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Eltern müssen nicht alles wissen. bild: shutterstock

Wir Eltern

Was Eltern nicht wissen dürfen

Wir alle haben Geheimnisse. Was wir vor unseren Eltern verbergen, hat aber vor allem mit dem einen Thema zu tun: Sex.

nathalie sassine-hauptmann / wir eltern



Ein Artikel von

Als ich eine junge Frau war, flog ich alleine nach Afrika, um meinen damaligen Freund da zu treffen. Diese Tatsache allein war schon Material genug, meine Mutter in den frühzeitigen Ruhestand zu schicken. Sie hatte fürchterliche Angst um mich und ermahnte mich damals 1000 Mal, wenigstens ein paar Mal anzurufen während meiner Ferien. (Was in den 90ern ohne Handy und Internet weitaus schwieriger zu bewerkstelligen war als heute. Fazit: Sie musste fast eine Woche auf meinen ersten Anruf warten, wegen Stromausfall, beschädigten Telefonleitungen und ... naja, Afrika halt.)

«Ich bin schwul. Meine Eltern dürfen das nicht wissen, weil ich sonst ausgegrenzt und verspottet werde.»

Nino, 26, auf 20 Minuten

Da ich ihr nicht noch mehr Angst machen wollte, verschwieg ich ihr natürlich erfolgreich, dass ich ein River Rafting auf dem Zambezi plante. Damals noch ohne Helm und Sicherheitsvorkehrungen. Yeeehaaa! Wenn sie das gewusst hätte, hätte sie mich persönlich abgeholt und an den Ohren in die Schweiz zurückgeschleift.

Eltern müssen nicht alles wissen

So ging es sicherlich vielen Jugendlichen. Eltern müssen nicht alles wissen. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, an dem es passiert. Das gibt dann die lustigen Geschichten an Weihnachten, wenn man seine Abenteuer «beichtet». Und sodann auch die eigenen Eltern mit alten Geheimnissen rausrücken.

Wenn die eigenen Kinder zuhören, kann man nur hoffen, dass sie dabei nicht auf dumme Gedanken kommen. Aber das werden wir Jahre später hoffentlich erfahren!

«Mama, Papa ... Ich bleibe mein Leben lang homosexuell und ich bin stolz darauf. Meine Eltern sind streng religiös. Mehr muss ich wohl nicht dazu sagen.»

User Jürgen, 43, auf 20 Minuten

Geständnisse statt lustige Geschichten

Trauriger finde ich jedoch, dass offenbar viele Menschen Geheimnisse in Bezug auf ihre Sexualität haben (müssen). Auf 20min.ch konnte man kürzlich die eigenen Geheimnisse vor den Eltern mitteilen. Da erwartete ich lustige Geschichten, die man als Jugendliche den Eltern verheimlicht hat. Was auf 20min.ch jedoch zu lesen ist, sind Geständnisse, welche oft die Sexualität der «Beichtenden» betrifft.

«Dass ich 13 Männer im Bett hatte. Sie würden mich sonst enterben.»

M., 22, auf 20 Minuten

Natürlich sind die Eltern in Sachen Sex nicht die beliebtesten Ansprechpartner. Schliesslich mag man sich als Kind ja kaum vorstellen, dass wir aus genau diesem Grund überhaupt auf der Erde sind: Unsere Eltern hatten Sex miteinander. Iiik!

Traurig, dass man nicht darüber reden kann

Aber gerade sexuelle Präferenzen wie Homosexualität, erste Erfahrungen oder eine gewisse Promiskuität sind fürs Leben sehr prägend. Ist es da nicht traurig, dass man mit seinen Eltern nicht darüber reden kann? Dass man ihnen nicht erzählen kann, wenn man verliebt ist? Bloss weil dieser Mensch vom selben Geschlecht ist? Oder das erste Mal? Oder dass man mit diversen Menschen seinen Spass hat?

«Dass ich schon Sex hatte. Weil das ein Traditionsbruch ist.»

Sandra, 19, auf 20 Minuten

Natürlich weiss ich nicht, wie es mal mit den eigenen Kindern wird und die Vorstellung, dass sie mal Sex haben werden, ist noch weit weg. Aber ich hoffe vor allem, dass sie Spass dabei haben, immer nur gegenseitig gewollten Sex haben und ihre Sexualität eben so ausleben dürfen, wie sie es wollen.

Und entsprechend keine Geheimnisse vor mir haben werden. Oder was meint ihr?

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dääd 29.09.2016 13:08
    Highlight Highlight Es geht für mich ok und soll auch sein, wenn meine jugendlichen Kinder Geheimnisse haben. Ich muss und will als dääd auch nicht alles wissen. Die Frage ist nur, welche Gefühle das Geheimnis auslöst. Wenn's schlechte sind, wäre ich selbstverständlich sehr gerne als Supporter da. Schlechte Gefühle wegen der eigenen sexuellen Orientierung zu haben und nicht mal mit den Eltern darüber sprechen zu können tut mir weh, wenn ich den Artikel lese. Ich finde, in unserer Kultur haben wir nach wie vor ein sehr verknorkstes Verhältnis zur Sexualität. Warum? Ich tippe auf Religion.
    • johannamiller 29.09.2016 16:54
      Highlight Highlight jup.
    • pamayer 29.09.2016 17:42
      Highlight Highlight Genau. amen.
    • Der Kritiker 29.09.2016 17:54
      Highlight Highlight ich tippe nicht auf religion. ich tippe auf gesellschaft. nun kann man sich fragen, wie stark die gesellschaft von der religion beeinflusst wird. aber ich kenne einige agnostiker, die sind prüder als papst benedikt der letzte, oder katholiken, die sind versauter, als der marquis de sade (das mag jetzt ein bisschen übertrieben sein, aber es hört sich einfach gut an).
  • Theor 29.09.2016 10:03
    Highlight Highlight Klingt nach der alten "Ich werde alles ganz anders machen als meine Eltern"-Leier. Ich werde ein hippes Mami, das meine Tochter gerne mitnimmt, wir gehen zusammen in den Ausgang, und und und.

    Kurz gesagt: Nein wirst du nicht, liebe Autorin. Denn am Ende sind wir eben doch genau wie unsere Alten. Fuck! (Zitat, Fanta4)

    Es gehört einfach dazu, dass Eltern in einer gewissen Lebensphase uncool und spiessig sind für die Jungen. Dann wollen sie nicht, dass wir ihre besten Freunde sind. Diese Phase muss man mit Humor nehmen und dann geht sie auch wieder vorbei und am Ende hat mans gut mitenand.
    • Theor 29.09.2016 10:53
      Highlight Highlight Dieser Teil betrifft jetzt nur den letzten Abschnitt. Zum vorherigen Artikel habe ich mich nicht geäussert, da ich finde, dass da alles absolut richtig geschildert wird.

      Die sexuelle Präferenz sollte für Elternteile kein Tabuthema sein. Die Kunst besteht wohl für uns zukünftige Eltern darin, dass WIR gegenüber unseren Kindern in allem offen sind. Auch wenn sie es uns gegenüber in gewissen Lebensphasen vieleicht manchmal nicht sein werden.

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