Charlie Hebdo
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Jan. 3, 2012 file photo, Swedish artist Lars Vilks poses for a photograph in Nyhamnslage, Sweden. Shots were fired Saturday, Feb. 14, 2015 at a cafe in Copenhagen that was hosting a freedom of speech event organized by Swedish artist Lars Vilks, who has faced numerous threats for caricaturing the Prophet Muhammad. (AP Photo/Bjorn Lindgren, File) SWEDEN OUT

Lars Vilks 2012 in seinem Atelier. Bild: AP/TT NEWS AGENCY

Terror in Kopenhagen

Mohammed-Karikaturist Lars Vilks: Provozieren unter Lebensgefahr



Seit der Veröffentlichung einer Karikatur des Propheten Mohammed als Hund 2007 muss Lars Vilks um sein Leben fürchten. Der schwedische Zeichner und Kunstprofessor erhält regelmässig Todesdrohungen und hat eine Reihe von Angriffen und Attentatsversuchen überlebt.

Zuletzt entkam er am Samstag in Kopenhagen unverletzt einem Anschlag auf eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Kunst, Islam und Meinungsfreiheit. Trotz der ständigen Bedrohung liess sich der 68-Jährige bisher nicht einschüchtern.

Die umstrittene Mohammed-Karikatur des schwedischen Zeichners Lars Vilks.

Die umstrittene Karikatur.

Vilks Mohammed-Karikatur war ursprünglich als ironischer Beitrag für eine Kunstausstellung über Hunde gedacht. Weltberühmt wurde sie aber erst, als die schwedische Lokalzeitung «Nerikes Allehanda» sie zur Illustration eines Leitartikels über Meinungsfreiheit veröffentlichte. 

Bei Muslimen in aller Welt stiess die Zeichnung auf Empörung, Ägypten, Pakistan und der Iran legten förmlichen Protest ein. Der irakische Zweig von Al-Kaida setzte ein Kopfgeld von 150'000 Dollar für Vilks' Ermordung aus. Der Künstler kommentierte die Drohung auf seine Art: «Was könnte man sich beim heutigen Dollarkurs schon für meinen Kopf kaufen?» scherzte er.

Muslim protesters burn a Swedish flag and photos of Swedish artist Lars Vilks during a protest against Vilks' caricature depicting the Prophet Muhammad with a dog's body, outside the Swedish embassy in Kuala Lumpur, Malaysia, Friday, March 26, 2010. (AP Photo/Lai Seng Sin)

Vor der schwedischen Botschaft in Kuala Lumpur (Malaysia) wurden 2010 eine Flagge und Fotos von Lars Vilks verbrannt. Bild: AP

Ständige Lebensgefahr

Seitdem lebt Vilks unter ständiger Lebensgefahr. Mordpläne schmiedete unter anderem die zum Islam konvertierte US-Bürgerin Colleen LaRose alias «Jihad Jane». Die Tat wurde nicht ausgeführt, weil ein Treffen mit Komplizen in Europa nicht zustande kam. 2009 wurde LaRose nach ihrer Rückkehr in die USA festgenommen und 2014 wegen Terrorismus zu zehn Jahren Haft verurteilt. Inzwischen hat sie sich vom islamischen Extremismus losgesagt.

Swedish artist Lars Vilks pictured next to the burnt kitchen window in his home outside Hoganas in Sweden, Sunday May 16, 2010. Two men, 19 and 21-years old, have been apprehended by the police suspected for the arson attack against Vilks home this weekend. Vilks has lately been the target of several attacks protesting against his caricature about the Prophet Mohammad.  (AP Photo/Scanpix, Bjorn Lindgren)  **  SWEDEN OUT  **

2010 wurden Molotowcocktails in Vilks' Haus geschleudert. Bild: AP SCANPIX SWEDEN

Im Mai 2010 verübten zwei schwedische Brüder mit kosovarischen Wurzeln einen Brandanschlag auf Vilks' Haus in Südschweden. Ihre Molotowcocktails erloschen von selbst und verursachten nur leichten Sachschaden. Zudem war der Zeichner zur Tatzeit nicht zu Hause.

Kurze Zeit später erhielt Vilks von einem Mann einen heftigen Kopfstoss, als er in der Universität von Uppsala eine Vorlesung halten wollte. Während er versuchte, den Film eines iranischen Regisseurs über zwei als Mohammed verkleidete Homosexuelle zu zeigen, brachen Tumulte aus, auch andere Teilnehmer versuchten ihn anzugreifen.

People demonstrate  in the room where Swedish artist Lars Vilks  was giving a  lecture at Uppsala University, in Uppsala, Sweden, Tuesday, May 11, 2010.  The artist who angered Muslims by depicting the Prophet Muhammad as a dog was assaulted Tuesday while giving a university lecture about the limits of artistic freedom. Vilks (not in photo) told The Associated Press a man in the front row ran up to him and head-butted him during a lecture, breaking his glasses but leaving him uninjured. It wasn't immediately clear what happened to the attacker. (AP Photo /Tor Johnsson , Scanpix) ** SWEDEN OUT **

Tumult an der Universität Uppsala. Bild: AP SCANPIX SWEDEN

Im Dezember 2010 entging die schwedische Hauptstadt Stockholm nur knapp einer Terrorkatastrophe. Ein Selbstmordattentäter versuchte, sich im vorweihnächtlichen Einkaufsrummel in die Luft zu sprengen. Weil der Sprengsatz versagte, tötete er nur sich selbst. Zuvor hatte er in einem Mail den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan verurteilt – und «das Schweigen des schwedischen Volkes» zur Mohammed-Karikatur von Vilks.

Im September 2011 mussten hunderte Menschen aus einem Gebäude in Göteborg in Sicherheit gebracht werden, in dem die Biennale für zeitgenössische Kunst untergebracht war. Die Polizei rechnete mit einem Angriff auf Vilks – allerdings hatte dieser bereits auf seine Teilnahme verzichtet.

Künstler, der an die Grenzen geht

Der Künstler steht unter ständigem Polizeischutz, doch trotz der Gefahr bedauert er nichts. «Ich versuche, gelassen zu bleiben. Das Gute ist, dass die Leute, die bisher hinter mir her waren, Amateure sind,» sagte er im Jahr 2010 der Nachrichtenagentur AFP. 

«Ich bin kein fanatischer Rassist, ich habe keine politische Haltung. Ich bin ein Künstler, der an die Grenzen geht». Wer eine echte Debatte über Meinungsfreiheit und den Islam wolle, müsse provozieren. Lars Vilks schont auch andere Religionen nicht. Als Kritiker meinten, er würde ja auch nicht die Zeichnung einer «Judensau» veröffentlichen, tat Vilks dies postwendend.

Terror in Kopenhagen

In Dänemark hat Vilks ein Unterstützerkomitee, auf dessen Internetseite nicht nur seine berühmte Karikatur zu sehen ist, sondern auch sein Terminplan. Somit konnte jeder wissen, dass er am Samstag in Kopenhagen an der Debatte über «Kunst, Gotteslästerung und Freiheit» teilnehmen würde.

Solidarität mit «Charlie Hebdo»

Im vergangenen Jahr verlieh das Vilks-Unterstützerkomitee der französischen Satirezeitung «Charlie Hebdo» einen Preis für die Verteidigung der Meinungsfreiheit. Nach dem islamistischen Anschlag auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion am 7. Januar in Paris machte Vilks aus seinem Entsetzen keinen Hehl. Er hatte selber wiederholt Zeichnungen in der Zeitung veröffentlicht.

Dennoch, so sagte er dem «Helsingborgs Dagblad», müsse der Kampf um die Meinungsfreiheit weitergehen: «Leider aber ist der Anschlag bezeichnend für die Zeit, in der wir leben». Am Samstag erklärten die schwedischen Sicherheitsbehörden nun, dass sie neue Schutzmassnahmen für Vilks prüften. (pbl/sda/afp)

Attentat auf «Charlie Hebdo»

Charlie Hebdo

Das könnte dich auch interessieren:

Geld allein macht nicht glücklich – aber was dann, Herr Glücksforscher?

Link zum Artikel

Love-Scamming: Wie ich einer Russin (fast) auf den Leim gegangen bin

Link zum Artikel

Die Geschichte dieses Bildes steht exemplarisch für den momentanen Gender-Knorz

Link zum Artikel

Bond fährt E-Auto? (00)7 Vorschläge, wie er sich noch besser an die Generation Y anpasst

Link zum Artikel

Vegane Influencerin bekommt ihre Periode nicht mehr – jetzt zieht sie Konsequenzen

Link zum Artikel

Warum ich bete

Link zum Artikel

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Bund will einem «IS»-Kämpfer die Staatsbürgerschaft entziehen

Die Schweiz will in einem Fall einem Dschihad-Reisenden die Schweizer Staatsbürgerschaft entziehen. «Aktuell ist ein Verfahren hängig, weitere sind in Prüfung», sagte Justizministerin Karin Keller-Sutter.

Laut der Bundesrätin ist bisher kein Verfahren zum Entzug der Schweizer Staatsbürgerschaft von «IS»-Kämpfern zum Abschluss gekommen. «Sie können trotzdem davon ausgehen, dass wir unsere Kompetenz im Bürgerrecht ausschöpfen», sagte Keller-Sutter am Montag in der Fragestunde des Nationalrats.

Sie …

Artikel lesen
Link zum Artikel