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Yonnihof

Warum du heute noch mit deinem Vater tanzen solltest!

Bild: shutterstock

Ein «Carpe Diem».



Yonnihof Yonni Meyer

Gerade war ich seit sehr langer Zeit das erste Mal mit meinem Vater in den Ferien. Ein Städtetrip nach London inklusive Eric Clapton-Konzert – mein Geschenk zu seinem Geburtstag. Also Papas, nicht Claptons. 

Da ich vor zwei Jahren zwei Monate in London verbracht hatte und mein Papa mich auch damals besuchen kam, hatten wir keinen Sightseeing-Stress. Stattdessen verbrachten wir die meiste Zeit lesend in unterschiedlichen Parks, redeten, diskutierten. Er erzählte mir Anekdoten, weise Worte, kluge Geschichten. Von Menschen, die sein Leben berührt und bereichert haben, von seiner Kindheit. Und ich hörte zu.

Ich bin für diese Zeit mit meinem Vater unglaublich dankbar.

Es gibt da einen Song – die Melodie ist die einer Standardschnulze, wie es sie zu Hunderten gibt. Aber der Text. Himmel, der Text. Der rührt mich zu Tränen. Jedes einzelne Mal. Der Titel: «Dance with my father again» von Luther Vandross.

Der Refrain lautet:

If I could get another chance
Another walk, another dance with him,
I'd play a song that would never ever end
How I'd love love love, to dance with my father again

dt.: Wenn ich noch eine Gelegenheit bekommen könnte,
einen Spaziergang, einen weiteren Tanz mit ihm,
ich würde ein Lied wählen, das nie nie nie wieder aufhört.
Wie gerne würde ich noch einmal mit meinem Vater tanzen

Meine Eltern sind noch nicht alt und obwohl da und dort ein Scharnier wackelt und vielleicht ersetzt werden muss, sind sie noch immer die zentralsten Figuren in meinem Leben. Wenn ich nicht weiter weiss, wende ich mich an sie. «Mama, wänni di 3. Süüle vo de Stüüre abzieh, isch dänn di 2. Süüle beleidiget?» oder «Papa, was isch e Brandschutzdiebstahlhaftpflichtchrankekasseprämie?» Ich fühle mich noch immer als ihr Kind und ich glaube, dass ich zeitlebens noch etwas von ihnen werde lernen können.

Man selbst ist also mitten in seinem Alltags-Job-Dichtestress-Mojo und den Eltern geht’s noch gut und man denkt sich vielleicht ab und an «Irgendwann will ich mal noch mit Papa verreisen» oder «Irgendwann will ich meiner Mama noch einen Traum erfüllen».

Aber das hat ja alles Zeit. Man wiegt sich in Sicherheit, dass man für all diese Dinge noch Jahre zur Verfügung hat und die Sätze, die man sich bezüglich Unternehmungen mit den Eltern sagt, beginnen mit «Wenn ich dann mal das Projekt abgeschlossen habe ...» oder mit «Wenn die Kinder dann mal älter sind ...» oder «Sobald ich dann mal weniger Stress bei der Arbeit habe ...».

Und irgendwann sind die Eltern eben nicht mehr da. Manchmal ganz plötzlich. Und dann stirbt ein Teil von einem selbst mit ihnen und man wünscht sich nur einen letzten Tanz mit dem geliebten Vater oder der geliebten Mutter.

Die gemeinsame Zeit kommt nicht zurück. Wenn etwas vergänglich ist, dann das Leben und mit ihm die Zeit, die einem gegeben ist, es mit denen zu teilen, die einem am nächsten stehen.

Dies nun also mein (zugegebenermassen emotionales, aber wenn dieses Thema nicht emotional ist, welches dann?) «Carpe Diem!», aber nicht im Bezug auf unsere eigene Vergänglichkeit, sondern auf die unserer Eltern:

Wir sollten sie packen, sie ausführen, ihnen Blumen bringen und Küsschen geben. Ja, wir sollten ihnen gar sehr hässliche Ton-Aschenbecher töpfern wie damals im Werken in der 5. Klasse. Und vielleicht mit ihnen in die Ferien fahren, wenn wir das denn können ... Und uns selber den Schmerz ersparen, irgendwann, wenn wir sowieso zerrissen sind vor Trauer, mit der Tatsache konfrontiert zu sein, dass wir den «letzten Tanz» – vielleicht ohne spezifischen Grund – haben vorbeiziehen lassen.

Luther Vandross: Dance with my Father

abspielen

Video: YouTube/LutherVandrossVEVO

Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Moudi 31.05.2017 16:40
    Highlight Highlight Konnte nicht alles aufs mal fertig lesen.. musste das Büro verlassen und losheulen.. sehr schön geschrieben! DANKE!
  • Shevi 30.05.2017 10:17
    Highlight Highlight Ich habe bei diesem Text fast geweint. Ich habe noch das Glück, dass meine Eltern noch leben und auch gesund sind. Aber ich denke manchmal auch, ich könnte mehr mit Ihnen unternehmen, mehr meine Liebe zeigen. Als Teenager habe ich das einfach nicht gesehen. Ich hoffe, Sie werden mir noch lange erhalten bleiben.
  • Menel 29.05.2017 07:45
    Highlight Highlight Mein Vater hatte schon vor meiner Geburt einen Unfall und ist seither querschnittsgelähmt. Als er jünger war, bewegte er sich mit Krücken voran. Seit aber rund 15 Jahren sitzt er nun im Rollstuhl. Das machte es möglich, dass ich wir vor 3 Jahren, an seinem 80. Geburtstag, das erste mal zusammen tanzen konnten.
  • Tschüse Üse 29.05.2017 06:52
    Highlight Highlight Habe letztens einen Vater + Sohn Urlaub mit meinem bald 60jährigen Vater in Rom getätigt. Als er mir sagte das es ihn an die früheren Reisen mit seinem besten Kumpel erinnert hat. War ich doch sehr gerührt. Speziell ist halt auch das sein bester Freund vor Jahren Selbstmord begangen hat.
  • Fordia 28.05.2017 22:19
    Highlight Highlight Ein Gedanke der mir selber immer öfter bewusst wird, je älter ich werde. Sehr schön geschrieben und ganz herzlich Dank dafür.
  • Wolf2000 28.05.2017 19:51
    Highlight Highlight Mein Vater. Gigolo hoch 10. Betrog meine Mutter nach Strich und Faden. Ich bin heute ein treuer Mann. Die Sexualisierung der Gesellschaft verachte ich total. Ihr habt keine Ahnung was ihr mit dem anrichtet. Traurig aber wahr.
    • Toerpe Zwerg 29.05.2017 06:04
      Highlight Highlight ?
  • _kokolorix 28.05.2017 19:39
    Highlight Highlight Irgendwann anfang 20ig verliebte ich mich in meine Frau. Von da an war und ist sie der Mittelpunkt meines Lebens. Meine Eltern traten vorerst in den Hintergrund. Mit der Geburt unserer ersten Kinder halfen sie uns. Ich hatte zu meinem Vater immer ein gutes Verhältnis und erinnere mich an unzählige Gespräche über alles mögliche. Dann wurde er am Rücken operiert und war von da an stark pflegebedürftig und dement. Nun mussten wir ihm helfen. Es folgten 10 Jahre in denen die Persönlichkeit nur noch für kurze Augenblicke da war. Vor 2½ Monaten starb er und ich bin dankbar für all die Zeit mit ihm
  • Wolf2000 28.05.2017 19:27
    Highlight Highlight Mein Vater war ein A. Er hat meine Mutter nach Strich und Faden betrogen. Ich habe als Kind alles mitgemacht. Heute bin ich als Vater treu und liebe mein Kind.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 28.05.2017 19:01
    Highlight Highlight Weise Worte
  • pamayer 28.05.2017 18:49
    Highlight Highlight "...obwohl da und dort ein Scharnier wackelt und vielleicht ersetzt werden muss..." - sehr diplomatisch ausgedrückt. komme selbst langsam ins wackel-scharnier- alter.

    ich wünschte, ich hätte eltern gehabt, die ich bewundern und von welchen ich lernen hätte können. so schmerzt dein heutiger blog grad es bitzeli.
    auch wenn es schon sehr lange her ist.
    ich krame die spärlichen positiven erinnerungen hervor und schwinge allem zum trotz noch ein etwas dürftiges tänzchen mit ihnen.

    RIP, old folks.


  • kiwitage 28.05.2017 17:44
    Highlight Highlight Ich habe meinen Papa letztes Jahr verloren.
    Wir wollten noch so viele Töff Touren machen, aber dann wurde er sehr krank.
    Ich bin dankbar, dass ich so einen tollen Papa hatte, auch wenn er viel zu früh gehen musste.
    Meine Mama und ich gehen dafür in Herbst ein paar Tage zusammen nach Italien. Ich finde, dass man die Zeit mit geliebten Menschen geniessen sollte, man weiss nie, wann man jemanden zum letzten Mal gesehen hat.
  • Matrixx 28.05.2017 16:39
    Highlight Highlight Sehr gut geschrieben!
    Und ja, manchmal wünscht man sich wirklich gute, tiefgründige, lehrreiche Gespräche mit seinem Vater. Und ich wünschte mir, dass lch von ihm noch so viel lernen kann und es das Leben einfacher macht.

    Aber ich war noch ein rebellischer, "die-Eltern-sind-doof"-Teenie, als mein Vater starb und werde dies nicht mehr können.
    Daher ja, tut es. Und wenn ihr ein schlechtes Verhältnis habt, dann setzt alles daran, diese Verhältnis zu verbessern!
  • jjjj 28.05.2017 16:35
    Highlight Highlight Ich weiss ja nicht... hört sich immer wie das Tagebuch einer 20jährigen an... aber come on... du bist 35ig!
    • Phrosch 28.05.2017 18:30
      Highlight Highlight Sie hat aber recht und hätte das mit 20 wohl noch gar nicht schreiben können.
    • Gähn on the rocks 28.05.2017 18:57
      Highlight Highlight hat was.
    • Lichtblau 28.05.2017 22:06
      Highlight Highlight Ach, mein Vater. Ein ausgesprochen belesener, musikalischer, gutaussehender und von der Damenwelt geliebter Mann (meine Mutter nannte ihn mal den "Serviertochterbaron", und das war nicht schmeichelhaft gemeint). Zudem war er ein grosser Partybro - und das war letzten Endes gut so. Weil wir Kinder auch als Erwachsene mit Anhang viele, viele Feste mit ihm feierten, auch das letzte. Und das ganz ohne mediterranen Background.
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RECLAIM THE NICENESS!

Die SVP hat’s mal wieder getan. Wie ein kleines Kind, das Aufmerksamkeit sucht, indem es einen Gaggi an die Wand malt (nicht zu verwechseln mit SEINEN Gaggi an die Wand malt), hat sie mit ihren Apfelplakaten für Furore gesorgt. Äusserst erfolgreich – was denn die Aufmerksamkeit angeht. Es ergoss sich die zu erwartende Kritik und dann die Kritik an der Kritik und dann «Warum gibt man sowas überhaupt eine Plattform??!!1!!», etc., etc., blabla.

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