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Urteilsverkündung am Montag, 13. Dezember 2021, in Trier, Deutschland.
Urteilsverkündung am Montag, 13. Dezember 2021, in Trier, Deutschland. Bild: keystone

Vom Cyberbunker ins Gefängnis: Das sind die Strafen im Darknet-Mammutprozess

Der Cyberbunker-Prozess ende «mit ungewöhnlich hohen Strafen», berichtet der «Spiegel». Und noch diese Woche müssen sich auch die Betreiber des ehemals grössten Darknet-Marktplatzes vor Gericht verantworten.
13.12.2021, 17:3514.12.2021, 13:32

Im Prozess gegen die Betreiber des Cyberbunkers im westdeutschen Traben-Trarbach sind die Angeklagten am Montag zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Das Landgericht Trier sah es gemäss «Tagesschau»-Bericht als erwiesen an, dass die acht Beschuldigten in dem früheren Bundeswehrbunker ein geheimes Daten- und Rechenzentrum für kriminelle Kundschaft betrieben hatten.

Alle acht Angeklagten hätten sich der Bildung und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

Als sogenannter «Bulletproof-Hoster» boten die Betreiber gegen Bezahlung Schutz vor staatlichem Zugriff und halfen laut Anklage, Ermittlungen zu vereiteln.

Auch ein gross angelegter Cyberangriff auf rund eine Million Telekom-Router Ende November 2016 soll über einen der Server im Cyberbunker gesteuert worden sein.

Die Strafen im Überblick:

  • Der Hauptangeklagte, ein Niederländer, wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
  • Weitere sechs Angeklagte erhielten Haftstrafen zwischen 26 Monaten sowie vier Jahren und drei Monaten.
  • Den achten Beschuldigten verurteilten die deutschen Richter zu einer Haftstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Für die Ermittler sei es in mehrerlei Hinsicht ein Prozess der Superlative gewesen, hält der «Spiegel» fest und bezieht sich auf Angaben des Oberstaatsanwalts vor Prozessbeginn: Dieser sprach von 249'000 Straftaten, 650 in einen Spezialeinsatz involvierten Beamten, 403 konfiszierten Servern und zwei Millionen Gigabyte beschlagnahmten Daten.

Aber: Vom Vorwurf der Beihilfe zu den fast 250'000 Straftaten, die über die gehosteten Darknet- und Clearnet-Sites gelaufen sind, sprach das Gericht nun alle Angeklagten frei.

Das erstinstanzliche Urteil des Trierer Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Verteidiger Revision einlegen wollen, war laut «Spiegel»-Bericht zunächst offen.

Update: Oberstaatsanwalt Jörg Angerer kündigte am Montag gemäss Bericht von T-Online an, er werde prüfen, ob er Revision eingelegen werde. Der Verteidiger des Hauptangeklagten, Uwe Hegner, wolle Rechtsmittel einlegen. Es handle sich bei Cyberbunker nicht um eine kriminelle Vereinigung und da es beim Verfahren um «juristisches Neuland» gehe, werde das sicher vor dem Bundesgerichtshof entschieden.

Berüchtigte Darknet-Marktplätze

Zu den Cyberbunker-Kunden zählten laut Anklage die Betreiber der grossen Darknet-Marktplätze «Wall Street Market» und «Fraudsters», die längst vom Netz sind.

«Wall Street Market» wurde 2019 von deutschen und US-Ermittlungsbehörden in einer internationalen Operation stillgelegt. Damals galt die Plattform als weltweit zweitgrösster illegaler Marktplatz im Darknet. Einige Monate später wurde auch der sogenannte Cyberbunker ausgehoben.

Server-Racks im 2019 von der Polizei stillgelegten Rechenzentrum.
Server-Racks im 2019 von der Polizei stillgelegten Rechenzentrum.bild: Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz

Die meisten von insgesamt 227 Folgeverfahren gegen Kunden des illegalen Rechenzentrums mussten eingestellt werden, weil es keine Ermittlungsansätze zur Identifizierung der Kunden gab, wie der zuständige Oberstaatsanwalt sagte. In einigen Verfahren würden noch Ermittlungen laufen.

Stilllegung von DarkMarket führte zur Operation «Dark HunTOR»

Das grösste Folgeverfahren aus dem Komplex Cyberbunker sei das Verfahren gegen die Betreiber der Plattform «DarkMarket» gewesen. Diese Plattform wurde im Januar 2021 als einer der weltweit grössten Handelsplätze ausgehoben. Hier müssen sich ein Mann und eine Frau ab dem 16. Dezember vor dem Landgericht Trier verantworten.

Über DarkMarket soll mit Drogen, Falschgeld sowie mit gestohlenen und gefälschten Kreditkarten gehandelt worden sein. Mindestens 320'000 Geschäfte im Wert von mehr als 140 Millionen Euro wurden laut Anklage abgewickelt.

Aus der Schliessung von DarkMarket wiederum ging die internationale Polizeiaktion «Dark HunTOR» hervor, bei der es auch zu Festnahmen in der Schweiz kam.

Ende Oktober 2021 informierte Europol über den koordinierten Schlag gegen den Darknet-Drogenhandel, der sich über neun Länder in Europa und die USA erstreckte. Rund 150 Verdächtige wurde festgenommen, 2 im Kanton Zürich.

Insgesamt wurden 234 Kilogramm Drogen und 45 Schusswaffen sichergestellt, wie die Behörden mitteilten.

Bewegte Cyberbunker-Geschichte
CyberBunker war ein kommerzieller Internet Service Provider (ISP) mit Sitz in den Niederlanden und Deutschland. Das eng mit den kriminellen Aktivitäten der Kunden verbundene Unternehmen warb als Bulletproof-Hoster mit hochsicheren Diensten und betrieb seine Infrastruktur zweimal über mehrere Jahre in ehemaligen Militäranlagen.

Namensgebend war der erste Standort, den die Verantwortlichen 1996 erwarben. Es handelte sich um einen ehemaligen NATO-Kommandobunker in der niederländischen Gemeinde Kloetinge in der Provinz Zeeland.

Nach einem Brand im Jahre 2002 wurde ein Drogenlabor in einem untervermieteten Teil des Bunkers entdeckt. Das Rechenzentrum wurde daraufhin nicht wieder in Betrieb genommen und 2010 an eine Firma weiterverkauft, die später Konkurs anmeldete. Die Firma CyberBunker täuschte ihren Kunden in den Folgejahren vor, ihre Infrastruktur weiterhin im ehemaligen NATO-Bunker zu betreiben, während das tatsächliche Datenzentrum in Amsterdam lag.

2013 erwarb Cyberbunker die ehemalige Kaserne Mont Royal mit dem in den 1970er Jahren erbauten Bunker des ehemaligen Amts für Wehrgeophysik im westdeutschen Traben-Trarbach. Bereits 2013 gab es erste Hinweise auf eine möglicherweise illegale Nutzung des Bunkers. Ab 2015 ermittelte das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz gegen den Betreiber des Bunkers. Im September 2019 wurde er im Rahmen einer Razzia von der deutschen Polizei mit 650 Einsatzkräften durchsucht und stillgelegt.

Quelle: wikipedia.org

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA

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