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local.ch und search.ch verkaufen sich sehr offensiv – doch jetzt gingen sie zu weit

Auf Bewertungsportalen gerät Localsearch immer wieder in die Kritik. Die jüngste Werbeoffensive ruft nun die Justiz auf den Plan.

Pascal Ritter / ch media



Die Online-Suchdienste von Local.ch und Search.ch sind beliebt bei Menschen, die nach einem Coiffeur oder einem Schreiner suchen. Die beiden Portale haben ihren Offline-Vorgänger, die Gelben Seiten, weitgehend ersetzt. Auch wenn sie mit Google einen übermächtigen Konkurrenten haben.

Bei den Gewerbetreibenden, welche über Local oder Search gefunden werden können, sind die Plattformen, die beide zur Swisscom gehören, umstritten. Denn je nach Platzierung kostet ein Eintrag bei Local oder Search eine schöne Stange Geld, ohne dass sichergestellt ist, dass auch tatsächlich Kunden klicken oder kaufen.

Mit Gipfeli und Bundeswappen wirbt Localsearch um Kunden.

Mit Gipfeli und Bundeswappen wirbt Localsearch um Kunden. screenshot: Pascal Ritter

Schlecht kommen vor allem die Klinkenputzermethoden von Localsearch (so der Name der gemeinsamen Betreiberfirma) an. Vertreter suchen Gewerbler auf und versuchen sie zu überzeugen, für einen Eintrag in den Verzeichnissen zu bezahlen. Dabei entstehen nicht selten Verträge mit einer Mindestlaufzeit von drei Jahren.

Auf Bewertungsportalen gerät Localsearch immer wieder in die Kritik. Da beschwert sich etwa eine Kita-Betreiberin aus dem Kanton Aargau darüber, dass die Kosten wegen «falsch abgeschlossenen Vertrags» höher sind als erwartet. Oder eine Velohändler stört sich daran, dass er im Dunkeln darüber gelassen wird, wie viele Personen über Local.ch seinen Laden finden.

Zusammenfassen lässt sich die Kritik so: Vertreter schüren zu grosse Erwartungen oder bauen eine Drohkulisse auf nach dem Motto: «Wenn ihr Betrieb nicht bei uns verzeichnet ist, kann er auch über die Suchmaschine Google kaum gefunden werden.»

Localsearch antwortet jeweils fix auf solche Vorwürfe und versichert, dass es sich um Missverständnisse und Einzelfälle handle. Gemessen an der grossen Kundenzahl, sei die Kritik zudem selten.

Erfundene Kundenempfehlungen

Es entsteht der Eindruck, dass manche Localsearch-Vertreter sehr offensiv verkaufen. Das mag für Gewerbler, die vorschnell oder mit zu grossen Erwartungen einen Dreijahresvertrag unterschreiben unglücklich sein, unlauter oder gar gesetzeswidrig ist das nicht.

In ihrer jüngsten Werbeoffensive ist Localsearch nun aber einen Schritt zu weit gegangen. In den letzten Tagen erhielten Tausende aktuelle und ehemalige Localsearch-Kunden ein E-Mail mit einem Link. Wer ihn anklickte, gelangte auf eine personalisierte Website. «Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Geschäftserfolg im digitalen Zeitalter sicherstellen», begrüsst der zuständige Regionalleiter die Firmen mit Namen.

Wer an einer Umfrage teilnimmt, kann eine Woche lang Gratis-Gipfeli gewinnen. Bilder zeigen eine glückliche Floristin und einen Maurer. Beide wurden angeblich dank Localsearch von Kunden im Internet gefunden. Auf einen zweiten Blick entpuppten sich die Bilder aber als Symbolbilder aus dem Netz.

«Es ist schade, dass es trotz Sensibilisierungskampagnen zu solchen Verstössen kommt»

David Stärkle, Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum

Das Bild der Floristin wird etwa als «Porträt von schönem kaukasischem Mädchen als Selbstständige im Blumenladen» auf einer Stock-Image-Seite angepriesen. Dieser Trick ist zwar peinlich, aber nicht weiter tragisch.

Bild

Diese Floristin ist keine Floristin. Screenshot: pascal ritter

Auf der Facebook-Seite von Localsearch finden sich auch echte zufriedene Kunden. Ein anderer Werbe-Gag dürfte für Localsearch aber zum Problem werden. Denn auf der Werbe-Seite prangte das offizielle Wappen der Eidgenossenschaft und der Slogan «Schweizer Partner für KMU».

Gefängnis oder Geldstrafe

Laut Wappengesetz darf nur der Bund das Schweizer Kreuz auf schildförmigem Hintergrund verwenden. Wer es vorsätzlich und unrechtmässig und zu gewerblichen Zwecken auf Internetseiten anbringt, muss mit einer Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen.

Gemäss dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum handelt es sich beim von Localsearch gezeigten Wappen um ein der Eidgenossenschaft vorbehaltenes Bundeswappen. Eine Ausnahmebewilligung liegt nicht vor. «Es ist schade, dass es trotz Sensibilisierungskampagnen zu solchen Verstössen kommt», sagt David Stärkle vom Rechtsdienst.

Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, dürfte Localsearch bald Post von der Staatsanwaltschaft erhalten. Auf die Werbekampagne angesprochenen, liess Localsearch das Schweizer Wappen durch ein normales Schweizer Kreuz ersetzen. Es handle sich um einen Fehler. Localsearch versprach zudem, die fingierten Kundenempfehlungen durch echte zu ersetzen. (bzbasel.ch)

Ach, Anzeigen …

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elco 10.04.2019 05:13
    Highlight Highlight Die Typen rufen 4 mal an pro Jahr und wollen einen Termin vereinbaren. Danke, kein Interesse, tschüss! und Klick.
  • Der Kritiker 09.04.2019 21:14
    Highlight Highlight wir hatten auch so ein E-mail im Posteingang... "wenn Sie innerhalb der nächsten 2 Wochen dem Vorschlag nicht widersprechen, gehen wir davon aus, dass Sie mit unserm Angebot einverstanden sind..." in etwa so hörte sich das an. Meine Herren, das ist starker Tubakk.
  • Normi 08.04.2019 17:38
    Highlight Highlight Fragt mal einen Werbeverkäufer ob sie eine Statistik haben wie viele Personen mit Werbeblocker und wie viele ohne Werbeblocker die Seite besuchen...
    Ist immerwieder lustig zu sehen wie diese aufdringlichen Verkäufer ins schwitzen kommen 😂😂
  • dave1771 08.04.2019 16:46
    Highlight Highlight Boykottieren, wie der Rest der Swisscom auch. Swisscom soll sich komplett privatisieren. Mit ihrer Arroganz gehen die kaputt in der freien Marktwirtschaft
  • inmi 08.04.2019 14:50
    Highlight Highlight Die beiden gehören wie im Text beschrieben der Swisscom. Und wem gehört die Swisscom? Dem Staat. Die KMUs werden also von staatlicher Seite belästigt. Übel.
  • trudat 08.04.2019 13:44
    Highlight Highlight Andere Branche, selbes Prinzip. Läuft in etwa so wie mit den Versicherungsmaklern bzw. all den super guten Allfinanzdienstleistern, die auf eine „unabhängige“ Beratung schwören.
    700.- für eine einfache Homepage, die man selbst gratis im Netz in vielleicht einer Stunde gestalten kann - Ein Witz.
    • Globidobi 10.04.2019 08:49
      Highlight Highlight Was ist ein Witz? 700.- für eine Website zu bezahlen? Wenn du die Zeit hast eine Website zu erstellen, dann mach sie selber. Wenn du jedoch als Einmannbetrieb 100% in der Woche ausgelastet bist, nimmst du alle Angebote an. Und eine Website für 700.- ist günstig, ich denke an all die Extrawünsche, welche die Kunden haben und der damit verbundene Meraufwand.
  • TheBean 08.04.2019 12:49
    Highlight Highlight Spannend wäre auch mal ein Artikel über Yelp. Die Vertreter von Yelp kontaktieren die Gewerbler und bieten ihnen an, kostenpflichtig Werbung auf Yelp zu schalten, um besser gefunden zu werden.

    Lehnt ein Gewerbler ab, verschwinden plötzlich alle positiven Bewertungen des Unternehmens. Sobald ein Werbevertrag abgeschlossen wurde, tauchen die Bewertungen wieder auf.
  • Onkel Jenny 08.04.2019 12:39
    Highlight Highlight Da sind sie aber jetzt wirklich zu weit gegangen! Ich bin empört!

    Ach warte, geht ja gar nicht. Bin ja ein „Nonpörer“ laut Testergebnis.
  • Der Teufel auf der Bettkante 08.04.2019 12:36
    Highlight Highlight Staatsbetriebe oder staatsnahe Betriebe scheren sich immer mehr einen Deut um die Rechtssprechung. Bedenklich, denn gerade von solchen Betrieben müsste eine erhöhte Sensibilität erwartet werden können, zumindest aber die Einhaltung der Gesetze. Pustekuchen.
  • Finöggeli 08.04.2019 12:24
    Highlight Highlight Localsearch ist das hinterletzte. Sie Kosten steigen obwohl der Nutzen sinkt. Leider sind öffentliches Unternehmen (Spitäler, Gemeindeämter, etc) gezwungen denen jedes Jahr eine stange Geld zu bezahlen, weil sonst Grösis motzen dass sie Sachen nicht mehr finden
  • Yogi Bär 08.04.2019 12:11
    Highlight Highlight Weil in meinem Firmenname "Business" eingeschlossen war musste ich für den Eintrag speziell zahlen. Da sie sonst meine Firma nicht eintragen würden! Zudem sind Verkaufs sowie Inkaso Methoden schon rustikal!
    • Blue64 08.04.2019 13:07
      Highlight Highlight Hoffentlich machst du in deiner Geschäftskorrespondenz nicht so Fehler wie in deinem Posting!
    • Yogi Bär 08.04.2019 14:12
      Highlight Highlight Blue64 Mobilphone und dicke Finger... Inkasso
    • Yogi Bär 08.04.2019 14:15
      Highlight Highlight Blue64 wenn Sie es nötig haben die Orthografie anderer zu korrigieren ist es mit dem Rest ihrerseits nicht weit her!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alex2000 08.04.2019 11:57
    Highlight Highlight Unser Betrieb bekam immer wieder Post von localsearch, man müsse die Rechnung nun begleichen für einen Service den wie nie bestellt hatten zudem wurde von Vertretern immer wieder aggressiv direkt in den Betrieb telefoniert.
    2 eingeschriebe Briefe und die Drohung für den entstanden Aufwand auf unserer Seite zu betreiben, half beim einlenken. Google reicht... Localsearch ist reinste Abzocke...
    • Al Paka 08.04.2019 12:35
      Highlight Highlight Localsearch braucht man aber dringend, wenn man ein ernsthaftes Geschäft sein will.
      (Dies sagte jedenfalls der Vertreter von ihnen😉)
      Am besten noch eine Homepage, die von ihnen betrieben und aktualisiert wird. Für nur 700 Fr.
      (Das man min. drei Jahre dabei sein muss und jedes Jahr noch 800 Fr Zusatzkosten hat, sagte er nicht)
      Zum Glück war ich nicht so doof und sagte ja.
      Als ich eine Auflistung mit allen Kosten wollte, sagte er nur: "Das machen sie nur, wenn ich jetzt Unterschreibe"...
      Ich so: "Okey, demfall kein Interesse"
      Er stand auf und ging ohne Verabschiedung. Jetzt haben wir Ruhe.🙂

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