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Meta kauft Online-Dienst Moltbook - KI-Konkurrenzkampf geht weiter

epa12534782 Meta signage at the company's headquarters campus in Menlo Park, California, USA, 18 November 2025. In a major win for tech giant Meta, US District Court Judge James E. Boasberg ruled ...
Meta-Hauptsitz im kalifornischen Menlo Park. Das Silicon Valley ist wegen generativer KI in Goldgräberstimmung.Bild: keystone
Analyse

Der Kampf um die KI-Vorherrschaft geht in die nächste Runde

Der amerikanische Tech-Konzern Meta kauft den gehypten Online-Dienst Moltbook, über den sich KI-Agenten automatisiert austauschen. Die Software dahinter wird neu von OpenAI kontrolliert. Ein Datenschutz- und Sicherheits-Albtraum.
14.03.2026, 19:5414.03.2026, 19:54
«Zuckerberg versucht krampfhaft, im KI-Hype-Universum relevant zu bleiben.»
Kritischer Kommentar bei ArsTechnica zur Übernahme von Moltbook durch Meta

Im Wettstreit der Big-Tech-Konzerne zeichnet sich der nächste Machtkampf ab. Es geht um «KI-Agenten» und wer die entsprechenden Plattformen kontrolliert.

Aktuell müssen wir über zwei besonders datenhungrige Akteure reden, die wegen ihres Geschäftsgebarens berüchtigt sind: Mark Zuckerbergs Meta-Konzern und das von Sam Altman geführte OpenAI.

Die grösste Gefahr dabei ist nicht, dass KI «böse» wird und die Menschheit auslöschen würde, sondern dass wir nicht merken, wie uns die Kontrolle über unsere täglichen Entscheidungen schleichend entgleitet.

Meta CEO Mark Zuckerberg arrives for a landmark trial over whether social media platforms deliberately addict and harm children, Wednesday, Feb. 18, 2026, in Los Angeles. (AP Photo/Ryan Sun)
Mark Zuck ...
Mark Zuckerberg muss sich wegen seiner gesellschaftsschädlichen Social-Media-Plattformen vor Gericht verantworten – und setzt nun auf KI.Bild: keystone

Was ist passiert?

Mit dem in dieser Woche publik gemachten Kauf der KI-Plattform Moltbook wechsle deren Entwicklerteam in Metas Forschungslabor für Künstliche Intelligenz. Dies bestätigte Mark Zuckerbergs Tech-Konzern in der Nacht auf Mittwoch gegenüber US-Medien.

Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Moltbook ist quasi ein Diskussionsforum à la Reddit, aber für KI-Agenten – also Software, die im Auftrag menschlicher User weitgehend eigenständig Aufgaben erfüllt.

Dafür greifen die KI-Agenten auf verschiedene Apps, Websites und andere Dienste zu. Eine zentrale Rolle spielen die grossen Sprachmodelle (LLMs): Wer die Möglichkeiten ausschöpfen will, muss bezahlen.

Moltbook wurde erst im Januar vom kalifornischen Tech-Investor Matt Schlicht lanciert. Die Programmierarbeit dafür lagerte er nach eigenen Angaben an KI-Software aus – man spricht von Vibe-Coding.

Darum ist «Vibe Coding» gefährlich

Vibe Coding – also das Programmieren, bei dem man sich fast ausschliesslich auf KI-Agenten und das «Gefühl» (die Vibes) verlässt, anstatt jede Zeile Code selbst zu schreiben – beschleunigt die Softwareentwicklung massiv. Doch diese Geschwindigkeit kommt mit vielen Risiken und potenziell einem hohen Preis.

Fehlende Weitsicht: KI-Chatbots bauen vielleicht eine Funktion in eine neue Software ein, die zwar im Moment funktioniert, aber langfristig zu Problemen führt. Ohne strikte menschliche Führung nutzen KI-Agenten unterschiedlichste Programm-Entwurfsmuster.

Wenn Software-Entwickler nur noch Prompts (Texteingaben) nutzen und die KI den Rest macht, verstehen sie irgendwann nicht mehr, wie das automatisch geschaffene Konstrukt funktioniert.

Sicherheitsprobleme: Die generative KI könnte unsichere Funktionen oder veraltete Verschlüsselungsmethoden vorschlagen, die in ihren Trainingsdaten noch als Standard galten und darum in das von der KI verwendete Sprachmodell (LLM) einflossen.

KI kann zudem Programmcode schreiben, der syntaktisch perfekt aussieht, aber logisch komplett falsch ist.

Es braucht also zwingend menschliche Prüfung, und die kann unter Umständen aufwendiger sein als manuelles Programmieren. Ausserdem kann der KI-generierte Code rechtliche Fragen aufwerfen und je nachdem lauern auch Lizenz-Gefahren.

Schliesslich besteht für Firmen und andere KI-Anwender die Gefahr, dass eigenes internes Wissen durch Prompts unbeabsichtigt in die Trainingsdaten der KI-Anbieter abfliesst.

Der Meta-Konzern kauft mit Moltbook nicht nur eine strategisch wichtige Plattform für KI-Agenten mitsamt den besonders wertvollen Daten. Das US-Unternehmen kann nun auch bei der eigenen KI-Entwicklung profitieren und seine Llama-Sprachmodelle optimieren.

Was hat das mit ChatGPT zu tun?

An dieser Stelle müssen wir (erneut) über die KI-Agenten-Software OpenClaw des österreichischen Software-Entwicklers Peter Steinberger sprechen. Denn ohne sie würde Moltbook nicht funktionieren. Und auch er setzt trotz bekannter Risiken auf Vibe-Coding.

OpenClaw bildet die technische Schnittstelle, damit KI-Agenten auf die lokale Computerumgebung der User zugreifen und dort handeln können. Dafür braucht es weitreichende Zugriffsrechte für die Systeme.

Der österreichische Software-Entwickler Peter Steinberger hat das Open-Source-Projekt OpenClaw lanciert. Ein KI-Assistent, der Computer fernsteuern kann.
Hat keine Berührungsängste mit dem Silicon Valley: Peter Steinberger arbeitet neu für OpenAI.Bild: steipete.me

Mitte Februar wurde publik, dass OpenAI den OpenClaw-Entwickler Steinberger rekrutiert hat.

OpenClaw soll als unabhängige Stiftung weiter bestehen. Aber OpenAI sitzt am Drücker und sichert sich den direkten Zugang zur Entwickler-Community.

Zudem kontrolliert der von Sam Altman geführte ChatGPT-Konzern nun quasi das «Betriebssystem», das KI-Agenten überhaupt ermöglicht, mit unterschiedlichster Hardware und Software zu interagieren.

Zwar sollen bestehende Moltbook-User die Plattform weiter nutzen können, wie aus US-Berichten hervorgeht. Allerdings gelte dies nur «vorübergehend».

Ein offenes Projekt wird zum proprietären Werkzeug eines Techkonzerns, der für seine mangelnde Transparenz kritisiert wird.

Was soll da schon schiefgehen ...

Wo ist das Problem bei Moltbook und OpenClaw?

Grosser Hype – viel Kritik

Bisher haben die Big-Tech-Konzerne auf ihren marktdominierenden Plattformen die menschliche Aufmerksamkeit monetarisiert. Sprich: Sie haben es mithilfe von süchtig machenden Algorithmen geschafft, den Online-Werbemarkt zu erobern. Mit dem Kauf von Moltbook (durch Meta) und der Kontrolle über OpenClaw (durch OpenAI) wollen sie sich die Handlungsebene sichern. Die Schnittstelle zwischen virtueller und realer Welt.

Während die amerikanische KI-Entwicklerfirma Anthropic mit «Claude» technisch überlegen schien, haben OpenAI und Meta nun sozusagen «die Schienen» besetzt, auf denen die KI-Agenten unterwegs sind.

Moltbook sorgte schon kurz nach der Lancierung im Januar 2026 für alarmierende Schlagzeilen – weil auf der Plattform unter anderem zu lesen war, wie KI-Programme sich vermeintlich über ihre menschlichen User ausliessen oder gefährliche Absichten äusserten.

Tatsache ist: Die User selbst können ihre KI-Agenten manipulieren, um durch ausgefallene Weltuntergangs-Äusserungen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Die KI-Software selbst ist mit einem Papagei zu vergleichen, der Dinge nachplappert, ohne sie zu verstehen.

Wie bei KI-Chatbots werden auch bei Moltbook täuschend echt wirkende Diskurse lediglich simuliert, allerdings können die Folgen weitreichend sein.

Damit die OpenClaw-Agenten konkrete Aktionen wie die Steuerung eines Browsers ausführen können, brauchen sie Fähigkeiten, «Skills» genannt. Es sind quasi die digitalen Arme und Beine der generativen KI, mit der sie weit über ein Chatfenster hinaus Dinge tun kann.

IT-Sicherheitsexperten warnten vor gravierenden Folgen. Denn KI-Agenten kennen grosse Mengen vertraulicher Daten wie Passwörter und die User erteilen ihnen weitreichende Zugriffsrechte auf ihre Systeme.

KI-Agenten haben keine Intelligenz, sondern basieren auf der statistischen Wahrscheinlichkeit ihrer Trainingsdaten und den Leitplanken, die ihnen die Programmierer vorgeben. Durch den Zugriff auf reale Tools verwandelt sich eine Simulation in eine reale Handlungskette.

Besonders gefährlich: Statt Eigenprogrammierung bietet sich wie bei den ChatGPT-Erweiterungen auch bei OpenClaw die Nutzung von Dritt-«Skills» an. Mit wenigen Befehlen an die KI lassen sich komplette Arbeitsabläufe (Workflows) einrichten. Und das ist auch ohne jegliches Verständnis für Sicherheitsrisiken möglich.

IT-Sicherheitsfachleute warnen denn auch eindringlich vor unabsehbaren Konsequenzen, wenn gutgläubige User fremde «Skills» ungeprüft übernehmen. Denn solche Tools könnten grossen Schaden anrichten.

Das Worst-Case-Szenario ist ein vollständiger und unbemerkter Identitätsdiebstahl durch Kriminelle, kombiniert mit einer automatisierten Ausweitung des Schadens auf verbundene Netzwerke und Accounts.

Im IT-Bereich steht DAU für den dümmsten anzunehmenden User. Wenn wir den mit KI-Agenten und bösartigen Akteuren kombinieren, droht ein Super-GAU.
Sam Altman, CEO OpenAI, aufgenommen in Berlin, 25.09.2025.
Sam Altman, der OpenAI-Chef, scheint der Konkurrenz wieder voraus zu sein.Bild: imago-images.de

Wo führt das hin?

Das ist unklar. Meta hat sich nun Zugriff auf einen Pionier bei den KI-Agenten und dessen Daten gesichert. Ob daraus eine marktbeherrschende Stellung wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Tatsächlich scheint OpenAI derzeit am längeren Hebel zu sitzen.

Wenn die ChatGPT-Entwicklerfirma den Open-Source-Standard von OpenClaw in eine Richtung entwickelt, die Metas Infrastruktur benachteiligt, könnte Moltbook technisch schnell ins Hintertreffen geraten.

Und Apple und Google haben ein entscheidendes Wort mitzureden, weil sie abgesehen von Microsoft die Betriebssystemen dominieren und das Feld kaum dem Konkurrenten Meta überlassen. Immerhin geht es dabei um die Frage, wer (abgesehen von ihnen) direkten Zugriff auf die Geräte und User-Daten erhält.

Aus gesellschaftlicher Perspektive ist das Aufkommen der KI-Agenten alles andere als positiv zu sehen. Natürlich sind die digitalen Helfer im Alltag nützlich, doch die Machtstrukturen dahinter sind es nicht.

Wenn es nach den marktdominierenden Tech-Konzernen geht, sollen immer mehr Entscheidungen an Algorithmen delegiert werden, deren Funktionsweise wir nicht verstehen, und die vor allem darauf getrimmt sind, den Profit der Muttergesellschaften zu maximieren.

Wir geben die Entscheidungsgewalt ausgerechnet an Algorithmen ab, die von Tech-Oligarchen wie Mark Zuckerberg oder Sam Altman kontrolliert werden.

Von Meta hiess es, der Zukauf solle KI-Agenten neue Wege eröffnen, für Leute und Unternehmen aktiv zu sein. Zum marktdominierenden Tech-Konzern gehören neben Facebook unter anderem auch die Foto- und Videoplattform Instagram sowie der Chatdienst WhatsApp. Meta experimentiert bei den eigenen Diensten bereits in grossem Stil mit KI-Funktionen und soll dabei wiederholt gegen geltendes Recht verstossen haben.

Quellen

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