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RoboCop: Rogue City im Test – so gut ist das Game für PS5 und Xbox

RoboCop ist endlich in der Videospielwelt zurück und räumt kräftig auf.
RoboCop ist endlich in der Videospielwelt zurück und räumt kräftig auf.bild: zvg
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Darum sind RoboCop-Fans gerade weltweit aus dem Häuschen

In «RoboCop: Rogue City» schlüpfen wir in die Rolle des kultigen Cyborgs, um in einer düsteren Zukunftsversion von Detroit auf Verbrecherjagd zu gehen. Parallel verdrücken Fans Freudentränen, weil sie endlich eine würdige Videospielumsetzung erhalten haben.
06.11.2023, 16:1606.11.2023, 18:01
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1987 sorgte «RoboCop» im Kino für Aufsehen: Der Film war düster und brutal. Zusätzlich besass er einen bissigen Humor, war gesellschaftskritisch und warf philosophische Fragen zum Thema Mensch und Maschinen in den Raum. Kurz: Der Film war ein cineastisches Fest und wurde zum Kult.

Es gab Fortsetzungen, eine TV- und Animations-Serie, ein Remake (über das niemand sprechen möchte) und natürlich jede Menge Lizenzversoftungen für gefühlt jeden Heimcomputer und jede Videospielkonsole. Die meisten davon waren jedoch schnell programmierte und lieblose Werke. Der jüngste Ableger übernimmt nun den schwierigen Auftrag, der Marke «RoboCop» endlich gerecht zu werden.

Alex Murphy alias RoboCop geht im dreckigen Detroit auf Spurensuche.
Alex Murphy alias RoboCop geht im dreckigen Detroit auf Spurensuche.bild: zvg

Halb Mensch, halb Maschine

Alex Murphy wird nach einem hässlichen Zwischenfall zu RoboCop. Die menschlichen Überreste wurden durch Maschinenteile ergänzt, um sein Leben zu retten. Nun ist er halb Mensch, halb Maschine und geht meistens mit seiner Partnerin, Officer Anne Lewis, auf Streife, um in den düsteren Gassen von Detroit für Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen.

Den Leidensweg zum Cyborg gehen wir in «Rogue City» aber nicht. Die Geschichte ist nach dem ersten Film angesiedelt. Wenn man es genauer nimmt, befinden wir uns in der Timeline sogar bereits in der Zeit nach dem zweiten Kinofilm, weil im neuen Videospiel inhaltlich und figurentechnisch darauf Bezug genommen und die Geschichte weitererzählt wird.

Auf dem Weg zum ersten Einsatz wird die beklemmende Grundstimmung sehr gut vermittelt.
Auf dem Weg zum ersten Einsatz wird die beklemmende Grundstimmung sehr gut vermittelt.bild: zvg

Geiseln im Fernsehturm

Zu Beginn des Spiels machen wir genau das, wozu RoboCop bestimmt ist: Wir räumen kräftig auf. In Detroit ist die Verbrechensquote ziemlich hoch und zahlreiche, gewaltbereite Gangs lungern in den Gassen.

Eine Gruppierung macht gleich ordentlich Werbung für sich, indem sie live ein Fernsehstudio stürmt und zahlreiche Geiseln nimmt. Das Ziel: Aufmerksamkeit erregen, weil angeblich ein neuer, unbekannter Verbrecherboss in der Stadt Geschäfte machen möchte. So nisten sich die Freaks häuslich im Fernsehturm ein und wir stampfen als RoboCop durch das Gebäude und ballern via Ego-Perspektive alles weg, was unseren Weg kreuzt.

Wie in einer Schiessbude

RoboCop zu spielen, ihn durch die Areale zu bewegen, fühlt sich jederzeit saugut an. Wir stampfen und ballern uns wie in einer Schiessbude durch die Levels und verzichten dabei auf neumodische Genre-Zutaten. Zielen und Schiessen, das ist alles. Sich hinter einer Vorrichtung verkriechen, können wir nicht. Zwar dürfen wir kurz hinter einer Mauer oder einer Wand innehalten, aber von hier aus Feinde anvisieren geht nicht. Stets müssen wir uns dem offenen Feuergefecht stellen und gut zielen.

Diese simple Spielmechanik widerspiegelt perfekt das Wesen des Polizisten-Cyborgs: Murphy kennt keine Angst, keine Gnade und zögert nicht. Die Kampfmaschine marschiert voran und ist bereit, alles dafür zu tun, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Das brachiale Gefühl wird zusätzlich verstärkt, indem wir an bestimmten Stellen wie ein Berserker durch Wände hindurchbrechen können, um die Gegner zu überraschen.

Auch diverse Gegenstände und Kontrahenten können wir greifen und herumwerfen und somit für Chaos sorgen. Fast schon fühlt man sich dabei übermächtig und unbesiegbar. Doch auch wenn Murphy viel einstecken kann, muss er seine Rüstung immer wieder mit Energiezellen oder via Stromkästen aufladen.

RoboCop hinterlässt immer eine Schneise der Zerstörung.
RoboCop hinterlässt immer eine Schneise der Zerstörung.bild: zvg

Unendlich hingegen ist sein Munitionsvorrat bei seiner Primärwaffe (die berühmte Auto-9), die als Standardknarre bereits einen ordentlichen Bums vorweisen kann. Zwar kann man immer wieder mal auch andere Waffen wie Pumpgun, Maschinengewehr und noch gröberes Geschütz aufsammeln, aber eigentlich reicht der normale Colt längstens aus, um für ordentliches Chaos zu sorgen.

Da viel Rechenpower unter seinem Schädel schlummert, hat RoboCop natürlich noch ein paar nette Zusatzfähigkeiten auf Lager. Er kann seine Umgebung scannen, weiss, wo sich die bösen Buben im Raum befinden, erblickt sofort diverse wichtige Objekte zum Einsammeln und geht mit technischen Hilfsmitteln auf Spurensuche.

Dumme und faszinierende Nebenmissionen

Wer jetzt denkt, «Rogue City» sei einfach nur ein stumpfer Shooter, der irrt. Denn Murphy hat nebst den üblichen wunderschönen Action-Abschnitten noch andere Dinge zu tun. Auf seiner Jagd nach dem grossen Unbekannten, der irgendwie mit dem Verschwinden eines Officers zu tun hat, trifft er immer wieder mal auf einen offenen Spielabschnitt, wo er sich diversen Nebenaufgaben widmen kann.

In dieser Nebenmission suchen wir ein bestimmtes Auto, um Erfahrungspunkte zu ergattern.
In dieser Nebenmission suchen wir ein bestimmtes Auto, um Erfahrungspunkte zu ergattern.bild: zvg

Wir machen eine kurze Polizei-Recherche, wir helfen unseren Mitarbeitenden beim Alltag, wir treffen Informanten und geraten dabei in ein Familiendrama hinein, wir suchen ein bestimmtes Auto oder geben besorgten Bürgerinnen Auskunft. Die Qualitäten der Nebenmissionen sind sehr unterschiedlich. Manche sind unglaublich banal und dumm, während andere uns in ein Nebendrama hineinziehen und der Spielwelt einen zusätzlichen dramatischen Anstrich verleihen.

Sie alle bleiben jedoch freiwillig. Wer eine bestreitet, bekommt aber Punkte, um seinen Roboter-Polizisten aufzuleveln. Wer nur der Hauptstory folgt, bekommt zwar auch Punkte auf sein Konto verschrieben, doch nur wer alle Beschäftigungen erledigt, kann mehr in seine Gesundheit, seine Scan-Fähigkeiten oder in seine Rüstung investieren. Und selbstverständlich kann auch seine Hauptwaffe verbessert werden, um noch mehr Durchschlagskraft zu erlangen.

Düster, dreckig und brutal

Wie es sich für die Marke gehört, ist auch «Rogue City» düster, brutal und zynisch. Wenn wir durch die Levels schreiten und die Gegner aufs Korn nehmen, spritzt das Blut literweise. Und wer besonders begabt beim Zielen ist, wird auch schon mal dafür sorgen, dass ein paar Gliedmassen durch den Raum fliegen.

Abgesehen von diesem hohen Gewaltgrad sorgt die Welt, in der wir uns befinden, ebenfalls für ein unbehagliches Gefühl. Detroit ist düster, dreckig und total verkommen. In den Strassen lungern Drogensüchtige herum, erbrechen sich, schlagen sich gegenseitig die Zähne ein und randalieren herum.

Eigentlich alles überhaupt nicht zum Lachen, aber das Spiel sorgt dann mit den bekannten, zynischen Breaking News im Fernsehen oder im Radio für den einen oder den anderen Schmunzler. Auch auf die beliebten, gesellschaftskritischen Werbungen trifft man vereinzelt, wenn man im Spiel genauer hinschaut.

Die dreckige und düstere Atmosphäre des «RoboCop»-Universums wurde hervorragend getroffen.
Die dreckige und düstere Atmosphäre des «RoboCop»-Universums wurde hervorragend getroffen.bild: zvg

Technische Probleme

Die Optik lässt einen oft mit offenem Mund zurück. Nicht weil sie so unglaublich toll ist, sondern, weil wir uns manchmal in der letzten, ja sogar vereinzelt in der vorletzten, Hardware-Generation befinden. Fällt uns das im hektischen Gameplay gar nicht auf, wird der optische Minimalismus gerade in den Zwischensequenzen deutlich ersichtlich.

Zusätzlich kommt es immer wieder zu aufploppenden Figuren und Objekten, es flackert hie und da und auch der eine oder andere Komplettabsturz war vorhanden. Und wer sich einmal die Mühe macht, die Levelstruktur (vor allem bei Innenarealen) genauer zu studieren, dem wird schnell auffallen, dass da doch das eine oder andere Mal die Copy-Paste-Funktion verwendet wurde.

Ich bin RoboCop!

Fazit: Wenn ich begleitet von der berühmten Titelmelodie als RoboCop durch das Areal stampfe und stumpfsinnig reihenweise böse Buben auseinandernehme, dann wird mir immer wieder bewusst, dass die lange Wartezeit endlich vorbei ist. Denn kein anderes Spiel hat es zuvor geschafft, die Brachialität und die dichte Atmosphäre der Filmvorlage besser einzufangen als «Rogue City».

Simple Spielmechanik, Genre-Minimalismus und stringente Levelstruktur mögen auf den ersten Blick abschrecken. Auch die technischen Unzulänglichkeiten und die teilweise sehr freche Optik sind so gar nicht verlockend. Doch wer ein kurzweiliges Action-Videospiel ohne Schnickschnack sucht und obendrein noch ein Fan der Franchise ist, der wird mit «RoboCop: Rogue City» unglaublich viel Spass haben und dabei die eine oder andere Freudenträne vergiessen.

«RoboCop: Rogue City» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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G.
06.11.2023 19:10registriert Dezember 2014
und ich dachte schon es käme ein neuer Film raus…..
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