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Yonnihof

Weihnachtsmarkt 2.0 – Oder: Leise kieselt René

Bild: pexels

Auch für Weihnachtsmärkte gilt: Es ist nümen wie frühner. Fast.



Erinnern Sie sich noch, liebe LeserInnen? Als wir klein waren und die Welt gross und die Adventszeit voller Magie? Als wir noch Fäustlinge trugen, die mit einer Schnur verbunden waren, damit wir sie nicht verlieren? Als wir auf dem Eisfeld noch «Schliiferli» mit zwei Kufen anhatten?

Und dann waren da die Weihnachtsmärkte. Lebkuchenduft, Samichläuse, Glöckchen und Lichtlein überall. Vielleicht sogar das eine oder andere Eseli. Ein kleines Universum voller Wunder.

Tja. Meine Kindheit ist zwar schon circa vier Jahre her; trotzdem bin ich noch immer ein Adventsfan. Nichts ist schöner, als das Märlitram mit dem Samichlaus am Steuer durchs winterliche Züri kurven zu sehen.

Also dachte ich mir vor einer Weile, ich könnte auch den Zauber des Weihnachtsmarktes mal wieder aufleben lassen. Ich suchte mir dafür den allergeeignetsten unter den Märkten aus, nämlich den am Zürcher Hauptbahnhof. Heimelige Adventsstimmung in einer zugigen Riesenhalle zu Rush-Hour-Zeit – was konnte schiefgehen?

Erst einmal stellte sich mir die Aufgabe, überhaupt vom Zug zum Markt zu kommen. Die Strecke zwischen Treffpunkt und Sprüngli-Durchgang hatte sich zum feierabendlichen Flaschenhals gewandelt und dass viele Zürcher das Gefühl haben, es sei uuuuuu mega wichtig, dass sie sieben Sekunden früher zum After-Work-Business-Drink erscheinen, machte die Sache nicht einfacher. Jedenfalls war ich eingeklemmt zwischen einem riesigen Mann mit einer noch riesigeren Tasche, die rhythmisch gegen meine Möpse schlug, und einem sehr kleinen, dafür umso älteren Herrn, der in regelmässigen Abständen «So, ZUELAUFE!!» in meinen Rücken krächzte. Partytime.

Auf Höhe des Gruppentreffpunkts quetschte ich mich aus der Menschenschlange und war mir sicher, ab hier beginnt die Besinnlichkeit. 

Mhm.

Ich sage Euch: Weihnachtsmärkte sind nicht mehr, was sie mal waren. Ich wurde in der kurzen Zeit, die ich mich auf dem Gelände aufhielt, gefühlte 47 mal fast über den Haufen gerannt. Da war nichts mit gemächlicher Vorweihnachtszeit. EINS ZWEI, EINS ZWEI, WEI-TER-GEH-HEN! Bei jedem Stand kam ich grad mal dazu, ein paar Gegenstände in der Auslage zu betööplen (was die Verkäufer sicher am liebsten haben), bevor ich zur Seite gedrückt und weitergeschoben wurde.

Beim Swarovski-Baum musste ich gleich von drei asiatischen Pärchen Fotos schiessen, machte ich aber natürlich gerne. Naja, mittelgerne.

Die Glühweinstände rochen zwar wie eh und je, ich konnte aber beobachten, wie ein Angestellter seelenruhig mehrere Zwei-Liter-TetraPak mit Glühweinfertigmischung in einen Topf kippte und das aufgewärmte Resultat dann für circa 3 Millionen Franken pro Becher verkaufte. Wenigstens den Schein hätte man ja wahren können.

Und dann war da der im Titel erwähnte «René». Wahrscheinlich hiess er nicht so, sondern Orlando-Maximilian oder Rodrigo-Karlheinz. Jedenfalls war er Teil einer Gruppe Jugendlicher, die wohl alle ein bisschen zuviel Glühwein und/oder Eierpunsch und/oder Vodka und/oder «Haschischzigaretten» erwischt hatten.

Und René entlud in der Konsequenz seinen mit Burger-King-Brei gefüllten Magen dekorativ an die dem Bahnhofquai zugewandte Seite der Bahnhofshalle. Seine Freunde waren so nett und hielten dieses schöne Ereignis grölend mit ihren Handys fest. Herzige Jugend.

Nach 20 Minuten war ich reichlich desillusioniert und unverzaubert-möglichst. Wollte mich gerade mit hängendem Kopf zum Tram aufmachen, da sah ich eine Gruppe etwa 4- bis 5-jähriger Kinder vor dem riesigen, glitzernden Weihnachtsbaum stehen.

Und da war er wieder, der Zauber. Mit offenen kleinen Mündern standen sie da, die Zwerge, und zeigten einander die ihrer Meinung nach schönsten Funkelsteinchen. Die Magie dieses Anblicks war so ansteckend, dass ich mich dabei ertappte, wie ich laut «Jöö nei!» sagte.

Und das, meine Lieben, war den ganzen Trubel fürschi und hinderschi Wert! Sogar am Weihnachtsmarkt am HB.

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheMan 09.12.2016 16:34
    Highlight Highlight Yonni du warst vor 4 Jahren noch ein Kind? Teenager ist man ab etwa 10-19. Somit bist du jetzt etwa 13Jahre Jung. Bei Watson Arbeiten Kinder?
    • lilie 10.12.2016 18:03
      Highlight Highlight @TheMan: Ich glaube, Yonni hat das nicht so ernst gemeint. ;)
  • pamayer 08.12.2016 15:44
    Highlight Highlight Leise rieselt
    Die Ko-o-leee



    🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅🎅
  • Sherlock64 08.12.2016 11:26
    Highlight Highlight Und ewig leuchten die Kinderaugen. Hurrah, es ist Cliché-Zeit!
  • Rhabarbara 08.12.2016 07:26
    Highlight Highlight Weihnachtsmarkt am Bellevue?!
    • EarlofGrey 09.12.2016 09:45
      Highlight Highlight Da hats dann einfach fast nur Food, wo einem Schnauzbartträger Tacos mit marrokanischem Hochlandrind und nepalesischem Thymian-Espuma andrehen wollen und die Züriberg-Mamis ihre kleinen Prinzessinnen über die Eisbahn prügeln. Von mir aus gesehen überhaupt nicht besser sondern einfach anders. Und mach Dir keine Illusionen: Dort ist der Glühwein auch aus dem Tetrapak.....Wie wär's mal mit einem richtigen Wiehnachtsmärit: Ich empfehle Willisau oder Huttwil.
  • Bruno Wüthrich 07.12.2016 18:40
    Highlight Highlight Ja, die lieben Kleinen. Ich stelle mir grad meine Kinder vor, natürlich nicht jetzt, wo sie erwachsen sind, sondern damals, als sie noch klein waren. Wir verzichteten damals auf einen Fernseher, auf Computerspiele, Internet gab es damals noch nicht, dafür lebten wir auf dem Land, in Blickweite nur gerade zwei weitere Häuser, Freiheit pur.

    Wenn wir da in ein grösseres Dorf gingen, zum Beispiel nach Zürich, und da stand so ein Bäumchen, ja, - dann staunten auch meine Kinder, mit offenen Mündern und noch weit offeneren Augen.

    Heute sind nicht die Bäumchen, aber das Staunen seltener geworden.
    • Lichtblau 11.12.2016 18:30
      Highlight Highlight Hm. Ich habe sowohl meine Kinder-Weihnachtszeit (Märlitram und "Wir warten aufs Christkind" im TV) als auch die meiner Tochter (Eisbahn im Platzspitzpark, Karussell-"Bar" am Limmatquai) in schönster Erinnerung. Aber im Vergleich zu heute denke ich manchmal: alles nur geträumt ...
  • Luca Brasi 07.12.2016 18:01
    Highlight Highlight Zürich und Weihnachten passt irgendwie nicht so ganz. Swarowski-Weihnachtsbaum? WTF?
    Andere Städte in der Schweiz bieten Besinnlicheres. Z.B. Schaffhausen. ;)
    • JasCar 10.12.2016 17:41
      Highlight Highlight Magst ja Recht haben, es gibt viele viel schönere Weihnachtsmärkte... ABER der Swarovskibaum ist sooooo bling-bling-glitzer schön!
    • Luca Brasi 10.12.2016 18:38
      Highlight Highlight @JasCar: Bling-bling-glitzer schön tönt aber irgendwie wenig besinnlich und sehr materialistisch. Donald Trump würde das sicher mögen. Zürcher Weihnachten eben. Der arme Zwingli hat dort umsonst Bescheidenheit gepredigt. ;)
      Es heisst in "Oh, Tannenbaum" doch auch nicht "du blingst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit". Ich mag grüne Tannenbäume. ;)
  • lilie 07.12.2016 17:18
    Highlight Highlight Der Zauber ist immer da, wo man ihn sucht! 😊

    Ich war dieses Jahr am Weihnachtsmärt in Albisrieden. Herzig, sag ich euch. Etwa fünf Stände, und nicht an einem findet man etwas, was man sonstwo auch kaufen könnte.

    Ich habe selbst gesammelte, liebevoll eingemachte Pilze gekauft. Und mich davon abgehalten, selber gemachte Kaninchenfell-Pulswärmer zu kaufen. OK, eine hundskommune Bratwurst hatte ich auch noch, dafür gabs in der Mini-Kirche daneben noch ein Mini-Gospelkonzert!

    Es war einfach super. 🤗
  • Schnurri 07.12.2016 16:35
    Highlight Highlight Das mit dem Glühwein stört mich imfall au mega... Früher (als ich noch zu Klein war diesen Zaubertrank zu trinken) gab es noch diese riiiieeesiigen pfannen wo der Glühwein noch selbst gemacht wurde... Schöne alte Zeiten...
    P.s. Derjenige auf dem Sechseläuten ist auch nicht viel besser!

LINKE UND NETTE: Von wegen «kleine Schwester von Scheisse»

RECLAIM THE NICENESS!

Die SVP hat’s mal wieder getan. Wie ein kleines Kind, das Aufmerksamkeit sucht, indem es einen Gaggi an die Wand malt (nicht zu verwechseln mit SEINEN Gaggi an die Wand malt), hat sie mit ihren Apfelplakaten für Furore gesorgt. Äusserst erfolgreich – was denn die Aufmerksamkeit angeht. Es ergoss sich die zu erwartende Kritik und dann die Kritik an der Kritik und dann «Warum gibt man sowas überhaupt eine Plattform??!!1!!», etc., etc., blabla.

Schwarze und weisse Schöfli, schlitzende Kosovaren, …

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