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Das neue Fairphone 3 kostet 450 Euro (489 Franken).
Das neue Fairphone 3 kostet 450 Euro (489 Franken).screenshot: fairphone

Das Fairphone 3 ist da – und es ist das erste faire Handy, das wirklich gut ist

Die niederländische Initiative Fairphone hat die dritte Generation ihres fair produzierten Smartphones enhüllt. Der Hersteller verspricht, das Smartphone fünf Jahre lang mit Updates zu versorgen.
27.08.2019, 18:0228.08.2019, 13:17
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«Das Fairphone 3 beweist, dass Fairness und ein schonender Umgang mit Ressourcen mit Komfort und technischen Möglichkeiten vereinbar sind», sagte Firmenchefin Eva Gouwens am Dienstag in Berlin.

Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst viele Bauteile seiner Smartphones nachhaltig und unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen. Das betrifft zum einen die Fertigung des Smartphones. Weiterhin versucht das Unternehmen, die Rohstoffe für das Smartphone aus «fairen» Quellen zu beschaffen. Durch einen modularen Aufbau sollen Reparaturen vereinfacht werden. Viele Hardware-Teile wie der Bildschirm, die Kameras und der Akku können nachgekauft und ersetzt werden.

Wie gewohnt, lassen sich Akku, Display und andere Komponenten austauschen.
Wie gewohnt, lassen sich Akku, Display und andere Komponenten austauschen.bild: fairphone

Gouwens sagte, Fairphone wolle sich nicht damit zufriedengeben, dass Rohstoffe für Elektronikgeräte aus Minen mit mittelalterlichen Arbeitsbedingungen stammen. Es sei auch nicht hinzunehmen, dass ausrangierte Geräte auf Müllhalden in Afrika landeten. Bislang würden nur 20 Prozent der alten Smartphones sachgerecht entsorgt. «Wir versuchen, ein Smartphone zu bauen, das so lange wie möglich genutzt werden kann. Ausserdem muss es gut reparierbar sein.» Ein Seitenhieb gegen die Konkurrenz, die seit einigen Jahren nur noch Smartphones mit fest verbauten Akkus verkauft, die zudem kaum mehr reparierbar sind.

Das Fairphone 3 ist technisch gesehen ein Mittelklasse-Smartphone mit genügend Leistung für alle Standard-Apps.
Das Fairphone 3 ist technisch gesehen ein Mittelklasse-Smartphone mit genügend Leistung für alle Standard-Apps.bild: fairphone

Technische Spezifikationen

Mit 71.8 mm ist das Handy gerade noch genug schmal, um gut in der Hand zu liegen.
Mit 71.8 mm ist das Handy gerade noch genug schmal, um gut in der Hand zu liegen. bild: fairphone
  • Display: 5,65 Zoll (LCD), 2160x1080 Pixel, 427 ppi
  • Masse und Gewicht: 158x71.8x9.89 mm, 187.4g
  • Prozessor: Snapdragon 632 (Mittelklasse)
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Speicher: 64 Gigabyte (erweiterbar auf max. 400 GB mit microSD-Karte)
  • Kamera: 12 Megapixel mit 4K-Video-Aufnahmen; 8-MP-Selfiekamera
  • Akku: 3000 mAh mit Schnelladefunktion (USB-C)
  • Sonstiges: NFC, Bluetooth 5.0, Fingerabdruck-Scanner, 3,5-mm-Kopfhörerbuchse, Dual-SIM
  • Betriebssystem: Android 9; Fairphone verspricht fünf Jahre lang Updates)
  • Preis: 450 Euro (umgerechnet knapp 500 Franken)

Zu den verwendeten Materialien für das Fairphone 3 gehören nach Angaben des Unternehmens verantwortungsvoll und konfliktfrei gehandeltes Zinn und Wolfram, recyceltes Kupfer und Kunststoff sowie Fairtrade-Gold. «Fairphone war der erste Elektronikhersteller weltweit, der Fairtrade-Gold in seine Lieferkette integrierte und arbeitet ausserdem an einer Initiative für bessere Beschaffungsquellen von Kobalt, dem Schlüsselmineral der Energiewende», betonte Firmengründer Bas van Abel.

Fairphone muss wachsen

Fairphone ist im weltweiten Smartphone-Markt bislang nur ein Nischen-Player. Von den ersten beiden Generationen seit 2013 wurden 175'000 Geräte abgesetzt, davon 115'000 Fairphone 2. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 wurden weltweit rund 1.7 Milliarden Smartphones verkauft. Alleine der Absatz des iPhones liegt über 200 Millionen Stück im Jahr. «Für Fairphone ist es wichtig, zu wachsen», sagte Fairphone-CEO Gouwens. So könne man beim Beschaffen der Komponenten grösseren Einfluss ausüben.

Das Smartphone wird ohne Zubehör wie USB-C-Kabel oder eine Schutzhülle geliefert.
Das Smartphone wird ohne Zubehör wie USB-C-Kabel oder eine Schutzhülle geliefert.bild: fairphone

Immer dünner – und immer schlechter reparierbar

Wirklich gut reparierbare Geräte sind in der Smartphone-Branche bislang eine seltene Ausnahme. Eine Verschwörung der Hersteller stecke aber nicht dahinter, sagte Analystin Carolina Milanesi vom US-Marktforscher Creative Strategies der Nachrichtenagentur dpa. Dass Smartphones so schwer reparierbar sind, liege eher am Design. Miniaturisierung und vor allem Staub- und Wasserdichtigkeit liessen sich anders nur schwer erreichen. Anders gesagt: Der Wettlauf um immer dünnere Geräte verhindert gut reparierbare und somit nachhaltige Geräte.

Ein modulares Design, bei dem man defekte Bauteile leichter austauschen könnte, bieten bislang nur wenige Hersteller wie Fairphone oder Shiftphones. Der leichte Teiletausch bedingt allerdings eine Konstruktion, die sich sehr schlecht anpassen lasse - sowohl bei Bauteilen als auch bei der Materialwahl, so Milanesi.

Neben einer kostengünstigen und leicht anpassbaren Konstruktion sind auch die Käufer mit ein Grund dafür, dass Telefone so schlecht reparierbar sind. Denn der Wunsch nach nachhaltigerer Technik ende beim Konsumenten meist an der Stelle, an der Design oder Leistung eines Gerätes betroffen sein.

Das Fairphone 3 kann ab sofort vorbestellt werden. Die Auslieferung soll Ende September beginnen. Bleibt die Frage, wer dann wirklich statt des neuen iPhones ein Fairphone kaufen wird?

(oli/sda/awp/dpa)

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