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Lars Vilks 2012 in seinem Atelier.
Lars Vilks 2012 in seinem Atelier.Bild: AP/TT NEWS AGENCY
Terror in Kopenhagen

Mohammed-Karikaturist Lars Vilks: Provozieren unter Lebensgefahr

15.02.2015, 11:5915.02.2015, 13:11

Seit der Veröffentlichung einer Karikatur des Propheten Mohammed als Hund 2007 muss Lars Vilks um sein Leben fürchten. Der schwedische Zeichner und Kunstprofessor erhält regelmässig Todesdrohungen und hat eine Reihe von Angriffen und Attentatsversuchen überlebt.

Zuletzt entkam er am Samstag in Kopenhagen unverletzt einem Anschlag auf eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Kunst, Islam und Meinungsfreiheit. Trotz der ständigen Bedrohung liess sich der 68-Jährige bisher nicht einschüchtern.

Die umstrittene Karikatur.
Die umstrittene Karikatur.

Vilks Mohammed-Karikatur war ursprünglich als ironischer Beitrag für eine Kunstausstellung über Hunde gedacht. Weltberühmt wurde sie aber erst, als die schwedische Lokalzeitung «Nerikes Allehanda» sie zur Illustration eines Leitartikels über Meinungsfreiheit veröffentlichte. 

Bei Muslimen in aller Welt stiess die Zeichnung auf Empörung, Ägypten, Pakistan und der Iran legten förmlichen Protest ein. Der irakische Zweig von Al-Kaida setzte ein Kopfgeld von 150'000 Dollar für Vilks' Ermordung aus. Der Künstler kommentierte die Drohung auf seine Art: «Was könnte man sich beim heutigen Dollarkurs schon für meinen Kopf kaufen?» scherzte er.

Vor der schwedischen Botschaft in Kuala Lumpur (Malaysia) wurden 2010 eine Flagge und Fotos von Lars Vilks verbrannt.
Vor der schwedischen Botschaft in Kuala Lumpur (Malaysia) wurden 2010 eine Flagge und Fotos von Lars Vilks verbrannt.Bild: AP

Ständige Lebensgefahr

Seitdem lebt Vilks unter ständiger Lebensgefahr. Mordpläne schmiedete unter anderem die zum Islam konvertierte US-Bürgerin Colleen LaRose alias «Jihad Jane». Die Tat wurde nicht ausgeführt, weil ein Treffen mit Komplizen in Europa nicht zustande kam. 2009 wurde LaRose nach ihrer Rückkehr in die USA festgenommen und 2014 wegen Terrorismus zu zehn Jahren Haft verurteilt. Inzwischen hat sie sich vom islamischen Extremismus losgesagt.

2010 wurden Molotowcocktails in Vilks' Haus geschleudert.
2010 wurden Molotowcocktails in Vilks' Haus geschleudert.Bild: AP SCANPIX SWEDEN

Im Mai 2010 verübten zwei schwedische Brüder mit kosovarischen Wurzeln einen Brandanschlag auf Vilks' Haus in Südschweden. Ihre Molotowcocktails erloschen von selbst und verursachten nur leichten Sachschaden. Zudem war der Zeichner zur Tatzeit nicht zu Hause.

Kurze Zeit später erhielt Vilks von einem Mann einen heftigen Kopfstoss, als er in der Universität von Uppsala eine Vorlesung halten wollte. Während er versuchte, den Film eines iranischen Regisseurs über zwei als Mohammed verkleidete Homosexuelle zu zeigen, brachen Tumulte aus, auch andere Teilnehmer versuchten ihn anzugreifen.

Tumult an der Universität Uppsala.
Tumult an der Universität Uppsala.Bild: AP SCANPIX SWEDEN

Im Dezember 2010 entging die schwedische Hauptstadt Stockholm nur knapp einer Terrorkatastrophe. Ein Selbstmordattentäter versuchte, sich im vorweihnächtlichen Einkaufsrummel in die Luft zu sprengen. Weil der Sprengsatz versagte, tötete er nur sich selbst. Zuvor hatte er in einem Mail den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan verurteilt – und «das Schweigen des schwedischen Volkes» zur Mohammed-Karikatur von Vilks.

Im September 2011 mussten hunderte Menschen aus einem Gebäude in Göteborg in Sicherheit gebracht werden, in dem die Biennale für zeitgenössische Kunst untergebracht war. Die Polizei rechnete mit einem Angriff auf Vilks – allerdings hatte dieser bereits auf seine Teilnahme verzichtet.

Künstler, der an die Grenzen geht

Der Künstler steht unter ständigem Polizeischutz, doch trotz der Gefahr bedauert er nichts. «Ich versuche, gelassen zu bleiben. Das Gute ist, dass die Leute, die bisher hinter mir her waren, Amateure sind,» sagte er im Jahr 2010 der Nachrichtenagentur AFP. 

«Ich bin kein fanatischer Rassist, ich habe keine politische Haltung. Ich bin ein Künstler, der an die Grenzen geht». Wer eine echte Debatte über Meinungsfreiheit und den Islam wolle, müsse provozieren. Lars Vilks schont auch andere Religionen nicht. Als Kritiker meinten, er würde ja auch nicht die Zeichnung einer «Judensau» veröffentlichen, tat Vilks dies postwendend.

Terror in Kopenhagen

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Schüsse in Kopenhagen
quelle: epa/scanpix denmark / str
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In Dänemark hat Vilks ein Unterstützerkomitee, auf dessen Internetseite nicht nur seine berühmte Karikatur zu sehen ist, sondern auch sein Terminplan. Somit konnte jeder wissen, dass er am Samstag in Kopenhagen an der Debatte über «Kunst, Gotteslästerung und Freiheit» teilnehmen würde.

Solidarität mit «Charlie Hebdo»

Im vergangenen Jahr verlieh das Vilks-Unterstützerkomitee der französischen Satirezeitung «Charlie Hebdo» einen Preis für die Verteidigung der Meinungsfreiheit. Nach dem islamistischen Anschlag auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion am 7. Januar in Paris machte Vilks aus seinem Entsetzen keinen Hehl. Er hatte selber wiederholt Zeichnungen in der Zeitung veröffentlicht.

Dennoch, so sagte er dem «Helsingborgs Dagblad», müsse der Kampf um die Meinungsfreiheit weitergehen: «Leider aber ist der Anschlag bezeichnend für die Zeit, in der wir leben». Am Samstag erklärten die schwedischen Sicherheitsbehörden nun, dass sie neue Schutzmassnahmen für Vilks prüften. (pbl/sda/afp)

Attentat auf «Charlie Hebdo»

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07.01.2015: Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo»
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Charlie Hebdo

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Charlie Hebdo
quelle: epa/epa / eddy lemaistre
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