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Mächtiger Konzern

Digital und analog, zu Lande und in der Luft – überall, wo man hinsieht: Google, Google, Google

Das EU-Parlament will Google aufspalten, weil der Suchdienst unter Monopolverdacht steht. Doch das ist schon längst nicht mehr das einzige Standbein des Konzerns. Es gibt kaum eine Industrie, in der er nicht mitmischt.



Websuche

Das Offensichtliche zuerst: Google Search ist mit drei Milliarden Anfragen pro Tag die beliebteste Suchmaschine. Die Sorge, der Konzern könne sein Monopol ausnutzen, hat das EU-Parlament dazu veranlasst, sich für eine Aufspaltung des Konzerns stark zu machen.

E-Mail

Für über 500 Millionen Menschen ist Gmail das Zentrum ihrer elektronischen Kommunikation – jede Woche kommt eine Million dazu. Google scannt alle E-Mails automatisch, unter anderem, um kontextsensitive Werbung zu schalten. Mit dem neuen Dienst Inbox will Google E-Mails revolutionieren.

Smartphones

iPhones sind hierzulande sehr beliebt, weltweit laufen jedoch über 80 Prozent aller verkauften Smartphones mit Android. Wie «The Verge» berichtet, hat Googles Betriebssystem eine Milliarde aktive User.

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video: watson quelle: statcounter

Browser

Googles Chrome ist mit mehr als 750 Millionen Benutzern der beliebteste Browser der Welt. 

Die beliebtesten Browser der Welt, Stand Juli 2014

Bild: Wikipedia/Gogensi (CC)

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Countries_by_most_used_web_browser_in_July_2014.svg

Die beliebtesten Browser, Stand Juli 2014.  bild: Gogensi/Wikipedia

E-Commerce

Dank Werbediensten wie Adwords ist Google einer der grössten Player in der Online-Werbewelt. Im vergangenen Jahr nahm der Konzern mit Werbung mehr als 50 Milliarden US-Dollar ein. Eine wichtige Rolle spielt dabei der gekaufte Dienst Doubleclick, der Werbetechnologie für Konzerne wie Microsoft, Coca-Cola, Nike und viele andere anbietet.

Mit Google Analytics bietet das Unternehmen ein ausgeklügeltes Tool an, um Internet-Traffic auf Websites auszuwerten.

News

Google scannt mit seinem Dienst Google News über 4500 Quellen weltweit und trägt die in ihren Augen wichtigsten Storys zusammen. Dagegen wehren sich traditionelle Medienhäuser. Die französische Nachrichtenagentur AFP etwa verklagte Google, weil ihre Inhalte ohne Erlaubnis veröffentlicht würden.

Virtuelle Realität

Die Datenbrille Google Glass befindet sich in einer ausgedehnten Testphase. Sie ist mit einer Kamera ausgestattet und kann in etwa das, was ein Smartphone kann. Es ist anzunehmen, dass es unzählige auf die Brille zugeschnittene Apps geben wird, kommt sie mal im Mainstream an.

Google Inc. co-founder Sergey Brin looks on after the Life Sciences Breakthrough Prize announcement in San Francisco, California, in this February 20, 2013 file photo. On November 9, 2014, Brin, who previously never missed a high-profile opportunity to sport Google Glass, sauntered bare-faced into a Silicon Valley red-carpet event, telling a reporter he had left his pair in the car. To match Insight GOOGLE-GLASS/ REUTERS/Robert Galbraith/Files (UNITED STATES - Tags: SCIENCE TECHNOLOGY BUSINESS HEADSHOT PROFILE)

Google-Gründer Sergei Bryn trägt die Datenbrille. Bild: ROBERT GALBRAITH/REUTERS

Video und TV

Lasst uns nicht vergessen, auch YouTube gehört zu Google. Das ist aber noch nicht alles. Wie die «New York Times» berichtet, plant der Internetgigant, Kabelanbieter zu konkurrenzieren und Fernsehsender übers Internet in US-Haushalte zu bringen.

Superschnelles Glasfasernetz

Google baut in den USA ein eigenes Hochgeschwindigkeitsnetz namens Google Fiber auf – mit einer Bitrate von einem Gigabit pro Sekunde. Das macht es rund 100 Mal schneller als die heutige Durchschnittsverbindung in den USA.

Telefonie und Messaging

Der Kommunikations-Allrounder Google Hangouts macht der Internettelefonie, dem klassischen Telefon sowie Messaging-Diensten Konkurrenz. Auf Android-Smartphones lassen sich SMS über Hangouts versenden und empfangen.

Digitales Büro

Google bietet eine ganze Reihe Dienste für die interne Organisation von Unternehmen an (auch watson nutzt die Business-Lösung von Google). Mit Google Calendar lassen sich Termine koordinieren, auf Google Drive kann man mit Textverarbeitungs- und Tabellenprogrammen zusammenarbeiten.

Musik

Der Streaming-Dienst Google Play Music ist eine Konkurrenz für Spotify. Die Datenbank enthält 22 Millionen Songs, die man sich mit einem Monatsabo anhören kann. Das Spezielle: Jeder User kann bis zu 20'000 Songs hochladen und so die Sammlung erweitern.

Reisen

Wer unterwegs ist, kann via Flight Search alles über seinen Flug in Erfahrung bringen und mit dem Hotel Finder eine Unterkunft aussuchen.

Welt- und Weltraumkarten

Google Maps zeigt nicht nur, wo Häuser wohnen, sondern mit der Route-Funktion und integrierten ÖV-Fahrplänen auch, wie man am besten zum Ziel kommt. Und Street View präsentiert die Welt in 3-D. Doch der Horizont hört hier nicht auf: Google Sky identifiziert Sternbilder, Google Moon und Google Mars erlauben uns Blicke ins All.

Google Moon Screenshot

Eine der US-Mondlandefähren auf Google Moon. screenshot: google moon

Bildung

Mit Google Scholar lassen sich wissenschaftliche Fachtexte finden. Dafür werden alle bedeutenden Fachzeitschriften durchsucht. Patent Search durchsucht Millionen von Patenten und stellt die Resultate mit Text und Zeichnungen dar. Mit Google Translate lassen sich Wörter und Texte übersetzen.

Bücher

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Bibliotheken werden für Google Books Bücher eingescannt, die sich online durchsuchen lassen. Bisher wurden gemäss «SF Gate» mehr als 20 Millionen Bände digitalisiert. Wegen möglicher Copyright-Verletzungen hat Google immer wieder Ärger mit dem Projekt.

Kunst und Kultur

Mit dem Google Art Project erhält man einen Einblick in 17 grosse internationale Museen wie die Tate Gallery in London oder das Metropolitan Museum of Art in New York City. Zur Kulturförderung wurde das Google Cultural Institute ins Leben gerufen.

Web-Publishing

Mit Blogger betreibt Google einen der grössten Blogging-Dienste. Picasa hilft dabei Bilder zu bearbeiten und im Internet zu veröffentlichen.

Ein Blick in die Zukunft

Das sind alles Dinge, die schon existieren. Im geheimen Labor Google X tüftelt der Konzern an einigen bahnbrechenden Projekten – nur ein Teil davon ist bekannt. Wir dürfen davon ausgehen, dass hier Dinge entstehen, die wir uns kaum vorstellen können. Auch hat Google bis heute insgesamt 173 Firmen gekauft, was immer wieder zu Spekulationen führt.

Selbstfahrende Autos

Das selbstfahrende Auto von Google soll 2017 auf den Markt kommen. Doch Google mischt schon jetzt in der Fahrzeugindustrie mit: Ende dieses Jahres sollen die ersten Wagen mit dem Betriebssystem Android Auto auf den Markt kommen. Fiat, Ford, Volkswagen und Toyota und viele mehr werden das System installieren.

Googles selbstfahrende Autos

Wi-Fi-Ballone

Mit dem Project Loon will Google das Internet in die entlegensten Ecken der Welt bringen. Luftballone in der Stratosphäre sollen ein kabelloses Netzwerk für den Internetzugang mit Geschwindigkeiten wie im 3G-Netz erschaffen.

Smarte Kontaktlinsen

Für die Google Contact Lenses spannt der Internetriese mit der Novartis-Tochter Alcon zusammen. Dank Mini-Elektronik in Kontaktlinsen sollen der Blutzucker von Diabetikern gemessen oder die Näheanpassung des Auges unterstützt werden. 

Google entwickelt smarte Kontaktlinse

Biowissenschaften

In der Life Sciences Division verschmelzen Medizin und Technologie. Forscher tüfteln an einem Armband, mit dem Krebs frühzeitig erkannt werden soll, sammeln die Daten von Tausenden Personen um herauszufinden, was einen gesunden Menschen ausmacht und haben einen Speziallöffel für Parkinson-Patienten am Start.

Drohnen-Lieferdienst

Schon seit mehreren Jahren wird das Project Wing in Australien entwickelt: Drohnen sollen Pakete über den Luftweg innert kürzerster Zeit zustellen. Im August ging Google mit diesem Video an die Öffentlichkeit.

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video: youtube/google

Roboter

Was Google mit ihnen vorhat, weiss niemand so genau. Fest steht: Das Unternehmen hat in jüngster Zeit acht Firmen gekauft, die sich mit Robotik beschäftigen. Darunter Boston Dynamics, die bisher für das Pentagon im Dienst standen. Ihre Roboter sind gleichzeitig faszinierend und unheimlich.

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Video: Youtube/Gabbee

Luft- und Raumfahrt

Google hat einen eigenen Flugplatz in Kalifornien. Dort wird Forschung für die Luft- und Raumfahrt sowie für Robotertechnologie betreiben. Dass ein Google-Manager den Rekord des Stratosphärenspringers Felix Baumgartner gebrochen hat, dürfte auch kein Zufall sein.

Rekord-Fallschirmsprung von Alan Eustace

Alternative Energien

Im Jahr 2013 hat Google Makani Power gekauft, das futuristische, fliegende Windturbinen herstellt.

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video: youtube/Makani

Politik

Auch auf politischer Ebene übt Google Einfluss aus. Das EU-Parlament erhielt drei Briefe von US-Kongressmitgliedern, die forderten, man solle Google in Ruhe lassen. Wie Spiegel Online berichtet, haben neun der 17 Unterzeichner vom Konzern Spenden erhalten. Gemäss «The Verge» hat Google im vergangenen Jahr 14 Millionen Dollar für Lobbying in Washington ausgegeben.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sambeat 30.11.2014 22:22
    Highlight Highlight Für Filmfans: Es sieht fast so aus, als würde Google das neue Weyland-Yutani... Irgendwie beängstigend!
  • Migu Schweiz 30.11.2014 19:29
    Highlight Highlight Denke mal apple hat mehr kreditkarten daten gesammelt als google.Aber das stört ja niemand.
    • sambeat 30.11.2014 22:25
      Highlight Highlight Und auf welchen Beweisen stützt sich diese These? Hats etwa damit zu tun: "Ich benutze ein Android-Smartphone, Apple ist zu teuer und überhaupt komplett Kacke und ich will mit Apple-Jüngern nichts zu tun haben..."
  • Zeit_Genosse 30.11.2014 10:27
    Highlight Highlight Googel schafft es sehr defensiv zu wirken, aber äusserst aggressiv zu handeln.
  • smoe 29.11.2014 21:22
    Highlight Highlight Google versteht es wie kein anderes Unternehmen in scheinbar unabhängige Bereiche zu investieren, Synergien daraus zu nutzen und sowohl für sich selbst als auch den Benutzer Vorteile zu schaffen.

    Zum Beispiel aus Google Books, das schon fast wie ein wohltäterisches Nebenprojekt wirkt, zieht Google enormen Nutzen für einen Grossteil ihrer Geschäftsbereiche

    Die strategische Entwicklung von Google seit ihrer Entstehung ist schon fast beängstigend schlau und durchdacht. Als Apple das iPhone der Öffentlichkeit vorstellte, war Google nur Wochen oder Monate entfernt ihr eigenes Smartphone herauszubringen. Anstatt es aber auf den Markt zu zwängeln, haben sie eingesehen, dass ihr Produkt minderwertig ist, alles eingestampft und noch mal von null angefangen. Heute sind sie mit Android Marktleader.

    Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit ihre Monopolstellung verloren, weil sie sich auf dem Erfolg ausgeruht und Trends verschlafen haben. Nicht so Google, die mit der grossen Schöpfkelle über jeden Bereich Millionen giesst, der irgendwie Zukunftspotenzial hat.

    Ich mag Google auch nicht sonderlich. Aber ich denke/befürchte, wir haben mit Google möglicherweise einen der besten Schachspieler der menschlichen Unternehmensgeschichte vor uns, der Machtmissbrauch und Manipulation im grossen Stil nicht nötig hat und sich so einfach nicht vom Thron wird stürzen lassen.
    • Roman Rey 30.11.2014 20:17
      Highlight Highlight Schön gesagt. Die Frage ist doch: wie lange kann Google seinem Motto "Don't be evil" treu bleiben? Bis jetzt blieben krasse Verstösse aus, aber entwickelt nicht jeder Konzern, vor allem in dieser Grösse, irgendwann ein unkontrollierbares Eigenleben (das eben nicht zwingend der Anfangsvision entspricht)?
    • smoe 01.12.2014 21:45
      Highlight Highlight @Roman: Grundsätzlich ist es schwer einem Motto wie «Don't be evil» treu zu bleiben, weil Gut und Böse höchst subjektiv sind und sich auch mit der Zeit ändern. Das sieht man an der Wahrnehmung der Sammelwut der Benutzerdaten, die die Leute nur mit zielgerichteter Werbung assoziieren, ohne zu sehen, wie sie durch die Preisgabe der Daten profitieren. Ähnlich bei den Robotern zu vermeintlich militärischen Zwecken.

      Mein Punkt war aber, dass Google bisher gröbere Verstösse gar nicht nötig hatte, weil sie technologisch immer on top sind und kluge unternehmerische Entscheidungen getroffen haben. Klar sie haben im Investmentpoker – wie alle andern auch – Millionen/Milliarden in den Satz gesetzt, aber sie haben meines Wissen nie durch Missmanagement eine ihrer Cashcows und Zugpferde ernsthaft in Gefahr gebracht.

      Zwei Beispiele von Vielen:

      Während die Uber Macher ihrem Unternehmen durch ihr pubertäres Verhalten beträchtlichen Schaden zufügen und der Konkurrenz damit Auftrieb verschaffen, haben die Google Gründer die Firmenführung am Anfang einem alten Hasen der Branche überlassen. Larry Page hat das Zepter als CEO erst an sich genommen, als er sich 10 Jahre später reif genug fühlte.

      Als Microsoft mit ihrem Internet Explorer die Monopolstellung hatten, haben sie die diesen während Jahren nicht weiterentwickelt und kaum Fehler behoben. Als dann Konkurrenz auftauchte, "mussten" sie ihre Marktstellung missbrauchen, um ein minderwertiges Produkt zu verteidigen. Googles Chrome hingegen ist immer State of the Art und die anderen Hersteller haben Mühe mit dessen rasender Entwicklung Schritt zu halten. Ähnlich sieht es mit ihren anderen Produkten aus.

      Google ist noch sehr jung und bisher mussten sie noch kaum auf grosse Änderungen in Gesellschaft und Technologie reagieren sondern konnten diese eher anstossen. So ist es natürlich einfacher einer Anfangsvision treu zu bleiben. Wie fähig sie dazu langfristig sind, wird die Zukunft zeigen müssen. Als Kontrast dazu Nokia, das die meisten erst durch das 3310 kennen, aber seit 1865 besteht und urprünglich Gummistiefel und Papiererzeugnisse verkaufte. Die Kinder in hundert Jahren werden Google möglichweise nur noch als Hersteller irgendwelcher Pillen kennen.
  • Oberon 29.11.2014 11:51
    Highlight Highlight Ich bezweifle stark das die Dominanz von Google mit diesen Mitteln gebremst werden kann.

    Google hat schon sehr früh erkannt das in Zukunft Wissen das profitabelste und wichtigste sein wird.

  • halbblutprinz 29.11.2014 10:59
    Highlight Highlight Ohh bekommt die Regirung Konkurenz!
    Das wollen sie aber nicht!
    Also weg mit google!!
    Hahahahaha leider viel zu späht!!
  • Matthias Studer 29.11.2014 10:51
    Highlight Highlight Ein Unternehmen, dass seine Visionen versucht umzusetzen. Ist ja nicht per se schlecht. Es kommt noch Gebäudeautomatisation mit der Firma Nest dazu.
    Die meisten Dienste sind kostenlos, bis auf Daten die man liefert. Die Frage stellt sich, wie viel ist es mir wert? Welchen Preis bezahle ich? Alternative gibt es genug.
    • Mooogadelic 29.11.2014 11:21
      Highlight Highlight Du bist das Produkt...
    • Matthias Studer 29.11.2014 11:44
      Highlight Highlight Ja klar, oder noch besser ist, Google hat das Gefühl, ich bin das Produkt. Den ich bin ich.
    • EvilBetty 30.11.2014 12:43
      Highlight Highlight Nein, Matthias. Du BIST das Produkt.
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