenkt, dann muss man leider einsehen, dass die halbe Welt genau so funktioniert. Wenn nicht die ganze. Wir Industrienationen der Ersten Welt bauen unser Glück zu einem grossen Teil auf dem Rücken von Drittweltländern. Wir lassen andere für unsere Befriedigung bluten und sind uns dessen noch nicht einmal wirklich bewusst. …

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