Die geheime Tech-Milliardärs-Party, von der niemand spricht
Wann immer sich die Schönen, Reichen und Mächtigen hinter verschlossenen Türen verbarrikadieren, brodelt es in der Verschwörungsküche der Ausgeschlossenen. Je geheimnisvoller und verschwiegener sich die Elite gibt, desto heisser wird das Süppchen gekocht.
Letzte Woche fand ein solches Treffen statt – in Montecito, dem Nobelvorort im Norden von Los Angeles, der amerikanischen Riviera. Dort, wo Harry und Meghans bescheidene Hütte steht. Dort, wo auch George Lucas, Ariana Grande, Katy Perry und Gwyneth Paltrow leben.
Die Nacht in einem Beach Room des Rosewood Miramar Hotels in Montecito kostet 5670 Dollar. Doch auch mit dem nötigen Kleingeld waren vom 5. bis 7. Mai keine Zimmer frei. An diesen drei Tagen war das Miramar für ausgewählte Gäste reserviert. Beispielsweise für Nvidias CEO Jensen Huang, für Joe Tsai (Co-Gründer der Alibaba Group und Besitzer der Brooklyn Nets), Bob Iger (ehemaliger CEO Walt Disney), für Neal Mohan (CEO YouTube) und Ben Lamm (CEO von Colossal Biosciences, das Jurassic-Park-mässig ausgestorbene Tiere retten will).
Aber auch die düstereren Gesellen der Zunft wie Waffenbauer Palmer Luckey (Gründer von Anduril und Schwager von Matt Gaetz), Alex Karp (CEO von Palantir), Mathias Döpfner (Verwaltungsratspräsident von Axel Springer) und Gianni Infantino (FIFA-Präsident) durften laut einem geleakten Foto des Programms im Miramar absteigen.
Der Club der Superreichen und -mächtigen wurde aufgemischt durch den Club der Superbekannten. Dieser wurde angeführt von Julia Roberts, Justin Bieber, Trevor Noah, Chris Rock, James Cameron, Oprah Winfrey, Jeff Koons und Lionel Richie. Beide Listen können unabhängig nicht verifiziert werden und wurden von Puck News auf X publik gemacht. Gemunkelt wird, dass auch Kendrick Lamar anwesend war.
Und was taten die illustren Personen drei Tage lang, während der Rest der US-Bevölkerung im Würgegriff der steigenden Lebenskosten strampelte?
Alex Karp und Mathias Döpfner (dessen Sohn mithilfe von Peter Thiel einen Risikokapitalfonds aufbaut) durften über «Daten, Drohnen und Demokratie» philosophieren. Ein mit Sicherheit aufbauendes Gespräch, denn immerhin zwei der drei Dinge mögen sie ja.
Trevor Noah und Julia Roberts sprachen über «Den Preis einer Ikone» «Das Herz einer Ikone» und Leena Nair (CEO von Chanel) und Oprah Winfrey über die «Freiheit, sich zu entfalten, wenn man das Geld dazu hat». Danach schenkten sich Justin Bieber und Jensen Huang (was für eine Kombo!) im Panel «Keine Frage wird nicht beantwortet» nichts.
Nach einem leichten Bio-Dinner (von Nancy Silverton) am Cabana Pool begab sich die Meute zur Manor Bar. Dort gab Justin Bieber ein 30-minütiges Konzert. Der Abschluss des ersten Tages krönte ein fröhlicher Lego-Bauwettbewerb, juriert von Comedian Chris Rock und KI-Waffenhersteller Palmer Luckey.
Zur Sause geladen hatte Jeffrey Katzenberg, ehemaliger Disney-Chef, späterer Disney-Ankläger und Mitgründer und CEO von Dreamworks. Er ist langjähriger Unterstützer der Demokratischen Partei, galt als früher Unterstützer von Barack Obama und nahm bei der Kampagne von Kamala Harris eine wichtige Funktion ein.
Nachdem Dreamworks 2016 von Comcast übernommen worden war, gründete Katzenberg die Investmentfirma WndrCo. Sie ist auf Technologie und neue Medien spezialisiert. Denselben Namen trägt nun auch die geheimnisvolle Konferenz/Party, die er seit wenigen Jahren veranstaltet: WNDR.
Angekündigt war WNDR 26 nicht. Teilnehmen durfte nur, wer eine persönliche Einladung erhielt. Einen Social Media-Auftritt oder einen Wikipedia-Eintrag der Veranstaltung gibt es nicht, dafür ein rigoroses Film- und Fotoverbot. Medien waren ebenfalls nicht eingeladen. Die wenigen Informationen sickerten aufgrund einer Indiskretion eines Hotelangestellten via Social-Media und Reddit in die Redaktionsstuben der Klatschportale.
Vor allem Trevor Noah wird nun dafür kritisiert, dem elitären Kreis gar blauäugig die Hand gereicht zu haben. Was das geleakte Programm aber auch zeigt: Die kochen auch nur mit Wasser. Vielleicht mit etwas teurerem Wasser – aber es ist nur Wasser.
