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FILE - In this Feb. 28, 2018 photo, Matty Nev Luby holds her phone and logs into the lip-sync smartphone app Musical.ly, in Wethersfield, Conn. The operator of the video-sharing app popular with teenagers has agreed to pay $5.7 million to settle federal allegations it illegally collected personal information from children. The Federal Trade Commission said Wednesday, Feb. 27, 2019, it’s penalty against lip-syncing app Musical.ly, now known as TikTok, is the largest ever obtained in a children’s privacy case. The FTC says the app violated the Children’s Online Privacy Protection Act requiring kid-oriented websites to get parents’ consent before collecting personal information from children under 13.  (AP Photo/Jessica Hill, File)

TikTok steht für Spass und Kreativität. Um die Meinungsfreiheit ist es aber schlecht bestellt. Bild: AP/FR125654 AP

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Falsch verstandene Fürsorge bei TikTok: Der «Schutz» behinderter Menschen besteht darin, diese unsichtbar zu machen. Nun ändert das soziale Netzwerk seine Praxis und rechtfertigt sich.



Das rasant wachsende chinesische Soziale Netzwerk TikTok hat diskriminierende Moderationsregeln eingeräumt, die in einem Bericht von Netzpolitik.org aufgedeckt worden waren. Die Plattform hatte demnach ihre Moderatoren angewiesen, Videos von Menschen mit Behinderungen oder Übergewicht zu markieren und in «ihrer Reichweite drastisch einzuschränken.» So wollte man offenbar Mobbing eindämmen.

TikTok teilt Nutzer-Videos in Gruppen ein. Die Einteilung bestimmt, wie oft bzw. an welche Nutzerkreise sie ausgeliefert werden.

Je nach Einschätzung der Moderatoren in Barcelona, Berlin oder Peking werden Videos gepusht oder sind nur eingeschränkt sichtbar, zum Beispiel nur für Follower oder nur für den Ersteller selbst.

TikTok rechtfertigt sich

«Als Reaktion auf eine Zunahme von Mobbing in der App haben wir frühzeitig eine unbeholfene und zeitlich befristete Regelung umgesetzt», sagte ein Firmensprecher dem US-Portal «The Verge». «Unsere Absicht war gut, wir haben aber einen falschen Ansatz gewählt.» Die frühere Regelung sei inzwischen längst «zugunsten nuancierterer Anti-Mobbing-Verfahrensweisen und Schutzmassnahmen innerhalb der App geändert» worden.

Nach dem Bericht von Netzpolitik.org landeten auch homosexuelle und dicke Menschen auf einer Liste von «Besonderen Nutzern», deren Videos grundsätzlich als Mobbing-Risiko betrachtet und in der Reichweite gedeckelt wurden. Der eigentliche Inhalt der Videos habe dabei keine Rolle gespielt.

Als Beispiele für die betroffenen Nutzer nennen die zitierten Richtlinien «entstelltes Gesicht», «Autismus» und «Downsyndrom». Die Moderatoren sollten selbst im Bewertungsprozess darüber urteilen, ob jemand diese Merkmale aufweist und das Video entsprechend markieren. Dazu haben sie im Schnitt etwa eine halbe Minute Zeit

Unklar bleibt, wie lange die diskriminierende Moderationsregeln gültig waren. TikTok erklärte, die Vorschriften hätten nur in einer «frühen Phase» gegolten. Netzpolitik.org dagegen beruft sich auf eine anonyme Quelle, die gesagt habe, dass die Regeln noch im vergangenen September gegolten hatten.

TikTok gehört zum chinesischen Technologieunternehmen Bytedance. Immer wieder wurden Bedenken laut, dass politische Inhalte gefiltert werden. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien. Die Firma wies den Vorwurf einer Zensur indes zurück. (oli/sda/dpa)

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • imposselbee 06.12.2019 07:41
    Highlight Highlight Die meisten Memes, zumindest aus den Anfangszeiten, basieren ja auf ‚benachteiligten‘ Menschen. Der Mensch liebt es (leider) sich an Schwächeren zu messen.
    Benutzer Bildabspielen
  • Bruuslii 05.12.2019 13:54
    Highlight Highlight also doch chinesische zensurpolitik. "schutz vor mobbing" ist hier nur die billige ausrede. da muss man gar nicht weiter darauf eingehen.

    und wie siehts mit der chinesischen datensammlung aus?

    und nein, facebook & co sind nicht besser. also bitte kein whataboutism.
  • Wendy Testaburger 05.12.2019 12:16
    Highlight Highlight Mobber sperren wäre der bessere Ansatz.
  • Neruda 05.12.2019 11:50
    Highlight Highlight Ist doch immer dasselbe. Anstatt zu integrieren schliesst man aus, weil es einfacher ist. Mobbing verhindert man nicht, indem man die Leute zwingt immer keine Angriffsfläche zu bieten, sondern indem man sich die Mobber vorknüpft und denen mal aufzeigt, was sie anrichten.
  • Frida Kahlo 05.12.2019 11:41
    Highlight Highlight Aha, anstatt die Mobber zu bestrafen, bestraft man die Opfer? klingt extrem logisch.
    • TanookiStormtrooper 05.12.2019 16:08
      Highlight Highlight Vermutlich einfach aus wirtschaftlicher Sicht die günstigere Lösung gewesen. 🤷‍♂️
      Andersrum wäre ein besserer Ansatz, vermutlich dann aber mehr Arbeit und damit mehr kosten.
      Klassischer Fall von gut gemeint aber scheisse ausgeführt.

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