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Apéro-Häppchen der anderen Art. Bild: KEYSTONE

Parlamentarisches «Dschungelcamp»

Im Bundeshaus gabs heute Mehlwurm-Burger und Grillen-Pastete und zum Dessert Zitronencake mit Larven

Eine Degustation der ganz besonderen Art fand im Bundeshaus in Bern statt. Auf dem Menüplan standen Grillen, Mehlwürmer, Larven und Heuschrecken. Der Insektenschmaus schmeckte über die Parteigrenzen hinaus.



Einzigartiges Event am Montag in den Gängen des Bundeshauses: Nationalrätin Isabelle Chevalley (GLP/VD) lud zur Insektendegustation. Auf dem Menü: Mehlwurm-Burger, Grillen-Pastete, Zitronencake mit Larven und Schokolade-Güetzi mit Heuschrecken-Deko.

«Es gibt keinen Unterschied zu einem klassischen Hamburger», konstatierte Ständerat Robert Cramer (Grüne/GE) nach dem Verzehr des Mehlwurm-Burgers. Ausser, dass der Verkauf von Insekten als Nahrungsmittel in der Schweiz verboten ist.

Für die Degustation von essbaren Insekten benötigte Isabelle Chevalley denn auch eine Bewilligung - sehr zu ihrem Unmut: Angesichts der Tatsache, dass weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen Insekten auf ihrem Speiseplan haben, versteht sie das Schweizer Verbot nicht.

Isabelle Chevalley (GLP/VD) lud zum Insekten-Apéro im Bundeshaus. Bild: KEYSTONE

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Guter Nährwert und ökologisch sinnvoll

Robert Cramer sieht denn auch kein Problem: «Solange die Insekten gekocht sind, könnte das auch in der Schweiz funktionieren.» Er verteidigt das Engagement der Waadtländerin. Insekten hätten einen guten Nährwert und seien als Nahrungsmittel ökologisch sinnvoll.

Auch seine Parteikollegin Maya Graf (Grüne/BL) zeigte sich begeistert: «Es ist sehr gut, kein Unterschied zu einer Pastete», sagte sie nach der Degustation einer Grillen-Pastete mit Knoblauch und Champignons. Sie gab aber auch zu, nicht genau hingeschaut zu haben.

 Auch Martine Bäumle (GLP/ZH) biss zu. Bild: KEYSTONE

Parteiübergreifendes Event

Der Insektenschmaus blieb kein links-grünes Happening. Auch CVP-Präsident Christophe Darbellay oder SVP-Nationalrat Lukas Reimann wagten sich an die Platten. Reimann sieht denn auch keinen Grund, Chevalleys Kampf nicht zu unterstützen, wie er der Nachrichtenagentur sda sagte. 

Bleiben die Fragen zur öffentlichen Gesundheit: Cramer und Graf schätzen, dass es in der Schweiz noch an Erfahrung und Wissen fehlt. Ein Argument, das auch der Bundesrat in den Vordergrund rückte, als er in einer Antwort auf eine Interpellation von Chevalley am Verkaufsverbot festhielt.

Für die Abgabe von Insekten auf dem Verordnungsweg müsste belegt werden, dass Insekten die Gesundheit nicht gefährdeten, erklärte er kürzlich. Bis heute fehlten aber verlässliche Daten zu giftigen Substanzen, zu möglichen allergischen Reaktionen oder zur Übertragung von Krankheiten auf den Menschen.

«Wir brauchen keine weiteren Studien», widerspricht Chevalley und wirft der Verwaltung vor, zu sperren. Aufgeben kommt für Chevalley nicht in Frage. Sie hat bereits zwei weitere Vorstösse eingereicht.

Nationalrätin Isabelle Chevalley (GLP/VD) will uns Insekten schmackhaft machen. Bild: KEYSTONE

100 Mal weniger Treibhausgase als Schweine

Seit 2013 ermutigt die FAO, die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, die Aufzucht und den Verzehr essbarer Insekten. Belgien hat dafür grünes Licht gegeben und auch bei der EU stehen die Türen offen. Gemäss FAO gibt es bis heute keinen bekannten Fall einer Krankheitsübertragung durch den Verzehr von Insekten. 

Insekten gelten als wichtiger Proteinlieferant. Mit 10 Kilogramm Futter können gemäss FAO neun Kilogramm Insekten gezüchtet werden - im Gegensatz zu einem Kilogramm Rind. Ausserdem brauchen Insekten weniger Wasser als Tiere und sie produzieren 10 bis 100 Mal weniger Treibhausgase als beispielsweise Schweine. (whr/sda)

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