Zwei Jahre lang hat die Woolshed Company, eine Filmproduktions-Firma aus Melbourne das Internet, Newsportale und TV-Nachrichtensender auf der ganzen Welt absichtlich zum Narren gehalten. Unter dem Deckmantel eines Sozial-Experiments hatte man acht Fake-Videos produziert, welche viral gehen sollten.
Und das taten sie: Über 205 Millionen Mal wurden sie in über 180 Ländern angeklickt, 1,6 Millionen «Likes» erhielten sie auf Facebook. Einige waren offensichtlich gefälscht, andere konnten trotz vieler Diskussionen in TV und Internet nicht entlarvt werden.
Die Aktion wirft kein gutes Licht auf die Medien, die die Inhalte übernommen haben, ohne sie zu hinterfragen. Doch selbst wenn Journalisten Zweifel äusserten, befeuerten sie noch die Viralität: Wie The Woolshed Company auf seiner Website erklärte, habe die Debatte um Authentizität der Weiterverbreitung der Videos geholfen.
«Wir wollten besser verstehen, wie man kurze, ‹snackable› Inhalte erstellen kann, die in der Lage sind, ein weltweites Massenpublikum zu erreichen, ohne aber teure Werbekampagnen, Werbestrategien oder Vertriebsvereinbarungen», begründet das Unternehmen ihr Viral-Experiment. «Snackables» sind Inhalte, die sich schnell, einfach und flexibel konsumieren sowie teilen lassen.
Nicht zuletzt macht The Woolshed Company mit dem Experiment Werbung für sich selbst, denn die Australier verdienen mit Filmproduktionen ihr Geld. Aber vielleicht spricht hier auch nur die Scham aus uns, denn auch watson ist auf die Masche hereingefallen.
Der Clip wurde laut der Woolshed Company seit der Veröffentlichung im Februar 2016 satte 58 Millionen Mal angeschaut. Der Dreh nahm nur zwei Tage in Anspruch, doch nach der Fertigstellung fanden die Macher, es fehle etwas.
Dann erst hatten sie die Idee, den filmenden Surfer die Szene kommentieren zu lassen. «Zweifelsohne hat Humor den Erfolg angekurbelt», sagte Woolshed-Chef Dave Christison gegenüber ABC.
Im April 2016 ging das Video online und hat laut Woolshed Company 34 Millionen Views. Natürlich wurde der laufende Bär in das Video-Material der Abfahrt hineinkopiert. Den Erfolg des Filmchens hat auch ein Schuss Populärkultur angeheizt: «Wir haben ausser dem Brummen auch das Trällern dieses Rihanna-Songs hinzugefügt, weil er zu der Zeit ganz oben in den Charts war», erklärte Christison.
Der Clip wurde im Juli 2014 ins Netz gestellt und 21 Millionen Mal angesehen. Er war der erste in der Reihe der acht Fake-Videos und der Inhalt des Videos kommt nicht von ungefähr: Die Australier hatten bemerkt, dass Clips von Tier-Attacken auf YouTube gut laufen. Und Hai-Angriffe sind dort besonders beliebt, fanden sie heraus.
Nach der Veröffentlichung im Juli 2015 sahen sich 21 Millionen den Kampf der Touristen an. Christison und seine Kollegen steigerten die Authentizität, indem sie den Beteiligten nicht verrieten, dass es einen Kampf geben würde. «Ein Typ versuchte zu intervenieren und zu helfen, und er tat das von sich aus, weil er dachte, das etwas schief geht», so Christison.
Hier heisst es: schuldig! watson berichtete über den Fake – wenigstens ist es die einzige Fälschung, auf die auch wir hereingefallen sind.
Und was lernen wir daraus? Kritisch hinterfragen ist erste Pflicht des Medienkonsumenten! Denn auch wenn es abwegig erscheint: Journalisten sind auch nur Menschen, und Menschen machen Fehler.
Zum Schluss aber noch eine Frage an dich: In der obigen Umfrage ist scherzhaft die Antwort «Lügenpresse» wählbar. Aber nun mal ernsthaft: Was denkst du nach dem Artikel über den Wahrheitsgehalt in unserer heutigen Medienlandschaft?
(Produktion watson: phi)