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Bundesrat

Extremismus-Überwachung: Grüne Schweiz prüfen Referendum gegen Gesetz

Frau am Telefonieren mit iPhone (Symbolbild)
Internet- und Telefonüberwachung schon bei Verdacht auf Links- oder Rechtsextremismus in der Schweiz? Das Parlament entscheidet.Bild: imago-images.de

Handy-Überwachung und Peilsender am Auto: Grüne kritisieren geplantes Geheimdienst-Gesetz

Neu sollen in der Schweiz mutmassliche extremistische Gewalttäter umfassend ausspioniert werden können. Online und Offline. Das will nach dem Bundesrat auch die Sicherheitskommission des Nationalrats. Es gibt aber Widerspruch.
22.04.2026, 10:2322.04.2026, 10:23
Othmar von Matt / ch media

Möglich sind plötzlich sehr weitgehende Massnahmen: Telefongespräche können abgehört werden, der Internet- und Mailverkehr überwacht, Peilsender an Autos montiert. Auch Räume dürfen durchsucht und verwanzt werden. Zudem können Fahnder in Computersysteme und -netzwerke eindringen.

Das war bisher nur dann möglich, wenn es um Terrorismus, Spionage und Angriffe auf eine kritische Infrastruktur ging. Neu sollen solche Mittel aber auch auf Verdacht bei gewalttätigem Extremismus eingesetzt werden können, sei er von links oder von rechts. Es braucht dazu den Beschluss eines Richters. Das will der Bundesrat.

Bürgerliche Mehrheit

Die Schweizer Landesregierung hat im Januar eine Revision des Nachrichtendienstgesetzes (NDG) verabschiedet. Am Montag stimmte auch die sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats diesen Massnahmen für gewalttätigen Extremismus zu. Die Bürgerlichen brachten sie mit 15:6 Stimmen bei zwei Enthaltungen geschlossen durch gegen die Linke. Es waren die Krawalle bei der Palästinenserdemo vom Oktober in Bern, die wesentlich zu diesem Schritt beitrugen.

Das sorgt dafür, dass bei den Grünen hinter den Kulissen bereits ein Referendum gegen die Revision diskutiert wird. In einer Medienmitteilung sprechen sie von einem «absoluten No-Go» (siehe Quellen). Noch liegt der Geschäftsleitung aber kein entsprechender Antrag vor.

«Ob wir wieder das Referendum ergreifen, ist noch offen», sagt Nationalrat Gerhard Andrey. «Der Fokus liegt derzeit auf der Schadensbegrenzung in der parlamentarischen Beratung.» Schon 2015 hatten die Grünen das Referendum gegen das Gesetz ergriffen.

«Die Ausweitung der Kompetenzen des Nachrichtendienstes geht viel zu weit. Statt die gerichtlich kritisierte Grundrechtsverletzung durch Internet-Massenüberwachung zu korrigieren, soll der Geheimdienst neu den ganzen Cyberraum überwachen. Mehr Überwachung heisst nicht mehr Sicherheit, sondern weniger Grundrechte.»
Auszug aus der Medienmitteilungquelle: gruene.ch

Quellen

(aargauerzeitung.ch)

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Alice36
22.04.2026 12:45registriert Juni 2017
Da sag ich nur "remember unseren Fichenskandal". Da haben auch Kreti und Pleti Daten produziert und unbescholtene Bürger drangsaliert die erst gemerkt haben warum sie immer wieder Probleme hatten als der Skandal aufflog. Verhindert haben diese Fischen dazumal aber auch rein gar nichts.
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Wolf von Sparta
22.04.2026 11:12registriert Februar 2019
Ich bin weder rechts noch links aber ich sehe da halt die Gefahr der Willkür! Ich meine, es geht um "auf Verdacht bei gewalttätigem Extremismus". Wie begründet sich dieser Verdacht, da könnte man ja vieles erdichten und das geht für mich persönlich zu weit in eine Massenüberwachung. Hätte, könnte, vielleicht - gilt danach alles als Verdacht. Aber das ist ja nur meine Meinung und vielleicht sehe ich es falsch.
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Pantoffelheld
22.04.2026 11:42registriert September 2025
Quis custodiet ipsos custodes?
Wer überwacht die Wächter? Ich sge es ganz offen: ich traue den Sicherheitsbehörden nicht. In der Vergangenheit waren sie immer zu schnell dabei, jemanden als "linksextrem" einzustufen, während sie auf der anderen Seite bei rechtsextremen aktionen immer ein Auge zudrückten. Jetzt braucht es offenbar nicht einmal mehr eine gerichtliche Überprüfung.
Die Rechtsürgerlicherlichen wollen in Zusammenarbeit mit den Rechtsaussennationalisten der SVP (die noch immer stur zu Trump halten) langsam aber sicher die Totalüberwachung der Bürgerinnen und Bürger etablieren.
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